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Forschung
Ozonlich Grafik

"Das Ozonloch schließt sich. Das ist eine Folge des FCKW-Verbots. Und zeigt: Umweltschutz lohnt sich!"

Die Erholung der Ozonschicht ist der gelungenen Kooperation von Wissenschaft und Politik zu verdanken. Nachhaltigkeit lohnt sich. Warum das Ozonloch wieder kleiner wird, erklärt im Interview mit bmbf-online der Atmosphärenforscher Martin Dameris vom Institut für Physik der Atmosphäre, DLR, Oberpfaffenhofen.

Herr Dameris, Sie sind Atmosphärenforscher und vor allem Spezialist für das Ozon, das unseren Planeten umgibt und uns vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne schützt. Stimmt es, dass sich das Ozonloch wieder schließt?

Ja, inzwischen wissen wir: Spätestens um das Jahr 2050 wird das Ozonloch Geschichte sein. Denn die Erholung der Ozonschicht wird in den nächsten Jahren weiter voran schreiten. Das zeigen die neuesten Untersuchungen, wie sie gerade von der "Welt Meteorologischen Organisation" (WMO) veröffentlicht wurden. Das Ozonloch über der Antarktis ist in diesem Jahr ein im Vergleich zu den vergangenen Jahren „normales“ Ozonloch. Es zeigt sich, dass das Ozonloch seit etwa zehn Jahren nicht mehr weiter wächst. Die Variationen von Jahr zu Jahr, das heißt kleinere oder auch etwas größere Ozonlöcher, sind offensichtlich, aber es wächst im Mittel nicht mehr. In den nächsten Jahren wird das Ozonloch schrumpfen. Simulationsrechnungen mit Klima-Chemie-Modellen, die unter anderem am DLR-Institut für Physik der Atmosphäre durchgeführt und ausgewertet werden, bestätigen die Beobachtungen.

Darstellung des Ozonlochs im Jahr 2007Darstellung des Ozonlochs im Jahr 2007
Quelle: Institut für Methodik der Fernerkundung (DLR, Oberpfaffenhofen)

Hat Sie diese Erkenntnis überrascht?

Nein, die Wissenschaft überrascht das nicht. Durch die internationalen Maßnahmen zum Schutz der Ozonschicht, die erstmals im Montreal Protokoll 1987 ratifiziert wurden, ist das eine erwartete Entwicklung. Durch die Reglementierung der Produktion und des Gebrauchs von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die früher unter anderem in unseren Kühlschränken und Spraydosen benutzt wurden, beobachten wir schon seit etwa Mitte der 1990er Jahre einen Rückgang des FCKW-Gehaltes in der Atmosphäre. Das in den FCKW enthaltene Chlor zerstört in der Stratosphäre die Ozonschicht, also in zehn bis fünfzig Kilometer Höhe. Da wir jetzt immer weniger Chlor in der Stratosphäre haben, kann sich die Ozonschicht wieder zurückbilden.

Ist der Zusammenhang zwischen FCKW-Verbot und kleinerem Ozonloch wirklich erwiesen?

Ja, die Wissenschaft ist sich einig, dass FCKW die Ursache für die dramatischen Ozonverluste in den letzten Jahren sind! Und damit auch, dass die nun beobachteten Veränderungen eine Folge des FCKW-Verbotes sind. Umwelt- und Klimaschutz lohnen sich! Die internationalen Abkommen zum Schutz der Ozonschicht sind ein gutes Beispiel für eine gelungene Kooperation von Wissenschaft und Politik. Der Mensch hat das Ozonloch gemacht – und es auch wieder beseitigt. Die Gefahr ist gebannt. Das ist eine einmalige Erfolgsgeschichte internationaler Zusammenarbeit.

Darstellung des Ozonlochs im Jahr 2012Darstellung des Ozonlochs im Jahr 2012
Quelle: Institut für Methodik der Fernerkundung (DLR, Oberpfaffenhofen)

Könnte das nicht auch bei der Erderwärmung so funktionieren?

In Sachen Klimaschutz geht dies leider nicht so leicht Hand in Hand. Das Problem ist, dass die dringend notwendige Reduktion von Treibhausgasen, vor allem von Kohlendioxid, Veränderungen in unserer Volkswirtschaft notwendig machen. Und dies ist sehr schwierig, wie die derzeitigen Diskussionen um die Energiewende zeigen. Zudem war das Ozonloch sehr viel konkreter als der Klimawandel. Die Menschen haben einen richtigen Schreck bekommen. Und dass FCKW günstig durch andere Stoffe ersetzt werden konnte, hat das Vorhaben erleichtert. Nichts desto trotz wäre es sehr wichtig, dass ähnliche Anstrengungen unternommen werden, um die Emissionen klimarelevanter Substanzen, allen voran von Kohlendioxid, deutlich zu reduzieren.

Welche Rolle spielt die Forschung?

Die Forschung spielt eine große Rolle. Nur auf der Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse können wir den Politiker Ratschläge geben und entsprechende Maßnahmen anregen. Dabei ist die gute Ausstattung der Wissenschaft die Basis für Spitzenforschung. Die Förderung durch die Bundesregierung ist deswegen auch so wichtig. So haben wir zum Beispiel mit dem neuen Forschungsflugzeug HALO ein außergewöhnliches "Werkzeug" zur Hand. Mit HALO können wir hoch - mehr als 15 Kilometer - und weit - über 10.000 Kilometer - fliegen und so wichtige Messungen machen, um den Zustand der Atmosphäre und ihre Veränderungen noch besser als bisher zu erkennen und zu erklären.

Warum ist die Ozonschicht so wichtig?

Die Ozonschicht in der Stratosphäre filtert einen großen Teil der von der Sonne ausgestrahlten UV-Strahlung und schützt somit das Leben auf der Erde. Besonders wichtig ist die nahezu vollständige Absorption der energiereichen solaren UV-B-Strahlung. Durch die UV-B-Strahlung können vor allem Pflanzen, Tiere und der Mensch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Zusatzinformationen

Prof. Dr. Martin Dameris

 

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