
Die duale Berufsausbildung hat einen hohen Stellenwert in Deutschland. Ein entscheidender Vorzug des dualen Berufsausbildungssystems ist die Nähe zum Beschäftigungssystem. Einerseits ermöglicht sie Unternehmen, ihren Fachkräftenachwuchs praxisnah und bedarfsgerecht auszubilden. Andererseits sichert sie den Auszubildenden hohe Übernahmequoten in Beschäftigung und ist somit eine wesentliche Voraussetzung für eine eigenständige Lebensführung und gesellschaftliche Teilhabe.
Laut EUROSTAT verzeichnet Deutschland mit 8,2% im Februar 2012 die niedrigste Arbeitslosenquote bei den unter 25-jährigen.
Mit der Nähe zum Beschäftigungssystem ist aber auch eine spürbare Konjunkturabhängigkeit der Ausbildungsmarktsituation verbunden. Aktuell hat der Ausbildungsmarkt wieder von der guten konjunkturellen Entwicklung profitiert. Darüber hinaus haben die gemeinsamen Anstrengungen von Bundesregierung, Ländern und Wirtschaft dazu beigetragen, dass sich die Ausbildungsmarktsituation für junge Menschen 2011 weiter verbessert hat.
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge insgesamt (d.h. betrieblich und außerbetrieblich) stieg 2011 bundesweit um + 10.180 bzw. + 1,8% auf 570.140. Dass der Anstieg insgesamt nicht noch höher ausfällt, ist auf das bewusste Zurückfahren des außerbetrieblichen Ausbildungsangebots zurückzuführen (-25,7%). Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge stieg erfreulicherweise bundesweit um +20.729 bzw. +4,0% auf 539.646.
Auch verschiedene Indikatoren, die der Berufsbildungsbericht zur Bewertung der Ausbildungssituation heranzieht, deuten auf eine Verbesserung der Ausbildungsmarklage für jungen Menschen hin.
Erneut gab es zum Ende des Ausbildungsjahres mehr unbesetzte Ausbildungsstellen (29.689) als unversorgte Bewerber und Bewerberinnen (11.550). Positiv ist, dass sich der Überhang an Stellen gegenüber dem Vorjahr deutlich um +10.789 vergrößert hat (Stellenüberhang 2010: +7.350, Stellenüberhang 2011: +18.139). Dass nicht alle unbesetzten Berufsausbildungsstellen besetzt werden konnten ist darauf zurückzuführen, dass die Ausbildungswünsche der Jugendlichen und die angebotenen Ausbildungsstellen in beruflicher oder regionaler Hinsicht nicht übereinstimmen.
Als Antwort auf die gestiegenen Altbewerberzahlen der vergangenen Jahre hatte die Bundesregierung gezielte Maßnahmen für besonders förderbedürftige Jugendliche aufgelegt. Die gemeinsamen Anstrengungen haben zu einem Rückgang der Altbewerberzahlen geführt. 2011 ist die Zahl der Bewerber aus früheren Berichtsjahren auf 174.285 gesunken. Dies entspricht einem Rückgang um -10.460 bzw. -5,7% verglichen mit 2010. Gleichwohl besteht weiter Handlungsbedarf. Altbewerber und Altbewerberinnen sind daher eine wichtige Zielgruppe im Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs 2011-2014.
Der Übergangsbereich bietet jungen Menschen, die nicht über die notwendigen Voraussetzungen für die Aufnahme einer Berufsausbildung verfügen oder aus anderen Gründen keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, die Möglichkeit, ihre individuellen Chancen für die Aufnahme einer Ausbildung zu verbessern. In vergangenen Jahren hatte die angespannte Situation am Ausbildungsmarkt zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der jungen Menschen in Maßnahmen des Übergangsbereichs geführt. Hintergrund ist, dass diese Maßnahmen nicht nur von originär benachteiligten, sondern auch von so genannten "marktbenachteiligten" Jugendlichen, also von Bewerbern und Bewerberinnen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, in Anspruch genommen wurden.
Mit der zunehmenden Entspannung des Ausbildungsmarktes bedingt durch die demografische und konjunkturelle Entwicklung sowie das Engagement der Bundesregierung und der Wirtschaft geht auch die Zahl der Eintritte in den so genannte Übergangsbereich in den letzten Jahren wieder zurück. 2011 lag die Zahl der Anfänger und Anfängerinnen im Übergangsbereich mit 294.294 erstmals unter 300.000. Dies entspricht einem Rückgang um -25.719 (-8,0%) verglichen mit 2010. Gegenüber 2005 ist die Zahl der Eintritte in den Übergangsbereich sogar um -123.353 (-29,5%) zurückgegangen.
Erstmals beinhaltet der Berufsbildungsbericht 2012 auch eine Prognose des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur künftigen Entwicklung des Übergangsbereichs. Die Prognose zeigt, dass ein vollständiger Abbau des Übergangsbereichs selbst unter günstigster Ausbildungsmarktentwicklung unrealistisch ist. Umso wichtiger ist es, das Ziel der Effizienzsteigerung der Maßnahmen im Übergangsbereich konsequent umzusetzen, um jungen Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, den Weg in die Ausbildung zu erleichtern. Einen wichtigen Beitrag leistet hier z. B. die Initiative "Bildungsketten".
Zur besseren Verzahnung von Schule, Übergangsbereich und dualer Ausbildung hat die Bundesregierung in Abstimmung mit den Ländern im Jahr 2010 die Initiative "Abschluss und Anschluss - Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss" gestartet, mit der Schulabbrüche verhindert, Warteschleifen im Übergangssystem vermieden und der Fachkräftenachwuchs durch berufliche Ausbildung gesichert werden soll. Die Initiative setzt auf frühzeitige Förderung und individuelle Begleitung. Neue und bestehende Förderinstrumente werden dazu - wie die Glieder einer Kette - miteinander verzahnt.
