
Am 19. Juli fanden in Hannover die XIII. Deutsch-Russischen Regierungskonsultationen statt. Die Regierungen beider Länder kamen zusammen, um sich über Themen der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung auszutauschen. Am 23. Mai hatten Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan und ihr Amtskollege Prof. Dr. Andrej
Fursenko in Moskau das Deutsch-Russische Jahr der Bildung,Wissenschaft und Innovation eröffnet. Die Minister zogen ein erstes Zwischenfazit und trafen zugleich Verabredungen über Maßnahmen und Projekte, die in den kommenden Monaten angegangen werden sollen.
Angesichts des großen Bedarfs in Russland nach qualifizierten Fachkräften sind die Erfahrungen mit der bewährten dualen Ausbildung in Deutschland gefragt. Beide Seiten vereinbaren dazu die Ausrichtung einer Deutsch-Russischen Berufsbildungskonferenz. Bis Mai 2012 werden darüber hinaus mit Unterstützung des BMBF eine Vielzahl unterschiedlicher Konferenzen, Symposien, Workshops und Ausstellungen organisiert, die sowohl in Deutschland als auch in Russland stattfinden. Sie adressieren ein breites Themenfeld und bieten Plattformen für intensiven Dialog. Beispiele sind ein Deutsch-Russisches Symposium zum Thema Wissens- und Technologietransfer als Kernaufgaben der Hochschulen in der Gesellschaft sowie eine Wanderausstellung zur gemeinsamen Meeres- und Polarforschung. In verschiedenen Städten in beiden Ländern werden der Öffentlichkeit anschauliche Ergebnisse deutsch-russischer Forschung vorgestellt.

Bundesforschungsministerin Schavan mit russischem Amtskollegen Fursenko 2011 in Hannover.©B.Seimetz, BMBF
Die Minister vereinbarten während ihres Treffens, gemeinsam die Schirmherrschaft für eine Initiative des Goethe-Instituts Moskau zu übernehmen. Unter dem Titel "Deutsch unterwegs" soll an über 200 Schulen in 18 Städten russlandweit das Interesse an der deutschen Sprache geweckt und lebendig gehalten werden.
Besprochen wurde auch die Einrichtung eines gemeinsamen deutsch-russischen Förderprogramms für die Spitzenforschung. Ziel ist es, zukünftig Projekte, etwa zum Schutz und effizienten Umgang mit Umweltressourcen, noch besser und zielgerichteter unterstützen zu können. Bundesministerin Schavan und Minister Fursenko betonten, dass sich hierdurch auch Impulse für den Austausch jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ergeben.
Darüber hinaus vereinbarten die Bundesministerin und ihr russischer Amtskollege, die Kooperation zum Supercomputing auszubauen und gemeinsam eine engere Zusammenarbeit anzustreben. Hierzu unterzeichneten beide Minister ein Memorandum of Intent.
Das WTZ-Abkommen wurde anlässlich der deutsch-russischen Regierungskonsultationen am 16. Juli 2009 auf Schloss Schleißheim bei München auf deutscher Seite von Bundesministerin Schavan und Staatssekretär Ammon (Auswärtiges Amt) sowie auf russischer Seite von Minister Fursenko in Anwesenheit der Bundeskanzlerin unterzeichnet. Es ersetzt das zwischen der Bundesregierung und der Regierung der UdSSR am 22. Juli 1986 geschlossene Abkommen. Damit wird den Veränderungen Rechnung getragen, die sich in den vergangenen über zwanzig Jahren ergeben haben. Ziele der Zusammenarbeit mit Russland sind vor allem der Ausbau der Kooperationsbeziehungen zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen, die Intensivierung der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich der innovationsorientierten angewandten Forschung zwischen deutschen und russischen Unternehmen, die Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung, der Austausch junger Wissenschaftler/innen sowie die Förderung gemeinsamer Forschungs- und Innovationsstrukturen.
Am 11. April 2005 hatten die Regierungschefs beider Länder in Hannover die "Gemeinsame Erklärung über die deutsch-russische Strategische Partnerschaft in Bildung, Forschung und Innovation" unterzeichnet, die auf dem vorangegangenen "Präsidentenprogramm" aus dem Jahre 1998 aufbaut.
