Forschung
Korallenriffökosystem in Makassuar, Sulawesi

Küstenökosysteme als Schutz vor Tsunamis

Indonesien verfügt mit rund 45.000 km2 über die weltweit größte Mangrovenfläche. Zusammen mit Korallenriffen zählen sie zu den produktivsten Ökosystemen der Erde. Diese Küstenökosysteme bieten zudem eine wichtige Barriere gegen Tsunamis. Durch Eingriffe des Menschen werden sie jedoch zunehmend zerstört. Die Folge: Die Barrierefunktion ist nicht mehr gewährleistet - Menschen sind Naturkatastrophen wie Tsunamis schutzlos ausgesetzt. Unter dem Dach "Science for the Protection of Coastal Marine Ecosystems (SPICE)" unterstützt das BMBF ein nachhaltiges Küstenzonenmanagement und damit den Schutz und die Regeneration der Küstenökosysteme.

Die Wucht der Flutwelle des Tsunamis in Südostasien am 26. Dezember 2004 kostete 220.000 Menschen das Leben. Der Tsunami riss Bäume, Autos und Häuser mit sich und verwüstete breite Küstenregionen. Mit Hilfe des deutschen Tsunami-Frühwarnsystems können künftig Tsunamis früher erkannt werden. Neben einem Frühwarnsystem sind aber darüber hinaus intakte Küstenökosysteme essenziell für den Schutz vor Tsunamis: Sie können die Wucht einer Flutwelle verringern. Vor allem Korallenriffe und Mangrovenwälder dienen als natürliche Barrieren gegen Überflutungen. Die Korallenriffe fungieren als Wellenbrecher. Mangroven hemmen die Küstenerosion und bilden einen zweiten Puffer zur Bewahrung des Binnenlandes. Der Tsunami in Südostasien brachte dort am meisten Zerstörung, wo Korallenriffe und Mangroven als Barrieren und Pufferzonen fehlten - fatal für zahlreiche Menschen, denn gerade Küsten sind die am dichtesten besiedelten Gebiete. Deshalb ist es zum Schutz vor Tsunamis notwendig, sowohl die Technik zur Früherkennung zu fördern, als auch den Bestand der Küstenökosysteme zu bewahren.

Mangrovenwälder gehören zu den artenreichsten Feuchtgebieten der Erde: Sie bieten einen Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, für Meeresschildkröten oder Krokodile. Sie sichern als Brutstätte für Fische den Fischreichtum und somit die Ernährung der lokalen Bevölkerung. Außerdem verfügen sie über wichtige Ressourcen wie Bauholz, Früchte oder pflanzliche Heilmittel. Korallenriffe zählen zu den produktivsten Ökosystemen. Die Vielfalt der Meereslebewesen, die diese Riffe bewohnen, ist äußerst groß - sie reicht vom Barrakuda über den Rochen bis zum Zackenbarsch.

Weltweit sind diese Küstenökosysteme bedroht: Fehlende Regional- und Küstenplanung, die Verstädterung der Küsten, wachsender Tourismus, Luft- und Wasserverschmutzung sowie die steigende Anzahl industrieller Farmen zur Garnelenzüchtung haben unter anderem dazu beigetragen, dass in den vergangenen 50 Jahren mehr als die Hälfte der weltweiten Mangrovenbestände vernichtet worden sind. Auch die Korallenbestände sind durch den Eingriff des Menschen, wie etwa durch die Dynamitfischerei, stark gefährdet.

Um der Zerstörung der Küstenökosysteme - einschließlich der Korallenriffe und der Mangroven - Einhalt zu gebieten und ihre Regeneration einzuleiten, bedarf es eines nachhaltigen Küstenzonenmanagements. Es müssen Strategien entwickelt werden, die langfristig den Lebensunterhalt der Menschen sichern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen der Küstenregion ermöglichen.

Drei Wissenschaftler bei der Untersuchung von MangrovenkrabbenWissenschaftler bei der Untersuchung von Mangrovenkrabben in der Segara Anakan Lagune, Java, Indonesien Zu diesem Zweck wurden unter dem Dach der deutsch-indonesischen Initiative "Science for the Protection of Indonesian Coastal Marine Ecosystems (SPICE)" (Wissenschaft für den Schutz der Küstenökosysteme in Indonesien) Vorhaben zum Küstenzonenmanagement gefördert. An der Initiative beteiligten sich 14 deutsche und 12 indonesische Institute und Unternehmen. Die Integration von Vertretern aus der Wirtschaft soll zu "public-private partnerships" führen.

Im Rahmen von SPICE wurden bis Dezember 2010 mit einem Budget von insgesamt 5,5 Millionen Euro folgende Themenschwerpunkte gefördert:

  • Korallenriffökosysteme und ihre Ressourcen: Entwicklung von adäquaten Forschungs- und Managementstrategien für eine nachhaltige Ressourcennutzung vonTaucherin untersucht ein Korallenriff Korallenriffökosystemen.
  • Untersuchung des Korallenriffökosystems in Makassar, SulawesiÖkologische und sozio-ökonomische Prozesse in der Segara-Anakan-Lagune: Erforschung natur- und sozialwissenschaftlicher Grundlagen der Segara Anakan Lagune in Südjava, um Maßnahmen für eine nachhaltige Nutzung der Lagune zu entwickeln.
  • Ökologie und Aquakultur: Entwicklung von Methoden und Techniken für ein nachhaltiges Management von Marikulturen.
  • Flusseinträge Ost-Sumatra: Einfluss von Flusseinträgen auf die Küstenökosysteme.
  • Marine Geologie und Biogeochemie: Untersuchungen der Indonesischen See auf ihre regulierenden Einflüsse auf das globale und regionale Klima.
  • Steuerung und Management sozial-ökologischer Küstensysteme: Untersuchung von sozial-ökologischen Küstensystemen auf verschiedenen räumlichen und institutionellen Ebenen.
Bodenuntersuchung

Im April 2010 wurden die laufenden Projekte unter Beteiligung deutscher und indonesischer Wissenschaftler evaluiert.
Neue Forschungsthemen der bilateralen Zusammenarbeit in der Meeresforschung und im Küstenzonenmanagement wurden im Rahmen eines gemeinsamen Workshops erarbeitet. Eine bilaterale Ausschreibung zur Einreichung von Forschungsvorhaben im Küstenzonenmanagement wurde daraufhin Anfang Februar 2011 veröffentlicht.
Forschungsthemen dieser Ausschreibung sind unter anderem Marine Biodiversität, Kohlenstoffsequestration in Indonesischen Meeren, terrestrische Einflüsse auf Mangrovenökologie, erneuerbare Energien aus dem Meer sowie die intensive Einbindung von Nachwuchswissenschaftlern. Koordinierende Einrichtung für diese Ausschreibung in Deutschland ist das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen (ZMT).

 

 

  • Forschung

    TIPTEQ - Erdbebenforschung an Kontinenträndern

    Es ist ein trauriger Rekord: Das Beben, das 1960 Chile erschütterte, ist mit einer Stärke von 9,5 auf der Richterskala das stärkste, das bisher gemessen wurde. Der nachfolgende Tsunami zerstörte große Teile der Küste, rund 2000 Menschen starben. Chile, das in einer der Subduktionszonen der Erde liegt, wird immer wieder von Beben heimgesucht. Das Verbundprojekt TIPTEQ erforscht die immer noch ungeklärten Prozesse der aufeinander treffenden Erdkrustenplatten, um Gefährdungen besser abschätzen zu können. Das BMBF fördert die Forschung im Rahmen des Programms GEOTECHNOLOGIEN.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/4897.php)

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