
Grundlage der bilateralen wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit Deutschlands mit Argentinien ist das Regierungsabkommen von 1969. Kooperationspartner in Argentinien ist das im November 2007 neu gegründete Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Produktive Innovation (MINCyT).
Die argentinische Regierung unter Cristina Fernández de Kirchner hat mit der Gründung der Ministerien für Wissenschaft, Technologie und Innovation sowie für Bildung und Kultur im Dezember 2007 die Bedeutung von Forschung und Bildung für die gesellschaftliche Entwicklung nachhaltig gestärkt.
Die Schwerpunkte der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) werden von einer Gemischten WTZ-Kommission festgelegt, die sich zuletzt im November 2008 in Buenos Aires traf. Die nächste WTZ-Kommissionssitzung wird voraussichtlich 2012 in Deutschland stattfinden.
Auf verschiedenen Gebieten der Biotechnologie, insbesondere für die medizinischen und landwirtschaftlichen Anwendungen, findet eine sehr intensive deutsch-argentinische Kooperation statt.
Die klimarelevante Antarktisforschung ist ein wichtiger und aktiver Schwerpunkt der Kooperation. Auf deutscher Seite ist hier die Initiative des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung maßgeblich. Gemeinsame Polarstern-Fahrten sowie Arbeiten an der argentinischen Antarktis-Station Jubany und dem dortigen Dallman-Labor bilden ein Kernstück der Zusammenarbeit. Neben Argentinien und Deutschland engagieren sich hier auch die Niederlande. Am 05. April 2006 wurde der Folgevertrag über die wissenschaftliche Zusammenarbeit am Dallmann-Labor unterzeichnet und damit die seit 1994 bestehende Kooperation verlängert.
Das in der argentinischen Pampa liegende Pierre-Auger-Observatorium ist weltweit die größte Anlage für die Messung von kosmischer Strahlung höchster Energien. Neben dem Forschungszentrum Karlsruhe im Karlsruher Institut für Technologie KIT sind die Universitäten Aachen, Karlsruhe, Siegen und Wuppertal sowie das Max Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn am Pierre Auger-Experiment beteiligt. Die Eröffnungszeremonie des Pierre-Auger-Observatoriums fand vom 13. bis 15. November 2008 in Malargüe, Mendoza, statt. Hochrangige Regierungsvertreter und Wissenschaftler aus 17 Ländern (darunter auch Deutschland) nahmen daran teil.
Im August 2008 startete der vom DAAD geförderte Masterstudiengang "International Master Program in Biomedical Sciences" (IMBS) der Albert-Ludwig-Universität Freiburg und der Universität Buenos Aires. Die offizielle Auftaktveranstaltung fand anlässlich der deutsch-argentinischen Wissenschaftswoche (s.u.) statt.
Mitte November 2008 fand die erste "deutsch-argentinische Woche der wissenschaftlichen und technologischen Kooperation" in Buenos Aires statt. Im Rahmen dieser Woche tagte die bilaterale Regierungskommission für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit. Darüber hinaus fanden ein Seminar zur Darstellung der bilateralen Kooperation der letzten 10 Jahre, ein Innovationsforum zum Thema "Klimaschutz durch nachhaltige Technologien" sowie weitere Veranstaltungen von DAAD und AHK statt.
Anläßlich der Bicentenario-Feierlichkeiten wurde im März-April 2010 der Science Tunnel der MPG, gefördert durch BMBF und MinCyT, in Buenos Aires ausgestellt. Mehr als 45.000 Besucher sahen sich die Wissenschaftsausstellung an, darunter fast alle Schulklassen aus Buenos Aires.
Im Juni 2010 fand in Buenos Aires ein BMBF-Innovationsforum "Umwelt und Nachhaltigkeitsforschung" mit den Schwerpunkten Wasserschutz und Erneuerbare Energien statt. Dort wurden insgesamt 39 gemeinsame künftige Kooperationsprojekte geplant, deren konkrete Umsetzbarkeit aktuell geprüft wird.