Diese gemeinsame Initiative, die vom BMBF koordiniert wird, bündelt unter Einbeziehung von Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Öffentlicher Verwaltung die gemeinsamen Aktivi-täten in drei Säulen:
Die Aktivitäten im Rahmen der Strategischen Partnerschaft sind vielfältig. Hierzu zählen nicht nur die Initiativen und direkten Maßnahmen beider Regierungen, sondern auch die Programme und Projekte der Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Die zwischen Deutschland und Russland seit vielen Jahren bestehenden Fachvereinbarungen zur Zusammenarbeit in verschiedenen Forschungsbereichen sind ein wichtiges Instrument zur Umsetzung der Strategischen Partnerschaft. Die Zusammenarbeit wird schwerpunktmäßig auf die Themen der High-Tech-Strategie der Bundesregierung ausgerichtet.
Mit dem von der Deutsch-Russischen Kommission für wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit im März 2009 verabschiedeten gemeinsamen Protokoll wurde der Weg für eine künftig noch intensivere Kooperation geebnet. Die Zusammenarbeit in Forschung und Technologie ist darüber hinaus auch Bestandteil des Petersburger Dialogs. Im Jahr 2001 ins Leben gerufen, steht er unter der Schirmherrschaft der deutschen Bundeskanzlerin und des russischen Präsidenten. Der Petersburger Dialog findet abwechselnd in Deutschland und Russland statt und soll den deutsch-russischen Beziehungen neue Impulse geben. Teilnehmer/innen am Dialog sind Vertreter/innen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft mit Multiplikatorenfunktion.
Bundesministerin Schavan besuchte ihren Amtskollegen Fursenko im Februar 2011 in Moskau. Schwerpunkt der Russlandreise war die Vorbereitung des Deutsch-Russischen Jahres der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/2012 (DRJW).
Ausdruck der besonderen deutsch-russischen Partnerschaft sind die jährlich stattfindenden Regierungskonsultationen. Am 19. Juli 2011 trafen sich die Regierungen beider Länder in Hannover zu den mittlerweile 13. Konsultationen. Hier wurde unter anderem eine Gemeinsame Absichtserklärung über die Vertiefung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Managements großer Datenmengen in Höchstleistungsrechnern unterzeichnet.
Die vom BMBF geförderten nationalen Forschungsprioritäten, die sich aus der Hightech-Strategie 2020 für Deutschland ableiten, finden ihren Niederschlag in den BMBF-Fachprogrammen. Auf russischer Seite sind die nationalen Forschungsschwerpunkte in den Föderalen Zielprogrammen 2007 - 2012 festgelegt. Der Vergleich der in den Programmen beider Länder benannten Forschungsschwerpunkte zeigt eine große Schnittmenge, aus der gemeinsame Interessen und damit Potential zur bilateralen Kooperation resultieren. Diese Übereinstimmungen in den Forschungsinteressen Deutschlands und Russlands finden ihren Ausdruck in speziellen Fachvereinbarungen, die seit 1992 zu wichtigen Kooperationsschwerpunkten geschlossen wurden.
(ehemals Entwicklung und Anwendung von beschleunigerbasierten Photonenquellen)
Auf dem Gebiet der physikalischen Grundlagenforschung an Großgeräten ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland traditionell sehr eng und erfolgreich. Basis ist das am 22. Juli 1986 geschlossene WTZ-Abkommen sowie eine am 15. Oktober 2007 getroffene Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Anwendung von beschleunigerbasierten Photonenquellen. Darin wurden als Schwerpunkte der Kooperation die gemeinsame Entwicklung von Quellen für Synchrotronstrahlung und von Freie-Elektronen-Lasern sowie die Erarbeitung der theoretischen und praktischen Grundlagen in der Beschleunigertechnologie als auch die Forschung mit Photonen festgelegt. Neue Impulse erhält die Kooperation durch das gemeinsame Engagement Deutschlands und Russlands im Rahmen der derzeit in Hamburg und Darmstadt entstehenden internationalen Großanlagen für die naturwissenschaftliche Forschung: Des europäischen Röntgen-Freie-Elektronen-Lasers European XFEL sowie des Beschleunigerzentrums FAIR. In einem aktuellen Projektvorhaben des Helmholtzzentrums Geesthacht HZG mit dem Petersburger Institut für Kernphysik PNPI soll die Kooperation auf dem Gebiet der Neutronenstreuung durch eine gemeinsame Nutzung von Geräten vertieft werden. Zu diesem Zweck werden in Geesthacht nicht mehr benötigte Neutroneninstrumente zum PNPI transferiert, wo 2011 eine neue Forschungsplattform entsteht, an der zukünftig deutsche und russische Wissenschaftler gemeinsam arbeiten werden.
