11.12.2012
UNESCO-Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation
Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) wurde 1945 gegründet und hat als Sonderorganisation innerhalb der Familie der Vereinten Nationen (VN) die Aufgabe, durch Förderung der internationalen Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation zur Erhaltung des Friedens und der Sicherheit beizutragen. Ihre Verfassung wurde am 4. November 1946 von 20 Staaten ratifiziert. Deutschland gehört seit 1951 zu den Mitgliedstaaten der UNESCO, der bis heute 193 Staaten beigetreten sind (Stand: Juli 2011).
Die Organe der UNESCO sind die Generalkonferenz (Mitgliederversammlung), die alle zwei Jahre stattfindet, der Exekutivrat mit 58 Mitgliedern, der zweimal jährlich zusammentritt und das Sekretariat in Paris, an dessen Spitze die Generaldirektorin steht. Die fachliche Beratung der Programme erfolgt durch wissenschaftliche Ausschüsse und zwischenstaatliche oder internationale Räte.
Die programmatische Grundorientierung der UNESCO wird in den sechsjährigen "Mittelfristigen Stategien" (sogenannte C/4-Dokumente) festgelegt, die auf der Generalkonferenz beschlossen werden. Die aktuelle Mittelfristige Strategie 34/C/4 nennt fünf Prioritäten der UNESCO: Bildung für alle, Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung, Förderung ethischer Prinzipien, kulturelle Vielfalt und interkultureller Dialog sowie Aufbau von Wissensgesellschaften. Fachübergreifende Schwerpunkte stellen Afrika und die Förderung von Frauen und der Jugend dar.
In den sogenannten C/5-Dokumenten werden alle zwei Jahre konkrete Programme und Projekte der UNESCO formuliert und budgetiert.
Die Deutsche
UNESCO-Kommission hat als Mittlerorganisation der auswärtigen Kulturpolitik die Aufgabe, die Bundesregierung und die übrigen zuständigen Stellen zu beraten, an der Verwirklichung des UNESCO-Programms in Deutschland mitzuarbeiten, die Öffentlichkeit darüber zu informieren und Fachorganisationen, Institutionen und Experten mit der UNESCO in Verbindung zu bringen.
Aktuelle Entwicklung
Wichtige Ergebnisse der 35. UNESCO-Generalkonferenz im Oktober 2009 in Paris:
- Programme und Haushalt der UNESCO für die Jahre 2010-2011 wurden verabschiedet; während die programmatische Ausrichtung von den 193 Mitgliedsstaaten weitgehend unterstützt wurde, stieg das reguläre Budget der UNESCO leicht auf 653 Mio US $ an (außerbudgetär steht ein noch etwas größerer Betrag zusätzlich zur Verfügung).
- Turnusgemäß wurde auch die Hälfte der 58 Mitglieder des Exekutivrates der UNESCO neu gewählt; Mitglied im Exekutivrat ist die Botschafterin der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der UNESCO, Frau Martina Nibbeling-Wrießnig.
- Wie zuvor vom Exekutivrat vorgeschlagen, wurde die neue Generaldirektorin der UNESCO, Frau Irina Bokowa aus Bulgarien, von den Mitgliedern mit großer Mehrheit gewählt.
- Deutschland wurde ebenfalls mit großer Mehrheit in das Zwischenstaatliche Komitee des Bioethikrates (IGBC) gewählt.
- Die federführend durch das BMU eingebrachte Resolution zu Biosphärenreservaten als Lernorte für Erziehung für nachhaltige Entwicklung, fand allgemeine Zustimmung
- Der Generaldirektor wurde aufgefordert, den Gründungsvertrag für das sog. Kategorie II Institut für Hydrologie in Koblenz zu unterzeichnen (Kat. II = weitgehende Finanzierung durch das Sitzland.
- Im Rahmen von zwei "Ministeriellen Rundtischen" wurden zu den Themenfeldern "Bildung" sowie "Ozeane" Anregungen gesammelt, die der neuen Generalsekretärin zum langfristigen Umbau der entsprechenden Forschungsprogramme dienen können.