Anlässlich der Feierlichkeiten zur zweihundertjährigen Unabhängigkeit Argentiniens, den "Bicentenarios", wurde maßgeblich von der Deutschen Botschaft in Buenos Aires die Idee der Gründung eines deutsch-argentinischen Hochschulzentrums (DAHZ) vorangetrieben. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde am 8. März 2010 von BM Westerwelle zusammen mit dem argentinischen Bildungsministerium (MinEdu), dem Forschungsministerium (MinCyT), der deutsch-argentinischen Wissenschaftsstiftung (ACTAA) und dem DAAD unterzeichnet.
Die erste Entwicklungsstufe des DAHZ ist inzwischen umgesetzt worden: die Einrichtung von Koordinierungsbüros in Argentinien und in Deutschland. Im September 2010 wurde das Koordinierungsbüro in Buenos Aires unter der Leitung von Frau Dr. Graciela Humbert Lan eröffnet, im Januar 2011 nahm Dr. Reiner Mühlsiegl als Leiter des deutschen Koordinierungsbüros im DAAD in Bonn seine Arbeit auf.
Im Rahmen einer ersten Ausschreibungsrunde konnten Hochschulen Projektanträge zur Anbahnung gemeinsamer Studiengänge einreichen (Antragsfrist: 10.05.2011). Im Juli 2011 wurden aus den 39 eingereichten Anträgen 15 Projekte bewilligt. Die Projektarbeiten begannen im Herbst 2011. Für Frühjahr 2012 ist eine zweite Ausschreibungsrunde geplant, bei der Projektideen zur Anbahnung weiterer gemeinsamer Studiengänge und zur Umsetzung binationaler Studiengänge vorgelegt werden können.
Am 6. Oktober 2011 wurde das MPG-Partnerinstitut für Biomedizin feierlich im Polo Científico Tecnológico in Buenos Aires eröffnet; es ist weltweit das dritte MPG-Partnerinstitut. Aus diesem Anlass reiste der Parlamentarische Staatssekretär des BMBF Dr. Helge Braun nach Buenos Aires und führte Regierungsgespräche zu den Themen Bildung und Forschung.
Die bilaterale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Argentinien hat sich von 1999 an kontinuierlich entwickelt. Aktuelle Themen gemeinsamen Interesses sind Umweltforschung und -technologie (einschließlich erneuerbare Energien sowie Meeres- und Antarktisforschung), Biotechnologie, Medizin, Materialforschung, Nanotechnologien sowie physikalische und chemische Technologien, die Informations- und Kommunikationstechnologien und Sozialwissenschaften.
Gemeinsame Projektausschreibungen sind wichtig für die bilaterale Zusammenarbeit ebenso wie als Katalysator für die argentinische Forschungslandschaft. Besonderes gemeinsames Interesse an der Zusammenarbeit besteht weiterhin in der Antarktis. Von BMBF und MINCyT werden jährlich gemeinsame Bekanntmachungen für Mobilitätsprojekte veröffentlicht (letzte Ausschreibungsfrist: 1. März bis 1.Juli 2011).
Die AvH fördert seit 1954 Forschungsstipendiaten aus Argentinien und hat bislang sechs Forschungspreise an Wissenschaftler aus Argentinien verliehen, allein vier von diesen in den 90er Jahren. In den vergangenen Jahren haben die Stipendiaten in Argentinien einige Humboldt-Club-Treffen und Humboldt-Kollegs organisiert.
Der DAAD fördert seit August 2008 den o.g. Masterstudiengang "International Master Program in Biomedical Sciences" (IMBS) der Albert-Ludwig-Universität Freiburg und der Universität Buenos Aires, der im August 2008 gestartet ist. Es handelt sich um den ersten deutschen Kooperationsstudiengang in Argentinien. 2010 hat der erste Jahrgang das Studium abgeschlossen.
Im Rahmen des Programms des Projektbezogenen Personenaustausches "PROALAR" werden derzeit 20 bilaterale Mobilitätsprojekte unterstützt.
