Forschung

Nationale und internationale Strukturbildung

Bestandteile des Schwerpunkts sind die Verbesserung der informationellen Infrastruktur für die empirisch forschenden Sozialwissenschaften und die Förderung von "enhanced Humanities" Geisteswissenschaften. Besonders wichtig sind dabei eine Verknüpfung von Infrastrukturen für die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften mit entsprechenden EU-Initiativen im European Strategic Forum on Research Infrastructures (ESFRI), die Einbettung in die nationale Roadmap zur Entwicklung innovativer Forschungsinfrastrukturen und tragfähige Finanzierungsregeln hinsichtlich der Investitions- und Betriebskosten.

Innovative Forschungsinfrastrukturen für die Geistes- und Sozialwissenschaften

Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien schafft neue Perspektiven in der Forschung, die nicht nur Arbeitserleichterungen und erheblich erleichterten Ressourcenzugriff bedeuten, sondern vor allem neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und innovative Forschungsansätze ermöglichen. Sogenannte virtuelle Forschungsumgebungen und systematisch aufgebauter Ressourcenzugang für die Forschung sind in den Naturwissenschaften schon lange üblich, insbesondere in den Geisteswissenschaften aus verschiedenen Gründen weniger. Mit seiner Förderung will das BMBF diesem strategischen Rückstand der Geistes- und Sozialwissenschaften begegnen.

2006 übernahm das BMBF die Initiative zum Aufbau einer virtuellen Forschungsumgebung. TextGrid - eines der sechs ersten Förderprojekte der D-Grid-Initiative - war dabei das einzige Projekt für die Geisteswissenschaften. In diesem Feld gab es vorher nur Aktivitäten von einzelnen Wissenschaftlern mit besonderer IKT-Kompetenz, die sogenannte Insellösungen für ihren eigenen Gebrauch entwickelten. TextGrid war damit der erste systematische und übergreifende Ansatz zum Aufbau einer innovativen Forschungsinfrastruktur, die den Wissenschaftlern einen freien Zugang zu digitalisierten Textressourcen und zu Web-basierten Werkzeugen und Diensten gewährleistet. Zum TextGrid-Konzept gehört auch die Aufnahme von oben beschriebenen leistungsfähigen Insellösungen.

Im internationalen Zusammenhang werden diese virtuellen Forschungsumgebungen als eHumanities bezeichnet, wobei e für "enhanced" und damit erweiterte Forschungsmöglichkeiten steht.

Diese Forschungsumgebungen bieten den Forschern unterschiedliche Leistungen und Möglichkeiten an:

  • Bereitstellung von Forschungsressourcen, Tools und Services
  • Neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit unabhängig vom Ort
  • Innovative Forschungsansätze insbesondere auf der Basis von Informatikmethoden.

Das BMBF  fördert die eHumanities in zwei Schwerpunkten:

  • Aufbau einer Forschungsinfrastruktur
  • Entwicklung innovativer Forschungsansätze auf der Basis dieser Infrastruktur.

Die Projekte TextGrid (2006 - 2012) und D-Spin (2008 - 2011) sind Teil des ersten Schwerpunkts. Während TextGrid den Aufbau virtueller Forschungsumgebungen für die gesamten Geistes- und Sozialwissenschaften betreibt, ist D-Spin die deutsche Förderlinie des ESFRI-Projekts CLARIN (Common Language Resources and Technology), das im Bereich der Sprachwissenschaften eine Forschungsinfrastruktur aus Servicezentren aufbaut und 2011 in CLARIN-D übergeht (Förderung bis 2016). Ähnlich wie TextGrid baut DARIAH (Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities) als ESFRI-Projekt eine europäische Forschungsinfrastruktur für die Geistes- und Sozialwissenschaften auf.

Im zweiten Schwerpunkt förderte das BMBF die Entwicklung innovativer Forschungsansätze, die exemplarisch im Projekt eAQUA "Extraktion von strukturiertem Wissen aus antiken Quellen für die Altertumsforschung" beobachtet werden können. Hier werden mit Textmining antike und neuzeitliche Texte analysiert und ausgewertet, um neue Erkenntnisse und Wissensstrukturen zu gewinnen. Das BMBF wird derartige Projekte mit Bekanntmachungen in den kommenden drei Jahren fördern. Die erste Bekanntmachung zu eHumanities wurde im Mai 2011 veröffentlicht.

