Ministerium

Die Hightech-Strategie 2020 für Deutschland vorantreiben

Schlüsseltechnologien
Zukunftsprojekte
Rahmenbedingungen
Aus Ideen schneller Innovationen machen
Gemeinsame Verantwortung für Forschung und Innovation
Beratung für Forschung und Innovation
Die europäische Innovationspoitik mitgestalten

 

Deutschlands Innovationskraft stärken - das ist das Ziel der Hightech-Strategie. In dieser nationalen Innovationsstrategie bündelt die Bundesregierung seit 2006 ihre Forschungs- und Innovationsaktivitäten über alle Politikfelder, Themen und Ressorts hinweg. In der Hightech-Strategie werden alle Prozessschritte - von der Grundlagenforschung über die Invention zur Innovation - im Zusammenhang gesehen. Damit soll Deutschlands Stellung als einer der attraktivsten und dynamischsten Forschungs- und Innovationsstandorte weltweit weiter ausgebaut werden. Der integrative Ansatz der Hightech-Strategie hat breite Unterstützung in Wissenschaft und Wirtschaft gefunden und ist auch international auf große Beachtung gestoßen.

In dieser Legislaturperiode wurde die Hightech-Strategie weiterentwickelt. Sie konzentriert sich auf globale Herausforderungen, die von besonderer Bedeutung für das Wohl der Menschheit und den Innovationsstandort Deutschland sind. In den Jahren 2010 bis 2013 wird der Bund insgesamt knapp 27 Mrd. Euro in die fünf Bedarfsfelder Klima/Energie, Gesundheit/ Ernährung, Kommunikation, Mobilität und Sicherheit sowie in die Förderung von Schlüsseltechnologien investieren[1].

Die Finanzierung von Maßnahmen der Hightech-Strategie erfolgt im Rahmen der jeweils geltenden Finanzplanung der Ressorts. Sie setzt sich zusammen aus Programmen und Maßnahmen der einzelnen Ressorts sowie aus Mitteln des Energie- und Klimafonds (EKF). Die dem EKF zufließenden Mittel sind abhängig von den Erlösen aus dem Zertifikathandel und damit nicht vorhersehbaren Schwankungen unterworfen. Auch hier erfolgt die Finanzierung im Rahmen der jeweils für den EKF geltenden Finanzplanung.

Die Hightech-Strategie orientiert sich zudem daran, innovationsförderliche Rahmenbedingungen zu gestalten, damit aus Ideen schneller Innovationen werden. So soll beispielsweise die Finanzierung von Innovationen - insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) - erleichtert und die Gründungsbedingungen für innovationsorientierte Unternehmen verbessert werden. In den Zukunftsprojekten der Hightech- Strategie wird dieser ganzheitliche Ansatz an konkreten Zielen ausgerichtet und in der Zusammenarbeit von unterschiedlichen Fachressorts unterstützt von Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft ausgestaltet (siehe Abbildung 1 (4)).


Abbildung 1 (4) Klicken Sie bitte auf die Grafik für eine größere Version.

Schlüsseltechnologien

Auch die Förderung wichtiger Schlüsseltechnologien wird darauf ausgerichtet, Fortschritte in den fünf Bedarfsfeldern zu erzielen. Denn Schlüsseltechnologien wie die Bio- und Nanotechnologie, Mikro- und Nanoelektronik, optische Technologien, Mikrosystem-, Werkstoff- und Produktionstechnik, Energietechnologien, effiziente Antriebstechniken, Luft- und Raumfahrttechnologie sowie Informations- und Kommunikationstechnologie sind Treiber für Innovationen und die Grundlage für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Sie tragen entscheidend dazu bei, die globalen Herausforderungen zu lösen. Ihr Nutzen hängt entscheidend davon ab, wie gut ihr Transfer in die wirtschaftliche Anwendung gelingt. Die Förderung der Schlüsseltechnologien wird daher verstärkt auf Anwendungsfelder fokussiert.

