
Das Regierungsabkommen über die Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit (WTZ) zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Chile wurde am 28.08.1970 geschlossen. Wegen der politischen Verhältnisse nach dem Sturz der Regierung Allende im Januar 1973 bis zur demokratischen Wahl von Präsident Aylwin im Dezember 1989 wurde das Rahmenabkommen jedoch nicht mit Leben erfüllt. Seit 1999 besteht eine Vereinbarung eines gemeinsamen Aktionsprogramms zur Wiederbelebung der WTZ.
Die Forschungspolitik wird auf chilenischer Seite vom Nationalen Rat für wissenschaftliche Forschung und Technologie CONICYT (Comisión Nacional de Investigación Científica y Tecnológica) umgesetzt. Jedoch ist das Außenministerium Ansprechpartner für die bilaterale WTZ mit Deutschland. Dies bedeutet, dass das Außenministerium der politische Partner ist, CONICYT aber der wichtigste fachliche Partner, vor allem in der Gegenfinanzierung der bilateralen Projekte. Auf deutscher Seite ist das BMBF für die WTZ mit Chile zuständig. Es wird dabei vom Internationalen Büro des BMBF unterstützt.
Der seit März 2010 amtierende chilenische Staatspräsident Sebastian Piñera setzt die von seiner Vorgängerin Michelle Bachelet begonnene Politik zur Förderung der chilenischen Forschung fort. Bachelet hatte in ihrem Regierungsprogramm eine Ausweitung der Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung vorgesehen, um so die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhöhen. Im Mai 2008 legte die chilenische Regierung ein neues Programm zur Förderung und Intensivierung der Weiterbildung hoch motivierter Hochschulabsolventen im Ausland (Sistema Bicentenario Becas Chile) auf. Dafür werden auf zehn Jahre verteilt ein Budget von 6 Mrd. USD bereitgestellt, aus dessen Zinserträgen die Aktivitäten finanziert werden sollen. Das Gesamtziel lautet von 2008 bis 2017 rund 30.000 Chilenen den Aufenthalt für ein Master- oder Promotionsstudium im Ausland zu finanzieren. Der Fonds hat seine operative Tätigkeit Anfang August 2008 aufgenommen.
Im europäischen Kontext hat sich Chile gut auf das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm vorbereitet. Bereits im September 2002 wurde ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit unterzeichnet. Chile lag unter den 10 erfolgreichsten Drittstaaten in Bezug auf die Teilnahme am 6. Forschungsrahmenprogramm.
Chiles Wirtschaft befindet sich seit 2004 in einer Boomphase. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2007 um 5,2%, im Jahr 2008 betrug es 3,2% und wird sich nach Einschätzung der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) im laufenden Jahr kaum abschwächen. Während der letzten 12 Jahre hat sich der Jahresdurchschnitt des BIP pro Kopf verdoppelt, von 3.638 $ im Jahr 1994 auf 9.884 $ im Jahr 2007. Der Privatkonsum bleibt mit Zuwachsraten von etwa 7% die Stütze der Konjunktur. Die Importe haben sich innerhalb von drei Jahren fast verdoppelt. Chiles Importe aus Deutschland betrugen nach Angaben des bfai 2007 rund 1,2 Mrd. Euro.
Das Astronomische Observatorium El Paranal der "European Organisation for Astronomical Research in the Southern Hemisphere" (ESO). Copyright: BMBF. Weitere Informationen zum Superteleskop ALMA finden Sie hier.
Sowohl der Blick in das Weltall als auch die Erforschung des antarktischen Kontinents findet im Verbund mit internationalen Partnern von Chile aus statt. Leistungsfähige Großgeräte wie Teleskope und Forschungssatelliten, deren Bau und Betrieb vom BMBF in Kooperation mit vielen Partnern innerhalb und außerhalb Europas seit vielen Jahren fördert, haben wichtige Forschungsergebnisse zur Entwicklung und Entstehung des Universums, dem Verständnis über Galaxien und massereiche Schwarze Löcher sowie der Stern- und Planetenentstehung erbracht. Im Rahmen einer neuen Forschungsinitiative der Helmholtz-Gemeinschaft wurde ein Forschungsplan mit dem Titel Risk Habitat Megacity (2005-2013) entwickelt. Ziel der Forschung ist die Erarbeitung von Strategien einer nachhaltigen urbanen Entwicklung in lateinamerikanischen Ballungszentren, deren Kern die Bewältigung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Risiken der Mega-Urbanisierung bildet. Als eine erste Fallstudie hat Santiago de Chile gedient. Am Vorhaben waren Mitarbeiter aus derzeit fünf Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft sowie Partner aus Chile und die UN-CEPAL beteiligt. Insgesamt gibt es drei komplementäre Programme zu dem Thema Megacity (HGF, DFG, BMBF) an deren Bündelung zu einer Nationalen Initiative Forschung für Megacities gearbeitet wird.
