Forschung

Gesellschaft im demografischen Wandel

Verbesserte Lebensbedingungen, Frieden, und soziale Sicherungssysteme haben in den Industrienationen einen Wandlungsprozess in der Altersstruktur der Bevölkerung zur Folge. Das Ansteigen des Altersdurchschnitts zieht wiederum Veränderungen im Lebens- und Berufsalltag nach sich. Wie geht die Gesellschaft damit um? Wie können wir Chancen nutzen und von Erfahrungen profitieren? Lösungen aus der Gesundheitsforschung sind hier ebenso gefragt wie aus Produktion und Dienstleitung, für die Aus- und Weiterbildung und für die Umgestaltung unserer Städte. Das BMBF fördert in verschiedenen Fachprogrammen Ansätze zum Umgang mit dem demografischen Wandel.

Die Veränderungen in der Altersstruktur der Gesellschaft kommen weder unerwartet noch ist dieser Prozess unerforscht. Die heutige Alterspyramide ist Ergebnis der schon seit vielen Jahren zu beobachtenden langfristigen Bevölkerungsentwicklung.

Die ersten Folgen waren bereits umgesetzte Anpassungen in der Struktur der sozialen Sicherungssysteme. Gegenwärtig wird die Zahl der Schulen der verringerten Anzahl von Kindern im schulpflichtigen Alter angepasst. Und wenn in zehn Jahren aus den Kindern Jugendliche geworden sind, wird unter diesen veränderten Bedingungen ein Nachwuchsmangel an Auszubildenden und damit ein Fachkräftemangel spürbar werden.

Wie bei allen langfristigen Entwicklungen, deren Folgen für die Allgemeinheit erst im Jahr 2020, oder 2050 sichtbar werden, droht die Zeit ungenutzt zu verstreichen, die für die Entwicklung von Alternativen und ein Umdenken in der Praxis benötigt wird.

Als wichtigste Folgen des Demografischen Wandels wird heute über die Veränderungen für die sozialen Sicherungssysteme und die medizinische Versorgung diskutiert. Dies sind aber nur die besonders nahe liegenden Aspekte des Themas. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) widmet sich in einem umfassenderen Sinn den wichtigen Fragen und untersucht in verschiedenen Fachprogrammen die Folgen des Demografischen Wandels auf die Gesellschaft und entwickelt Strategien, auf die absehbaren Veränderungen rechtzeitig zu reagieren.

Gesundheitsforschung

Natürlich liegt auch ein besonderer Schwerpunkt des BMBF im Bereich Gesundheitsforschung. Neben der besseren Vermeidung, Früherkennung und Behandlung von Krankheiten, deren Häufigkeit bei einer alternden Bevölkerung zunimmt, geht es insbesondere auch um Forschungsarbeiten und Entwicklungen, die darauf abzielen, Autonomie und Mobilität zu erhalten.

  • Forschung

    Alt werden - bei guter Gesundheit

    Die Chancen, gesund zu altern, stehen heute besser denn je. Die durchschnittliche Lebenserwartung stieg - vor allem aufgrund der rasanten Fortschritte in der Medizin - in den vergangenen 100 Jahren kontinuierlich an und wird nach allgemeiner Erwartung auch weiterhin steigen. Wichtig für Gesundheit im Alter ist der Ausbau von Prävention und Früherkennung zahlreicher Erkrankungen. Das gilt besonders für die Demenz und andere neurodegenerative Erkrankungen.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/10849.php)

Lebenswelt

Ebenso müssen wir unseren Lebensalltag an die Veränderungen der Altersstruktur in Deutschland anpassen. Durch den steigenden Anteil der Älteren in unserer Gesellschaft verändern sich die Anforderungen an Produkte und Dienstleitungen, an die Aus- und Weiterbildung und an die Gestaltung des direkten Lebensraums. Welche Konsequenzen hat der demografische Wandel für das Wohnen, die Mobilität und damit für die Struktur der Städte? Um langfristig auf Veränderungen reagieren zu können, müssen wir sie bereits jetzt in den Blick nehmen. Das BMBF untersucht alle diese Bereiche in verschiedenen Forschungsprogrammen und verhindert, dass Zeit ungenutzt verstreicht und für die Entwicklung von Alternativen nicht mehr zur Verfügung steht.

  • Forschung

    Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien zur Adpation von Produktionswandel und demographischer Entwicklung

    Ziel des Projekts war es, den anstehenden demographischen Wandel zu analysieren und die spezifischen Veränderungen der Produktion in der Automobilindustrie zu identifizieren. Durch den Vergleich dieser beiden Entwicklungslinien und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Arbeit, wird der Handlungsbedarf hinsichtlich personeller, organisationeller und technischer Aspekte aufgedeckt, um daraus Gestaltungsempfehlungen abzuleiten. Der Fokus liegt dabei im Aufzeigen von Gestaltungsfeldern für die Unterstützung der Industriearbeit. Eine Studie der RWTH Aachen.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/11601.php)
  • Forschung

    Die Rolle der IuK-Technik im Innovationsprozess bei alternden Belegschaften

    In dem Vorhaben wurde untersucht, wie das Potenzial der Informationstechnologie (IT) für betriebliche Innovationsprozess angesichts alternder Belegschaften besser erschlossen werden kann. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die IT als Arbeits- und Hilfsmittel bei der Steuerung und Ausgestaltung des betrieblichen Produktentstehungsprozesses nicht optimal genutzt wird, weil technische Lösungen einen höheren Stellenwert als soziale haben und Personalverantwortliche auf die Folgen des demographischen Wandels bisher nicht sachgerecht reagieren. Eine Studie des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/11602.php)

Bildung

Das Lebenslange Lernen eröffnet dabei auch älteren Menschen neue Möglichkeiten, mit den Veränderungen im täglichen Leben Schritt zu halten. Die ältere Generation ist eine wichtige und Impulse gebende Stütze der Gesellschaft, denn sie ist anderen Generationen in zahlreichen Bereichen in ihrem Wissen voraus. Der besondere Wissensvorsprung kann die Gesellschaft einerseits durch Erschließen dieses Erfahrungsschatzes bereichern und andererseits helfen, angesichts der demographischen Entwicklung ein größeres Wertschöpfungspotenzial freizusetzen.