Optische Technologien entwickeln sich auch in Russland rasant zu einer Boom-Branche. Das jährliche Marktvolumen beträgt geschätzte 150 Millionen Dollar im Bereich der Laser-Technologie - bei durchschnittlichen Wachstumsraten von 10 %. Russische Forscher setzen derzeit besonders auf die Faseroptik, die nicht-lineare sowie die diffraktive Optik.
Deutschland und Russland sind in den Optischen Technologien sehr erfolgreich: Aus Russland stammen mehrere Nobelpreisträger aus diesem Bereich, aus Deutschland stammen weltweit führende Unternehmen in der Lasermaterialbearbeitung. Um diese Stärken zu bündeln, wurden in den letzten Jahren mehrere deutsch-russischer Erprobungs- und Beratungszentren für Lasertechnik (EBZL) in Russland errichtet.
Die Einrichtungen zur industriellen Nutzung der Lasertechnik in Russland unter der Leitung des Laser Zentrums Hannover e.V. (LZH) und des Bayrischen Laserzentrums (BLZ) haben eine Modernisierung der russischen Produktion mit Hilfe von Lasertechnik und Know-how aus Deutschland zum Ziel.
Deutschen Unternehmen bieten sich im Gegenzug Chancen auf einen erleichterten Marktzugang in wirtschaftlich interessante Regionen Russlands. So ist das Netzwerk aus aktuell fünf Laserzentren mit modernem Laserequipment von führenden deutschen Unternehmen wie Trumpf, LIMO Lissotschenko, Rofin Sinar, Jenoptik oder der Maschinenfabrik Arnold ausgestattet. Je nach Ausrüstung sind die Standorte spezialisiert: z.B. auf das Schneiden und Schweißen von Metallen, Kunststoffen und anderen nichtmetallischen Werkstoffen oder auf die Oberflächenbearbeitung.
Die vielfältigen Kontakte und Partnerschaften in dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien wurden durch die im Februar 2005 unterzeichnete Fachvereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informations- und Telekommunikationstechnologien zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem russischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MON) gefestigt. Auf dem Gebiet verfolgen Russland und Deutschland eine gezielte Innovationspolitik, die an allen Gliedern der Innovationskette ansetzt. Dazu gehört es auch, den Zugang für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu technologischem Know-how zu verbessern. In der bilateralen Förderung des Internationalen Büros (IB) des BMBF und des Russischen Fonds für die Unterstützung kleiner innovativer Unternehmen (FASIE) wurde daher das Fachthema als neuer Förderbereich aufgegriffen, um die deutsch-russische Zusammenarbeit in diesem Bereich zu stärken. Dies führte bereits zu ersten aktiven Projektkooperationen, beispielsweise in den Bereichen "Embedded Systems", Mensch-Technik-Interaktion, Logistik und Dienstleistungen. Die Mikrosystemtechnik wurde als eigenständiger Bereich herausgestellt. In den letzten drei Jahren lagen die meisten Anträge (32 von 150 Anträgen) und 14 % der insgesamt geförderten Projekte im Bereich IKT.
Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Biowissenschaften. Sie tragen entscheidend zum Verständnis lebender Organismen und ökologischer Systeme bei. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten in der Aufklärung von Krankheiten und erschließt neue Therapien. Deutschland und Russland haben bereits seit 1994 das wissenschaftliche Potenzial in diesem Bereich erkannt und begonnen, gemeinsame Projekte zu bearbeiten (Fachvereinbarung). Die vorhandenen Kooperationen auf den Gebieten Genom- und Proteomforschung, Bioinformatik, Molekulare Medizin, Systembiologie und Ernährungsforschung sollen weitergeführt werden.
