Navigationsbereich


Wissenschaft
Studenten im Hörsaal

Hochschulpakt 2020 für zusätzliche Studienplätze

Mit dem Hochschulpakt 2020 investieren Bund und Länder zusätzliche Mittel in den Ausbau von Studienmöglichkeiten und geben damit die passende Antwort auf eine steigende Studiennachfrage.

Die Hochschulen in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen. Die Zahl der Studienberechtigten wird sich bis 2020 deutlich erhöhen. Zugleich verlangt der internationale Wettbewerb nach einer weiteren Profilierung der Hochschulen in der Forschung. Um die Leistungsfähigkeit der Hochschulen zu steigern und die Hochschulen für eine erhöhte Zahl von Studienanfängern offen zu halten, haben Bund und Länder den Hochschulpakt 2020 beschlossen.

1. Säule: Programm zur Aufnahme zusätzlicher Studienanfängerinnen und -anfänger

Hochschulpakt wird aufgestockt - Weichen für 300.000 zusätzliche Studienplätze sind gestellt

Bund und Länder wollen die Studienangebote an deutschen Hochschulen deutlich ausbauen und damit die Konsequenzen aus der steigenden Studiennachfrage ziehen. Dies ist das zentrale Ergebnis der Beratungen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) vom 12. April 2013. Die endgültige Entscheidung haben die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder am 13. Juni 2013 getroffen.

Die Bundesregierung wird in den Jahren 2011 bis 2015 ihre Mittel für den Hochschulpakt 2020 um rund 2,2 Milliarden Euro auf über 7 Milliarden Euro erhöhen. Auch die Länder werden vergleichbare zusätzliche finanzielle Leistungen erbringen und die Gesamtfinanzierung sicherstellen. Zur Ausfinanzierung der zweiten Förderphase des Hochschulpakts sind bis zum Jahr 2018 weitere Bundesmittel in Höhe von rund 2,7 Milliarden Euro vorgesehen, das sind 1,7 Milliarden Euro mehr als bisher vereinbart. In Zeiten knapper Kassen ist dieser Beschluss von Bund und Ländern ein eindeutiges Bekenntnis für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland.

Laut einer im Januar 2012 veröffentlichten Vorausberechnung der KMK werden in den Jahren 2011 bis 2015, der zweiten Programmphase des Hochschulpakts 2020, rund 300.000 Studienanfängerinnen und Studienanfänger mehr erwartet als bisher prognostiziert wurden. Als Konsequenz wollen Bund und Länder in diesem Zeitraum nunmehr 625.000 zusätzlichen Studienanfängerinnen und -anfänger finanzieren, d.h. etwa doppelt so viele, wie ursprünglich 2009 vereinbart worden war. Die Hochschulen erhalten mit dieser Entscheidung ein klares Signal, die für den Ausbau der Studienangebote erforderlichen Schritte einzuleiten. Dank der zusätzlichen Studienplätze ist gesichert, dass die jungen Menschen in unserem Land, aber auch Interessierte aus dem Ausland, ihre Studienwünsche verwirklichen können.

Mit dem Hochschulpakt 2020 haben Bund und Länder bereits 2007 auf die sich infolge der doppelten Abiturjahrgänge abzeichnende Steigerung der Studienanfängerzahlen reagiert und einen am Bedarf orientierten Ausbau der Studienangebote ermöglicht. Sie haben den Pakt in den vergangenen Jahren immer wieder den tatsächlichen Entwicklungen angepasst (zuletzt 2011 zur Kompensation der Folgen durch das Aussetzen der Wehr- und Ersatzdienste) und zusätzliche Mittel dafür bereitgestellt. Der Hochschulpakt hat eine Laufzeit bis 2020.