Ankündigung der 36. UNESCO-Generalkonferenz im Oktober 2011 in Paris:
- Vorbereitung durch den Exekutivrat: 21.09.2011-06.10.2011
- Durchführung der 36. Generalkonferenz: 25.10.2011-10.11.2011
- Derzeit bemüht sich Deutschland um einen Sitz im Welterbekomitee (World Heritage Committee). Bei der 36. Generalkonferenz wird über die Neubesetzung von neun der insgesamt 21 Sitze abgestimmt.
Langfristige Aufgaben
Bildung - stellt für die UNESCO die Basis für Entwicklung und Frieden dar. Im
VN-System hat die UNESCO deshalb die Federführung für die Koordinierung des Aktionsprogramms "Bildung für alle" (
EFA: Education for All). Dieses Programm wurde auf dem Weltbildungsforum in Dakar im Jahr 2000 mit der Verpflichtung initiiert, bis zum Jahr 2015 weltweit sechs wichtige Bildungsziele zu erreichen, darunter Grundschulbildung für alle und Verringerung der Analphabetenrate.
Als Folgeaktion der Weltkonferenz für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg haben die Vereinten Nationen die Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (
ESD: Education for Sustainable Development, 2005 - 2014) ausgerufen und die UNESCO mit der Umsetzung beauftragt. Ziel der Dekade ist es, das Leitbild einer ökologisch, ökonomisch und sozial zukunftsfähigen Entwicklung weltweit in der Bildung zu verankern.
In Deutschland koordiniert die Deutsche UNESCO-Kommission im Auftrag des BMBF die Umsetzung der Dekade. Sie hat dafür ein Nationalkomitee berufen, das gute Praxisbeispiele der Bildung für nachhaltige Entwicklung als offizielle deutsche Beiträge zur Weltdekade auszeichnet. Auf der Weltkonferenz "Bildung für nachhaltige Entwicklung" wurde der Startschuss für die zweite Halbzeit der UN-Dekade gegeben. Die Konferenz wurde von der UNESCO und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission vom 31. März bis 2. April 2009 in Bonn durchgeführt. 900 Teilnehmer - Vertretungen der UNESCO-Mitgliedstaaten sowie Expertinnen und Experten - haben auf der Weltkonferenz vom 31. März bis 2. April in Bonn die Ergebnisse der ersten Hälfte der UN-Dekade zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005-2014) diskutiert und Strategien für die kommenden Jahre entwickelt. Die abschließende
Erklärung reflektiert die Diskussionen und bietet eine strategische Orientierung für die zweite Hälfte der Dekade.
Acht
UNESCO-Lehrstühle (UNESCO Chairs) in Deutschland sind Teil eines weltweiten Netzwerks zur Hochschulkooperation (
UNITWIN), in dem derzeit 715 UNESCO-Lehrstühle in 128 Ländern kooperieren.
In Deutschland sind zwei Bildungseinrichtungen der UNESCO ansässig: Seit 1951 ist das UNESCO-Institut für Pädagogik (UIP) in Hamburg angesiedelt. Das Institut trägt zur Umsetzung des UNESCO-Programms "Bildung für alle" und der VN-Weltdekade der Alphabetisierung (2003-2012) bei. Es beschäftigt sich mit der Absicherung der Lernbedürfnissen von Jugendlichen und Erwachsenen. Im Sinne einer Gleichstellung mit vergleichbaren UNESCO-Bildungsinstituten wurde 2005 entschieden, das UIP in ein vollwertiges internationales UNESCO-Institut (Kategorie I Institut) mit eigenem Namen zu überführen. UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen (
UIL:UNESCO Institute für Lifelong Learning).
Das Internationale UNESCO-Zentrum für Berufsbildung (
UNESCO -UNEVOC: International Centre for Technical and Vocational Education and Training) arbeitet seit dem Jahr 2000 mit Unterstützung der Bundesregierung in Bonn. Ziel des Instituts ist es, weltweit die Entwicklung von Berufsbildungssystemen zu unterstützen und die regionale und internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zu fördern. Zum weltweiten Netzwerk von insgesamt 283 UNEVOC-Zentren in 167 Ländern (Stand: Juli 2011) zählt neben dem Bundesinstitut für Berufsbildung (
BIBB) seit dem 16. September 2010 auch das
UNEVOC-Zentrum Magdeburg "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung" (Technical and Vocational Education and Training for Sustainable Development).