Die fundamentalen neuen Erkenntnisse, die Fortschritte in den dazugehörigen Technologien und ihre breite Anwendung in der Gesundheits-, Umwelt- und Ernährungsforschung werden weitreichende Auswirkungen auf die gesundheitliche Versorgung, die Beherrschung von Umweltgefahren und unser gesamtes gesellschaftliches Leben haben. Schon heute findet die Biotechnologie Anwendung in vielen Lebensbereichen: ob es um die Entwicklung neuer Medikamente geht oder die Herstellung energieeffizienter Waschmittel.
Mit zahlreichen Forschungsprojekten bauen Russland und Deutschland ihre Zusammenarbeit weiter aus. Beide Länder betrachten die Kooperation auf dem Gebiet der Biotechnologie als wichtiges Instrument zur Beschleunigung der Innovationsdynamik in Industrie und Landwirtschaft. Dabei geht es einerseits um die Vernetzung der führenden wissenschaftlichen Expertise auf den Zukunftsfeldern der biotechnologischen Forschung, andererseits sollen Ergebnisse aus der Forschung im Rahmen transnationaler Technologietransferprozesse rasch kommerzialisiert werden.
Die Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland wird etwa im Rahmen des Kooperationsverbundes Biotechnologie unterstützt. Das primäre Ziel des Verbunds ist es, die Zusammenarbeit sowohl zwischen Unternehmen als auch wissenschaftlichen Einrichtungen beider Länder zu initiieren bzw. auf eine systematische und nachhaltige Grundlage zu stellen. Hierbei werden klassische Felder, wie z.B. die Molekularbiologie oder Biochemie, ebenso angesprochen wie jüngere Forschungsgebiete, so z.B. das Umwelt- und Ressourcenmanagement.
Nanotechnologische Anwendungen bestimmen bereits heute eine Vielzahl von Produkten und Prozessen. Dabei werden gezielt neue funktionelle Eigenschaften ausgenutzt, die Objekte und Materialstrukturen mit Dimensionen im Nanometerbereich, im Allgemeinen unter 100 nm, aufweisen (1 nm = 10-9 m). So entstehen neue elektronische, magnetische und optische Eigenschaften von Werkstoffen: Schmelzpunkte verschieben sich, aber auch katalytische Aktivitäten, die Löslichkeit und Transporteigenschaften von Stoffen stellen sich ganz anders dar.
Erkenntnisse aus dem Nano-Bereich haben einen unmittelbaren Einfluss auf verschiedenste Wissenschaftsbereiche: ob Naturwissenschaften, Medizin oder Materialwissenschaften, die Nanotechnologie eröffnet vielen Forschern neue Erkenntnisse und methodische Herangehensweisen. Zugleich gilt die Anwendung nanotechnologischen Wissens durch ihre interdisziplinäre Bedeutung und ihr enormes Verwertungspotential als innovative Schlüsseltechnologie.
Deutschland und Russland wollen ihre Zusammenarbeit künftig auch im Bereich Nanotechnologien vertiefen. Ein herausragendes Beispiel für die gute Zusammenarbeit ist etwa der Aufbau des Russisch-Deutschen Forschungszentrums "Multifunktionale nanostrukturierte Materialien und Formulierungen für Life Science" in Hamburg Moskau. Entwickelt werden neue Technologien für die Produktion von maßgeschneiderten multifunktionalen nanostrukturierten Materialien.
Ein weiteres Beispiel ist die Deutsch-Russische Institutspartnerschaft "Energierelevante Nanomaterialien" der Universität Ulm und der Lomonossow-Universität Moskau. Diese Institutspartnerschaft wird an das im Januar 2011 gegründete Helmholtz-Institut Ulm für Elektrochemische Energiespeicherung (HIU) angesiedelt. Zusammen mit Prof. Alexej Khokhlov, einem renommierten Spitzenwissenschaftler und Vizepräsidenten an der Moskauer Lomonossow-Universität, wird in einer bis zu dreijährigen Pilotphase der Aufbau des neuen deutsch-russischen Exzellenzzentrums gefördert. Die hier geplanten Forschungen zu energierelevanten Nanomaterialien sind sichtbarer Ausdruck der deutsch-russischen Kooperation in der Spitzenforschung.