2. Säule: Programmpauschalen für von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekte

Mit der Gewährung der Programmpauschalen für von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekte wird die universitäre Forschung nachhaltig gestärkt und die Strategiefähigkeit der Hochschulen erhöht. Hochschulen mussten bisher die zusätzlichen indirekten Kosten für ihre erfolgreich eingeworbenen Projekte aus Eigenmitteln bestreiten. Nun erhalten sie einen pauschalen Betrag in Höhe von 20 Prozent der Projektkosten zusätzlich und verfügen wieder über mehr Gestaltungsspielraum. Auch dieses wichtige Instrument zur Förderung der Hochschulen wurde mit der zweiten Verwaltungsvereinbarung über den Hochschulpakt aus dem Jahr 2009 um fünf Jahre verlängert. Die anfallenden Finanzierungskosten trägt die Bundesregierung wie bisher zu 100 Prozent, bis 2015 sind dies rund 1,6 Milliarden Euro.

Programmphase für die Jahre 2011 bis 2015 beschlossen

Am 4. Juni 2009 haben die Regierungschefs von Bund und Ländern die Fortsetzung des Hochschulpakts unterzeichnet. Der bis zum Jahr 2020 konzipierte Pakt wird gem. Vereinbarungsentwurf für eine zweite Phase bis Ende 2015 fortgeschrieben. Er enthält das Programm zur Aufnahme zusätzlicher Studienanfänger und die Finanzierung von Programmpauschalen für von der DFG geförderte Forschungsvorhaben (Overhead).

Programm zur Aufnahme zusätzlicher Studienanfänger:

Bund und Länder schaffen mit dem Hochschulpakt ein bedarfsgerechtes Angebot bis zum Jahr 2020. Bereits die erste Programmphase des Hochschulpakts, die sich von 2007 bis 2010 erstreckte, verlief sehr erfolgreich. Das vereinbarte Ziel, 91.370 zusätzliche Studiengelegenheiten an deutschen Hochschulen zu schaffen, wurde mit insgesamt 185.024 zusätzlichen Studienanfängern (zStA) deutlich übertroffen. Aufgrund der weiterhin hohen Studiennachfrage wird der Pakt fortgesetzt. Die Verwaltungsvereinbarung über die zweite Programmphase regelt die Ausgestaltung für die Jahre 2011 bis 2015. Die ursprüngliche Fassung des Jahres 2009 wurde mittlerweile zwei Mal ergänzt, um auf die Aussetzung der Wehr- und Zivildienstpflicht und auf die allgemein steigende Studiennachfrage zu reagieren. Mit Beschluss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz vom 12. April 2013 sollen 625.000 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden.

In den Jahren 2011 bis 2015 stehen  pro zusätzlichen Studienanfänger 26.000 Euro zur Verfügung, wovon der Bund 13.000 Euro zur Verfügung stellt. Um die Gesamtfinanzierung zu sichern, stellen die Länder vergleichbare Mittel bereit. Damit stehen pro Studienanfänger 4.000  Euro mehr zur Verfügung als in der ersten Programmphase. Mit dieser Erhöhung wird auch ein Beitrag zur Verbesserung der Qualität der Lehre geleistet. Die Länder werden darüber hinaus aus Mitteln des Hochschulpakts die notwendigen Maßnahmen zum Ausbau der sog. MINT-Fächer und für die Förderung von Frauen in eigener Verantwortung vornehmen.

Die Bundesmittel werden als Vorauszahlungen gewährt, eine Verrechnung erfolgt zeitnah auf der Basis der tatsächlich aufgenommenen zusätzlichen Studienanfänger. Damit erhalten die Länder Planungssicherheit. Zugleich wird gewährleistet, dass die Gelder des Bundes letztendlich dorthin fließen, wo zusätzliche junge Menschen ihr Studium aufnehmen.

Auch in der zweiten Programmphase des Hochschulpaktes wird der Sondersituation sowohl in den Stadtstaaten als auch in den neuen Ländern Rechnung getragen: Die neuen Länder, die einen Rückgang ihrer Bevölkerung verzeichnen, erhalten zur Kapazitätssicherung, und damit auch zur Entlastung der westdeutschen Flächenländer, weiterhin Pauschalen von Bund und Ländern. Der Bund stellt hierfür zusätzliche 179 Mio. € bereit. Die westdeutschen Flächenländer stellen 324 Millionen Euro der ihnen vom Bund aus dem Hochschulpakt zufließenden Bundesmittel zur Verfügung. Darüber hinaus werden die Referenzlinien für die neuen Länder, die bislang durch die Studienanfängerzahlen des Jahres 2005 definiert wurden, abgesenkt. Oberhalb dieser neuen Grenze werden zusätzliche Studienanfänger für die Verteilung der Bundesmittel berücksichtigt. Die neuen Länder verpflichten sich, die Studienkapazitäten im Studienfach Medizin trotz der demographischen Entwicklung aufrechtzuhalten. Die Länder Berlin, Hamburg und Bremen erhalten eine Absenkung der Referenzlinien. Die über diese Referenzlinie hinausgehenden Studienanfänger nehmen an der Verteilung der Bundesmittel teil.