Die 190 deutschen
UNESCO-Projektschulen gehören zum internationalen Schulnetzwerk der UNESCO mit circa 9000 Schulen in 180 Mitgliedstaaten der UNESCO. Auf dem Stundenplan stehen an herausragender Stelle die Menschenrechte, interkulturelles Lernen, nachhaltige Entwicklung und der gerechte Ausgleich zwischen Arm und Reich. "
Zusammenleben lernen in einer pluralistischen Welt in kultureller Vielfalt", so lautet das übergeordnete Bildungsziel der UNESCO-Projektschulen.
Wissenschaft - Die UNESCO unterstützt mit zahlreichen langfristigen wissenschaftlichen Programmen die Erforschung und den Schutz der Lebensumwelt des Menschen u. a. mit dem Programm "Der Mensch und die Biosphäre" (
MAB: Man and the Biosphere). Die Vereinten Nationen verliehen den 580 Biosphärenreservaten in 114 Ländern (davon 15 in Deutschland; Stand Juli 2011) zusätzlich Gewicht, indem sie die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade der Biodiversität erklärten. Sie folgen damit einer Empfehlung der Unterzeichnerstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity,
CBD) auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz im Oktober 2010 im japanischen Nagoya.
Weitere internationale Zusammenarbeit in der Umweltforschung erfolgt durch die Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission (
IOC: Intergovernmental Oceanographic Commission) zur Koordinierung der Meeresforschung, durch das Internationale Geologische Korrelationsprogramm (
IGCP: International Geoscience Progamme) zur Erforschung erdgeschichtlicher Vorgänge sowie durch das Internationale Hydrologische Korrelationsprogramm (
IHP: International Hydrological Programme) zur Erforschung des Wasserkreislaufs und zur vernünftigen Bewirtschaftung von Wasservorräten.
Seit 2004 existiert das "Internationale grundlagenwissenschaftliche Programm" (
IBSP: International Basic Sciences Programme), bei dem Bereiche wie Chemie, Physik, Mathematik und bestimmte Ingenieurwissenschaften zum Zuge kommen, die nicht in die Zuständigkeitsbereiche anderer VN-Organisationen fallen. Deutschland wirkt in zahlreichen Forschungsprojekten am Wissenschaftsprogramm der UNESCO mit. Von den zuständigen Bundesministerien wurden in Abstimmung mit der Deutschen UNESCO-Kommission zu vier Programmen Nationalkomitees eingerichtet.
Außerdem fördert die UNESCO im Rahmen eines zwischenstaatlichen Programms zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels (
MOST:
Management of Social Transformation) interregional vernetzte und vergleichbare sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben u. a. zu Fragen der Verstädterung, des Zusammenlebens in kultureller Vielfalt und der Migration.
In den wissenschaftlichen Arbeitsbereichen fördert die UNESCO, insbesondere in den Entwicklungsländern, den Auf- und Ausbau wissenschaftlicher Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie internationaler Netzwerke für wissenschaftliche und technische Grundlagenforschung.
Wegen der hohen Geschwindigkeit des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts in den Lebenswissenschaften besteht heute ein enormer Bedarf an internationaler Abstimmung über Werte und Normen auf diesem Feld. Zu diesem Zweck tagen im Rahmen der UNESCO der Internationale Ausschuss für Bioethik (
IBC: International Bioethics Committee) und der Zwischenstaatliche Ausschuss für Bioethik (
IGBC: Intergovernmental Bioethics Committee). Die vom Internationalen Bioethik-Komitee (IBC) vorbereitete Allgemeine Erklärung über das menschliche Genom und Menschenrechte wurde im November 1997 von der 29. UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet; Erfahrungswerte wurden in den Folgejahren analysiert. 2005 wurde die "Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte" schließlich einstimmig angenommen.
Ethische Aspekte der Entwicklung von Wissenschaft und Technik werden zudem in der Weltkommission für Wissenschafts- und Technologieethik (
COMEST: World Commission on the Ethics of Scientific Knowledge and Technology) behandelt. Nachdem sich die Kommission zunächst vornehmlich mit Fragen des Süßwassers, des Weltraums und der Energie befasst hat, stehen seit der Konferenz in Berlin Ende 2001 Fragen der Ethik der Informationstechnologie im Vordergrund.