Im Juli 2010 haben Ministerin Schavan und ihr russischer Amtskollege Minister Fursenko gemeinsam beschlossen, in 2011/12 als sichtbares Zeichen der Zusammenarbeit ein Deutsch-Russisches Jahr der Bildung, Wissenschaft und Innovation auszurichten. Das bilaterale Wissenschaftsjahr soll erfolgreichen bestehenden Kooperationen in beiden Länden eine höhere Sichtbarkeit verleihen. Darüber hinaus setzt die Initiative Impulse für zukünftige Forschungs- und Bildungskooperationen zwischen Deutschland und Russland. Die Regierungen beider Länder arbeiten gemeinsam mit den Akteuren aus Bildung, Wissenschaft und Forschung daran, die Potenziale der deutsch-russischen Zusammenarbeit auszuschöpfen. Die Wirtschaft wird in diesen Prozess einbezogen. Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise durch den Ausbau der institutionellen Zusammenarbeit die Spitzenforschung gestärkt wird. Mit einer deutsch-russischen Ausbildungsinitiative wird der Aufbau bilateraler Berufsbildungspartnerschaften gefördert. Ferner sollen gemeinsame Innovationspartnerschaften die Überführung von Forschungsergebnissen in marktreife Produkte erleichtern. Schließlich setzen sich beide Seiten für eine stärkere Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein.
Ab Anfang 2012 startet zusätzlich zum gemeinsamen Wissenschaftsjahr eine Kampagne zur Sichtbarkeit deutscher Forschungsexzellenz in Russland. Sie ist Teil der Schwerpunktkampagne im Rahmen der "Werbung für den Innovationsstandort Deutschland" unter der Marke "Research in Germany - Land of Ideas". Mit der Länderkampagne in Russland soll die Aufmerksamkeit für den Innovationsstandort Deutschland und die Sichtbarkeit deutscher Spitzenforschung und Spitzentechnologie weiter erhöht werden. Deutschland soll in Russland noch stärker als attraktiver Partner in Bildung, Forschung und Innovation dargestellt werden. Mit einer Vielfalt unterschiedlicher Maßnahmen sollen die Kooperationen zwischen deutschen und russischen Forschungseinrichtungen und innovationsstarken Unternehmen vorangetrieben, neue Kooperationen im Bereich der Fachkräfteausbildung auf den Weg gebracht und insgesamt eine Impulswirkung in Richtung eines noch wissensintensiveren Austauschs zwischen beiden Ländern ausgelöst werden, auch mit Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen.
Geplant sind u.a. Auftritte auf russischen Leitmessen, auch unter Beteiligung forschungsstarker kleiner und mittlerer Unternehmen aus Deutschland.
Die deutsche Botschaft in Moskau hat in Zusammenarbeit mit BMBF, dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH), dem russischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MON), den Regionen Nischni Nowgorod und Nowosibirsk sowie dem Sibirischen Zweig der Russischen Akademie der Wissenschaften (SORAN) am 17./18. Juni 2010 in Nischni Nowgorod und am 23./24. Juni 2010 in Nowosibirsk deutsch-russische Konferenzen unter dem Titel "Innovationen in Hochschulen und Forschungseinrichtungen: Wege in die Wirtschaft" ausgerichtet. Vorgestellt wurden Konzepte und Strategien zur Innovationsförderung an deutschen und russischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. An den Veranstaltungen nahmen über 200 Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Administration und Wirtschaft aus mehreren Regionen Russlands und aus Deutschland teil.
Ein erfolgversprechendes Beispiel für bilaterale Forschungsaktivitäten ist die eng abgestimmte Mitwirkung Deutschlands und Russlands bei Entwicklung und Bau international bedeutender Großgeräte. So sind beide Länder enge Partner bei der Finanzierung und Realisierung des Freien-Elektronen-Lasers im harten Röntgenbereich (XFEL) am DESY im Hamburg sowie der Beschleunigeranlage für die Hadronen- und Kernphysik (FAIR) am GSI in Darmstadt.