Dass sich der Erfolg der ersten Programmphase auch in der zweiten Phase fortsetzt, zeigen die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts. In den Studienjahren 2011 und 2012 schrieben sich rund eine halbe Millionen junge Menschen erstmals an einer deutschen Hochschule ein. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 wurden rund 356.000 Studienanfängerinnen und -anfänger gezählt. Rund 287.000 zusätzliche Studienplätze wurden bereits in den Jahren 2011 und 2012 geschaffen. Die Studierquote liegt 2012 bei über 50 Prozent eines Altersjahrgangs, 2007 lag diese Quote noch bei 37 Prozent.  Mit den vielen verwirklichten Bildungswünschen der jungen Menschen wirkt der Pakt aktiv einem drohenden Mangel an akademischen Fachkräften entgegen und trägt zur Sicherung von Fortschritt und Wohlstands in Deutschland bei.

Bisherige Entwicklung der StA-Zahlen in der 2. Programmphase:

 2005  2011  2011  2012  2012
 absolut  Zuwachs ggü. 2005  absolut  Zuwachs ggü. 2005
 Universitäten  238.205  319.576  81.371 (+34 %)  292.921  54.716 (+ 23 %)
 Fachhochschulen  124.222  199.172  75.128 (+ 60%)  199.753  75.531 (+ 61%)
 Gesamt  362.427  518.748  156.499 (+43 %)  492.674  130.247 (+36 %)

Programmpauschalen

Die deutschen Hochschulen müssen sich in ihren Forschungsleistungen im internationalen Vergleich noch stärker profilieren. Forschungsintensität und -exzellenz müssen auch dann gesteigert werden, wenn ein weiterer Anstieg an Studierenden die Hochschulen vor zusätzliche Herausforderungen stellt. Dem wird mit der zweiten Säule des Hochschulpaktes "Finanzierung von Programmpauschalen" (Overhead) Rechnung getragen.

Wie im Hochschulpakt I finanziert der Bund zu 100 Prozent die Programmpauschalen für DFG-geförderte Forschungsvorhaben in Höhe von 20 Prozent der Projektkosten. Hierdurch erhalten die Hochschulen rund 1,6 Milliarden Euro zusätzlich. Diese Sonderfinanzierung soll nach einer Evaluation zum Ende des Jahres 2013 mit dem Ziel einer DFG-adäquateren gemeinsamen Finanzierung der Programmpauschalen durch Bund und Länder überprüft werden.

Das BMBF hat zudem eine Studie zu den Auswirkungen der BMBF-Projektpauschale in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse auch für die DFG-Programmpauschale relevant sind. Die "Wissenschaftliche Untersuchung und Analyse der Auswirkungen der Einführung von Projektpauschalen in die BMBF-Forschungsförderung auf die Hochschulen in Deutschland" wurde von einem Konsortium aus Prognos AG, KMPG AG und Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH erstellt.

Die Studie finden Sie hier

Zusatzinformationen

English version of this page
(URL: http://www.bmbf.de/en/6142.php)

Interviews

  • 25.07.2012

    Staatssekretärin: Bund stellt Unis notwendige Mittel zur Verfügung

    Wegen hoher Bewerberzahlen werden 300.000 Studienplätze bis 2015 fehlen. Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium sagt, dass der Bund im Hochschulpakt bereits fünf Milliarden für diesen Zeitraum eingeplant habe.

    zum Interview [URL: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1821741/]

Dokumente

 

© 2014 Bundesministerium für Bildung und Forschung