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Open Access: Das Urheberrecht muss der Wissenschaft dienen

Wissenschaftliche Informationen aus öffentlich finanzierter Forschung sollten auch im Internet frei zugänglich sein. Zwar sind die Regelungen zum Schutz geistigen Eigentums wichtig. Sie ermutigen zu Kreativität und Entwicklergeist, haben eine wichtige wirtschaftliche Anreizfunktion und befördern so Innovationen - gerade in Wissenschaft und Forschung. Aber: Urheberrechte und die Anforderungen der Wissenschaft müssen stärker in Einklang miteinander gebracht werden. Auch urheberrechtlich geschützte Inhalte sollten für weitere Forschungsaktivitäten zur Verfügung stehen.

Internet und Digitalisierung haben den Zugang zu Wissen revolutioniert und die Kosten hierfür drastisch gesenkt. Schneller und günstiger denn je kann sich Wissen in der Welt verbreiten. Darum ist es entscheidend, dass Wissenschaft und Wissensgesellschaft die  Potenziale der Digitalisierung künftig noch besser nutzen. Wissen muss ungehindert für alle zugänglich sein.  Nicht nur, weil Wissenschaftler so leichter arbeiten können. Sondern vor allem, weil ein ungehinderter Wissensfluss für exzellente wissenschaftliche Forschung wichtig ist. Auch für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft  ist dies von hoher Bedeutung. Kurz gesagt: Der einfache und offene Zugang zum Wissen fördert Innovationen.

Buch mit fliegenden Buchstaben Copyright ThinkstockDarum hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen strategischen Dialog zum Thema "Wissenschafts- und innovationsfreundliches Urheberrecht für die digitale Wissensgesellschaft" initiiert. Einbezogen waren Akteure und Fachleute aus der wissenschaftlichen Praxis, den Wissenschaftsorganisationen, dem Bibliotheks- und Museumswesen, dem Bildungs- und Innovationssektor, dem wissenschaftlichen Verlagswesen, der Verwaltung sowie Urheberrechtler. Zusammen haben sie wünschenswerte Nutzungsszenarien für die Zukunft des Urheberrechts in wissenschaftlichen und forschungsnahen Kontexten entwickelt und Handlungsoptionen erarbeitet. Der Abschlussbericht des strategischen Dialogs liegt vor.

Wissenschaftliche Informationen ohne Barrieren

Das Konzept Open Access will den Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen erleichtern und Forschungsergebnisse besser sichtbar machen. Wissenschaftliche Informationen, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung entstehen, sollen über das Internet für jeden Nutzer ohne finanzielle, technische oder rechtliche Barrieren zugänglich und nachnutzbar sein. Bei Open Access geht es nicht nur um den Zugang zu qualitätsgesicherten Textpublikationen, sondern auch zu anderen digitalen Objekten wie zum Beispiel Forschungsdaten.  Dabei gibt es verschiedene Ansätze, um einen offenen Zugang zu ermöglichen. Die beiden wichtigsten werden als "grüner" und als "goldener" Weg bezeichnet. Beim grünen Weg wird eine bereits erschienene Verlagspublikation zusätzlich im Internet zugänglich gemacht. Dies kann geschehen, indem der Artikel auch in einem sogenannten Repositorium, das heißt auf einem Dokumentenserver der Hochschule oder Forschungseinrichtung, eingestellt wird.  

Beim goldenen Weg wird der Artikel unmittelbar in einem digitalen Medium publiziert, zum Beispiel einer online erscheinenden Open Access-Zeitschrift. Bei Open-Access-Publikationen wird - wie auch bei herkömmlichen Zeitschriften -  die Qualität der Artikel kontrolliert, zum Beispiel indem diese durch andere Wissenschaftler begutachtet werden (sogenanntes Peer Review). Zusätzlich erlaubt der freie Zugang auf elektronische Publikationen die Entwicklung neuer Wege der Qualitätssicherung, zum Beispiel mit einem transparenten Austausch über die Artikel.

Neue Regelung zum Zweitveröffentlichungsrecht

Aus wissenschaftspolitischer Sicht ist die Erleichterung des digitalen Zugangs zu wissenschaftlichen Informationen ein wichtiges Anliegen. Der Deutsche Bundestag hat am 27.  Juni 2013 das Gesetz zur Nutzung verwaister und vergriffener Werke verabschiedet. Das Änderungsgesetz beinhaltet auch die Regelung eines unabdingbaren gesetzlichen Zweitveröffentlichungsrechts. Damit werden wissenschaftliche Autoren künftig rechtlich abgesichert, die ihre Forschungspublikationen nach Ablauf von zwölf Monaten im Internet öffentlich zugänglich machen.  Voraussetzung ist, dass die Arbeiten im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungstätigkeit entstanden sind. Mit dieser neuen Regelung wird der Zugang zu wissenschaftlichen Informationen für die Wissenschaft und für die ganze Gesellschaft deutlich leichter. Sie ist ein  wichtiger Baustein zur Förderung von Open Access in Deutschland.