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Zukunftsprojekte

Es ist ein Kernanliegen der Hightech-Strategie 2020, die Forschungs- und Innovationspolitik auf zentrale Missionen auszurichten. Gesellschaftlich und wirtschaftlich relevante Innovationssprünge entstehen immer stärker an den Schnittstellen von Technologien und Disziplinen. Gemeinsames Handeln in Netzwerken aus öffentlicher Forschung und Unternehmen, die umfassende Lösungen erarbeiten, wird daher immer wichtiger. Zudem verlangen zentrale Herausforderungen koordinierte Systemansätze, die verschiedene Technologien einbinden, um komplexe Lösungen zu erarbeiten. Innovationspolitik muss auch deshalb über Forschung hinausgehen und Schritte der Realisierung und Umsetzung beinhalten.

Deshalb hat die Bundesregierung zehn missionsorientierte Zukunftsprojekte entwickelt. In diesen Zukunftsprojekten werden systemische Lösungen entwickelt, um drängende gesellschaftliche Herausforderungen mit globalem Charakter zu bewältigen und dabei gleichzeitig einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu leisten. Zukunftsprojekte vermitteln verständlich und prägnant Schwerpunkte der Innovationspolitik. Sie bieten zudem die Chance, neben einer abgestimmten Forschungsförderung auch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu gestalten. In ihrem Bericht "Zukunftsprojekte der Hightech-Strategie (HTS-Aktionsplan)" hat die Bundesregierung die geplante Umsetzung dieser zehn Zukunftsprojekte detailliert beschrieben.

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Rahmenbedingungen

In der Hightech-Strategie wird neben der thematisch fokussierten Förderung von Forschung und Entwicklung und der Umsetzung von Zukunftsprojekten der Blick auf übergreifende Rahmenbedingungen und Querschnittsthemen gerichtet. Sie werden konsequent auf Innovationsfreundlichkeit hin überprüft und angepasst.

Für positive Gründungsbedingungen muss insbesondere die Finanzierungssituation von Gründern und jungen innovativen Unternehmen durch die Stärkung des Wagnis- und Beteiligungskapitalmarktes weiter verbessert werden. Die im Rahmen des Innovationsdialogs im Februar 2012 angekündigte Investitionszulage zur Wagniskapitalfinanzierung junger innovativer Unternehmen ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Geschäftsmodell-Innovationen sind für die technologische wie dienstleistungsbasierte Zukunft des Standortes Deutschland aus wirtschaftlicher sowie wissenschaftlicher Sicht wichtig. Denn sie können den Charakter ganzer Industrien verändern und somit eine vergleichbare Qualität wie wissenschaftlich-technologische Innovationen aufweisen. Daher schenkt die Bundesregierung diesem Thema besondere Aufmerksamkeit.

Entsprechend den Festlegungen im Koalitionsvertrag wird die Bundesregierung die Entscheidung über die Einführung einer steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung unter Berücksichtigung des gebotenen Konsolidierungskurses und der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung treffen. Mit Blick auf die Anforderungen des Artikels 115 Grundgesetz sowie die europäischen Vorgaben zur Haushaltsdisziplin besteht gegenwärtig nur ein begrenzter Spielraum für strukturell wirkende Steuermindereinnahmen.

Normen und Standards sorgen für Transparenz und Vergleichbarkeit, für hohe Qualität sowie Sicherheit und Nachhaltigkeit bei Produkten und Dienstleistungen. Sie öffnen Märkte und schaffen gleiche Zugangsbedingungen, insbesondere auch für klein- und mittelständische Unternehmen. Normung und Standardisierung werden in Deutschland zunehmend integraler Bestandteil des Forschungs- und Innovationsprozesses, denn frühzeitig eingeleitet fördern sie den Transfer von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen und den schnellen Marktzugang von Innovationen. Eine aktive Beteiligung an Normungs- und Standardisierungsaktivitäten verschafft der deutschen Wirtschaft zudem globale Wettbewerbsvorteile. Wir werden deshalb auch in Umsetzung des normungspolitischen Konzepts der Bundesregierung die Potenziale von Normung und Standardisierung durch gezielte Integration in die Forschungsförderung verstärkt nutzen.

Bei der öffentlichen Vergabe wird die Bundesregierung verstärkt Innovationsaspekte berücksichtigen. Innovative Lösungen können einerseits die Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung und andererseits die Nachfrage nach neuen Produkten, Dienstleistungen und technischen Lösungen und damit die Innovationstätigkeit der Wirtschaft wirkungsvoll unterstützen.

