Nanotechnologische Anwendungen machen das Fahrzeug der Zukunft sicherer und wirtschaftlicher. Im Innenraum sorgt die innovative Technologie für Sauberkeit und Hygiene: Im Projekt "Nan-On-Tex" entwickeln Unternehmen aus den Branchen Nanotechnologie und Automobilindustrie gemeinsam ein Imprägniersystem für Textilien im Fahrzeug. Diese lassen sich dann leichter reinigen, sind Schmutz abweisend und antibakteriell.
In den Labors von NANO-X in Saarbrücken testen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler derzeit geeignete Bindemittel für die Imprägnierlösung. Dabei arbeiten die Chemiker mit Hybridmaterialien, die Partikel-Strukturen enthalten, die nur wenige Nanometer groß sind (ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter). Die besonderen Kombinationsmöglichkeiten derartiger Materialien werden genutzt, um die Imprägniersysteme mechanisch stabil zu machen, so dass ein optimaler Haftverbund mit der Faser entsteht. Ergebnis: Der aufgetragene Schutzfilm bleibt langfristig stabil. Das geeignete Bindemittel wird dann mit Wirkstoff-Komponenten angereichert, die antibakteriell oder Schmutz abweisend wirken - dabei sollen möglichst viele Funktionen für den Schutz der Textilien integriert werden.
Gemeinsam mit dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf und dem Unternehmen Nanocraft (Mikro- und Nanoanalytik) wird zudem getestet, wie das Imprägniersystem auf die betreffenden Stoffe angebracht werden kann. Der Projektpartner Isringhausen, ein Hersteller von Nutzfahrzeugsitzen, berät bei der Entwicklung und überprüft in einem weiteren Schritt, ob die Imprägniersysteme die gewünschten Eigenschaften erfüllen. Auch hier bewegt man sich im Nanobereich: Die Schichten, die aufgetragen werden, sollen die kleinste Dimension nicht übersteigen, um die Atmungsaktivität der einzelnen Faser zu bewahren. Außerdem sollen Aussehen und Charakter des Stoffs, meist handelt es sich hierbei um Polyestergewebe, nicht verändert werden.
Bereits in drei Jahren wollen die Projektpartner mögliche Materialien für den Imprägnierschutz präsentieren. Dann geht es direkt an die praktische Umsetzung, um die nanoskaligen Imprägniersysteme in der Fahrzeug-Industrie zum Standard zu machen. Dazu muss der unter Laborbedingungen entwickelte Beschichtungs-Prozess an die Anforderungen der industriellen Produktion angepasst werden.
Das nanoskalige Imprägniersystem soll in Zukunft auch in anderen Bereichen als der Fahrzeugindustrie zum Einsatz kommen. So könnten mit ihm beispielsweise Möbel- und Polsterstoffe, aber auch Markisen und Verdeckstoffe behandelt werden, so dass auch diese Stoffe Schmutz abweisende, geruchshemmende oder antibakterielle Eigenschaften besitzen. Vorstellbar ist außerdem, dass das System zur Ausrüstung von Arbeitsbekleidung und technische Textilien - hierzu zählen unter anderem Transportbänder - verwendet wird.