Die besondere Bedeutung, welche die DFG der Wissenschaft in Russland beimisst, findet ihren Ausdruck darin, dass sie seit dem Jahre 2003 ein Verbindungsbüro in Russland unterhält. Es dient als Ansprechpartner für deutsche und russische Wissenschaftler vor Ort, steht beim Aufbau neuer Partnerschaften beratend zur Seite und begleitet bestehende Kooperationen. Der systematische Ausbau der institutionellen Zusammenarbeit mit den russischen Partnerorganisationen ermöglicht die gemeinsame Förderung von Kooperationen in allen Bereichen der Grundlagenforschung. Rahmenvereinbarungen zur Kofinanzierung von Forschungsvorhaben und Forschermobilität existieren mit folgenden Partnern:
Die DFG unterstützt die Zusammenarbeit mit russischen Partnern mit einer Vielzahl von Instrumenten. So fördert die DFG neben der Anbahnung deutsch-russischer Kooperationsvorhaben (etwa 120 Anträge - Stand 2010) 104 bilaterale Projekte, zunehmend auch im Rahmen der Koordinierten Verfahren wie zwei Internationale Graduiertenkollegs in der Nachwuchsförderung belegen. Darüber hinaus wurden 2010 zwei Mercator-Gastprofessuren finanziert. Über weitere aktuell geförderte Forschungsvorhaben der DFG informiert die Internetdatenbank GEPRIS, die Auskunft zu Themen sowie beteiligten Personen und Institutionen gibt.
Die 17 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V. unterhalten seit vielen Jahren, teils Jahrzehnten, zahlreiche Kooperationen mit russischen Partnerinstituten in allen sechs Forschungsbereichen der Gemeinschaft (Energie; Erde und Umwelt; Gesundheit; Schlüsseltechnologien; Struktur der Materie; Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr), insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung. Darüber hinaus ist die Helmholtz-Gemeinschaft über zahlreiche internationale Großprojekte und über den Aufbau und Betrieb gemeinsamer Forschungsinfrastrukturen eng mit russischen Forschungseinrichtungen verbunden. Zwei herausragende Beispiele hierfür sind der Freie Elektronen-Laser European XFEL am Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) in Hamburg, sowie das Internationale Beschleunigerzentrum für die Forschung mit Ionen- und Antiprotonenstrahlen (FAIR) am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH in Darmstadt.
Zur Koordinierung der russischen Beiträge für FAIR haben das GSI Helmholtzzentrum und sein russisches Partnerinstitut (Institut für theoretische und experimentelle Physik, ITEP) in Moskau ein FAIR-Russia Research Centre (FRRC) eingerichtet, das aus Mitteln des Impuls- und Vernetzungsfonds des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft gefördert wird. Insgesamt fünfzehn Länder werden die Anlage gemeinsam nutzen. Dies wurde mit einer Regierungsverordnung vom 27.02.2010 bestätigt.
Die Helmholtz-Gemeinschaft unterhält seit 2005 ein Verbindungsbüro in Moskau, das die Russland-Kooperation der Helmholtz-Zentren unterstützt, den Informationsfluss zwischen den Helmholtz-Zentren und der russischen Forschungselite stärkt und den Kontakt zu russischen und internationalen Partnern in Russland aus dem Bereich der Forschungsförderung pflegt.
Strategische Partner, mit denen die Helmholtz-Gemeinschaft per Vertrag verbunden ist, sind:
Gemeinsam mit dem Russischen Fonds für Grundlagenforschung hat die Helmholtz-Gemeinschaft ein Förderprogramm "Helmholtz-Russia Joint Research Groups" aufgelegt: Hierdurch fördert die Helmholtz-Gemeinschaft nicht nur internationale Spitzenforschung, sondern sie leistet auch einen Beitrag zur Karrierestärkung russischer exzellenter Nachwuchswissenschaftler in Russland. Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit zwischen dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (Braunschweig) und dem Moskauer Zentralinstitut für Tuberkuloseforschung: Erforscht werden genetische Faktoren, die für den Ausbruch der Tuberkulose verantwortlich sind.