Vielfach ist der Einkauf einer innovativen Lösung mit Nachhaltigkeits- und Energieeinspareffekten verbunden.

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Aus Ideen schneller Innovationen machen

Der Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gehört zu den Kernelementen der Hightech-Strategie für Deutschland. Um nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung zu sichern, müssen Forschungsergebnisse mit Innovationspotenzial erkannt und am Markt schnell und erfolgreich umgesetzt werden. Gleichzeitig gilt es, für die Zukunft relevante Forschungsfragen zu formulieren und hierzu Lösungen zu erarbeiten. Das setzt eine starke Partnerschaft aller am Innovationsprozess Beteiligten voraus. Ein Beispiel dafür sind die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, die mit dem Leitgedanken der Translation den Bogen von der Grundlagenforschung bis hin zur Entwicklung von innovativen Therapien spannen. Die Zentren sind eine Schnittstelle zwischen Forschung, Klinik und Wirtschaft, durch die der Transfer von Forschungsergebnissen vom Labor zu marktreifen Arzneimitteln und Behandlungsverfahren künftig noch rascher und effizienter erfolgen wird.

Wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen arbeiten in Deutschland eng vernetzt zusammen. 58 % der Unternehmen in Deutschland, die Forschungskooperationen eingehen, kooperieren mit Hochschulen, rund 26 % mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen. An immer mehr Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden heute die Kooperation und der Verwertungsgedanke frühzeitig in den Prozess der Forschung und Entwicklung einbezogen und als ein relevanter Teil ihrer Mission angesehen. Gleichwohl bestehen im Wissens- und Technologietransfer im Kontext globaler Herausforderungen und eines zunehmenden Wettbewerbs noch Potenziale, die es weiter zu erschließen gilt.

Um die Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu stärken und zu verbreitern, hat das BMBF 2007 den Spitzencluster- Wettbewerb auf den Weg gebracht. Nach Auswahl der dritten und abschließenden Runde im Januar 2012 sind 15 Spitzencluster gekürt, die in ihren Technologiebereichen auf dem Weg in die internationale Spitzengruppe sind oder ihren Platz dort nachhaltig sichern. Das Themenspektrum der Cluster ist vielfältig und zukunftsgerichtet - entlang an den Bedarfsfeldern der Hightech-Strategie mit wichtigen Beiträgen für die Zukunftsprojekte. In diesen Clustern arbeiten bis zu 350 Partner aus renommierten Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Unternehmen sowie andere Akteure in einer Region zusammen an einer gemeinsamen Strategie. Sie beteiligen dabei weitere Akteure - insbesondere KMU. Gerade wachstumsstarke junge Unternehmen finden in den Spitzenclustern ideale Rahmenbedingungen. Und diese Cluster sind in ganz besonderem Maße Wachstumsmotoren, auch über ihre Regionen hinaus.


Abbildung 2 (5) Klicken Sie bitte auf die Grafik für eine größere Version.

Die Partner der Cluster entwickeln neue Technologien und Dienstleistungen und schließen Innovationsketten. Ihre Projektergebnisse tragen zur Bewältigung von Aufgaben in Bereichen wie Energie, Ressourceneffizienz oder Gesundheit bei. Sie bringen auch neue Berufsbilder und innovative Studiengänge hervor, die den Anforderungen des Arbeitsmarktes der Zukunft entsprechen. Mit einem Fördervolumen von 40 Mio. Euro pro Cluster über 5 Jahre - d. h. insgesamt 600 Mio. Euro - und den Mitteln der beteiligten Unternehmen in gleicher Höhe werden 1,2 Mrd. Euro gezielt in Stärken des Innovationsstandortes Deutschland investiert.

