Ministerium

Indonesien

Indonesien ist eines der Schwerpunktländer für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Asien. Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit besteht schon seit über 30 Jahren (2010) und wurde nach der Tsunami-Katastrophe am 26.12.2004 durch die Kooperation beim Aufbau eines Tsunami Frühwarnsystems für den Indischen Ozean wesentlich intensiviert. Im Frühjahr 2011 wurde das voll funktionsfähige Frühwarnzentrum an Indonesien übergeben.

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit

Erklärte Schwerpunkte der bilateralen Zusammenarbeit sind gemäß des WTZ-Abkommens von 1979 die Themenbereiche Meeresforschung, Energieforschung, Luft- und Raumfahrtforschung, Geowissenschaften, Sozial- und Geisteswissenschaften sowie Technologien, die als Grundlage für die industrielle Entwicklung dienen können, sowie die wissenschaftliche Information und Dokumentation.

Generelles Ziel ist es, die Wirtschaft, insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU - nach EU Definition), in die Zusammenarbeit einzubeziehen. Dieses Ziel einer stärkeren Verknüpfung von Forschung und wirtschaftlicher Anwendung wird von der indonesischen Seite unter anderem durch die Einrichtung so genannter Business & Technology Center (BTC) angestrebt, deren Aufbau das BMBF durch die Förderung von Workshops und von Hospitationen in Deutschland sowie durch die Beratung vor Ort unterstützt.
Der - zunehmend auch multilateralen - Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Umwelttechnologie liegt ein Abkommen von 1993 zugrunde, dessen Umsetzung von BMBF, BMU und BMZ gemeinsam finanziert wird.

Grundlagen/Schwerpunkte der Kooperation

Basierend auf dem WTZ-Abkommen unterhält das BMBF die Kooperation mit Indonesien über ein interministerielles Komitee. Vier gemeinsame Lenkungsausschüsse koordinieren die Zusammenarbeit in den Themenfeldern Meeresforschung und Geowissenschaften, Tsunami-Frühwarnsystem, Geothermie und Biotechnologie, wovon hier die ersten drei vorgestellt werden.. Ein weiterer wichtiger Themenbereich ist die Zusammenarbeit zum Nationalen Innovationssystem.

Meeresforschung und Geowissenschaften

Eine wichtige Grundlage für die schnelle Reaktion auf die Tsunami-Katastrophe war die seit mehreren Jahren etablierte Kooperation im Rahmen eines gemeinsamen Lenkungsausschusses für Meeresforschung und Geowissenschaften ("EOR - Earth and Ocean Research"). Insbesondere die Erfahrungen durch bilaterale Projekte zum Fluss- und Küstenzonenmanagement oder der gemeinsamen Nutzung von Forschungsschiffen spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Zahlreiche Projekte, die auch einer nachhaltigeren Ressourcennutzung dienen, werden unter dem Titel "Science for the Protection of Indonesian Coastal marine Ecosystems" (SPICE) vom Ausschuss betreut und im Rahmen von Fachprogrammen des BMBF gefördert. Das Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen übernimmt für diesen Verbund übergeordnete Aktivitäten (Workshops, Summer Schools, Wissenschaftleraustausch etc.). Weitere Informationen zu SPICE unter www.bmbf.de/de/4852.phphttp://www.ptj.de/indonesien/beispiele, und http://www.zmt-bremen.de/Page1179.html.
 

Tsunami-Frühwarnsystem

Im Frühjahr 2005 hat sich zur bilateralen Kooperation zur Einrichtung eines Tsunami-Frühwarnsystems ein entsprechender Lenkungsausschuss ("TEWS - Tsunami Early Warning System") konstituiert. Die Grundlage für diese Zusammenarbeit mit Indonesien ist die Joint Declaration zwischen Deutschland und Indonesien (14. März 2005).

Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer Wiederaufbauhilfe in der betroffenen Region 45 Millionen Euro für den Aufbau des Tsunami-Frühwarnsystems bereitgestellt. Das deutsch-indonesische System ist (der wesentliche) Teil des Gesamtkonzeptes des Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean, dessen Aufbau UNESCO/IOC (Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission) koordiniert. Im Frühjahr 2011 wurde das Frühwarnzentrum an Indonesien übergeben.
Unter Federführung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, vertreten durch das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ), arbeiten verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen in enger Kooperation: das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Alfred-Wegener-Institut (AWI), das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), das Forschungszentrum Geesthacht (GKSS), das Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM), die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Universität der Vereinten Nationen in Bonn (UNU).
Im Rahmen des Sonderprogramms GEOTECHNOLOGIEN fördert das BMBF ein weiteres Projekt i. H. v. 1,3 Millionen Euro, das sich mit dem Thema "letzte Meile" (Übermittlung des Warnsignals an Privatwohnungen und Hotels) befasst. In enger Abstimmung mit dem oben vorgestellten Projekt GITEWS wird in einem Verbundvorhaben von mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen und Mittelständischen Unternehmen mittels hydro-dynamischer Modelle exemplarisch am Beispiel der Stadt Padang in Indonesien das Eindringen einer Flutwelle in das Stadtgebiet simuliert. Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse, der Besiedelungsstrukturen, der topographischen Gegebenheiten usw. werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden Evakuierungspläne erarbeitet.
 

