
Internet und World Wide Web (WWW) wurden von der Wissenschaft für die Wissenschaft entwickelt. Sie sind unverzichtbar für den Zugang zum weltweiten Wissen und für die Zusammenarbeit von Forscherinnen und Forschern. Das hervorragende Gigabit-Internet des Deutschen Forschungsnetzes bildet aber erst den Anfang einer Entwicklung, in der Netze und Anwendungen zu neuartigen Arbeitsumgebungen verschmelzen - GRID-Computing heißt das Schlüsselwort der Internetzukunft - die Arbeit an Supercomputern, die über Hochleistungsnetzwerke vernetzt sind. Ein neuer Meilenstein ist der schnellste Supercomputer Europas, der am 26. Mai 2009 in Jülich startete.
Deutschland hat im europäischen Vergleich eine hervorragende Infrastruktur für wissenschaftlich-technisches Rechnen. In der sich laufend verändernden Welt der schnellsten Supercomputer konnten Forschungszentren in Deutschland wiederholt Spitzentechnik vorweisen. Im November 2007 fand sich das Forschungszentrum Jülich in der Liste der 500 weltweit schnellsten Rechner an zweiter Stelle. Am 22. Februar 2008 wurde der mit 167 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde zu dieser Zeit schnellste zivile Rechner der Welt "JUGENE" in Jülich offiziell freigeschaltet. Der Supercomputer des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) in Garching bei München erreichte Platz 15. Der Ausbau der deutschen Supercomputerkapazität wird konsequent weiterentwickelt: Am 26. Mai 2009 wurde im Forschungszentrum Jülich Europas erster Petaflop-Rechner gestartet. Der Computer schafft eine Billiarde Gleitkomma-Operationen in einer Sekunde und ist damit der schnellste Supercomputer in Europa und schaffte in der Liste der schnellsten Computer mit dem dritten Platz ebenfalls den Sprung auf's "Treppchen".
Gleichzeitig wurden zwei weitere Supercomputer für die Fusionsforschung sowie für das JuRoPA-Projekt (Juelich Research on Petaflop Architectures) gestartet. Diese beiden Rechner werden mit Programmitteln der Helmholtz-Gemeinschaft und der EU finanziert. Insgesamt 30 der 500 weltweit schnellsten Computer stehen nach der Liste der schnellsten Supercomputer (Stand Juni 2011) in Deutschland, das damit nach China und den USA den dritten Platz erreicht.
Die Rechner der Supercomputerzentren weisen unterschiedliche Architekturen auf, die recht spezifisch auf unterschiedliche Anwendungsschwerpunkte abgestimmt sind. In Deutschland stehen auf diese Weise Rechenkapazitäten für eine sehr breite Palette von Forschungsarbeiten in verschiedensten Disziplinen zur Verfügung. Für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Wissenschaft in Deutschland kommt es zunehmend auf eine strategische Allianz der unterschiedlich ausgeprägten Höchstleistungsrechner an.
Auf Initiative des BMBF wurde mit den Wissenschaftsministern von Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen die Vereinbarung getroffen, dass sich die drei Standorte für Höchstleistungsrechnen in Deutschland in Jülich, München/Garching und Stuttgart zu einem Verbund zusammenschließen. Die Zentren haben am 13. April 2007 gemeinsam das Gauß-Zentrum für Supercomputing gegründet. Der Bund auf der einen und die drei Länder auf der anderen Seite finanzieren jeweils zur Hälfte den schrittweisen Ausbau der Supercomputer-Kapazität in Deutschland bis 2017 mit insgesamt bis zu 400 Millionen Euro. Der Petaflop-Supercomputer in Jülich war die erste Investitionsmaßnahme aus diesem Förderprogramm, die Standorte Garching und Stuttgart werden im Laufe der nächsten Monate mit ihren Installationen folgen.
Die Beteiligten an der Unterzeichnung des PRACE-MOU Die auf deutscher Seite begonnene Vernetzung wird auch auf EU-Ebene voran getrieben. Das Gauß-Zentrum für Supercomputing ist die Grundlage für ein gemeinsames Auftreten der deutschen Supercomputer-Zentren in Europa zum Aufbau eines weltweit führenden europäischen Supercomputerzentrums an verschiedenen Standorten.
Zusammen mit Vertretern aus 11 europäischen Ländern und der EU-Kommission entstand eine gemeinsame Initiative für die Bündelung der Kompetenzen auf dem Gebiet des Höchstleistungsrechnens. Das Ergebnis war die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zur Gründung der vom BMBF voran getriebenen Supercomputer-Initiative "Partnership for Advanced Computing in Europe" (PRACE).
