
Die Globalisierung der Produktion und des Wirtschaftsverkehrs sowie die Beschleunigung der Taktraten wirtschaftlicher Aktivität gelten derzeit als die wesentlichen Treiber moderner Logistikentwicklung. Neue Anforderungen an Geschwindigkeit, Fehlertoleranz und Flexibilität setzen eine maximale Transparenz und automatisierte Abwicklung der physischen Flüsse voraus.
In den letzten 15 Jahren profitierte insbesondere die Logistik-Branche vom Vormarsch der vernetzten und allgegenwärtigen Datenverarbeitung. Rechnersysteme und intelligente Algorithmen beschleunigen den Warentransport zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Fabriken lassen ihre Lager schrumpfen und erhalten ihre Rohwaren "just in time" für die aktuelle Produktion. Dieser Wandel ist heute Realität. In der Zukunft liegt das "Internet der Dinge", in dem nicht nur Container per Funkchip identifiziert werden, sondern jeder einzelne Joghurtbecher Teil des weltweiten Datennetzes werden kann. Günstigere RFID-Funkchips, entwickelt in Deutschland, unterstützen diesen Trend.
Mit vernetzten Funkchips (RFID), Echtzeitmanagement von Logistikketten, vollautomatisierten Lagersystemen und Telematik baut die moderne Logistik heute auf IKT-Lösungen. Funkchips, die bis vor einiger Zeit her vor allem an Containern und wertvollen Waren angebracht waren, um Herkunft, Inhalt und Ziel elektronisch an die Logistikrechner weiterzugeben, bilden eine Schlüsseltechnologie, um den Warentransport noch effizienter zu gestaltet. Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik will auf diesen Chips die idealen Transportrouten ergänzen. Pakete und Container melden sich damit selbstständig an Knotenpunkten an und werden automatisch auf den richtigen Weg und in das jeweils schnellste und günstigste Verkehrsmittel geladen.
Transportengpässe umgeht die Ladung in Zukunft autark, und neue Routen werden rasch durch spezielle Software ermittelt. Erste Simulationen zeigen, dass sich so die Durchsatzraten effizient steigern ließen. Die engen Parallelen zu dem paketvermittelten Datentransport im Internet sind unübersehbar. So wie hier Informationsstücke sich selbstständig den schnellsten Weg durchs Web suchen, finden in zukünftigen Logistiknetzwerken reale Pakete ihre beste Route zum Ziel. So werden in den kommenden Jahren Positionsbestimmungen von Containern und Stückgut in Echtzeit an Bedeutung gewinnen. Durch die führende Rolle deutscher Entwickler beim europäischen Satellitennavigationsprojekt Galileo wird hier ein weiterer Technologievorsprung entstehen. Besonders im Handel führen diese Innovationen mittelfristig auch zu wichtigen Verbesserungen für den Endverbraucher. Umfassende Produktinformation und -beratung durch intelligente Einkaufsassistenten, kassenloses Bezahlen sowie rasches und gezieltes Auffinden der gewünschten Produkte im Warenmarkt sind Vorteile für den Kunden, die führende deutsche Handelsunternehmen mit neuen IKT-Technologien unterstützen wollen.
Die Logistik steht vor vielfältigen und komplexen Herausforderungen. Im EffizienzCluster Logistik Ruhr werden für die Zukunft der Logistik neue technische Lösungen entwickelt. Logistik bedeutet die Kooperation verschiedener Dienstleister. Deshalb wird im Effiziencluster vor allem auch die Integration neuer Technik in die Logistikketten verschiedener Dienstleiter erprobt. Außerdem wird nicht nur an ökonomischen, sondern auch den ökologischen und gesellschaftlichen Aufgabenstellungen gearbeitet. Anspruch und Ziel des EffizienzClusters ist es, die Individualität von morgen im Sinne individueller Warenversorgung, Mobilität und Produktion zu ermöglichen - bei gleichzeitiger Einsparung von Ressourcen. Die Logistik von morgen soll beides: die Umwelt schonen und die Versorgung sichern. Im Fokus steht daher die Effizienz von Prozessen und Produkten.