Die Fraunhofer-Gesellschaft hat nun auch in Südamerika ein Forschungszentrum gegründet. Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung wurde am 22. Oktober 2010 der Startschuss für das neue "Fraunhofer Chile Research-Center for Systems Biotechnology" gegeben. Gefördert wird das internationale Exzellenzzentrum durch INNOVAChile. Das Programm wurde von der staatlichen Wirtschaftsförderungsbehörde CORFO mit dem Ziel ins Leben gerufen, exzellente internationale Forschungsinstitutionen für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungskooperationen in Chile anzusiedeln. Für die Gründung von bis zu fünf internationalen Forschungseinrichtungen werden 19,5 Mio. US-Dollar für jedes Zentrum für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren bereitgestellt.
Auch das Karlsruher Institut of Technology hat sich auf das neue Förderinstrument der CORFO beworben. Die anvisierten Themenfelder des geplanten "KIT Chile" sind Energie, Nano- und Mikroforschung sowie ein Technology Center, Astrophysik, Klima und Umwelt. Welche weiteren ausländischen Exzellenzzentren außer dem FhG-Center noch den Zuschlag bekommen ist noch nicht entschieden.
Das schwere Erdbeben in Chile im Februar 2010 hat auch in zahlreichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen erhebliche Schäden angerichtet. Ein großer Teil der Ausrüstungen und Geräte, die für Lehre und Forschung dringend benötigt werden, sind durch das Beben zerstört worden. Das BMBF hat auf diese außergewöhnliche Situation reagiert und einen Forschungstechnologiefonds in Höhe von einer Million Euro eingerichtet.
Der Erdbebenfonds des BMBF wird vom DAAD verwaltet und gemanagt. Betroffene Hochschulen können Mittel für Geräte und Verbrauchsmaterialien in Forschung und Lehre beantragen. Dabei sollen insbesondere bestehende und geplante Kooperationen mit deutschen Partnern und Fakultäten unterstützt werden.
Zusätzlich zu diesem Fonds für chilenische Antragsteller hat das BMBF kurzfristig 650.000 Euro für deutsche wissenschaftliche Institutionen bereitgestellt, deren Projekte im Rahmen deutsch-chilenischer Forschungskooperationen vom Erdbeben betroffen waren.
Im Jahr 2009 wurden im Auftrag des BMBF zwei Innovationsforen in Chile durchgeführt. Ziel war, die deutsche Forschung in Chile sichtbarer zu machen und die Kooperation zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen in diesem Bereich zu verbessern. Das erste Forum zum Thema "Umwelt: Wasser und Boden" fand vom 6.-8. Oktober im Rahmen der ExpoAmbiental in Santiago de Chile statt. Parallel wurde die vom BMBF finanziell unterstützte Präsentation des "Science Tunnels" der Max-Planck-Gesellschaft in Valparaíso eröffnet. Die Ausstellung wurde als Teil der Bicentenario-Feierlichkeiten auch in weiteren lateinamerikanischen Ländern gezeigt. Ein zweites Innovationsforum zum Thema "Altlastenentsorgung in der Bergbauindustrie" wurde vom 2.-4. November in Valparaíso veranstaltet. Gleichzeitg fand in Santiago de Chile die zweite gemischte WTZ-Kommissionssitzung statt, um die zukünftige deutsch-chilenische Kooperation auf politischer Ebene zu definieren.
Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Annette Schavan, hat auch Chile vom 8. bis 10. März 2009 im Rahmen ihrer Südamerikareise einen Besuch abgestattet. In ihrem Beisein wurden vier Abkommen im Bildungs- und Forschungsbereich unterzeichnet sowie die Grundlage für das internationale Exzellenzzentrum "Fraunhofer Chile Research-Center for Systems Biotechnology" gelegt.
Die bilaterale Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit mit Chile hat sich von 1999 an kontinuierlich entwickelt. Die aktuellen Schwerpunkte innerhalb der WTZ sind (1) Biotechnologie (insbesondere auch Ernährungsforschung), (2) grundlagenorientierte Forschung zu Erneuerbaren Energien, (3) nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, (4) Umweltwissenschaften und (5) Meeres- und Polarforschung. Derzeit fördert das BMBF/IB 33 laufende Mobilitätsprojekte mit Chile.