Geothermie

Seit Oktober 2009 wird das WTZ Vorhaben "Geothermie: Nachhaltigkeit der Nutzung geothermischer Lagerstätten in Indonesien -systemoptimale Pilotstandorte und Trainingsprogramm" vom BMBF mit knapp 9 Mio. Euro über einen Zeitraum von 4 Jahren gefördert. Die wissenschaftliche Koordination auf deutscher Seite hat das Helmholtz-Zentrum GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) und auf indonesischer Seite die University of Indonesia in Jakarta übernommen. Ziel der Kooperation ist, die Nutzung geothermischer Lagerstätten in Indonesien zu optimieren und mit den indonesischen Partnern Konzepte zur Erkundung und Erschließung geothermischer Reservoire zu entwickeln. Des Weiteren ist die Einrichtung eines Geothermieforschungs- und Ausbildungszentrums in Trägerschaft von indonesischen Universitäten geplant. Mobile Kraftwerke haben den Vorteil, dass sie bedarfsgerecht in den verschiedenen Regionen eingesetzt werden und kleine Orte mit Strom versorgen können. Diese Variante zum Thema Geothermie ist eine dezentrale Lösung.
 

Verbundprojekt "Karstgewässer"

Ein Beispielprojekt ist das BMBF-geförderte Verbundprojekt "Karstgewässer". Darin stand vor allem die Erschließung und Bewirtschaftung unterirdischer Karstgewässer in der Provinz Yogyakarta im Vordergrund: Das wichtigste Projekt im Bereich Umweltforschung & -technologie ist ein Projekt zur nachhaltigen Bewirtschaftung unterirdischer Flüsse in einer zeitweilig wasserarmen Region Javas unter Federführung der Universitäten Karlsruhe und Yogyakarta. Die im Rahmen des Projekts angepassten Technologien können weltweit in Karstregionen mit unterirdischen Fließgewässern eingesetzt werden und besitzen somit ein erhebliches Marktpotential.

Nationales Innovationssystem

Indonesien bietet wichtige und interessante Beispiele zur Evaluierung und Modernisierung der indonesischen Wissenschaftslandschaft. Dies soll vor allem durch die stärkere Verknüpfung von Forschung und wirtschaftlicher Anwendung sowie die Förderung von KMU geschehen. Basis der Zusammenarbeit sind dabei die vom BMBF finanzierte "PERISKOP"-Studie der FhG sowie die vom indonesischen Ministerium für Forschung und Technologie (RISTEK) hieraus abgeleiteten Maßnahmen zur Förderung des Technologietransfers zwischen der indonesischen Wissenschaft und der indonesischen Wirtschaft durch die neu gegründeten Business Technology Centres (BTCs). Hierzu ist seit August 2006 ein deutscher CIM (Centrum f. Internationale Migration & Entwicklung) im RISTEK tätig.
Die VDI/VDE-IT führt zur nachhaltigen Verankerung des BTC-Konzeptes eine Reihe von Schulungs- und Beratungsmaßnahmen mit indonesischen Partnern, primär BTC und RISTEK, durch. Basierend auf dem Modular Training Concept on Innovation (MTCI) wurden verschiedene Aspekte zur Stärkung des nationalen Innovationssystems bis Ende 2010 durchgeführt.

English version of this page
(URL: http://www.bmbf.de/en/838.php)

Dokumente

Ansprechpartner

  • Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.

    • Indonesien, Vietnam, Südostasien
    • Dr. Ludwig Kammesheidt
    • Heinrich-Konnen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-1729
    • Faxnummer: +49 228 3821-1444
    • E-Mail-Adresse: Ludwig.Kammesheidt@dlr.de
    • Homepage: http://www.internationales-buero.de
  • Pressereferat des BMBF

    • Hannoversche Straße 28-30
    • 10115 Berlin
    • Telefonnummer: 030 / 1857 - 5050
    • Faxnummer: 030 / 1857 - 5551
    • E-Mail-Adresse: presse@bmbf.bund.de