Bei der Förderung des Nachwuchses in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften setzt das BMBF vor allem auf strukturbildende Förderinstrumente, also auf Forschergruppen, Verbünde oder Institutionen. Der Schwerpunkt der Nachwuchsförderung liegt auf der Schlussphase der Promotion sowie auf der Zielgruppe der Postdoktoranden.
Ein Förderweg ist die Einrichtung von selbstständigen Nachwuchsgruppen. Dabei wird ein erfahrener Postdoktorand Leiter oder Leiterin einer Gruppe, die gemeinsam eine Forschungsfrage bearbeitet und sich zugleich qualifiziert. Dieses Modell wird derzeit im Förderschwerpunkt "Europa von außen" und in der "Islamischen Theologie" erfolgreich erprobt.
Auch bei internationalen Kooperationen integriert das BMBF die Nachwuchsförderung: In der deutsch-französischen Kooperation von Geistes- und Sozialwissenschaftlern im Verbundprojekt "Saisir l'Europe" werden Stipendien für Nachwuchswissenschaftler ausgeschrieben, auch die Max-Weber-Stiftung bietet (Reise-)Stipendien an. Zum Angebot des BMBF zählt darüber hinaus das Postdoktoranden-Stipendienprogramm der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Einbindung der Nachwuchsförderung in die Projektförderung in den Regionalstudien (area studies).
Sieben geistes- und sozialwissenschaftliche Nachwuchsgruppen erhalten seit 2010 auf Basis der Bekanntmachung "Europa von außen gesehen" eine jeweils vierjährige Projektförderung. Die Auswahl der Projekte erfolgte auf Empfehlung eines internationalen Begutachtungsgremiums. Die Leitung der Gruppen obliegt besonders befähigten jungen Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen an universitären als auch an außeruniversitären Einrichtungen, die sich durch eigenständige Forschung für herausragende Positionen in der Wissenschaft qualifizieren können. [mehr]
Die zweite Bekanntmachung des BMBF zu eHumanities vom Januar 2013 enthält eine Förderlinie Nachwuchsförderung. In den ausgewählten Forschungsprojekten leiten Postdocs mehrere Promovierende bei der Bewältigung einer Forschungsaufgabe an der Schnittstelle von Informatik und Geistes-/Sozialwissenschaften an. Mit diesen Qualifizierungsmöglichkeiten wird das BMBF die Entwicklung der eHumanities, die kein eigenes Fachgebiet bilden, weiter vorantreiben.
"Sozialstaat", "Nachhaltigkeit" und "urbane Gewalträume" - das sind die drei Forschungsschwerpunkte des Netzwerks "Saisir l'Europe - Europa als Herausforderung", das im Oktober 2012 seine Arbeit aufgenommen hat. Ziel des Netzwerks ist es, die Kategorien, Methoden und Deutungsmuster zu reflektieren, in denen zentrale und aktuelle Probleme des Kontinents verhandelt werden, sowie die empirische Wissensbasis darüber zu erweitern.
Jedes Thema wird von einer interdisziplinären und internationalen Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern aus den Geistes- und Sozialwissenschaften verfolgt. Das Netzwerk setzt sich aus sieben deutschen und französischen Einrichtungen zusammen: Humboldt-Universität zu Berlin, Centre Marc Bloch, Goethe-Universität Frankfurt, Institut Français d'Histoire en Allemagne, Centre interdisciplinaire d'études et de recherches sur l'Allemagne, Deutsch-Historisches Institut (Paris) und Fondation de la Maison des sciences de l'homme. "Saisir l'Europe" wird insgesamt mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert.