Kolumbien: den Austausch zwischen Deutschland und Südamerika fördern

In den letzten Jahren wurden durch die kolumbianische Regierung unter Präsident Santos grundlegende Reformen in Forschung und Bildung umgesetzt. Im regionalen Vergleich verfügt Kolumbien über ein relativ hohes Bildungsniveau. Im Juni 2012 fanden in Bogotá die ersten WTZ-Fachgespräche statt. In vier Arbeitsgruppen (Schulbildung, Berufliche Bildung, Internationalisierung der Hochschulbildung und Wissenschaft, Technologie und Innovation) wurden konkrete Maßnahmen zur Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation diskutiert und eine Aktivitätenplanung bis zu den nächsten bilateralen Fachgesprächen formuliert. Diese werden im Jahr 2014 in Deutschland stattfinden.

Politischer Rahmen für die bilaterale Zusammenarbeit in Forschung und Bildung

Grundlage der Zusammenarbeit zwischen BMBF und dem kolumbianischen Bildungsministerium - MEN ist eine im April 2011 zwischen Bundesministerin Schavan und ihrer Amtskollegin Campo unterzeichnete Gemeinsame Erklärung. Es wurden regelmäßige Fachgespräche auf Arbeitsebene zu Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation vereinbart.

Bei den ersten gemeinsamen Fachgespräche zu Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation im Juni 2012 in Bogota wurden die in der Gemeinsamen Erklärung genannten Forschungsschwerpunkte bestätigt und weitere konkrete gemeinsame Aktivitäten angestoßen. Die nächsten Konsultationen sind für 2014 in Deutschland geplant.

Bei ihrem Kolumbienbesuch im Oktober 2012 unterzeichnete Bundesministerin Schavan eine gemeinsame Erklärung mit dem kolumbianischen Forschungsrat - COLCIENCIAS. Ziel ist, die bilaterale Forschungszusammenarbeit gezielt auszubauen. Hierzu werden zunächst in den o.g. Schwerpunktbereichen bilaterale Mobilitätsprojekte und Fachveranstaltungen finanziert.

Schwerpunkte der deutsch-kolumbianischen Kooperation

Großes Kooperationspotential besteht bei den Themen Bioökonomie und Biodiversität und in Zusammenhang mit der Initiierung innovativer Netzwerke u.a. in den Lebenswissenschaften. Hier ist es vor allem die enorme Artenvielfalt die für die deutsche Wissenschaft von Interesse ist. Aber auch das hohe akademische Niveau kolumbianischer Universitäten und Forschungseinrichtungen zeichnet das Land als wichtigen Kooperationspartner in der Region aus. Mit finanzieller Unterstützung des BMBF wurden in den o.g. Bereichen bereits verschiedene Initiativen angestoßen.

Auch in Zusammenhang mit der Umstrukturierung des kolumbianischen Berufsbildungssystems engagiert sich das BMBF in Zusammenarbeit mit dem BIBB. Bei den Fachgespräche in Bogota 2012 hat der kolumbianischen Ausbildungsservice - SENA (www.sena.edu.co) verkündet, ein Forschungsinstitut für Berufsbildung zu gründen. Dieses Institut wurde im Oktober 2012 von Bundesministerin Schavan bei ihrem Besuch in Bogota eingeweiht. BIBB unterstützt dieses Vorhaben u.a. mit der Konzeptentwicklung von Forschungsprojekten und der Erstellung eines nationalen Datenreports für Berufliche Bildung.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Das BMBF hat im November 2009 als Nachfolgeaktivitäten der ersten Ministerreise zwei erfolgreiche und mit über 100 Teilnehmern gut besuchte Innovationsforen durchgeführt, eines in Bogotá unter dem Titel "Environment for Life" mit Schwerpunktthemen Umweltwissenschaften und -technologien, Umweltmedizin und Biodiversität und ein weiteres mit dem Titel "MykoBak" in Medellín, zum Thema Lepra, Tuberkulose und Buruli.

Resultat einer fast 50-jährigen Kooperation in der Meeresforschung zwischen Deutschland und Kolumbien ist das Exzellenzzentrum CEMarin an der kolumbianischen Karibikküste. Das am 07. Oktober 2010 eröffnete CEMarin ist eins von weltweit vier Exzellenzzentren die im Rahmen der Außenwissenschaftsinitiative des Auswärtigen Amtes mit 1,5 Mio. Euro  gefördert wird.

Am 15. Juli 2011 wurde der MPG-Science-Tunnel durch die kolumbianische Bildungsministerin in der kolumbianischen Großstadt Cali vor hochrangigen Gästen im Stadion Pascual Guerrero eröffnet. Im Anschluss an Cali ging die vom BMBF finanzierte Multimedia-Ausstellung weiter in die kolumbianische Hauptstadt Bogotá, wo sie vom 18. Oktober im Rahmen der großen nationalen Wissenschaftsmesse EXPOCIENCIA 2011 bis zum 25.November von rund 50.000 Menschen besucht wurde. Die Eröffnung der Ausstellung erfolgte hier durch den Parlamentarischen Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel.

Bei dieser Gelegenheit überreichte Bundesministerin Schavan ihrer kolumbianischen Amtskollegin den vom BMBF in Auftrag gegebenen Länderbericht Kolumbien. Das Dokument informiert in Deutsch und Spanisch über Bildung, Forschung und Wissenschaft in Kolumbien.

Bei ihrem zweiten Besuch in Kolumbien im Oktober 2012 traf sich Bundesministerin Schavan in Bogota mit der kolumbianischen Bildungsministerin Campo, Umweltminister Uribe und dem Oberbürgermeister der Stadt Bogotá Petro. Des Weiteren besuchte sie u.a. die Universidad Nacional de Colombia, die Deutsche Schule "Colegio Andino" und den Botanischen Garten Bogota.

