
Für realitätsgerechte Untersuchungen und überzeugende Handlungsempfehlungen sind Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler auf zuverlässige und aktuelle Daten angewiesen. Das BMBF fördert Pilotprojekte, um der Wissenschaft einen besseren Zugang zu vorhandenen, aber bisher für sie schwer zugänglichen oder nicht nutzbaren Daten zu ermöglichen. Der 2004 vom BMBF berufene Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten unterstützt durch seine Empfehlungen Wissenschaft und Politik bei der Weiterentwicklung der Dateninfrastruktur als Voraussetzung für eine international wettbewerbsfähige empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung.
Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sind auf zuverlässige und aktuelle Daten angewiesen, um realitätsgerechte Untersuchungen durchführen und überzeugende Handlungsempfehlungen liefern zu können. Dabei reichen aggregierte Daten für moderne Analyseverfahren oftmals nicht mehr aus. Notwendig sind Einzeldaten. Solche Mikrodaten sind in großer Zahl vorhanden, etwa bei der amtlichen Statistik, der Bundesagentur für Arbeit und den Rentenversicherungsträgern. Sie sind allerdings nicht zum Zweck einer wissenschaftlichen Nutzung erhoben worden und daher auch nicht für wissenschaftliche Zwecke aufbereitet und dokumentiert.
Die 1999 vom BMBF einberufene "Kommission zur Verbesserung der informationellen Infrastruktur zwischen Wissenschaft und Statistik" (KVI) hatte eine Reihe von Empfehlungen verfasst, durch die die Situation der empirischen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig verbessert werden können. Ein Kernpunkt der Empfehlungen - die Einberufung des Rates für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) wurde am 1. November 2004 vom BMBF umgesetzt. Der RatSWD ist paritätisch mit Wissenschaftlern und Leitern der Datenproduzenten besetzt. Im Vordergrund der Aufgaben des RatSWD stehen die Verbesserung der Datennutzung und des Datenzugangs für die empirische Forschung im Einklang mit dem Datenschutz, sowie die Weiterentwicklung der Datenerhebung. Ein wesentlicher Faktor dazu war die Verankerung eines Privilegs der Wissenschaft beim Zugang zu den Daten der amtlichen Statistik im Bundesstatistikgesetz.
Der RatSWD vermittelt zwischen den Interessen von Forschung und Datenproduzenten und unterstützt die Forschungsförderung bei der Auswahl und Begleitung von Forschungsvorhaben, die auf eine Steigerung der Auswertungsmöglichkeiten von Statistiken und eine Erweiterung der Zugangswege zu statistischen Mikrodaten für Wissenschaftler gerichtet sind.
Ein wesentliches Aktionsfeld des RatSWD ist der Aufbau und die dauerhafte Sicherung einer informationellen Infrastruktur in Deutschland. Dazu zählen Pilotprojekte zur Einrichtung und Erprobung von Forschungsdatenzentren bei großen Datenproduzenten und von Datenservicezentren bei wissenschaftlichen Einrichtungen.
Forschungsdatenzentren verbessern den Zugang der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu Mikrodaten durch die Bereitstellung von faktisch anonymisierten Scientific Use Files oder - im Falle von nicht anonymisierbaren und datenschutzrechtlich besonders sensiblen Daten - durch die Einrichtung von Gastwissenschaftlerplätzen in den Zentren oder die Ermöglichung von kontrollierter Datenfernverarbeitung. Gefördert werden Pilotprojekte zur Konzeption und Erprobung von Forschungsdatenzentren beim Statistischen Bundesamt, bei den Statistischen Landesämtern, bei der Bundesagentur für Arbeit und beim Verband Deutscher Rentenversicherungsträger.
Datenservicezentren unterstützen die empirische Arbeit in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften durch Serviceleistungen wie Schulungen zum Umgang mit Daten, Dokumentationen von vorhandenen Datensätzen und Entwicklung von Informationssystemen zur Suche und Verwaltung von Metadaten. Pilotprojekte zur Konzeption und Erprobung von Datenservicezentren werden bei der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS) und beim Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) gefördert.
Neben diesem Aufbau einer leistungsfähigen Dateninfrastruktur fördert das BMBF Methodenprojekte, in denen Verfahren entwickelt werden, die zum Schutz der Rechte von Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen die unerwünschte Verwendung von Daten erheblich erschweren. Die Anwendung dieser Verfahren ermöglicht der Wissenschaft die Erschließung von Daten, die bisher nicht zugänglich waren. Dazu zählen in erster Linie Verfahren zur Anonymisierung von Mikrodatensätzen, aber auch die Verknüpfung bislang unverbundener Daten, die die Analysemöglichkeiten der Wissenschaft erheblich erweitern. Methodenprojekte werden beim Statistischen Bundesamt und der Bundesagentur für Arbeit in Kooperation mit Statistischen Landesämtern, wissenschaftlichen Instituten und der GESIS gefördert.
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