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Arbeit an einem futuristischen Display

Technologievorausschau und Technologiebeobachtung

Technologievorausschau und -beobachtung spielt für Länder eine Rolle, die im internationalen Technologiewettlauf ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern wollen. Die Vorausschau dient der Identifizierung von Technologien, die für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sein werden. Mit dem gewonnenen Wissen werden Prioritäten in der Forschungs- und Technologiepolitik gesetzt. In Vorausschau-Aktivitäten dieser Art werden Wissenschaftler und Experten aus der Industrie sowie anderen gesellschaftlichen Gruppen einbezogen. Der jüngste BMBF-Foresight-Prozess von September 2007 bis Mai 2010 hat sieben "Zukunftsfelder neuen Zuschnitts" identifiziert.

Vor dem Hintergrund begrenzter staatlicher FuE-Budgets und dem Interesse, im internationalen Technologiewettlauf die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, engagieren sich immer mehr Länder in Aktivitäten der Technologievorausschau und -beobachtung. Sie erhoffen sich davon, die Technologien zu identifizieren, die für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sein werden, und damit Hinweise für die zukünftige Prioritätensetzung in ihrer Forschungs- und Technologiepolitik gewinnen zu können.

Gemeinsam ist allen Vorausschau-Aktivitäten, dass sie in mehr oder weniger großem Umfang als Prozess organisiert werden, in den möglichst viele Wissenschaftler und Experten aus Industrie und Administration, aber auch Vertreter anderer gesellschaftlicher Gruppen einbezogen werden.

Technologiefrüherkennung und Technologievoraussschau geschieht für und mit dem BMBF als dauerhafter Prozess sowohl auf der Ebene der Fachabteilungen und -referate, als auch als Querschnittsuntersuchungen auf nationaler sowie internationaler Ebene, etwa der EU. Beispiele hierfür sind die Nano-Roadmaps der EU, die Mini-Delphi-Studie zu "Elektronik der Zukunft", sowie "Potenziale und Trends in der Bionik". Dabei werden neben der Darstellung von Fakten auch Grenzwerttechnologien und das Potenzial für den Standort Deutschland untersucht.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat vor Jahren damit begonnen, neben den in den Fachabteilungen durchgeführten Prozessen unterschiedliche Prozesse der Technologievorausschau zu initiieren, um Orientierungswissen für die strategische Programmplanung insgesamt zu generieren. Hierzu gehörte etwa "Technologie am Beginn des 21. Jahrhunderts" (1991-1992). Die erste deutsche Delphi-Studie zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik wurde im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (FhG-ISI) 1992/93 erstellt. Diese Studie war eine Kooperation mit dem Nationalen Institut für Wissenschafts- und Technologiepolitik (NISTEP) in Tokio. Im Anschluss daran entstanden die Studien "Delphi `93" (1992-1993) und "Delphi `98" (1996-1998). Von 2001 bis 2005 initierte das BMBF mit dem "Forschungsdialog Futur" einen Foresight Prozess, bei dem besonders die partizipativen Aspekte betont wurden. Anders als bei den stark auf wissenschaftliche Expertise setzenden Delphi-Befragungen war es das Ziel bei "Futur", mit einem großen Akteurskreis aus allen Teilen der Gesellschaft Forschungsthemen zu erarbeiten, die in konkrete Forschungsfördermaßnahmen umgesetzt werden können.

Das BMBF hat von September 2007 bis Ende 2009 seinen jüngsten Forsight-Prozess durchgeführt, mit dessen Umsetzung ein Konsortium der Fraunhofer Institute für System- und Innovationsforschung (FhG ISI) und für Arbeitswirtschaft und Organisation (FhG IAO) beauftragt wurde. Ziele dieses Prozesses waren:

  • die Identifizierung neuer Schwerpunkte in Forschung und Technologie
  • die Benennung von Gebieten für Forschungs- und Innovationsfelder übergreifende Aktivitäten
  • eine Potenzialanalyse, in welchen Technologie- und Innovationsfeldern strategische Partnerschaften möglich werden können sowie
  • die Ableitung prioritärer Handlungsfelder für Forschung und Entwicklung