Mit dem RFFI sowie mit seinen weiteren russischen und auch deutschen Partnern führt die Helmholtz-Gemeinschaft einen intensiven Dialog, der Möglichkeiten und Wege zur weiteren Stärkung und Entwicklung der bilateralen Forschungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland aufzeigen soll.
Die Fraunhofer-Gesellschaft bietet mit ihrem großen Forschungsspektrum und -potenzial russischen Partnern hervorragende Anknüpfpunkte. Viele Institute der Fraunhofer-Gesellschaft unterhalten intensive Kooperationskontakte zu Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen in Russland. Vor allem im Mikroelekronik- und Automotive-Bereich, im Maschinenbau, im Energieanlagensektor und im Bereich von Transportwesen und Logistik sehen zahlreiche Fraunhofer-Institute wichtige Schwerpunkte für ihre Zusammenarbeit mit Partnern in Russland.
Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hat im Jahr 2001 mit der Russischen Akademie der Wissenschaften eine Vereinbarung getroffen, die eine generelle wissenschaftliche Zusammenarbeit, den Austausch von Wissenschaftlern wie auch die gemeinsame Nachwuchsförderung durch Gründung von Nachwuchs- und Partnergruppen vorsieht. Des Weiteren hat die MPG im Jahr 2003 eine Vereinbarung mit der Sibirischen Zweigstelle der Akademie getroffen, die insbesondere für den Bau eines Messturms in Sibirien, aber auch für eine generelle wissenschaftliche Zusammenarbeit ausgelegt ist.
Durch das Instrument der Partnergruppen unterstützt die MPG exzellente ausländische Nachwuchswissenschaftler, die nach einem Forschungsaufenthalt an einem Max-Planck-Institut in ihre Herkunftsländer zurückkehren, um dort eine von ihrer Heimatinstitution angemessen ausgestattete Arbeitsgruppe zu leiten.
Auch in Russland hat sich dieses Rückkehrerprogramm als außerordentlich erfolgreich herausgestellt: Gegenwärtig sind in Moskau und Jekaterinburg insgesamt drei Partnergruppen aktiv.
Zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) gehören insgesamt 87 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Einrichtungen. Sie alle arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung und beschäftigen zusammen mehr als 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht dabei von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Zahlreiche Einrichtungen der Leibniz- Gemeinschaft unterhalten enge Kontakte zur russischen Wissenschaft, zum Beispiel bei Projekten in den Bereichen Agrarökonomie, Materialforschung sowie Evolutionsbiologie, Paläontologie und Bodenzoologie.
Auch der DAAD ist durch eine Außenstelle in Moskau vertreten. Informationszentren gibt es in St. Petersburg und Novosibirsk. Darüber hinaus ist der DAAD mit fast 40 Lektorinnen und Lektoren an Hochschulen in Russland präsent. Der DAAD fördert zwischen Russland und Deutschland jährlich die Mobilität von rund 4.000 russischen und 1.600 deutschen Hochschulangehörigen und unterstützt rund 200 Kooperationen zwischen russischen und deutschen Hochschulen, womit Russland das Partnerland mit dem größten Austauschvolumen in Osteuropa ist. Einen besonderen Stellenwert haben neue, mit der russischen Seite gemeinsam finanzierte Partnerschafts-Stipendienprogramme wie das "Michael Lomonossow" und das "Immanuel Kant"-Programm erlangt. Zum weiteren Ausbau der Beziehungen soll das im Aufbau befindliche "Deutsche Haus der Wissenschaft und Innovation" (DWIH) in Moskau beitragen.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung in Russland hat vier Tätigkeitsschwerpunkte:
Wissenschaftler/innen aus der Russischen Föderation erhalten mit den Forschungsstipendien und Forschungspreisen der Stiftung die Möglichkeit nach Deutschland zu kommen, um hier selbst gewählte Forschungsprojekte mit einem Gastgeber und Kooperationspartner durchzuführen.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Forscherinnen und Forschern. Zu diesem Zweck vergibt sie pro Jahr mehr als 800 Forschungsstipendien und -preise. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 25.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 130 Ländern - unter ihnen 44 Nobelpreisträger.
