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Bildung
Auszubildende stehen mit Ihren Verträgen vor einem Bürohaus

Berufsbildungsbericht 2015

Die Zahlen des Berufsbildungsberichts 2015 zeigen, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt für die Jugendlichen leicht verbessert hat. Im Ausbildungsjahr 2013/2014 wurden 522.200 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Viele Lehrstellen blieben unbesetzt.

Die Bundesminsterinnen Johanna Wanka und Andrea Nahles stellen den Berufsbildungsbericht vor (Quelle: BMBF/Rickel)Die Bundesministerinnen Johanna Wanka und Andrea Nahles stellen den Berufsbildungsbericht vor (Quelle: BMBF/Rickel)

Der Berufsbildungsbericht 2015 zeigt: Das duale System der beruflichen Bildung ist nach wie vor die wesentliche Säule für die Deckung des künftigen Fachkräftebedarfs der Wirtschaft. Für mehr als 500.000 junge Menschen ist es der Einstieg in eine qualifizierte berufliche Tätigkeit. Mit 7,4 Prozent hat Deutschland die mit Abstand niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union.

Zudem geht aus dem Berufsbildungsbericht 2015 hervor, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt für die Jugendlichen leicht verbessert hat. Im Ausbildungsjahr 2013/2014 wurden 522.200 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Dies entspricht zwar einem leichten Rückgang um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, der Rückgang hat sich aber im Vergleich zum Berufsbildungsbericht 2014 verrringert. Damals betrug er minus 3,7 Prozent.

Der Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen hat mehrere Ursachen. Er ist zurückzuführen auf die demografische Entwicklung, eine gestiegene Studierneigung, aber auch auf die zunehmenden Schwierigkeiten der Unternehmen, offene Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Zahl der gemeldeten unbesetzten betrieblichen Ausbildungsstellen erreichte mit 37.100 im langjährigen Vergleich einen neuen Höchststand. Dem standen 20.900 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber gegenüber. Das liegt auch daran, dass Jugendliche nicht immer die richtigen Vorstellungen über bestimmte Berufe haben und dass Betriebe neu über die Attraktivität ihrer Ausbildung nachdenken müssen.

"Der Ausbildungsmarkt hat sich aus Sicht der Jugendlichen leicht verbessert und bietet ihnen so viele Chancen wie nie zuvor", sagte Bundesministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung des Berichts. "Dennoch gilt: Wir müssen die gesellschaftliche Wertschätzung der dualen Ausbildung wieder erhöhen. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung muss in  den Köpfen ankommen".

Für die Bundesregierung hat die Stärkung der dualen Berufsausbildung hohe politische Priorität. Dafür steht die "Allianz für Aus- und Weiterbildung 2015 bis 2018" mit den Ländern, der Wirtschaft, den Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit. Zudem baut das Bundesbildungsministerium gemeinsam mit dem Bundearbeitsministerium und der Bundesagentur für Arbeit die erfolgreiche Initiative "Bildungsketten" aus. Mit dem Innovationsprogramm "Jobstarter plus" unterstützt das Bundesbildungsministerium zudem kleine und mittlere Betriebe. Die Bundesregierung appelliert an die Betriebe, ihre Ausbildungsanstrengungen zu verstärken.

Zu den Ergebnissen im Einzelnen:

  1. Quelle: ThinkstockDie Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging um minus 1,4 Prozent auf rund 522.200 zurück. Dabei sank die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge in geringerem Umfang (minus 1,1 Prozent auf 502.100), die Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverträge deutlich stärker (minus 7,1 Prozent auf 20.100). Der leichte Rückgang an betrieblichen Ausbildungsverträgen ist vor dem Hintergrund sinkender Zahlen an Schulabgängerinnen und Schulabgängern, zunehmender Stellenbesetzungsprobleme der Betriebe und einer gestiegenen Studierneigung zu sehen.
  2. Für die Betriebe wurde es schwieriger, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Die Zahl der gemeldeten unbesetzten betrieblichen Ausbildungsstellen erreichte mit rund 37.100 (plus 10 Prozent) im langjährigen Vergleich einen neuen Höchststand.
  3. Die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber ging gegenüber dem Vorjahr auf rund 20.900 (minus 0,8 Prozent) zurück. Noch stärker ist der Rückgang von Bewerberinnen und Bewerbern, die eine Alternative zur Ausbildung begonnen haben (z.B. berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, Praktikum, Einstiegsqualifizierung), aber unabhängig davon weiterhin nach einer Ausbildungsstelle suchen und eine entsprechende Vermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit wünschen (Rückgang von minus 3,5 Prozent auf 60.300).
  4. Der Rückgang der Ausbildungsbetriebsquote ist fast ausschließlich auf Verluste im kleinstbetrieblichen Bereich zurückzuführen. Die Ausbildungsbetriebsquote ist mit minus 0,5 Prozentpunkten erneut leicht rückläufig (2013: 20,7; 2012: 21,2). Im kleinstbetrieblichen Bereich (bis neun Beschäftigte) sank die Zahl der Ausbildungsbetriebe um minus 4,3 Prozent. Dagegen stieg die Zahl der Ausbildungsbetriebe bei den mittleren Betrieben ebenso (plus 0,8 Prozent) wie bei den Großbetrieben (plus 0,6 Prozent) im Jahr 2014 an. Im Rahmen des Innovationsprogramms Jobstarter plus bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung Unterstützung für kleine und mittlere Betriebe durch externes Ausbildungsmanagement und Verbundausbildung an.
  5. Angesichts dieser Entwicklungen nehmen Passungsprobleme weiterhin einen zentralen Stellenwert ein. Es wird offenbar grundsätzlich schwieriger, das betriebliche Angebot und die Nachfrage der Jugendlichen – beruflich, regional und anforderungsspezifisch – zusammenzuführen. Verglichen mit dem Vorjahr zeichnet sich ab, dass insbesondere die Besetzungsproblematik für Betriebe zugenommen hat.
  6. Die Zahl der jungen Menschen im Übergangsbereich ist seit 2005 deutlich gesunken. Zwischen 2005 und 2014 ist es gelungen, die Zahlen der Anfängerinnen und Anfänger im Übergangsbereich um mehr als 160.000 zu verringern. Quelle: ThinkstockIm Jahr 2014 betrug die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger noch rund 256.100 und lag damit leicht über dem Vorjahr (plus 700 bzw. plus 0,3 Prozent). Der leichte Zuwachs bei den Anfängerzahlen im Übergangsbereich 2014 ist vor dem Hintergrund des vorübergehenden Anstiegs bei der Zahl der nichtstudienberechtigten Schulabgängerinnen und Schulabgänger und der Angebotsentwicklung zu sehen. Auch wenn Fördermaßnahmen im Übergangsbereich aus bildungspolitischer Sicht zum Teil hilfreich sind (z.B. Nachholen von Schulabschlüssen), besteht für die Zielgruppen weiter dringend Handlungsbedarf. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung baut gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, der Bundesagentur für Arbeit und den Ländern die erfolgreiche Initiative "Bildungsketten" aus. Ziel ist die präventive und ganzheitliche Sicherung des Bildungserfolgs junger Menschen und die sukzessive Schaffung einer strukturierten und kohärenten Förderpolitik von Bund und Ländern.
  7. Nach wie vor besteht erheblicher Handlungsbedarf zur Verbesserung der Ausbildungschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund. Die Ausbildungsanfängerquote der jungen Ausländer und Ausländerinnen (32,1 Prozent) liegt deutlich unter der junger Deutscher (57,0 Prozent). Im Rahmen vom "Jobstarter Plus" baut das Bundesministerium die Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Bildung weiter aus.
  8. Die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss ist weiter zurückgegangen. Im Jahr 2012 verfügten 13,1 Prozent der jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren in Deutschland über keinen Berufsabschluss. Ihr Anteil ist in den vergangenen Jahren von 14,9 Prozent im Jahr 2008 kontinuierlich zurückgegangen. Trotz dieser positiven Entwicklung besteht weiter Handlungsbedarf. Hier setzen die Initiativen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Entwicklung von Ausbildungsbausteinen und zur Validierung von non-formal und informell erworbener Kompetenzen an.
  9. Im Jahr 2014 hat jeder zweite Deutsche im erwerbsfähigen Alter an mindestens einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen. Damit wurde das von der Bundesregierung im Jahr 2008 ausgesprochenes Ziel erreicht, die Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerung auf fünfzig Prozent zu steigern. Dennoch ist es wichtig, den aktuell positiven Trend der Beteiligung an Weiterbildung zu befördern und die Rahmenbedingungen für aktive Weiterbildungsbeteiligung inner- und außerhalb der Betriebe weiter zu verbessern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird daher auch in Zukunft weiter aktiv sein, unter anderem mit der Bildungsprämie, dem Weiterbildungsstipendium und der neu eingerichteten telefonischen Weiterbildungsberatung.

Datenreport zum Berufsbildungsbericht

Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht wird vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) herausgegeben. In den einzelnen Kapiteln des Datenreports werden zentrale Indikatoren zur beruflichen Aus- und Weiterbildung dargestellt und Entwicklungen im Zeitverlauf aufgezeigt. Jährlich wechselnd werden Schwerpunktthemen behandelt.

Zusatzinformationen

Publikationen

  • Berufsbildungsbericht 2015 ID = 1837

    Titelbild der Publikation

    2015, 160 Seiten

    Download [PDF - 2,57 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsbericht_2015.pdf)

  • Berufsbildungsbericht 2014 ID = 1703

    Titelbild der Publikation

    2014, 120 Seiten

    Download [PDF - 1,72 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsbericht_2014_barrierefrei.pdf)

  • Berufsbildungsbericht 2013 ID = 1619

    Titelbild der Publikation

    2013, 137 Seiten

    Download [PDF - 2,35 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/bbb_2013.pdf)

  • Berufsbildungsbericht 2012 ID = 1508

    Titelbild der Publikation

    2012, 124 Seiten
    Bestell-Nr.: 30744

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 2,29 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/bbb_2012.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/index.php?O=3&T=26#pub)

 

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