Kultur - Die UNESCO ist im VN-System die einzige Fachorganisation mit Kulturkompetenz. Schutz und Erhaltung des kulturellen Erbes, Bewahrung und Förderung der kulturellen Vielfalt und der Dialog zwischen den Kulturen sind ihre Hauptaufgaben.
Das Programm zum Erhalt des Kultur- und Naturerbes (
WHC: World Heritage Convention) der Welt ist das bekannteste aller UNESCO-Programme. Die UNESCO-Welterbeliste umfasst derzeit mehr als 800 Welterbestätten, darunter 36 aus Deutschland - zuletzt wurden im Juni 2011 alte Buchenwälder in Deutschland, das Fagus-Werk in Alfeld sowie prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen, darunter auch 18 Fundstätten in Baden-Württemberg und Bayern aufgenommen.
Das 2003 verabschiedete UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes (
Intangible Cultural Heritage) trat 2006 in Kraft. Damit werden die langjährigen UNESCO-Aktivitäten zur Inventarisierung, Sammlung und Revitalisierung kultureller Traditionen, Fertigkeiten und vom Aussterben bedrohter Sprachen künftig in völkerrechtlich verbindlichem Rahmen fortgesetzt.
Kommunikation und Information - Die UNESCO unterstützt weltweit den Zugang zu Information und Wissen für alle. Sie fördert die Informationstechnologie, um die "digitale Kluft" zwischen armen und reichen Ländern zu überwinden. Mit dem Aufbau unabhängiger Medien in Entwicklungsländern trägt sie zu einer vielfältigen Presse bei. Im Rahmen ihres Kommunikationsprogramms unterstützt die UNESCO den Aufbau moderner Wissensgesellschaften ("Knowledge Societies") , in denen die Meinungsfreiheit und der gleichberechtigte Zugang zu Information und Wissen ebenso angestrebt wird wie Bildung für alle und kulturelle Vielfalt. Die übergeordneten Ziele spiegeln sich ferner in den Initiativen "Zugang zu Wissen" (
Open Access), "Förderung der Medienkompetenz" (Media development), "Pressefreiheit" (Freedom of expression) sowie in der Arbeit der beiden zwischenstaatlichen Plattformen "Information für alle" (
IFAP: Information for All Programme) und "Medienförderung" (
IPDC: International Programme for the Development of Communication) wider.
Das Programm "Gedächtnis der Menschheit" (
Memory of the World) will Originaldokumente schützen und zugänglich machen. Das internationale Memory-of-the-World Register umfasst über 238 Eintragungen (Stand: Juli 2011), darunter 13 aus Deutschland (z. B. Beethovens 9. Sinfonie).
Haushalt
Der reguläre Haushalt der UNESCO wird aus den direkten Beiträgen der Mitgliedsländer aufgebracht. Er beträgt für die Jahre 2010 und 2011 insgesamt 653 Millionen US-Dollar. Dies bedeutet ein nominales Wachstum von 3,5 Prozent gegenüber dem vorherigen Haushalt. Deutschland ist nach den USA und Japan drittgrößter Beitragszahler der UNESCO.
Vom Gesamthaushalt entfallen auf das Bildungsprogramm 118,5 Millionen, auf das Wissenschaftsprogramm 88,8 Millionen (davon Naturwissenschaften: 59,1 Millionen, Sozial- und Humanwissenschaften: 29,7 Millionen), auf das Kulturprogramm 53,8 Millionen und auf das Programm Kommunikation und Information 33,2 Millionen US-Dollar. Zusätzlich stehen erhebliche extrabudgetäre Mittel zur Verfügung, die aus freiwilligen Beiträgen einzelner Mitgliedsstaaten stammen.
Anschrift
Der UNESCO-Hauptsitz in Paris besteht aus zwei Bürogebäuden:
- 7, place de Fontenoy 75352 Paris 07 SP France
- 1, rue Miollis 75732 Paris Cedex 15 France
Tel.: 00 33 1 - 45 68 10 00
Fax: 00 33 1 - 45 67 19 00
Internet: http://www.unesco.org/
Permanent Delegation of Germany to UNESCO
Deutsche UNESCO Kommission (DUK)