Mit dem Altersaufbau unserer Bevölkerung verändert sich auch die Zusammensetzung der Belegschaften in den Betrieben: Es rücken weniger junge Berufsanfängerinnen und -anfänger nach, die Potenziale des älteren Personals gewinnen an Bedeutung. Die Gesellschaft hat erkannt, dass wir durch eine kontinuierliche, lebensbegleitende Weiterbildung die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen bis zum Rentenalter sichern und somit die Innovationskraft und Produktivität unserer Gesellschaft auch im demographischen Wandel erhalten können. Wenn Kenntnisse und Fähigkeiten immer wieder auf neue berufliche Anforderungen eingestellt werden, erhöhen sich die Beschäftigungsmöglichkeiten gerade für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ein 55jähriger, der sich kontinuierlich weiterbildet und sein Wissen auf den neuesten Stand bringt, hat dem 25jährgen eines voraus: 30 Jahre Berufserfahrung. Ein solche Kombination aus Erfahrungswissen und dem aktuellen Wissensstand bringt sowohl den Beschäftigten als auch den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern erhebliche Vorteile. Diese Chancen gilt es gemeinsam entschlossen zu nutzen.

  • Bildung

    Lernen im Lebenslauf

    "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" hat heute keine Geltung mehr. Lernen hört nach Schule, Ausbildung oder Studium nicht auf, denn Lernen ist das wesentliche Werkzeug zum Erlangen von Bildung und damit für die Gestaltung individueller Lebens- und Arbeitschancen. Um die Bedingungen in diesem Bereich zu verbessern hat die Bundesregierung am 23. April 2008 die Konzeption für das Lernen im Lebenslauf verabschiedet. Diese Konzeption knüpft unmittelbar an das an, was im Rahmen der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung umgesetzt wird.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/lebenslangeslernen.php)

Wirtschaft

Die Wirtschaftskraft unseres Landes hängt davon ab, wie gut es uns gelingt, die Arbeitsbedingungen in Produktion und Dienstleistung zu verändern, wenn der Altersdurchschnitt der Arbeitsbevölkerung steigt und zugleich der Arbeitskräftenachwuchs mit der abnehmenden Zahl von Jugendlichen schrumpft. Für die Unternehmen wird es in wenigen Jahren überlebenswichtig, Antworten auf eine Reihe drängender Fragen zu finden:

  • Sollte die Produktion noch stärker automatisiert werden, um fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen?
  • Wie lässt sich die Arbeit organisieren, um die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerhaft zu erhalten - wie können Arbeit  und Weiterbildung besser miteinander verbunden werden? 
  • Welche Folgen hat im Bildungsbereich eine Verschiebung der Schwerpunkte von der Erstausbildung zum Lebenslangen Lernen?
  • Welche Folgen für die Betriebe hat es, wenn immer weniger junge Arbeitskräfte eine Ausbildung beginnen und dann einen Beruf ergreifen?

Das BMBF fördert mit den Sozialpartnern Lösungskonzepte für diese Fragen. 

Ergebnisse der Demografie-Initiative für die Praxis nutzen

In einer ersten Phase wurden betriebliche Werkzeuge in Kooperation von Verbänden, Sozialpartnern und über 130 Unternehmen unter wissenschaftlicher Begleitung erarbeitet. Auf einem Kongress am 28. Juni 2005 in Berlin wurden die Ergebnisse vorgestellt. In der zweiten Phase geht es darum, diese erfolgreichen Beispiele in einen möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen.

Auf dem jetzt mit den Sozialpartnern aufgebauten Portal http://www.demowerkzeuge.de/ stehen allen Unternehmen spezielle neue Werkzeuge zur Verfügung, die auf demografisch bedingte Änderungen in den Betrieben ausgerichtet sind. Dies umfassen unter anderem neu gestaltete

  • Instrumente zur Personalplanung wie die Altersstrukturanalyse, die vereinfacht wurden, um sie auch für KMU nutzbar zu machen.
  • traditionelle Instrumente des Personaleinsatzes und der Personalerfassung wie eine Personaleinsatzmatrix.
  • Vorschläge zur Personalstruktur und Arbeitsgestaltung - wie etwa zur altersgemischten Teambildung, zum Wissenstransfer zwischen demnächst ausscheidenden Erfahrungsträger und künftigem Nachfolger oder zur Bildung von Tandems zur engen Zusammenarbeit über bestimmte Zeitspannen.

Publikationen

  • Demografischer Wandel - (k)ein Problem!

    Titelbild der Publikation

    Werkzeuge für betriebliche Personalarbeit

    2010, 85 Seiten
    Bestell-Nr.: 30130

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 1,36 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/demografischer_wandel_kein_problem_br.pdf)

  • Demografischer Wandel - (k)ein Problem!

    Titelbild der Publikation

    Werkzeuge für betriebliche Personalarbeit

    2005,

    Download [PDF - 250,5 kB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/demografischer_wandel_kein_problem.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)