
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch des Tsunami-Frühwarnsystems in Jakarta auf ihrer Indonesien-Reise am 10. Juli 2012. Nach der verherrenden Flutkatatstrophe vom 26. Dezember 2004 hatte Deutschland mehr als 55 Millionen Euro zum Aufbau eines Frühwarnsystems bereit gestellt, das unter der Leitung vom BMBF installiert wurde. Copyright: Bundesregierung / Jesco Denzel Am 26. Dezember 2004 hatte ein Seebeben vor der indonesischen Küste einen Tsunami ausgelöst, der weite Teile Südostasiens verwüstete und mehr als 230.000 Menschen das Leben kostete. Seitdem arbeiteten die Forscher des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) in Potsdam gemeinsam mit rund 20 nationalen und internationalen Partnerorganisationen am Aufbau eines Tsunami Frühwarnsystems. Seit November 2008 bietet das Frühwarnsystem bereits wirksamen Schutz für die Bevölkerung. Das System zählt zu den Beiträgen, die Deutschland im Rahmen der Hilfe für die vom Seebeben in Asien betroffenen Staaten zur Verfügung stellte. Es ist Teil der konzertierten Hilfe, die die Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO im Auftrag der UN seit 2005 koordiniert.
Die geographische Nähe zum Sunda-Bogen macht es besonders notwendig, in Indonesien ein Tsunami-Frühwarnsystem aufzubauen. Dort treffen zwei Kontinentalplatten aufeinander, die sich mit einer Geschwindigkeit von sechs Zentimetern pro Jahr untereinander schieben. Bei diesem so genannten Subduktionsprozess kommt es immer wieder zu sehr starken Erdbeben, die Tsunamis auslösen können. Da über 90 Prozent aller Tsunamis von Seebeben ausgelöst werden, ist die schnelle Erfassung und Auswertung von Erdbeben eine zentrale Komponente des Frühwarnsystems. Ozeanische Messeinheiten auf dem Meeresboden, auf Bojen oder als Küstenpegel dienen dazu, entstandene Tsunamis zu erkennen.
Alle erfassten Informationen treffen in Echtzeit im neu aufgebauten Daten- und Warnzentrum in Jakarta ein, wo sämtliche Einzelmessungen der unterschiedlichen Instrumentensysteme zu einem schnell interpretierbaren Gesamtbild mit den wichtigen Informationen, z.B. Ankunftszeit des Tsunami an verschiedenen Küstenabschnitten oder erwartete Wellenhöhe, zusammengefasst werden.
Im Fall des Sumatra-Bebens von 2004 verwüsteten die Wellen bereits eine Viertelstunde nach dem Erdbeben verschiedene Küstenabschnitte. Niemand kann in dieser Zeit eine Stadt evakuieren. Aber im Voraus berechnete Szenarien können die Einsatzplanung für die Hilfskräfte optimieren helfen. Für weiter entfernte Küstenabschnitte oder gar andere Länder lässt sich vorausberechnen, wann der Tsunami dort ankommt, wie stark seine Kraft sich auswirken wird und welche Küstenabschnitte gefährdet sind und somit evakuiert werden müssen.
Am 11. November 2008 wurde termingerecht der Betrieb des Tsunami-Frühwarnsystems aufgenommen. Nach einer anschließenden zweijährigen gemeinsamen deutsch-indonesischen Betriebsphase wird die Verantwortung am 29. März 2011 durch den Parlamentarischen Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel, ganz in indonesische Hände übergehen.
Das GITEWS-System ist offen und dezentral aufgebaut, um die Verknüpfung mit anderen regionalen und zukünftigen Systemen zu ermöglichen. Ebenfalls Bestandteil sind die Einrichtung der Satellitenkommunikation und der Aufbau von Know-how im zentralen Warnzentrum sowie Schulungen von Entscheidungsträgern, Experten, Verantwortlichen vor Ort und der Bevölkerung. Das System wird, unter Mithilfe der beteiligten deutschen Forschungseinrichtungen, fortlaufend optimierrt.
Neben der Umsetzung und Einbindung bestehender Technologien liegt ein weiterer Schwerpunkt in der Forschung, um neue satellitengestützte Komponenten eines operativen Frühwarnsystems zu entwickeln.
Das deutsch-indonesische Frühwarnsystem ist Hautbestandteil eines Gesamtkonzepts für ein Tsunami-Frühwarnsystem im indischen Ozean, dessen Aufbau UNESCO/IOC (die zwischenstaatliche Oezanographische Kommission) koordiniert. Deutschland hat bereits rund 55 Millionen Euro zum Aufbau und zur Optimierung des Systems beigetragen.
Naturkatastrophen wie das Seebeben Südostasiens mit weit über 230.000 Todesopfern sind ein seltenes Ereignis. Daten der Wissenschaft zeigen jedoch, dass auch in Europa derartige Katastrophen nicht auszuschließen sind.
So wurde die Altstadt von Lissabon 1755 ebenfalls durch einen Tsunami zerstört. Istanbul ist hinter Katmandu die am stärksten durch Erdbeben bedrohte Großstadt der Welt und vor ca. 8000 Jahren führten untermeerische Hangrutsche vor Norwegen zu einer 20 m hohen Flutwelle im Nordsee-Bereich.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Programms seit 2007 11 Verbundforschungsprojekte zum Thema Frühwarnung vor Naturkatastrophen in den Bereichen Erdbeben, Tsunami, Vulkanismus und Hangrutschungen mit rund 9 Mio. Euro.
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