Die nächste technische und organisatorische Stufe des "Internets der Dinge" sind Alltagsgegenstände mit komplexen Mikrosystemen, die mit eigenen Sensoren dauerhaft Daten aus der Umgebung erheben und verarbeiten. Die Produkte erhalten auf diese Weise ein eigenes digitales Gedächtnis. Zur Entwicklung dieser Systeme haben sich das BMBF und mehrere Unternehmen aus Industrie und Dienstleistung auf eine Kooperation geeinigt.
Während heute Preisschilder durch Funketiketten - so genannte RFID-Tags - ersetzt werden, arbeiten Forschung und Unternehmen schon an der Nachfolgetechnik. Für das "Digitale Produktgedächtnis" - auch: Semantic Product Memory, Semprom - werden Alltagsgegenstände mit so genannten "Smart Labeln" bestückt, die viele Lebensbereiche verändern werden. Die 2008 gestartete Innovationsallianz "SemProM - Digitales Produktgedächtnis" hat die Grundlagen für dies neuartigen Produktions- und Logistikprozesse gelegt.
"Smart Label", eine Kombination von Mikroprozessor, Speicher, Funkbaustein, eigener Stromversorgung mit unterschiedlichen Messfühlern etwa für Temperatur, zur GPS-Ortung oder zur Überwachung einer Verpackung geben Industrie und Verbraucherinnen und Verbrauchern ganz neue Möglichkeiten - zum Beispiel die, selbst die Qualität und Echtheit von Waren vor dem Kauf zu prüfen. Das "Digitale Produktgedächtnis" mit Smart Label und innovativen Logistiksystemen könnte sogar aktiv vor Gefahren warnen, bevor ein unentdeckter Fehler zur Katastrophe führt:
Für den Anlagenbau und die Produktion in Deutschland bietet das "Digitale Produktgedächtnis" noch weiter gehende Möglichkeiten:
Auch im Alltag kann das "Digitale Produktgedächtnis" helfen: Kein Schlüsselbund ginge mehr verloren, wenn sie mit Smart Labeln bestückt wären. Sie können ihre Positionsdaten per Funk melden. So ließe sich im Haushalt immer alles wiederfinden.
Die Erfahrungen mit RFID-Chips und die Entwicklung von Smart Labeln haben deutlich gemacht, dass die wesentlichen Entwicklungsarbeiten für das "Digitale Produktgedächtnis" nicht für die Endgeräte, sondern für die Entwicklung der Umgebungssysteme geleistet werden muss. Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten lässt sich mit einem einfachen Auslesen von Daten nicht ausschöpfen: Das "Digitale Produktgedächtnis" in Industrieanlagen beispielsweise muss für die Anforderungen über die gesamte Lebenszeit dieser Anlage konzipiert sein, also Funktionen für einen Produktlebenszyklus von 20 Jahre und mehr aufweisen.
Die Innovationsallianz "Digitales Produktgedächtnis" widmet sich der Forschung an Grundlagen, weil nur robuste und zuverlässige Systeme einen Zusatznutzen haben.
Datenmodellierung: Welche Daten müssen erhoben werden, welche Funktionen sind für welchen Zweck zu modellieren?
Vernetzung / Integration: Wie können Produktionsanlagen, Logistiksystemen oder Verbraucher mit Smart Labeln Daten austauschen, welche Funktionen sind nötig?
Interaktion: Wie und in welchen Formen können Anwender, Kunden etc. mit einem "digitalen Produktgedächtnis" einfach, aber aussagefähig interagieren?

Forschung für Innovationen
2007, 80 Seiten
Download [PDF - 2,93 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/ikt2020.pdf)

Research for Innovations
2007, 80 Seiten
Download [PDF - 2,83 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/ict_2020.pdf)
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[Presse]
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