Die berufliche Bildung und insbesondere die duale Berufsausbildung eröffnen nach wie vor für den überwiegenden Teil der jungen Generation in Deutschland den Zugang in eine qualifizierte Fachkräftetätigkeit. Sie schaffen damit zugleich einen wesentlichen Teil der Grundlagen für das lebensbegleitende Lernen. Primäres Ziel der Berufsbildungspolitik der Bundesregierung ist es daher, möglichst allen Jugendlichen die Chance zu eröffnen, mit einer arbeitsmarktverwertbaren Ausbildung den Start in das Berufsleben zu beginnen.
Eine Ausbildung in einem der rund 350 nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO) anerkannten Ausbildungsberufe ist mehr als ein "Fitmachen" für bestimmte Tätigkeitsfelder oder ein vorübergehendes Jobben. Auch wenn sich die Formen der einzelnen Beschäftigungsverhältnisse pluralisiert haben, eine fundierte Berufsausbildung ist nach wie vor eine der besten Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit. Dies zeigen die hohen Ungelerntenquoten der gemeldeten Arbeitslosen in den alten und neuen Ländern.1
Zugleich erfordern rasche Veränderungen in Technik, Prozess- und Arbeitsabläufen eine kontinuierliche Anpassung der Qualifikationen und Kompetenzen, um Beschäftigungsfähigkeit auf Dauer erhalten zu können. Dies wird angesichts der demografischen Entwicklung für alle - insbesondere jedoch ältere - Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen noch weiter an Bedeutung gewinnen und eine verstärkte Nutzung der vielfältigen Formen der beruflichen Weiterbildung einschließlich des Lernens am Arbeitsplatz erfordern.
In der Koalitionsvereinbarung hat sich die neue Bundesregierung klar zur Bedeutung von Bildung, Ausbildung und Qualifizierung bekannt. Dieses Bekenntnis muss in den kommenden Jahren konsequent umgesetzt werden. Dabei gilt die "Dualität" der Berufsausbildung auch im übertragenen Sinn: Bei der beruflichen Bildung geht es immer um die Ausbildung der Jugendlichen, um ihre Lebensplanung, um ihre Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und die Sicherung ihrer Beschäftigungsfähigkeit. Zugleich geht es für Wirtschaft und Gesellschaft um die Sicherung des Fachkräftenachwuchses und die Erhaltung der Innovationsfähigkeit. Die Sicherung eines qualitativ und quantitativ adäquaten Ausbildungsangebots liegt somit nicht zuletzt gerade auch im Interesse der Wirtschaft selbst.
1 So waren 2004 zwischen 20% (alte Länder) und 50% (neue Länder) der gemeldeten Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung; IAB-Berechnungen in: IAB/Forum 2/2005 sowie Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft, iwd Nr. 51/52 vom
22. Dezember 2005.