01.08.2011
Polarforschung: Dem Klimageschehen auf der Spur
Die Polregionen sind Klimakammern der Erde. Der Austausch zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre gibt wichtige Informationen über klimatische Veränderungen. Noch fehlen mathematische Modelle, um die Daten zuverlässig interpretieren zu können. Für das Verständnis des Klimas ist die Forschung in Arktis und Antarktis deswegen von großer Bedeutung.
Die Polregionen sind Klimakammern der Erde. Der Austausch zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre gibt wichtige Informationen über klimatische Veränderungen. Noch fehlen mathematische Modelle, um die Daten zuverlässig interpretieren zu können. Für das Verständnis des Klimas ist die Forschung in Arktis und Antarktis deswegen von großer Bedeutung.
Die Polargebiete unseres Planeten haben eine wichtige Rolle für das Klimageschehen. Das Treibhausgas Kohlendioxid wird in den Meeren der polaren und subpolaren Breiten durch verschiedene Prozesse der Atmosphäre entnommen und in große Meerestiefen befördert. Wie dies funktioniert, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig verstanden. So ist unklar, ob die CO
2 verarbeitenden Planktonalgen durch die vom Menschen verstärkt verursachten CO
2-Emissionen "gedüngt" oder durch stärkere ultraviolette Einstrahlung infolge des Ozonlochs über den Polarkappen geschädigt werden. Damit ist nicht bestimmbar, ob sich ihr Beitrag zu diesem natürlichen Entlastungssystem vermindert oder verstärkt.
Diese Frage ist nur eine, auf die die Polarforschung Ergebnisse liefern soll. Durch verstärkte Forschung sollen die Wechselwirkungen zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre erfasst und besser mathematisch beschrieben werden. Besonders wichtig sind dabei Messungen für Modellrechnungen über Austauschvorgänge an den Grenzflächen Meer, Atmosphäre und Eis. Nur durch bessere Daten und Modelle lassen sich auch die Sediment- und Eisproben aus den Tiefenbohrungen in den Polarregionen interpretieren. Durch die Bohrungen verfügen wir zwar über ein einzigartiges Klimaarchiv der Polargebiete. Die Auswertung der Messergebnisse ist aber derzeit noch nicht ausreichend für zuverlässige Aussagen über Ursache-Wirkungsbeziehungen für Klimaveränderungen in der Erdgeschichte. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert die Antarktisforschung mit jährlich über 50 Millionen Euro.
Das zu 90 Prozent vom BMBF finanzierte AWI unterhält für die deutsche Polarforschung neben den Polarstationen in der Arktis auf Spitzbergen und der Antarktis auch den Forschungseisbrecher "Polarstern", eines der leistungsfähigsten Polarforschungsschiffe der Welt.
Internationale Zusammenarbeit
Insbesondere in der Arktisforschung verstärkt das BMBF die internationale Zusammenarbeit. Ziel ist es die vorhandenen Infrastrukturen noch effizienter zu nutzen und den deutschen Meeresforschern weiterhin Zugang zu den Gebieten zu sichern, die durch den rapiden Rückgang der Eisbedeckung zunehmend in den Focus der internationalen Meeresforschung gerückt sind. Dabei kann sich das BMBF auch auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Russland stützen. Gemeinsam unterhalten sie das Otto-Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung in St. Petersburg. Dort arbeiten Wissenschaftler und Studierende aus mehr als 40 Universitäten und Forschungseinrichtungen beider Länder gemeinsam an Projekten der Arktis- und Klimaforschung.
Gemeinsame europäische Polarforschungsprojekte werden auch im Rahmen des von der European Science Foundation koordinierten PolarCLIMATE-Programms durchgeführt. Das BMBF hat dafür aktuell 2,3 Millionen Euro bereitgestellt.