 

Bessere Daten für die Sozialwissenschaften

Für realitätsnahe Untersuchungen und überzeugende Handlungsempfehlungen sind Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler auf zuverlässige und aktuelle Daten angewiesen. Das BMBF fördert Pilotprojekte, um der Wissenschaft einen besseren Zugang zu bisher für sie schwer zugänglichen oder nicht nutzbaren Daten zu ermöglichen. Der 2004 erstmalig vom BMBF berufene Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten unterstützt durch seine Empfehlungen Wissenschaft und Politik bei der Weiterentwicklung der Dateninfrastruktur als Voraussetzung für eine international wettbewerbsfähige empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung.
Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sind für ihre Analysen insbesondere auf aktuelle Mikrodaten angewiesen, die der amtlichen Statistik, der Bundesagentur für Arbeit und den Rentenversicherungsträgern umfassend vorliegen. Sie sind allerdings nicht zum Zweck einer wissenschaftlichen Nutzung erhoben worden und daher auch nicht für wissenschaftliche Zwecke aufbereitet und dokumentiert.

Die 1999 vom BMBF einberufene "Kommission zur Verbesserung der informationellen Infrastruktur zwischen Wissenschaft und Statistik" (KVI) hatte eine Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der Situation der empirischen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit ausgesprochen. Ein Kernpunkt war die Einberufung des Rates für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD), die am 1. November 2004 vom BMBF umgesetzt wurde. Der RatSWD ist paritätisch mit Wissenschaftlern und Leitern der Datenproduzenten besetzt. Im Vordergrund der Aufgaben des RatSWD stehen die Verbesserung der Datennutzung und des Datenzugangs für die empirische Forschung im Einklang mit dem Datenschutz, sowie die Weiterentwicklung der Datenerhebung. Ein wesentlicher Faktor dazu war die Verankerung eines Privilegs der Wissenschaft beim Zugang zu den Daten der amtlichen Statistik im Bundesstatistikgesetz. Der RatSWD wurde 2009 vom Wissenschaftsrat positiv evaluiert und inzwischen erweitert, um mehr wissenschaftliche Fachgebiete einzubinden und die Datenanbieter umfassender zu repräsentieren.

Ein wesentliches Aktionsfeld des RatSWD ist der Aufbau und die dauerhafte Sicherung einer informationellen Infrastruktur in Deutschland. Dazu zählen als Meilensteine die Einrichtung und Erprobung von Forschungsdatenzentren bei großen Datenproduzenten und von Datenservicezentren bei wissenschaftlichen Einrichtungen.

Forschungsdatenzentren erleichtern unter Sicherung des Datenschutzes den Zugang der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu Mikrodaten durch die Bereitstellung von faktisch anonymisierten Scientific Use Files oder - im Falle von nicht anonymisierbaren und datenschutzrechtlich besonders sensiblen Daten - durch die Einrichtung von Gastwissenschaftlerplätzen in den Zentren oder die Ermöglichung von kontrollierter Datenfernverarbeitung. Gefördert wurden Pilotprojekte zur Konzeption und Erprobung von Forschungsdatenzentren beim Statistischen Bundesamt, bei den Statistischen Landesämtern, bei der Bundesagentur für Arbeit und beim Verband Deutscher Rentenversicherungsträger.

Die inzwischen aufgebaute Dateninfrastruktur zur privilegierten Nutzung durch die empirisch forschende Wissenschaft nimmt im globalen Vergleich eine Spitzenstellung ein. Der Wissenschaftsrat benennt den RatSWD zudem als positives Beispiel für die Selbstorganisation der Wissenschaft beim Aufbau einer effizienten und leistungsfähigen Forschungsinfrastruktur.

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Ansprechpartner

  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

    • Geistes- und Sozialwissenschaften
    • Dr. Heinz Thunecke
    • Heinrich-Konen-Str. 1
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    • Faxnummer: 0228 3821 1500
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