In den letzten Jahren konzentrierte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ihre Beziehungen zu Russland auf die Implementierung der Ziele des Bologna-Prozesses. Im Rahmen der Unterarbeitsgruppe "Bologna" des Petersburger Dialogs wurden mit finanzieller Unterstützung des BMBF verschiedene Maßnahmen durchgeführt. Beispielsweise wurde in Kooperation mit dem Ost-West-Wissenschaftszentrum der Universität Kassel und mit russischen Partnern das dreisprachige "Glossary on the Bologna Prozess. English-German-Russian" erarbeitet und im Jahr 2006 von der HRK herausgegeben. Das Glossar ist auch online verfügbar.
Allgemein kann festgestellt werden, dass in den letzten Jahren die Implementierung der Bologna-Ziele in der Russischen Föderation erhebliche Fortschritte gemacht hat. Hinsichtlich der Zusammenarbeit im Hochschulbereich verzeichnet der Hochschulkompass der HRK 714 Kooperationen zwischen deutschen und russischen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen (Stand: 30.06.2011).
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist das Kompetenzzentrum zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Als solches fördert es Innovationen in der Berufsbildung und entwickelt Vorschläge für die Verbesserung von Aus- und Weiterbildung. Bereits 1993 unterzeichneten Vertreter des BIBB mit dem Institut für die Entwicklung der Berufsbildung in Russland eine Kooperationsvereinbarung. Gemeinsam wurden allein in den 90er Jahren über 20 Projekte zur Modernisierung der russischen Berufsbildung koordiniert. Mit der Initiative iMOVE unterstützt das BIBB deutsche Weiterbildungsanbieter dabei, ihre Angebote auch auf Russland auszurichten.
Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina ist Deutschlands Nationale Akademie der Wissenschaften. Sie bringt exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die wissenschaftsbasierte Expertisen erarbeiten und damit Politik und Gesellschaft beraten. Auf internationaler Ebene richtet die Leopoldina gemeinsam mit anderen Nationalakademien ihre Expertisen an die EU und die G8-Staaten. Unter Federführung der Russischen Akademie der Wissenschaften wurde im Jahr 2006 gemeinsam mit den Nationalakademien der G8-Staaten sowie Brasiliens, Chinas, Indiens und Südafrikas die "Gemeinsame Erklärung Wissenschaftlicher Akademien zur nachhaltigen Energiesicherung" erarbeitet und an die jeweiligen Regierungen gerichtet. Mit der Eröffnung des Wissenschaftsjahres am 23. Mai 2011 wurde beschlossen, dass eine "Junge Akademie" Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland und Russland noch stärker verbinden soll. Die Gründung einer deutsch-russischen Akademie ist ein wichtiges Anliegen des BMBF.
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(URL: http://www.bmbf.de/en/2513.php)
[PDF - 978,1 kB]
unterzeichnet am 16. Juli 2009 (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/Abkommen_D_RUS_unterzeichnet.pdf)
[PDF - 3,67 MB]

zwischen Deutschland und Russland in Bildung, Forschung und Innovation (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/20_Jahre_D-R-WTZ_2_Jahre_SP_Low_Data.pdf)
[PDF - 112,6 kB]
Gemeinsame Erklärung über die strategische Partnerschaft auf dem Gebiet der Bildung, Forschung und Innovation zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation - in Deutsch (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/GemeinsameErklaerungRUS.pdf)
[PDF - 90,3 kB]
Gemeinsame Erklärung über die strategische Partnerschaft auf dem Gebiet der Bildung, Forschung und Innovation zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation - in Russisch (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/gemeinsam_erklaerung_hnm_ru.pdf)

1991 - 2001 (russische Fassung)
2000, 116 Seiten
Download [PDF - 3,16 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/R-D-WTZ-Gesamtbroschuere.pdf)
Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
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Informationen zur Bildungslandschaft in Russland (URL: http://www.exportartikel-bildung.de/images/bibb_WS3_6_RUS-Bildung_im_Internet.ppt?PHPSESSID=675c6529b978041e2e30727c718f41aa)
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