Der Foresight-Prozess hat in einer integrierten Vorgehensweise Foresight und Monitoring miteinander verknüpft. Vorliegende Erfahrungen aus Foresight-Ansätzen einschließlich bekannter Recherchestrategien sowie andere Methoden aus der Innovationsforschung (z. B. Bibliometrie, Interviews und Befragungen) waren hierbei ebenso von Bedeutung wie neue, kreative Methoden (u.a. Workshops, Zeitreisen, Inventorenscouting und Konzepte). Die Einbindung von nationalen und internationalen Experten und Entscheidungsträgern sowie die Kooperation mit den nationalen Forschungsorganisationen und anderen institutionellen Akteuren aus der Zukunfts- und Innovationsforschung spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse des Foresight-Prozesses liegen seit Mai 2010 vor: Sieben "Zukunftsfelder neuen Zuschnitts" mit erheblichen Innovationspotenzialen sind identifiziert worden. Aufbauend auf dem Bericht der beiden Fraunhofer-Institute führt das BMBF nun Strategische Dialoge durch, in deren Rahmen die neuen Zukunftsfelder inhaltlich weiterentwickelt und Strategien für die zukünftige Forschungsförderung konzipiert werden. Vertiefende Informationen zum BMBF-Foresight-Prozess, seinen Ergebnissen und den Strategischen Dialogen finden Sie hier.   

Unterstützt wird der Technologievorausschauprozess des BMBF von der deutschen Forschungslandschaft. Im "Pakt für Forschung und Innovation" haben Bund und Länder mit den deutschen Forschungsorganisationen vereinbart, dass vorausschauend strategisch neue Forschungsbereiche zu erschließen und dabei auch die Chancen für risikoreiche und unkonventionelle Forschungsansätze zu erhöhen sind.

Ergänzt wird die Technologievorausschau durch das Konzept "Innovations- und Technikanalyse", das an einem kürzeren Zeitraum für Vorausschau und Analyse und stärker an konkreten Handlungsoptionen orientiert ist. Die Innovations- und Technikanalyse des BMBF zielt darauf ab, Felder des gesellschaftlich erwünschten technologischen Fortschritts zu identifizieren, Gestaltungspotenziale aufzuzeigen, sowie politische Handlungsspielräume und -optionen für Forschung und Innovation zu benennen. Das BMBF lässt darin die Funktionsweisen und den Wandel von Forschungs- und Innovationssystemen untersuchen. Es erforscht die vielfältigen Institutionen, Instrumente und Strategien in Wirtschaft, Wissenschaft und Staat, die Wissen und technologische Innovationen hervorbringen oder daran mitwirken. Daneben führt das BMBF generelle Analysen und Untersuchungen speziell zu einzelnen Technologiefeldern durch. ITA soll in einer hochtechnisierten Gesellschaft Orientierung bieten und einen Beitrag zur Förderung einer menschen- und sozialgerechten sowie umweltverträglichen Technikgestaltung leisten. ITA-Studien und -Projekte sollen innovations-, handlungs- und zukunftsorientierte Fragestellungen aufgreifen und einen Beitrag zur Versachlichung von kontroversen Diskussionen leisten. Im Rahmen von ITA werden interdisziplinär angelegte Studien gefördert. Besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf einer Bewertung neuer, zukunftsträchtiger Technologien.

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    Technologieprognosen. Internationaler Vergleich 2010

    Die Studie "Technologieprognosen. Internationaler Vergleich 2010" der VDI Technologiezentrum GmbH ist mit Unterstützung des BMBF erschienen und vergleicht Technologieprognosen aus Frankreich, Indien, Japan, Spanien, Großbritannien und den USA. Führender Forschungstrend ist die Energieversorgung. Dargestellt werden auch die zum Teil tiefgreifenden Veränderungen in den Innovationssystemen. (PDF, 1,3 MB)
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/15283.php)
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    Internationale Technologieprognosen im Vergleich

    Die 2006 fertig gestellte Studie "Technologieprognosen im internationalen Vergleich" des VDI im Auftrag des BMBF untersucht die Forschungsprogramme der Länder China, Dänemark, Indien, Großbritannien, Kanada, Südafrika, Südkorea und den USA. Die Analyse liefert die großen Forschungstrends für die kommenden Jahre. Daraus lassen sich auch wichtige Hinweise auf die Entwicklungsdynamik der nationalen Innovationssysteme ablesen. (PDF, 1,4 MB)
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/6358.php)
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    Internationale Technologieprognosen im Vergleich

    Analyse der Forschungsprogramme ausgewählter Länder. 2004, mit einer zweiten Studie fortgesetzt 2006. Studie des VDI im Auftrag des BMBF. (PDF, 350 KB)
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/6356.php)

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