3.4.5 Seminarkonzept für Ausbilder und Ausbilderinnen zum Führungs- und Konfliktlösungsverhalten

Aus den Ergebnissen zweier Forschungsprojekte des Bundesinstitut für Berufsbildung zum Führungs- und Konfliktlösungsverhalten in der Ausbildung 1 ist 1998 ein Seminarkonzept für die Ausbildungspraxis mit dem Titel "Gute Führung in der Ausbildung - die Balance zwischen Leistung und Beziehung" entwickelt und erprobt worden. Das Seminar ist konzipiert für die Weiterbildung von Ausbildern, die bereits über die Ausbildereignungsqualifikation verfügen. Gezielt soll Führungsverhalten reflektiert und verbessert sowie (gemeinsam mit Auszubildenden) Konfliktverhalten exemplarisch gelernt werden.

Bei der Seminargestaltung waren drei Gesichtspunkte von besonderer Bedeutung:

a) Das Seminar mußte kurz sein, da es sich nicht nur an Ausbildungspersonal von Großbetrieben richten soll, in denen Freistellung für Weiterbildungsveranstaltungen eher möglich ist, sondern auch an Ausbilder kleiner und mittlerer Betriebe. Deshalb wurde das Seminar (Gesamtdauer: vier Tage) in zwei zweitägige Blöcke aufgeteilt, zwischen denen eine Erprobungs- und Praxisphase von drei bis vier Wochen liegt.

b) Das Seminar soll handlungsorientiert gestaltet werden, um Lerneffekte zu erhöhen. Das bedeutet, daß auf theoriegeleitete Lernphasen die Erprobung nicht nur in Rollenspielen u. ä. Methoden erfolgt, sondern auch die unmittelbare Umsetzung in von den Ausbildern (und/ oder Auszubildenden) selbst entwickelten Lern- und Arbeitsaufgaben.

c) Ausbilder und Auszubildende sollen bestimmte Themen des Seminars gemeinsam bearbeiten, um gemeinsames Problemlösungsverhalten zu lernen und zu erproben.

Vor diesem Hintergrund wurde das Seminar wie folgt strukturiert:

Der erste Seminartag ist dem Thema Führungsverhalten gewidmet. Es wechseln kurze theoriegeleitete Vortragssequenzen zu Führung und Grundlagen der Kommunikation mit Kleingruppenarbeit und Rollenspielen, in denen Kenntnisse angewandt und vertieft werden sollen.

Am zweiten Seminartag werden Grundlagen für die Entstehung und Lösung von Konflikten in der Ausbildung vermittelt und anhand konkreter Probleme, die von den Teilnehmenden genannt werden, bearbeitet. Partnerzentriertes Verhalten steht dabei im Vordergrund. Weiterhin wird das Erarbeiten von Lern- und Arbeitsaufgaben trainiert. Ziel ist die Delegation von Lernverantwortung an die Auszubildenden. Dazu müssen Lern- und Arbeitsaufgaben durch das Ausbildungspersonal so gestaltet werden, daß die Selbständigkeit der Lernenden kontinuierlich zunimmt, das Niveau der Zusammenarbeit steigt und die Einbeziehung der Lernenden in die Gestaltung ihres eigenen Lernprozesses stufenweise möglich ist.

In der Praxisphase zwischen dem ersten und zweiten Seminarblock sollen die Teilnehmenden eine Lern-/ Arbeitsaufgabe für ihren Betrieb (ihre Auszubildenden) erarbeiten und erproben, die Grundsätze guter Führung in die Praxis der Ausbildung umsetzen und parallel dazu auf Arbeitsbögen stichwortartig ihre Erfahrungen aufschreiben.

Der dritte Seminartag ist für den Erfahrungsaustausch des Ausbildungspersonals zur Gestaltung und Erprobung von Lern- und Arbeitsaufgaben vorgesehen, wobei dieser zur gegenseitigen Ideenfindung und Vorschlägen für die Umsetzung dient. Die Teilnehmenden gestalten diesen Seminarteil weitgehend selbst. Ein weiteres Ziel ist, die Erfahrungen mit den Ansätzen von neuem Führungsverhalten auszutauschen und Probleme damit vor dem vermittelten theoretischen Hintergrund zu spiegeln.

Der vierte Tag wird gemeinsam von Ausbildern und Auszubildenden gestaltet. Dazu wird eine Kurzwerkstatt in Form einer Zukunftswerkstatt 2 mit dem Titel Wie wollen wir miteinander arbeiten? durchgeführt. Hier sollen nicht nur partnerzentrierte Kommunikation und entsprechendes Konfliktverhalten vertieft, sondern gezielt alternative Handlungsstrategien für die Zukunft entwickelt werden. Diese sollen einen solchen Konkretheitsgrad haben, daß sie kurzfristig gemeinsam umgesetzt werden können.

Das Seminarkonzept wurde in Zusammenarbeit mit den Auftragnehmern erprobt und im Rahmen der Erprobung überarbeitet. Bei einem großen Privatbetrieb war es so erfolgreich, daß es auf Wunsch der Ausbildungsleitung noch zwei weitere Male durchgeführt und so das gesamte hauptberufliche Ausbildungspersonal geschult wurde. Ebenfalls an der Erprobung beteiligt waren ein großer öffentlicher Betrieb im Verkehrswesen, eine gewerkschaftliche Akademie sowie ein Bildungswerk der Wirtschaft. Ein wesentliches Ergebnis war, daß sich das Seminarkonzept 3 beim Ausbildungspersonal aller beruflichen Bereiche sowie in Einzelbetrieben als auch bei Weiterbildungsträgern einsetzen läßt. Besonders erfolgreich ist es dann, wenn dieser Einsatz im Rahmen von Personal- und Organisationsentwicklungsmaßnahmen stattfindet.


1 Vgl. Berufsbildungsbericht 1998, Kapitel 3.7.4 2 Jungk, R./Müller, N. R.: Zukunftswerkstätten - mit Phantasie gegen Routine und Resignation, 1994; die Phasen einer solchen Zukunftswerkstatt sind: Einführungsphase (mit der Darstellung der Regeln), Kritikphase (Probleme, die gelöst werden sollen), Phantasie- und Utopiephase (alle Ideen sind erlaubt) und Verwirklichungs- und Praxisphase. 3 Eine Veröffentlichung dieses Seminarkonzeptes durch das Bundesinstitut für Berufsbildung ist vorgesehen.