Die Initiative Kompetenznetze Deutschland des BMWi vereint die 100 leistungsfähigsten Technologienetzwerke Deutschlands mit rund 9.000 Akteuren. Das BMWi hat dazu über die Geschäftsstelle Kompetenznetze Deutschland z. B. die passgenaue Unterstützung der Clustermanager zur Professionalisierung ihrer Arbeit finanziert. Die Mitgliedschaft war an die Erfüllung anspruchsvoller Qualitätskriterien gebunden. Im Leistungsvergleich mit 140 europäischen Clustern erwiesen sich die Aktivitäten und Dienstleistungen der Clustermanager der Kompetenznetze als besonders wirksam für die Geschäfts- und FuE-Aktivitäten der mittelständischen Mitgliedsunternehmen. Das BMWi richtet seine Clusterpolitik derzeit neu aus. Ein Ziel ist dabei, die nationalen Innovationscluster hin zum exzellenten Clustermanagement im Sinne der europäischen Qualitätskriterien weiterzuentwickeln.

Gemeinsam wollen BMBF und BMWi aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen und unter Einbeziehung der Länder eine dauerhafte Plattform für den gegenseitigen Austausch zu Clusterthemen und Clusterpolitik schaffen. Unter anderem soll ein Clusterportal im Internet - auch ausländischen Interessenten - einen attraktiven, zentralen Zugang zu den verschiedenen Initiativen und Akteuren auf den unterschiedlichen Ebenen ermöglichen.

Mit der Initiative Forschungscampus hat das BMBF im August 2011 ein neues Instrument zur Innovationsförderung zum Einsatz gebracht, das den Fokus auf eine neue, räumlich sehr enge und längerfristige Form der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft legt - für eine gemeinsame strategische Grundlagenforschung. Im Rahmen des Wettbewerbs sollen bis zu zehn innovative und zukunftsgerichtete Forschungscampus- Modelle für längerfristige, verbindliche Partnerschaften von Wissenschaft und Wirtschaft auf Augenhöhe und die Zusammenarbeit unter einem Dach ausgewählt und unterstützt werden. Dabei wird vor allem auf Forschungsfelder von starker Komplexität, mit hohem Forschungsrisiko und besonderen Potenzialen für Sprunginnovationen fokussiert, um die innovativen Produkte und Dienstleistungen für morgen und übermorgen hervorzubringen. Die Initiative zielt auf Modelle, die neu geplant werden oder sich im Aufbau befinden. Der Wettbewerb hat bereits dazu beigetragen, die gemeinsame Entwicklung neuer Ideen von Partnern aus der Wissenschaft - Hochschulen wie außeruniversitären Forschungseinrichtungen - und Unternehmen voranzutreiben. Eine unabhängige Jury wird Forschungscampus-Modelle auswählen, die in einem Zeitraum von 5 bis 15 Jahren mit jeweils bis zu 2 Mio. Euro pro Jahr gefördert werden.

Darüber hinaus fördert das BMBF mit der Maßnahme Validierung des Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung - VIP technologie- und themenoffen Projekte aus dem akademischen Bereich der Wissenschaft, um Ergebnisse der öffentlichen Forschung hinsichtlich ihrer technischen Machbarkeit und ihres wirtschaftlichen Potenzials überprüfen und in Richtung Anwendung weiterentwickeln zu lassen. Erste Ergebnisse der geförderten Projekte zeigen, dass gerade in der Grundlagenforschung tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dadurch Unterstützung und Motivation erhalten, den Schritt aus dem Prozess der Forschung in Richtung wirtschaftlicher Verwertung und Nutzung frühzeitig mitzudenken und dann auch zu gehen. Alle Wege der Verwertung stehen danach offen.

Besondere Bedeutung kommt zudem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und ihrer Beteiligung am Innovationsgeschehen zu. Das BMWi bietet hierzu umfassende Unterstützungsmaßnahmen und setzt bereits in der Gründungsphase an, denn zu einer erfolgreichen Innovationspolitik gehört auch, neue Impulse für die Gründungsdynamik zu setzen und das Gründungsklima in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Mit dem Programm Existenzgründungen aus der Wissenschaft (EXIST) werden Maßnahmen unterstützt, die das Gründungsklima an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen stärken sowie die Anzahl und die Qualität technologieorientierter und wissensbasierter Gründungen steigern. Als weiter gehendes Finanzierungsinstrument stellt der High-Tech Gründerfonds (HTGF) Risikokapital für neu gegründete Technologieunternehmen bereit. Gemeinsam mit der KfW-Bankengruppe und 13 privaten Investoren hat das BMWi dazu im Herbst 2011 den mit 291 Mio. Euro ausgestalteten HTGF II aufgelegt.

Mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) werden vor allem Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen und mit Forschungseinrichtungen, aber auch einzelbetriebliche Innovationsvorhaben gefördert. Mit den Finanzierungshilfen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte können die Unternehmen innovative Ideen für neue Produkte, Produktionsverfahren oder Dienstleistungen unmittelbar umsetzen und somit schnell Innovationsgewinne realisieren. Die Industrielle Gemeinschaftsforschung unterstützt Forschungsprojekte, die für ganze Industriebranchen von Relevanz sind. Zuschüsse für Innovations- und Effizienzberatungen mittels der BMWi-Innovationsgutscheine und langfristige zinsgünstige Darlehen für marktnahe Innovationsprojekte runden das Bild ab. Im Rahmen der Fachprogramme des BMWi und des BMBF werden Verbundprojekte gefördert, an denen KMU maßgeblich beteiligt sind. Um den mittelständischen Unternehmen - insbesondere Erstantragstellern - den Einstieg in diese anspruchsvollen Programme zu erleichtern, bietet das BMBF über die Förderinitiative KMU-innovativ in allen seinen Technologiefeldern einen an ihrem spezifischen Bedarf ausgerichteten Zugang an. Die mit der Förderung angestoßenen zusätzlichen FuE-Investitionen der Wirtschaft erzeugen mittelbis langfristige positive Markt- und Beschäftigungswirkungen.

Trotz des Auf- und Ausbaus regionaler Cluster in den neuen Ländern mithilfe der Förderprogramme der Programmfamilie Unternehmen Region sowie der Maßnahme Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern sind dem weiteren Ausbau regionaler Innovationsinitiativen durch die Wirtschaftsstruktur in den neuen Ländern Grenzen gesetzt. Daher bedarf die regionale Fokussierung der Innovationsförderung in Ostdeutschland einer Erweiterung um einen überregionalen Ansatz. Ziel des BMBF ist es zukünftig, die räumlich diversifizierten, in ganz Ostdeutschland entstandenen Kompetenzen zu sektoralen Clustern zu verdichten, die Weiterentwicklung eigenständiger technologischer Spezialisierungen in Ostdeutschland zu unterstützen und die Entwicklung zu tragfähigen überregionalen und international sichtbaren Innovationsstrukturen zu unterstützen.

Mit dem Programm Innovationskompetenz Ost (INNOKOM- Ost) unterstützt das BMWi den Transfer von Forschungsergebnissen der gemeinnützigen externen Industrieforschungseinrichtungen insbesondere in KMU, denn sie dominieren die ostdeutsche Industrieforschung. Bei der Umsetzung der Hightech-Strategie wirken alle Instrumente und Aktivitäten, die quer zu den aufgegriffenen Technologien und über alle Bedarfsfelder der Hightech-Strategie angelegt sind, eng zusammen mit den Programmen der fachspezifischen Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Damit wird das Innovationssystem als Ganzes gestärkt.

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Gemeinsame Verantwortung für Forschung und Innovation

Forschung und Innovation brauchen den Dialog mit der Gesellschaft, denn neue Technologien können unser Leben und unseren Alltag entscheidend verändern. Und sie werden nur dann angenommen, wenn es einen breiten Konsens über ihren Nutzen gibt. Daher ist es ein zentrales Ziel der Bundesregierung, den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern im Bereich Forschung und Innovation zu stärken.

Insbesondere bei gesellschaftlich kontroversen Zukunftstechnologien ist ein vertiefter Diskurs notwendig. Deshalb hat das BMBF in Umsetzung des Koalitionsvertrags vom Oktober 2009 den Bürgerdialog "Zukunftstechnologien" initiiert, der Bürgerinnen und Bürgern eine Dialogplattform für einen Diskurs untereinander und mit Expertinnen und Experten und Entscheidungsträgern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft bietet. Die daraus resultierenden Empfehlungen geben auch Impulse für die Gestaltung zukünftiger Forschungs- und Innovationspolitik.

Gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog richtet das BMBF die Wissenschaftsjahre aus. Gemeinsam wollen die Partner die Öffentlichkeit stärker für Wissenschaft interessieren, Entwicklungen in der Forschung transparenter machen und dabei insbesondere junge Menschen für Forschungsthemen begeistern und ihnen im Hinblick auf ihre Berufswahl Anregungen geben. Seit dem Jahr 2010 richten sich die Wissenschaftsjahre statt an einzelnen Disziplinen an fächerübergreifenden Themen aus, denen eine große gesellschaftliche Bedeutung zukommt.

Neben der Vermittlung der Themen und wissenschaftlichen Inhalte sollen die Wissenschaftsjahre gesamtgesellschaftliche Debatten über Entwicklungen in Forschung und Wissenschaft anstoßen und vorantreiben. Neben dem Neubau des BMBF am Kapelle-Ufer im Berlin soll das Haus der Zukunft als Schaufenster für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Deutschland entstehen. Es ist vorgesehen, dieses Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Konferenzzentrum in öffentlich-privater Partnerschaft gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft zu realisieren. Besuchern aus aller Welt soll dort die Möglichkeit geboten werden, einen Blick in die Zukunft zu werfen und mit den Akteuren aus Wissenschaft und Forschung in einen Dialog zu treten.

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 Beratung zu Forschung und Innovation

Angesichts des wissenschaftlich-technischen Fortschritts wächst der Bedarf an verlässlichem Orientierungswissen. Politische Entscheidungen werden komplexer, wissenschaftliche Beratung ist notwendiger denn je. Die Bundesregierung verfügt über ein differenziertes System der Politikberatung.

Politik und Gesellschaft brauchen wissenschaftlich fundierte Beratung, um den bildungsbezogenen, medizinischen, technologischen, ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Gesellschaft zu begegnen und das zukünftige Miteinander zu gestalten. Diese Beratungsfunktion nehmen die Einrichtungen des Bundes mit FuE-Aufgaben wahr - national und international. Sie liefern wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen und Dienstleistungen zur Unterstützung politischen Handelns.

Im Innovationsdialog diskutieren hochrangige Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam mit der Bundeskanzlerin, der Bundesforschungsministerin und dem Bundeswirtschaftsminister über strategische Weichenstellungen der Innovationspolitik. Seit 2010 wurden hier die wichtigen Themen Innovationsfinanzierung, Cluster- und Netzwerkförderung sowie Technologielinien mit hohem Potenzial für die Wertschöpfung in Deutschland behandelt. Die Bundesregierung trägt mit diesem Dialog dazu bei, die strategische Ausrichtung ihrer Politik frühzeitig mit Wissenschaft und Wirtschaft zu beraten.

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) berät die Bundesregierung in forschungs-, innovations- und technologiepolitischen Fragestellungen mit international anerkanntem Sachverstand. Die unabhängigen Experten bündeln neueste wissenschaftliche Erkenntnisse mit Bezug zur Innovationsforschung und bewerten in ihren jährlichen Gutachten die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems. Ihre Hinweise und Handlungsempfehlungen sind wertvolle Grundlage für weitere innovations- und forschungspolitische Entscheidungen.

Eine entscheidende Rolle in der Hightech-Strategie spielt die Forschungsunion Wirtschaft - Wissenschaft. Sie bildet das Forum für einen intensiven Austausch von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Wirtschaft und Wissenschaft haben hier die Möglichkeit, ihre Ideen und Konzepte einzubringen und zu diskutieren. Die Promotoren der Forschungsunion sind Multiplikatoren für die Ergebnisse dieser Diskussionen und leisten als Partner in der Umsetzung eigene Beiträge zur Weiterentwicklung der Hightech-Strategie.

Der Wissenschaftsrat hat die Aufgabe, die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung zu beraten. Zu den Besonderheiten des Wissenschaftsrats gehört seine Vermittlungsfunktion zwischen Wissenschaft und Politik. Neben der Evaluation einzelner Forschungsorganisationen, -einrichtungen und Hochschulen sowie der Akkreditierung privater Hochschulen greift der Wissenschaftsrat auch übergreifende Fragestellungen sowie aktuelle Themen und Entwicklungen im Wissenschaftsbereich auf. Das Arbeitsprogramm wird gemeinsam beschlossen.