Die ersten deutsch-kolumbianischen Fachgespräche im Juni 2012 haben den Anstoß für verschiedene bilaterale Aktivitäten gegeben. Im September 2012 führte die Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit der Universidad de los Andes in Bogota einen Workshop zum Thema Lebenswissenschaften durch. Im Oktober 2012 unterzeichneten die Botanischen Gärten von Berlin und Bogota, in Anwesenheit von Bundesministerin Schavan, eine Gemeinsame Erklärung, die ab 2013 gemeinsame Projekte im Bereich Biodiversitätsmanagement ermöglichen soll.

Förderung der Zusammenarbeit mit Kolumbien

Mit Kolumbien besteht kein WTZ-Abkommen. Eine erste Förderbekanntmachung von BMBF und COLCIENCIAS zur Förderung von Wissenschaftleraustausch und Fachveranstaltungen in den o.g. Schwerpunktbereichen ist für 2013 geplant. Momentan konzentrieren sich die BMBF-geförderten Aktivitäten auf einzelne Delegationsreisen und Workshops, die bei den Fachgesprächen initiiert wurden.

Besondere Aktivitäten der Wissenschafts- und Mittlerorganisationen

Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) förderte bisher 45 Forschungsstipendiaten aus Kolumbien. Die Förderzahlen bewegten sich in den letzten Jahren relativ gleichmäßig zwischen vier und zehn verliehenen Forschungsstipendien pro Dekade. Im Rahmen der Alumniförderung kamen 19 kolumbianische Stipendiaten zu Forschungsaufenthalten nach Deutschland. Im Februar 2010 fand in Kolumbien ein Humboldt-Kolleg in Medellín statt, ein weiteres im Oktober 2010 in Bogotá. 2011 wurde erstmals eine Vertrauenswissenschaftlerin in Kolumbien berufen.

Neben dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Informationszentrum in Bogotá (seit 2005) und Lektoren in Cali und Medellín arbeiten 2 Langzeitdozenten und 9 Sprachassistenten für den DAAD in Kolumbien. Der DAAD bietet in Kolumbien ca. 25 verschiedene individuelle Stipendien- und institutionelle Förderprogramme an, über die 2011 756 Kolumbianer gefördert wurden. Mit den kol. Partnern Ministerio de Educación Nacional, Colciencias, ICETEX und Colfuturo bietet der DAAD mehrere kofinanzierte Stipendien für Master, Promotion und Forschungsaufenthalte in Deutschland an. Im Bereich des Hochschulmarketing organisiert der DAAD mit der GATE Messe Europosgrados Colombia die größte Hochschulmesse des Landes, an der jährlich ca. 20 deutsche Universitäten und ca. 13.000 Besucher teilnehmen.

Aktuell sind im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) 102 Kooperationen zwischen deutschen und kolumbianischen Forschungseinrichtungen verzeichnet. Im Jahr 2002 wurde eine Rahmenvereinbarung zur Hochschulzusammenarbeit abgeschlossen. Sie regelt die akademische Anerkennung der Hochschulabschlüsse im jeweils anderen Land. Derzeit wird in Absprache mit der kolumbianischen Rektorenkonferenz (ASCUN) und den deutschen Hochschulen geprüft, in wie weit das geltende Abkommen an aktuelle Entwicklungen im Hochschulbereich angepasst werden sollte.

Im Jahr 2012 wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Sachbeihilfeantrag im Fachbereich Wärmenergietechnit zwischen der Universität Halle-Wittenberg und der Universidad Autónoma de Occidente, ein Sachbeihilfeantrag in den Pflanzenwissenschaften zwischen der Universität Heidelberg und der Universidad de los Andes, zwei Forschungsstipendien und neun Anbahnungsprojekte bewilligt. Insgesamt sind ca. 800.000,- Euro bisher bewilligt worden. Im Bereich der Elektrotechnik baut sich eine Initiative zwischen Deutschland und Kolumbien auf, speziell zum Thema Hochfrequenz- und Nachrichtentechnik. Um der Initiative eine solide Basis zu geben wurde am 2. Oktober dieses Jahres ein Zusatzabkommen im Zuge des Staatsbesuches von Ministerin Schavan in Kolumbien unterzeichnet. Bereits im Jahr 2011 wurde ein Memorandum of Understanding zwischen der DFG und der kolumbianischen Förderorganisation COLCIENCIAS unterzeichnet, welches die bilaterale Finanzierung deutsch-kolumbianischer Forschungsprojekte erleichtert.

2011 hielten sich 68 Gastwissenschaftler aus Kolumbien an Max-Planck-Instituten auf (2010: 62; 2009: 51, 2008: 50). Somit stieg die Anzahl der kolumbianischen Gastwissenschaftler von 2009 auf 2011 um 25%. 2011 meldeten die Max-Planck-Institute zwei Projekte mit kolumbianischen Partnern. Beide Projekte meldete das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, das mit der Universidad Sergio Arboleda in Bogotá und der Universidad de Medellin sowie mit der Comisión Nacional de Reparación y Reconciliación kooperiert.

In den letzten Jahren hat die Zusammenarbeit zwischen Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft und kolumbianischen Forschungseinrichtungen an Bedeutung gewonnen. Schwerpunkte der Zusammenarbeit bilden die Entwicklung biobasierter Materialien, Infektionskrankheiten sowie intelligente Pipelineinspektion. Im Rahmen zwei größerer Industrieprojekte konnten Fraunhofer-Institute ihre Expertise in den Bereichen Folienbeschichtung sowie Qualitätsmodelle in der Öl- und Gaswirtschaft in praktische Anwendungen transferieren und so ihre Kompetenzen in diesen Bereichen erweitern.

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