Im Kontext des Gesetzgebungsverfahren hat der Deutsche Bundestag zudem eine Entschließung verabschiedet, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, weitere Schritte zu ergreifen, um Open Access in Deutschland voran zu bringen und sicherzustellen, dass es ein attraktives und breites Angebot von offen zugänglichen wissenschaftlichen Publikationen gibt.

Die wichtigsten Fragen

Was ist Open Access?

Mit dem Begriff Open Access wird der offene und freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur im Internet umschrieben. Hinter dem Konzept von Open Access steht der Gedanke, dass wissenschaftliche Informationen (zum Beispiel Publikationen, aber auch Daten) für den Nutzer unentgeltlich und ohne technische oder rechtliche Hürden digital abruf- und nutzbar sein sollten. Wissenschaftlern oder auch interessierten Bürgern soll damit ein unkomplizierter Zugang zu Forschungsergebnissen ermöglicht werden.

Warum ist Open Access wichtig?

"If I saw further than other men it was because I was standing on the shoulders of giants" - dieses Zitat des berühmten Physikers Isaak Newton verdeutlicht, dass Forschung stets auf den Ergebnissen vorangegangener Forschung aufbaut. Der Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen ist essentielle Grundvoraussetzung für jede Forschungstätigkeit. Auch für die Umsetzung von Forschungsergebnissen in Innovationen und als Impulsgeber für neue Ideen ist der ungehinderte Wissensfluss eine wichtige Rahmenbedingung. Nicht zuletzt sind die Erkenntnisse und Erfahrungen der Nutzer von Forschungsergebnissen wiederum ein wichtiger Input für die weitere Forschung. Open Access ermöglicht einen schnelleren Zugriff auf relevante wissenschaftliche Informationen und deren vereinfachte Nutzung für die weitere Forschung. Je einfacher Forschungsergebnisse auffindbar und verfügbar sind, desto besser können sie Grundlage weiterer Forschungsaktivitäten sein und die damit verbundenen positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte auslösen. Open Access erleichtert den Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und macht Forschungsergebnisse besser sichtbar. Dies ist eine große Arbeitserleichterung für alle Forscher. Zugleich profitiert davon aber auch die Gesellschaft insgesamt: Jeder Interessierte kann Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Publikationen im Internet finden.

Wie wird Open Access finanziert?

Auch wenn Open Access-Publikationen für den Nutzer unentgeltlich abrufbar sind, bedeutet dies nicht, dass Open Access völlig kostenlos ist. Denn auch das Publizieren und Bereitstellen von Open-Access-Inhalten verursacht Kosten. Allerdings fallen bei Open Access die Publikationskosten anders an. Nicht mehr die Endnutzer (zum Beispiel Bibliotheken oder Käufer der wissenschaftlichen Zeitschriften) tragen die Publikationskosten, vielmehr verlagern sich diese an den Anfang der Publikationskette. Zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen gibt es verschiedene Modelle, zum Beispiel über Publikationsgebühren, die von Autoren oder ihren Einrichtungen getragen werden - über Publikationsfonds oder institutionelle Mitgliedschaften von wissenschaftlichen Einrichtungen bei Open-Access-Verlagen.

Was macht das Bundesbildungsministerium, um Open Access zu fördern?

Aufgabe der Forschungs- und Innovationspolitik ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Entstehung von Wissen, seinen Austausch und seine Zirkulation fördern. Ein ungehinderter Wissensfluss ist Grundvoraussetzung für exzellente und innovative Forschung, aber auch für den Transfer der Ergebnisse in Produkte und Dienstleistungen - zum Nutzen der gesamten Gesellschaft. Daher setzt sich auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung für mehr Open Access ein. Mit dem Gesetz zur Nutzung verwaister und vergriffener Werke und einer weiteren Änderung des Urheberrechtsgesetzes, das Anfang 2014 in Kraft treten wird, wurde ein wichtiger Schritt zur Erleichterung des digitalen Zugangs zu wissenschaftlichen Informationen getan. Das Gesetz enthält auch die Regelung eines unabdingbaren gesetzlichen Zweitveröffentlichungsrechts. Damit werden wissenschaftliche Autoren, die ihre Forschungspublikationen - die im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungstätigkeit entstanden sind - nach Ablauf von zwölf Monaten öffentlich zugänglich machen, künftig rechtlich abgesichert. Die neue Regelung ist ein wichtiger Baustein zur Förderung von Open Access in Deutschland.

 

Zusatzinformationen

Informationsplattform: Der freie Zugang zu wissenschaftlicher Information

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Reden

  • 19.11.2013

    Open Access Conference 2013 in Berlin

    Speech by State Secretary Dr. Georg Schütte on the occasion of the Berlin Open Access Conference 2013 in Berlin, BBAW on 19 November 2013

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    [URL: /pub/reden/StS_Rede_Open_Access_am_19.11.2013_in_Berlin.pdf]

Dokumente

 

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