Akademien der Wissenschaften: Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften vertritt einerseits die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland in internationalen Gremien und bringt sich andererseits in die wissenschaftsbasierte Beratung von Gesellschaft und Politik zu Forschung und Innovation ein. Auf diesem Gebiet arbeitet sie mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften e.V. (acatech), der Berlin- Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und den Akademien der Länder zusammen und bezieht deren Expertise ein. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften - acatech e.V. fördert zum einen den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Zum anderen berät und informiert acatech Politik und Öffentlichkeit auf einer wissenschaftsbasierten Grundlage über technikbezogene Zukunftsfragen.

Technologievorausschau: Um die Zukunft zu gestalten, müssen rechtzeitig Informationen über gesellschaftliche und technologische Entwicklungen gesammelt und interpretiert werden. Hierzu hat das BMBF den zweiten Zyklus seines Foresight- Prozesses gestartet, um erneut einen weiten Blick (10-15 Jahre) in die Zukunft zu werfen. In einer intensiven zweijährigen Suchphase werden gesellschaftliche Trends und technologische Entwicklungen aufgenommen, analysiert und zu Szenarien verknüpft, um frühzeitig Orientierungswissen für die zukünftige Forschungs- und Innovationspolitik zu gewinnen.

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Die europäische Innovationspolitik mitgestalten

Im Kommissionsvorschlag für das neue Rahmenprogramm für Forschung und Innovation "Horizont 2020" sind viele strukturierende Elemente aufgriffen, bei denen wir in Deutschland mit der nationalen Hightech-Strategie bereits gute Erfahrungen gemacht haben. "Horizont 2020" ist Kern der europäischen Innovationsunion, die die Entwicklung eines zukunftsfähigen, wirtschaftlich starken und innovativen Europas zum Ziel hat. Auf europäischer Ebene werden so die Anstrengungen, die Deutschland mit der nationalen Hightech-Strategie unternimmt, verstärkt und ergänzt. So ermöglichen die politische Priorisierung von Forschung und Innovation, die Verzahnung ihrer Förderinstrumente und die strategisch ausgerichtete Agenda der Forschungsthemen die Synergien, die notwendig sind, um die Ziele der Europa-2020-Strategie zu erreichen. Forschung und Innovation sind wichtige Hebel, um die Zukunft Europas langfristig zu sichern und Wohlstand und Beschäftigung zu ermöglichen

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[1] Ermittelt nach der Leistungsplansystematik des Bundes.


INFOBOX

Ausgewählte Spitzencluster im Überblick

Mit ihren Schwerpunkten und Projekten sind die 15 Spitzencluster auf die zentralen Zukunftsthemen gerichtet. Auch die Gestaltung der Rahmenbedingungen ist Bestandteil der Spitzencluster-Strategie. Dabei haben Themen der Aus- und Weiterbildung für den Fachkräftebedarf besondere Bedeutung. Beispiele aus den 10 Spitzenclustern der ersten beiden Runden sind:

  • Cool Silicon in Sachsen mit mehr als 100 Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist wegweisend bei hochenergieeffizienter Mikroelektronik. Entwickelt werden Halbleiter für Rechnersysteme und Breitbandfunksysteme sowie kabellose und energieautarke Sensornetze, z. B. ein sich selbst versorgender Sensorknoten für die Überwachung von Flugzeugstrukturen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Auch der Nachwuchs ist im Blick, wie bei dem neu initiierten englischsprachigen Masterstudiengang "Nanoelectronic Systems".
  • Der Spitzencluster Forum Organic Electronics in der Metropolregion Rhein-Neckar will mit der Flexibilität und Transparenz der Bauelemente auf Basis der organischen Elektronik neue Anwendungsbereiche in den Feldern Beleuchtung, Solarenergiegewinnung und der Massenherstellung elektronischer Bauteile erschließen. Die mehr als 20 beteiligten Akteure decken die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Erforschung neuer Materialien über die Konzeption von Bauteilen bis zur Vermarktung von Anwendungen.