Ein Indiz dafür ist der deutliche Anstieg der bei der BA gemeldeten unbesetzten Ausbildungsstellen um +10.084 bzw. +51,4% auf 29.689.
Auch Betriebsbefragungen zeigen, dass sich für Unternehmen die Suche nach Auszubildenden immer schwieriger gestaltet. Nach ersten Ergebnissen des vom BMBF geförderten BIBB-Qualifizierungspanels 2011 konnten mehr als ein Drittel der Betriebe (35 %), die Ausbildungsstellen für das Ausbildungsjahr 2010/2011 angeboten haben, eine oder mehrere Ausbildungsstellen nicht besetzen. Besonders betroffen davon sind kleinere und Kleinstbetriebe.
Nicht auszuschließen ist, dass sich Betriebe, die wiederholt die Erfahrung machen, ihre angebotenen Ausbildungsstellen nicht besetzen zu können, dauerhaft aus der dualen Berufsausbildung zurückziehen und damit ein wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung nicht nutzen. Der Berufsbildungsbericht zeigt, dass die Ausbildungsbetriebsquote, das heißt der Anteil der Anteil der Ausbildungsbetriebe an allen Betrieben, im Jahr 2010 auf 22,5% zurückgegangen ist. Im Vorjahr hatte die Ausbildungsbetriebsquote noch bei 23,5% gelegen.
Die Auswirkungen der demografischen Entwicklungen sind bereits seit einiger Zeit auch auf dem Ausbildungsstellenmarkt spürbar. 2011 ist die Zahl der nichtstudienberechtigten Schulabgänger und Schulabgängerinnen aus allgemein bildenden Schulen (Hauptklientel der dualen Berufsausbildung) weiter zurückgegangen (-19.700 bzw. -3,5% verglichen mit 2010). Seit 2005 ist hier ein Rückgang um mehr als -154.000 zu verzeichnen.
Die doppelten Abiturientenjahrgänge in Niedersachsen und Bayern sowie die Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes haben dem Ausbildungsmarkt zwar zusätzliche Nachfrageimpulse gegeben, quantitativ fielen diese aber nur in geringem Maße ins Gewicht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Abiturienten und Abiturientinnen nur zu einem geringeren Anteil an der Aufnahme einer dualen Berufsausbildung interessiert sind.
Bis 2025 wird sich die Zahl der nichtstudienberechtigten Abgänger und Abgängerinnen aus allgemein bildenden Schulen in den neuen Ländern auf niedrigem Niveau stabilisieren. In den alten Ländern geht ihre Zahl dagegen weiter deutlich zurück. Da mittel- und langfristig auch die Zahl der studienberechtigten Schulabgänger und Schulabgängerinnen sinken wird, steht der Ausbildungsmarkt vor großen Herausforderungen. Künftig wird es noch stärker darauf ankommen, alle Potenziale - leistungsstarke wie auch schwächere Jugendliche - für den Ausbildungsmarkt zu erschließen, um den Fachkräftenachwuchs für Deutschland zu sichern.
Nach wie vor besteht erheblicher Handlungsbedarf zur Verbesserung der Ausbildungschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund. In der Berufsausbildung sind ausländische Jugendliche weiterhin stark unterrepräsentiert. 2010 fiel die Ausbildungsbeteiligungsquote junger Ausländer mit 33,5% (2009: 31,4%) nur etwa halb so hoch aus wie die der deutschen jungen Menschen mit 65,4% (2009: 64,3%).
Für Migranten und Migrantinnen stellt die berufliche Bildung - neben der schulischen Bildung - das zentrale Instrument für die gesellschaftliche Integration dar. Angesichts der demografischen Entwicklung und zur Vermeidung eines möglichen Fachkräftemangels braucht die deutsche Wirtschaft alle jungen Menschen. Vorrangiges Ziel der Bundesregierung ist es daher, vorhandene Zugangsbarrieren in Ausbildung und Beschäftigung für Jugendliche mit Migrationshintergrund abzubauen. Daher sind junge Menschen mit Migrationshintergrund eine wesentliche Zielgruppe des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland 2010-2014.
Aber auch Personen, die im Ausland bereits einen Berufsabschluss erworben haben, sollen es künftig leichter haben, ihre Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt einzubringen. Die Bundesregierung hat mit dem Anerkennungsgesetz ein Gesetz vorgelegt, mit dem die Verfahren zur Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen in Deutschland erleichtert werden. Das Gesetz ist am 1. April 2012 in Kraft getreten.
Auch im Jahr 2011 hat die Bundesregierung neue Impulse zur Stärkung der dualen Berufsausbildung gesetzt. Dazu zählt z.B. die Informationsoffensive "Berufliche Bildung - praktisch unschlagbar", die BMBF und BMWi gemeinsam ins Leben gerufen haben.
Mit vielfältigen Instrumenten wie bundesweiten Infotouren, Plakataktionen, jugendadäquaten Ansprachen über eine eigene Website und in sozialen Medien sowie gezielten Informationen zu attraktiven Ausbildungsberufen, beruflichen Weiterbildungswegen und einschlägigen Förderangeboten der Bundesregierung sollen besonders auch leistungsstarke junge Menschen für die berufliche Aus- und Weiterbildung interessiert und gewonnen werden.
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2012, 124 Seiten
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2011, 112 Seiten
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2010, 66 Seiten
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2009, 72 Seiten
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2008, 376 Seiten
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Informationen der Euopäischen Kommission und Link zur englischen Version des am 19. April veröffentlichten EU-Bildungsberichts "Progress towards the common European objectives in education and training (2010/2011) - Indicators and benchmarks" (URL: http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/9906_de.htm)
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