
Unter Bedingungen, wie sie auf der Erde erreicht werden können, verlaufen die Fusionsreaktionen der Sonne zu langsam. Deshalb soll hier die Fusion zweier anderer Arten von Wasserstoffkernen genutzt werden: Deuterium und Tritium. Sie sind quasi Zwischenstufen auf dem Weg vom Wasserstoff zum Helium. Tritium läßt sich unter den Bedingungen einer Fusionsreaktion aus Lithium erzeugen. Sowohl Deuterium als auch Lithium sind in großer Menge vorhanden und stellen beim Erfolg der Fusionsforschung auf Jahrtausende keinen Engpass für die Energieerzeugung dar. Der entscheidende Vorteil gegenüber der heute noch vorherrschenden Art der Energieerzeugung durch Verbrennung fossiler Energieträger liegt also einerseits im Vermeiden von Kohlendioxidemissionen, andererseits in der langen Verfügbarkeit der Ressourcen. Fusion wäre somit - gerade im Hinblick auf den weltweit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch deutlich ansteigenden Energiebedarf - eine Ergänzung zum weiteren Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energiequellen.
Eine Fusionsreaktion kommt nur dann zustande, wenn die elektrische Abstoßung der dabei beteiligten Atomkerne überwunden wird. Während die Teilchen mit der dafür nötigen Energie - schnelle, elektrisch geladene Teilchen, das heißt Ionen, die zusammen mit freien Elektronen ein sogenanntes Plasma bilden - in der Sonne durch die Schwerkraft zusammen gehalten werden, lässt sich ein solches Plasma auf der Erde nur durch starke Magnetfelder oder aber Trägheitskräfte einschließen. Die Fusionsforschung in Europa konzentriert sich auf den Magneteinschluss, während in den USA auch die Trägheitsfusion verfolgt wird.
Die Komplexität der äußerst anspruchsvollen Technologien, die zur Realisierung des Fusionsprozesses notwendig sind, wurden in den Anfangsjahren der Fusionsforschung unterschätzt. Seit längerem ist man sich dessen jedoch bewusst und versucht, durch internationale Kooperation das nötige Wissen zu bündeln. So ist die Fusionsforschung zu einem Paradebeispiel internationaler Zusammenarbeit geworden, die insbesondere im vergangenen Jahrzehnt zu wesentlichen Fortschritten und Erfolgen geführt hat. Unter anderem wurde ein wichtiges Etappenziel erreicht, nämlich Fusionsleistungen von mehreren Megawatt zu realisieren und dabei ganz dicht an den so genannten "break-even"-Punkt heran zu kommen, bei dem die Fusionsleistung, die im Plasma erzeugt wird, der eingesetzten Heizleistung entspricht. Auf dieser insbesondere an der europäischen Versuchsanlage JET erreichten Basis kann nun mit dem Bau des internationalen Großexperimentes ITER ("Der Weg") begonnen werden, um ein Energie lieferndes Plasma unter kraftwerksähnlichen Bedingungen zu untersuchen.
In Deutschland arbeiten das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP), Garching und Greifswald, sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Forschungszentrum Jülich auf dem Gebiet der Fusionsforschung. Ihre Arbeiten sind eingebunden in das europäische Fusionsforschungsprogramm unter Euratom und werden auf internationaler Ebene von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) koordiniert. Die Arbeitsgebiete der deutschen Fusionszentren reichen von anspruchsvoller Grundlagenforschung im Bereich der Plasmaphysik bis hin zur Lösung komplexer technologischer Fragestellungen. Organisiert sind sie über die Entwicklungsgemeinschaft Kernfusion sowie im Programm Fusion der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) mit den folgenden Programmthemen:
Für diese Arbeiten werden unter anderem die folgenden Großanlagen und -einrichtungen eingesetzt:
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