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Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem im internationalen Vergleich

1 Europa
2 OECD

Die Besonderheiten und die Leistungsfähigkeit des deutschen FuI-Systems lassen sich durch europäische bzw. internationale Vergleiche verdeutlichen.

Bei den international vergleichbaren Indikatoren steht meist der BAFE-Anteil am BIP im Zentrum des Interesses. Da sich das "Drei-Prozent-Ziel" der Lissabon-Strategie auf europäische FuI-Politik bezieht, ist hier ein Vergleich Deutschlands mit den anderen EU-Ländern und europäischen Gesamtwerten besonders interessant. Unter den EU-27-Ländern liegt Deutschland hinsichtlich des BAFE-Anteils am BIP an vierter Position. Nur Schweden und Finnland überschreiten - allerdings deutlich um mehr als einen halben Prozentpunkt - das Drei-Prozent-Kriterium. Dänemark und Österreich erreichen ähnliche Werte wie Deutschland. Alle anderen Länder liegen erheblich - mindestens um einen halben Prozentpunkt - darunter.

Abbildung 1 (23) Klicken Sie bitte auf die Grafik für eine größere Version.

Im globalen Vergleich der OECD-Staaten liegt Deutschland 2010 mit einem Wert von 2,82 % (geschätzt) in der Spitzengruppe von Ländern mit einem BAFE-Anteil von über 2,5 % am BIP. Noch höhere Werte erreichen Israel (4,40 %, 2010), Schweden (3,43 %, 2010), Finnland (3,87 %, 2010), Japan (3,36 %, 2009), Südkorea (3,74 %, 2010), die Schweiz (2,99 %, 2008) und die USA (2,90 %, 2009). Zur Schlussgruppe mit BAFE-Anteilen unter 1,5 % gehören ost- und südeuropäische (z. B. Rumänien, Griechenland) sowie lateinamerikanische Länder (Mexiko, Argentinien). Die Spitzenposition von Israel entspricht fast dem Doppelte des Durchschnitts der OECD-Mitgliedstaaten von 2,4 % (2009) (Abbildung 1 (23) , 2 (24)). (Siehe Tabelle 7 [16])

Abbildung 2 (24) Klicken Sie bitte auf die Grafik für eine größere Version.

Die Entwicklung dieses Indikators für ausgewählte OECD-Länder im Zeitverlauf zeigt unterschiedliche Dynamiken. Die europäischen Spitzenländer Schweden und Finnland bewegen sich ebenso wie Japan auf sehr hohem Niveau. Insbesondere Korea zeichnet sich noch durch erhebliche Zuwächse aus. Seit Mitte der Dekade liegt Korea über Deutschland und den USA. Deutschland zeigt allerdings seit dem Jahr 2008 eine positive Tendenz.

Die Darstellung und Interpretation einzelner FuI-Indikatoren wird im Folgenden durch internationale Indikatorensysteme ergänzt, welche den Vergleich von Ländern und Regionen hinsichtlich mehrerer Indikatoren im Überblick ermöglichen. Dadurch können die Charakteristika nationaler FuI-Systeme herausgestellt werden. Es wurden auf unterschiedlichen transnationalen Ebenen Indikatorensysteme entwickelt. Von besonderer Bedeutung sind auf europäischer Ebene das Innovation Union Scoreboard (IUS[1]) und auf globaler Ebene die Indikatorensätze der OECD, wie etwa die Main Science and Technology Indicators (MSTI)[2].

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1 Europa

Das Innovation Union Scoreboard ist ein Indikatorensystem, das einzelne Indikatoren aus allen im Abschnitt Daten und Fakten zum deutschen Forschungs- und Innovationssystem angesprochenen Bereichen umfasst: FuE-Ressourcen, FuE-Erträge und Innovation. Der Innovationsindex (Summary Innovation Index - SII) ist ein gewichteter Wert, der aus allen 25 im IUS vertretenen Indikatoren gebildet wird. Dieser Wert gibt eine zusammenfassende Bewertung der nationalen FuI-Systeme, die sich auf Indikatoren aus allen drei Bereichen "Ressourcen", "FuE-Erträge" und "Innovation" stützen.

Wie aus Abbildung 2 (13) (siehe Abschnitt Internationale Zusammenarbeit für Forschung und Innovation) ersichtlich, gehört Deutschland hinsichtlich dieses Indikators zu einer Spitzengruppe besonders innovativer europäischer Staaten. Um Deutschlands Position im internationalen Vergleich zu verdeutlichen, wurden aus den IUS-Indikatoren und ergänzenden EUROSTAT-Daten diejenigen ausgewählt, die sich am besten mit den oben im Abschnitt "Ausgewählte Daten zum deutschen Forschungs- und Innovationssystem" zur Charakterisierung des deutschen FuI-Systems verwendeten Indikatoren vergleichen lassen. Zugleich sollten die Indikatoren die Bereiche der FuE-Ressourcen und der FuE-Erträge möglichst gut abdecken.  In Abbildung 3 (25) sind die deutschen Indikatorwerte im Vergleich zu den entsprechenden europäischen Mittelwerten (EU 27) dargestellt.[3] Generell fällt auf, dass die deutschen Werte in allen Fällen über den jeweiligen europäischen Mittelwerten liegen.

Abbildung 3 (25) Klicken Sie bitte auf die Grafik für eine größere Version.

Besonders hohe Werte (Maximalwerte oder annähernd Maximalwerte im europäischen Vergleich) erzielt Deutschland bei den Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt (EPO).

Diese letztgenannten Indikatoren weichen etwas von denen im Abschnitt Ausgewählte Daten zum deutschen Forschungs- und Innovationssystem ab. So beziehen sich hier etwa die Innovatorenanteile nur auf die Teilmenge der KMU und nicht auf alle Unternehmen. Produkt- und Prozessinnovatoren werden hier zusammen dargestellt. Die Marketing- und organisationalen Innovationen beziehen sich auf nicht technologische Innovationen, denen in jüngerer Zeit verstärkt Interesse entgegengebracht wird.

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2 OECD

Die OECD stellt eine ganze Reihe von Indikatorensammlungen zur Beschreibung von Forschungs- und Innovationssystemen zur Verfügung. Die folgende Auswahl bezieht sich auf die Indikatoren, die im OECD Science, Technology and Industry Outlook 2010 verwendet wurden. In einer ähnlichen Weise wie bei den europäischen Daten wurden auch hier diejenigen Indikatoren ausgewählt, die sich am besten mit denen des Abschnitts "Ausgewählte Daten zum deutschen Forschungs- und Innovationssystem" zur Darstellung des deutschen Forschungs- und Innovationssystems vergleichen lassen und zugleich eine gute Abdeckung der Bereiche "Ressourcen" und "FuE-Erträge" erlauben. Der OECD Science, Technology and Industry Outlook stellt für diese Zwecke im Vergleich zu anderen OECD-Indikatorensammlungen die am besten geeignete Grundlage dar.

Im Sinne eines "Triadevergleichs" werden die deutschen Daten im Folgenden denen der USA und Japans gegenübergestellt. Abbildung 4 (26) zeigt den Vergleich der deutschen mit den US-amerikanischen Daten.

Abbildung 4 (26) Klicken Sie bitte auf die Grafik für eine größere Version.

Relative Stärken Deutschlands sind erkennbar beim Anteil der MINT-Absolventinnen und -Absolventen an allen Absolventinnen und Absolventen und bei den Triadepatenten pro eine Million Einwohnerinnen bzw. Einwohner. Triadepatente sind Patente, die zusätzlich zum Inland in den jeweils anderen beiden Regionen der Triade Europa-Nordamerika-Ostasien angemeldet werden.

Relative Stärken der USA zeigen sich bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen pro eine Million Einwohnerinnen bzw. Einwohner und den Forscherinnen und Forschern pro 1.000 Beschäftigte. Die BAFE als Anteil am BIP liegen geringfügig höher als in Deutschland. Die Forschungsaktivitäten in den USA werden noch mehr als in Deutschland vom Wirtschaftssektor geprägt.

In Abbildung 5 (27) ist der entsprechende Vergleich mit Japan dargestellt. Es zeigen sich deutsche relative Stärken nur in zwei Indikatoren: im Anteil der MINT-Absolventinnen und -Absolventen an allen Absolventinnen und Absolventen und (weniger deutlich) bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen pro eine Million Einwohnerinnen bzw. Einwohner.

Abbildung 5 (27) Klicken Sie bitte auf die Grafik für eine größere Version.

Beachtenswert ist die japanische Stärke bei den Triadepatenten. Im Gegensatz zu Daten, die sich auf weltmarktrelevante Patente beziehen - definiert als Patente, die in Europa oder bei der WIPO[4] angemeldet wurden -, zeigt sich hier ein deutlicher japanischer Vorsprung. Auch in den übrigen hier ausgewählten Indikatoren liegen die japanischen Werte über den deutschen. Neben den deutlich höheren BAFE als Anteil am BIP ist zu bemerken, dass die Forschungsaktivitäten maßgeblich im Wirtschaftssektor durchgeführt werden.

Abschließend stellt Abbildung 6 (28) Deutschland im Vergleich zu OECD-Mittelwerten dar. Deutliche Stärken Deutschlands sind erkennbar im Anteil der MINT-Abschlüsse an allen Hochschulabschlüssen und den Triadepatenten.

Abbildung 6 (28) Klicken Sie bitte auf die Grafik für eine größere Version.

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[1] Vgl. Innovation Union Scoreboard (IUS) 2011.

[2] Vgl. OECD, Main Science and Technology Indicators 2011/2.

[3] Für die Darstellung in Abbildung 27 wurden die jeweils maximalen Indikatorwerte - also die Werte der Länder mit dem in dieser Dimension höchsten Wert - gleich dem Skalenwert 100 gesetzt. Alle Werte in dieser Abbildung lassen sich also als Prozentwerte bzw. prozentuale Anteile am jeweiligen Maximalwert der Skalen interpretieren.

[4] World Intellectual Property Organization (Weltorganisation für geistiges Eigentum), eine spezialisierte Agentur der Vereinten Nationen.

 

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