
Die Wucht der Flutwelle des Tsunamis in Südostasien am 26. Dezember 2004 kostete 220.000 Menschen das Leben. Der Tsunami riss Bäume, Autos und Häuser mit sich und verwüstete breite Küstenregionen. Mit Hilfe des deutschen Tsunami-Frühwarnsystems können künftig Tsunamis früher erkannt werden. Neben einem Frühwarnsystem sind aber darüber hinaus intakte Küstenökosysteme essenziell für den Schutz vor Tsunamis: Sie können die Wucht einer Flutwelle verringern. Vor allem Korallenriffe und Mangrovenwälder dienen als natürliche Barrieren gegen Überflutungen. Die Korallenriffe fungieren als Wellenbrecher. Mangroven hemmen die Küstenerosion und bilden einen zweiten Puffer zur Bewahrung des Binnenlandes. Der Tsunami in Südostasien brachte dort am meisten Zerstörung, wo Korallenriffe und Mangroven als Barrieren und Pufferzonen fehlten - fatal für zahlreiche Menschen, denn gerade Küsten sind die am dichtesten besiedelten Gebiete. Deshalb ist es zum Schutz vor Tsunamis notwendig, sowohl die Technik zur Früherkennung zu fördern, als auch den Bestand der Küstenökosysteme zu bewahren.
Mangrovenwälder gehören zu den artenreichsten Feuchtgebieten der Erde: Sie bieten einen Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, für Meeresschildkröten oder Krokodile. Sie sichern als Brutstätte für Fische den Fischreichtum und somit die Ernährung der lokalen Bevölkerung. Außerdem verfügen sie über wichtige Ressourcen wie Bauholz, Früchte oder pflanzliche Heilmittel. Korallenriffe zählen zu den produktivsten Ökosystemen. Die Vielfalt der Meereslebewesen, die diese Riffe bewohnen, ist äußerst groß - sie reicht vom Barrakuda über den Rochen bis zum Zackenbarsch.
Weltweit sind diese Küstenökosysteme bedroht: Fehlende Regional- und Küstenplanung, die Verstädterung der Küsten, wachsender Tourismus, Luft- und Wasserverschmutzung sowie die steigende Anzahl industrieller Farmen zur Garnelenzüchtung haben unter anderem dazu beigetragen, dass in den vergangenen 50 Jahren mehr als die Hälfte der weltweiten Mangrovenbestände vernichtet worden sind. Auch die Korallenbestände sind durch den Eingriff des Menschen, wie etwa durch die Dynamitfischerei, stark gefährdet.
Um der Zerstörung der Küstenökosysteme - einschließlich der Korallenriffe und der Mangroven - Einhalt zu gebieten und ihre Regeneration einzuleiten, bedarf es eines nachhaltigen Küstenzonenmanagements. Es müssen Strategien entwickelt werden, die langfristig den Lebensunterhalt der Menschen sichern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen der Küstenregion ermöglichen.
Wissenschaftler bei der Untersuchung von Mangrovenkrabben in der Segara Anakan Lagune, Java, Indonesien Zu diesem Zweck wurden unter dem Dach der deutsch-indonesischen Initiative "Science for the Protection of Indonesian Coastal Marine Ecosystems (SPICE)" (Wissenschaft für den Schutz der Küstenökosysteme in Indonesien) Vorhaben zum Küstenzonenmanagement gefördert. An der Initiative beteiligten sich 14 deutsche und 12 indonesische Institute und Unternehmen. Die Integration von Vertretern aus der Wirtschaft soll zu "public-private partnerships" führen.
Im Rahmen von SPICE wurden bis Dezember 2010 mit einem Budget von insgesamt 5,5 Millionen Euro folgende Themenschwerpunkte gefördert:
Korallenriffökosystemen.
Im April 2010 wurden die laufenden Projekte unter Beteiligung deutscher und indonesischer Wissenschaftler evaluiert.
Neue Forschungsthemen der bilateralen Zusammenarbeit in der Meeresforschung und im Küstenzonenmanagement wurden im Rahmen eines gemeinsamen Workshops erarbeitet. Eine bilaterale Ausschreibung zur Einreichung von Forschungsvorhaben im Küstenzonenmanagement wurde daraufhin Anfang Februar 2011 veröffentlicht.
Forschungsthemen dieser Ausschreibung sind unter anderem Marine Biodiversität, Kohlenstoffsequestration in Indonesischen Meeren, terrestrische Einflüsse auf Mangrovenökologie, erneuerbare Energien aus dem Meer sowie die intensive Einbindung von Nachwuchswissenschaftlern. Koordinierende Einrichtung für diese Ausschreibung in Deutschland ist das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen (ZMT).
[PDF - 145,7 kB]
(URL: http://www.bmbf.de/pubRD/konzept_tsunami_fruehwarn0305.pdf)
Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
(URL: http://www.zmt-bremen.de)