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Forschung
symbolische Schließung des Ozonlochs

"Das Ozonloch schließt sich. Das ist eine Folge des FCKW-Verbots. Und zeigt: Umweltschutz lohnt sich!"

Interview mit Professor Dr. Martin Dameris vom Institut für Physik der Atmosphäre, DLR, Oberpfaffenhofen, für www.bmbf.de.

Herr Dameris, Sie sind Atmosphärenforscher und vor allem Spezialist für das Ozon, das unseren Planeten umgibt und uns vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne schützt. Stimmt es, dass sich das Ozonloch wieder schließt?

Ja, die Erholung der Ozonschicht schreitet weiter voran. Das Ozonloch über der Antarktis ist in diesem Jahr eines der kleinsten im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Seine flächenmäßige Ausdehnung ist deutlich reduziert und die gemessenen Ozonminimumwerte sind höher im Vergleich zu den beobachteten Werten der vergangenen Jahre. Das ist ein klarer Hinweis auf die Erholung der Ozonschicht insgesamt. Wahrscheinlich wird sie etwa Mitte dieses Jahrhunderts wieder die gleiche Dicke haben wie zu Beginn der 1980er Jahre. Das ergeben Simulationsrechnungen mit Klima-Chemie-Modellen, die unter anderem am DLR-Institut für Physik der Atmosphäre durchgeführt und ausgewertet werden.

Darstellung des Ozonlochs im Jahr 2007Darstellung des Ozonlochs im Jahr 2007
Quelle: Institut für Methodik der Fernerkundung (DLR, Oberpfaffenhofen)

Eine positive Nachricht! Kommt sie überraschend?

Nein, die Wissenschaft überrascht dies nicht. Durch die internationalen Maßnahmen zum Schutz der Ozonschicht, die erstmals im Montreal Protokoll 1987 ratifiziert wurden, ist das eine erwartete Entwicklung. Durch die Reglementierung der Produktion und des Gebrauchs von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die früher unter anderem in unseren Kühlschränken und Spraydosen benutzt wurden, beobachtet man seit etwa Mitte der 1990er Jahre einen Rückgang des FCKW-Gehaltes in der Atmosphäre. Das in den FCKW enthaltene Chlor zerstört in der Stratosphäre die Ozonschicht, also in zehn bis fünfzig Kilometer Höhe. Da wir nun weniger Chlor in der Stratosphäre haben, kann sich die Ozonschicht wieder zurück bilden. Dies dauert aber noch eine Weile, da die FCKW Lebenszeiten von einigen Jahrzehnten haben.

Ist der Zusammenhang zwischen FCKW-Verbot und kleinerem Ozonloch wirklich erwiesen? Lohnt sich Umweltschutz wirklich?

Darstellung des Ozonlochs im Jahr 2012Darstellung des Ozonlochs im Jahr 2012
Quelle: Institut für Methodik der Fernerkundung (DLR, Oberpfaffenhofen)
Ja, die Wissenschaft ist sich einig, dass FCKW die Ursache für die dramatischen Ozonverluste in den letzten Jahren sind! Und damit auch, dass die nun beobachteten Veränderungen eine Folge des FCKW-Verbotes sind. Umwelt- und Klimaschutz lohnen sich immer. Die internationalen Abkommen zum Schutz der Ozonschicht sind ein gutes Beispiel für eine gelungene  Kooperation von Wissenschaft und Politik.

Könnte das nicht auch bei der Erderwärmung so funktionieren?

In Sachen Klimaschutz geht dies leider nicht so leicht Hand in Hand. Das Problem ist, dass die dringend notwendige Reduktion von Treibhausgasen, vor allem von Kohlendioxid,  Veränderungen in unserer Volkswirtschaft notwendig machen. Und dies ist sehr schwierig, wie die derzeitigen Diskussionen um die Energiewende und ihre Kosten zeigen.

Welche Rolle spielt die Forschung? Bundesministerin Annette Schavan hat kürzlich bei Ihnen in Oberpfaffenhofen ein neues Höhenflugzeug an die beteiligten Wissenschaftler übergeben, es heißt HALO.

Die Forschung spielt eine große Rolle. Nur auf der Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse können wir den Politiker Ratschläge geben und entsprechende Maßnahmen anregen. Dabei ist die gute Ausstattung der Wissenschaft die Basis für Spitzenforschung. Die Förderung durch die Bundesregierung ist deswegen auch so wichtig. Mit dem neuen Forschungsflugzeug HALO haben wir nun ein außergewöhnliches "Werkzeug" zur Hand. Mit HALO können wir hoch  - mehr als 15 Kilometer -  und weit - über 10.000 Kilometer -  fliegen und so wichtige Messungen machen, um den Zustand der Atmosphäre und ihre Veränderungen noch besser als bisher zu erkennen und zu erklären.

Wird mit HALO eigentlich auch die Ozonschicht erforscht?

Mit HALO untersuchen wir die Physik und Chemie der Erdatmosphäre. Dabei erzielen wir natürlich auch weitere Erkenntnisse bezüglich der Ozonschicht. Es werden aber auch eine Vielzahl anderer atmosphärischer Untersuchungen durchgeführt, die zum Beispiel die Auswirkungen von Verkehrsemissionen, von Autos, Schiffen und Flugzeugen, oder von Vulkanausbrüchen auf die Atmosphäre und das Erdklima untersuchen und bewerten.

Warum ist die Ozonschicht so wichtig?

Die Ozonschicht in der Stratosphäre filtert einen großen Teil der von der Sonne ausgestrahlten UV-Strahlung und schützt somit das Leben auf der Erde. Besonders wichtig ist die nahezu vollständige Absorption der energiereichen solaren UV-B-Strahlung. Durch die UV-B-Strahlung können vor allem Pflanzen, Tiere und der Mensch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Über die Fortschritte der Forschung und wie diese im Alltag umgesetzt werden können, diskutieren vom 22. bis 23. Oktober 2012 auf dem 9. FONA-Forum in Berlin mehr als 300 Fachleute. Bundesforschungsministerin Schavan gibt einen Ausblick auf die Entwicklung des Rahmenprogramms "Forschung für nachhaltige Entwicklungen" (FONA). Denn Forschung lohnt sich, sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir unser Leben ändern und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Ein Beispiel dafür ist das inzwischen wieder schrumpfende Ozonloch. Das FONA-Forum steht unter dem Motto des aktuellen Wissenschaftsjahres "Zukunftsprojekt Erde" zur Nachhaltigkeit.

Mehr Informationen gibt es auf: http://www.fona.de/

Zusatzinformationen

Prof. Dr. Martin Dameris

 

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