Im Bereich der Hochschulkooperation sind die Kontakte der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zur chilenischen Partnerorganisation CHRUCH hervorzuheben. Nachdem bereits 1999 ein Äquivalenzabkommen unterzeichnet wurde und dies 2000 um eine Vereinbarung - der ersten ihrer Art überhaupt - über gestufte Studiengänge ergänzt werden konnte, schloss die HRK 2002 in Punta Arenas das erste Cotutelle-Abkommen ("cotutelle de thèse") ab. Darin wird das Verfahren binational betreuter Doktorarbeiten geregelt. Im Frühjahr 2009 unterzeichneten der chilenische Hochschulrektorenrat CRUCH und die HRK im Beisein von Bundesforschungsministerin Prof. Schavan eine Vereinbarung zu gemeinsamen deutsch-chilenischen Doktorandenprogrammen, um in ausgewählten Forschungsgebieten die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Universitäten beider Länder zu vertiefen. Mittelfristiges Ziel ist die Einrichtung von insgesamt vier bis sechs binationalen Promotionskollegs. Zur Konkretisierung dieser Initiative hat die HRK gemeinsam mit dem DAAD Anfang September 2009 eine deutsch-chilenische Konferenz zu dem Thema internationale Promotionskooperationen organisiert.
Gegenwärtig hat die HRK 126 vertraglich geregelte Beziehungen zwischen deutschen und chilenischen Hochschulen registriert. Dies macht Chile zu einem der wichtigsten Partner der deutschen Universitäten in Lateinamerika.
Im März 2009 wurde vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) das neue Stipendienprogramm "Becas Chile" mit dem chilenischen Erziehungsministerium unterschrieben, das die Förderung von Master- und Promotionsstudien sowie Forschungsaufenthalten von Postdoktoranden an deutschen Hochschulen vorsieht. In einem Zeitraum von 5 Jahren sollen insgesamt 500 Stipendiaten nach Deutschland kommen. Parallel wurde ein Kooperationsabkommen mit gleichen Zielen mit InWEnt zur Förderung der dualen Berufsausbildung abgeschlossen.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sondiert Möglichkeiten einer direkten Kooperation mit einigen chilenischen Universitäten in der Forschungsförderung. Eine Skizze für ein internationales Graduiertenkolleg ist in Vorbereitung.In 2010 hat es eine Ausschreibung für ein spezifisches DFG-CONICYT-Programm "German-Chilean Research Grants" in den Bereichen Geologie, Astrophysik und Medizin gegeben. Damit soll zum ersten Mal die direkte Gelegenheit geschaffen werden, dass deutsche und chilenische Forscher gemeinsam volle Forschungsprojekte beantragen können.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) hat zwei Forschungspreise an Wissenschaftler aus Chile verliehen. Um den Austausch von international hochrangigen Spitzenwissenschaftlern zwischen beiden Ländern zu fördern, unterzeichnete die AVH im Frühjahr 2009 im Beisein von Bundesforschungsministerin Prof. Schavan mit der chilenischen Partnerorganisation CONICYT ein Abkommen zur wechselseitigen Vergabe von Forschungspreisen. CONICYT verleiht ab dem Jahr 2010 den neuen Forschungspreis "Abate Juan Ignacio Molina" an deutsche Spitzenwissenschaftler. Es können jährlich bis zu drei deutsche Wissenschaftler ausgezeichnet werden.
Im Januar 2010 wurde gemeinsam von der Universität von Valparaíso und Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) eine Konferenz im Bereich der Neurowissenschaften sowie in den Nanowissenschaften veranstaltet. Ziel der Veranstaltung war es, Forschungsfelder zu identifizieren, die sich für eine stärkere Zusammenarbeit eignen würden.
Im Rahmen der Bicentenario Aktivitäten war im Herbst 2009 der Science Tunnel der Max-Planck-Gesellschaft mit Unterstützung des BMBF in Chile ausgestellt worden. Gemessen am Ausstellungszeitraum war es mit 104.000 Besuchern eine der weltweit erfolgreichsten Ausstellungen.
Im April 2006 wurde zwischen dem Alfred-Wegener-Institut der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) und dem chilenischen Antarktis-Institut eine Vereinbarung zur engeren Zusammenarbeit getroffen.
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Bundesbildungsministerin trifft in Santiago den chilenischen Staatspräsidenten Pinera / Enge Kooperation im Bergbau (URL: http://www.bmbf.de/press/3354.php)
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