Dieses Netzwerk aus Supercomputern ermöglicht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Europa einen optimalen Zugang zum Höchstleistungsrechnen. Die nötigen Mittel für Investitionen und Betrieb von etwa 400 Millionen Euro im Zeitraum von fünf Jahren wurden von jenen Ländern aufgebracht, die Standorte der Supercomputerzentren sind. Ein von der EU gefördertes und von Deutschland koordiniertes Projekt mit Partnern aus mittlerweile 20 Ländern unterstützt Aufbau und Betrieb des Netzwerks seit dem 1. Januar 2008. Nach einer Vorbereitungsphase wurde PRACE Ende 2010 offiziell gegründet und hat damit begonnen, europäischen Wissenschaftlern Rechenzeit an ihren Höchstleistungsrechnern zur Verfügung zu stellen.
Deutschland hat heute eines der besten Wissenschaftsnetze der Welt. Wir wollen diese Attraktivität des Forschungsstandortes Deutschland weiter erhöhen durch eine innovative Infrastruktur für verteiltes, kooperatives wissenschaftliches Arbeiten in Kommunikationsnetzen und eine leistungsfähige Informationsversorgung. Das bedeutet, eine Aufbereitung und Verfügbarkeit relevanter wissenschaftlicher Informationen durch entsprechende Informationszugänge und eine Digitale Bibliothek zu schaffen. Das Ziel ist, den Wissenstransfer in seiner Funktion als Motor für Innovationen zu optimieren.
Zweiter Schwerpunkt ist die Entwicklung zum GRID-Computing und dessen sowohl technologische als auch insbesondere ökonomische Herausforderung. Dabei geht es darum, die staatlich finanzierte und als Vorreiter fungierende Infrastruktur für die Forschung durch frühzeitige Verbindung mit konkreten Geschäftsmodellen von Partnern aus der Wirtschaft für die enormen Anwendungspotenziale der Grid-Technologie zu erschließen. Hochleistungsnetzwerke - wie etwa das Gigabit-Wissenschaftsnetz des Deutschen Forschungsnetzes (DFN) - werden sich in Zukunft zu umfassenden wissenschaftlichen Arbeitsumgebungen entwickeln. Sie werden den gesamten Forschungsprozess unterstützen, vom Betrieb der Messgeräte in weltweit kooperierenden Labors, über das Management von Forschungsdaten bis hin zur Dokumentation und Publikation der Ergebnisse. Damit solche Anwendungen künftig einfach und unbürokratisch genutzt werden können, müssen auch neue Konzepte für die Vernetzung von Datenspeichern, Rechnern und Netzen - so genannte GRID-Lösungen - entwickelt werden. Ökonomische Chancen bieten sich insbesondere in den Bereichen Digitalisierung der Dienstleistungswirtschaft und Digital Manufacturing/Digital Factory, um neue Dienstleistungen zu ermöglichen, Produktionszyklen zu flexibilisieren und zu beschleunigen und dadurch Wachstumskräfte in diesen Märkten mit dynamischem Wachstumspotenzial anzureizen.
Revolutionierende Veränderungen sind durch neue, GRID-basierte, kollaborative und vernetzte Formen in der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu erwarten. Die neue Herausforderung besteht darin, Informationssysteme der nächsten Generation anwendungs- und nutzungsorientiert zu schaffen. Geeignete IT- und Informationsinfrastrukturen sind die Voraussetzung dafür, dass neue Formen des wissenschaftlichen Arbeitens in sich selbst organisierenden Strukturen realisierbar werden.
Ziel ist die Entwicklung virtueller Wissensumgebungen, in denen die Nutzer dynamisch auf umfassende Datenbestände, Visualisierungen und wissenschaftliche Informationen aller Art zurückgreifen können. Damit sind auch künftig grundlegende Herausforderungen an die Entwicklung der wissenschaftlichen Informationsversorgung in Deutschland gestellt. Der schnelle Transfer von Forschungsergebnissen und die Aufbereitung und Verfügbarkeit relevanter wissenschaftlicher Informationen sind wichtige Faktoren zur Beschleunigung des Wissenstransfers und damit Motor für Innovationen. Neben der konventionellen Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse als Produkt wird sich der gesamte Prozess der Generierung, Verarbeitung, Verbreitung und Archivierung von Wissen grundlegend ändern. Die neuen dynamischen Formen des wissenschaftlichen Arbeitens erfordern innovative Informationsinfrastrukturen und Dienstleistungen für wissenschaftliche Kommunikation, Information und Publikation.
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Special zum Management im virtuellen Forschungsraum (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/wissenschaftsmanagement_1_05.pdf)

Höchstleistungsrechnen gibt Antworten auf schwierigste Fragen unserer Zeit
2011, 28 Seiten
Bestell-Nr.: 30603
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Forschung für Innovationen
2007, 80 Seiten
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