Des Weiteren ist der DAAD maßgeblich an dem Projekt "Deutsch-Argentinisches Hochschulzentrum" (DAHZ) beteiligt (weitere Informationen s. Abschnitt "Höhepunkte der bilateralen Kooperation").
Die DFG hat mit dem argentinischen Forschungsrat (CONICET) 1987 eine Rahmenvereinbarung über wissenschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen. In Programmen der DFG werden Mobilitäts- und Forschungsvorhaben mit Argentinien gefördert. In den Jahren 2009 und 2010 wurden z.B. zwei thematische Workshops im Bereich physikalische Chemie in Argentinien gemeinsam mit CONICET finanziert.
Ende 2007 wurde das MPG-Partnerinstitut für Biomedizin in Buenos Aires gegründet. Es wurde am 6. Oktober 2011 feierlich als Exzellenz-Zentrum für biomedizinische Forschung eröffnet. Die Finanzierung des Instituts erfolgt durch das argentinische Forschungsministerium (über CONICET), die MPG beteiligt sich indirekt über Kooperationsprojekte der beteiligte Max-Planck-Institute.
Im Rahmen eines dreistufigen Nachwuchsförderprogramms für lateinamerikanische Jungwissenschaftler wurde im Sommer 2008 ein argentinischer Wissenschaftler durch eine Ausschreibung ausgewählt. Er soll innerhalb von fünf Jahren eine Forschergruppe an einem deutschen MPG-Partnerinstitut aufbauen. Anschließend wird er über eine Dauer von weiteren fünf Jahren von der Volkswagenstiftung für Forschertätigkeiten im Heimatland unterstützt mit Aussicht auf eine 5-Jahres Anschlussförderung durch den argentinischen Forschungsrat CONICET.
Das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) bearbeitet gemeinsam mit der Universidad Nacional de Rio Cuarto das Forschungsprojekt "Entwicklung von mikro- und nanostrukturierter Materialien zur Herstellung biofunktionaler Bauteile und Oberflächen". Den Wissenschaftlern ist es möglich, bis zu einer maximalen Dauer von einem Jahr an der Partnereinrichtung zu forschen und Erfahrungen sowie Kompetenzen auszutauschen. Inhaltlich bearbeiten die Forschungspartner verschiedene Arbeitsfelder, auf argentinischer Seite werden Polymere entwickelt, welche durch Wissenschaftler des IWS strukturiert und anschließend für die Anwendung im Bereich der Biotechnologie weiterentwickelt werden.
Neben dem IWS hat auch das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) Kooperation mit Argentinien. Seit 2007 besteht ein Kooperationsvertrag mit der argentinischen Atomenergiekommission (CNEA) in Buenos Aires. Inhaltliche Schwerpunkte sind unter anderem zerstörungsfreie Prüfungen, Risikoanalysen und Materialzuverlässigkeit.
Das Karlsruher Institut für Technologie KIT, ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft, ist an dem in der argentinischen Pampa gelegenen Pierre-Auger-Observatorium beteiligt.
Aktuell sind im Hochschulkompass der HRK 132 Kooperationen zwischen deutschen und argentinischen Forschungseinrichtungen verzeichnet. Derzeit versucht die HRK eine Einigung auf deutscher Seite zu erreichen, um im kommenden Jahr Verhandlungen mit dem argentinischen Bildungsministerium (MinEdu, SPU) zur gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen zu beginnen.
English version of this page
(URL: http://www.bmbf.de/en/5307.php)
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
(URL: http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/57256/braun-eroeffnet-max-planck-partnerinstitut-in-buenos-aires/)
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
Kooperation international (URL: http://www.kooperation-international.de/fileadmin/redaktion/publication/Laenderbericht_Band15_Argentinien.pdf )
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
Regierungs- und Ressortabkommen, ITB Info-Service (URL: http://www.kooperation-international.de/argentinien/themes/international/dokumente )
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amts (URL: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Argentinien.html)
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
(URL: http://www.caicyt.gov.ar/)
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
(URL: http://www.mincyt.gob.ar/)
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
(URL: )
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
(URL: http://www.buenos-aires.diplo.de/es/Startseite.html)