27.05.1998 - 31.05.1998

Förderprogramm "Forschung für die Umwelt"

zum Thema "Zukunftsorientierte Waldwirtschaft"

Bekanntmachung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beabsichtigt, im Rahmen des Programms "Forschung für die Umwelt" Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Realisierung einer zukunftsorientierten Waldwirtschaft zu fördern. Dabei sollen die Möglichkeiten für einen ökologischen Waldumbau (z.B. Überführung reiner Nadelholzforste in Laub-Nadel-Mischwälder) und betriebswirtschaftlich vertretbare Nutzungsstrategien in solchen umstrukturierten Wirtschaftswäldern untersucht sowie Verfahren zur Umsetzung einer naturnahen Waldwirtschaft unter Beachtung der gesellschaftlichen Waldfunktionen entwickelt werden. Die Forschung soll dazu beitragen, die Selbstorganisationskräfte natürlicher Wälder zu erkennen und gezielt zu nutzen, um in Einklang mit den Forderungen des Natur- und Umweltschutzes bei minimiertem Bewirtschaftungsaufwand eine ökonomisch leistungsfähige Waldwirtschaft zu ermöglichen. Ein besonderes Merkmal dieser Projekte ist die in ihnen gemeinsam stattfindende Bearbeitung forstlich-wirtschaftlicher, ökologischer und naturschutzfachlicher Themen. Als Folge von Waldumbaumaßnahmen ist mit deutlichen Veränderungen der Arteninventare zu rechnen. Ob dies im Sinne des Naturschutzes ein positives oder negatives Ergebnis sein kann, muß durch begleitende, präzise Fragestellungen geklärt werden. Die konkreten Ziele des Waldumbaus können auf verschiedenen Wegen erreicht werden. Diese unterschiedlichen Strategien sind deshalb auch in Bezug auf ihre Konsequenzen für die Artenzusammensetzung zu untersuchen. Dies bedeutet eine enge Verzahnung der forstwissenschaftlichen und biologischen Arbeiten bereits auf der Ebene jedes Einzelprojektes. Für die geplanten Untersuchungen sind Standorte in mehreren Bundesländern vorgesehen, deren Wald- bzw. Forstökosysteme repräsentativ und bedeutend sind und somit eine möglichst weitgehende Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf vergleichbare Standorte möglich erscheinen lassen.

Weitere Standorte, die die nachfolgend genannten ergänzen, werden zusammen mit den dazu geeigneten Themenstellungen in späteren Bekanntmachungen berücksichtigt.

Geografische Projektverbünde / Standorte

  1. Nordostdeutsches Tiefland

    Untersuchungsziele

    • Erarbeitung ökologischer und naturschutzfachlicher Grundlagen für eine zukunftsorientierte Waldwirtschaft,
    • Ermittlung der ökologischen und ökonomischen Grenzen der Anbauwürdigkeit von Eiche und Buche sowie weiterer wichtiger Begleitbaumarten beim Waldumbau von Kiefernreinbeständen,
    • Ermittlung und Bewertung rationeller Verjüngungs- und Behandlungsverfahren des Waldumbaus (Schwerpunkt Kiefer) und der Waldbewirtschaftung (Schwerpunkt Buche) einschließlich der Erhaltung der genetischen Vielfalt,
    • Sicherung des Waldumbaus durch Waldschutzmaßnahmen gegenüber biotischen Schaderregern auf ökologischer Grundlage.

     

    Koordinierungsstellen:

    • Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes Brandenburg, Referat Waldwirtschaft, Postfach 601150, 14411 Potsdam (Tel.: 0331/5874253)
    • Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern, Referat Waldbau, 19048 Schwerin (Tel.: 0385/5886221)

     

  2. Erzgebirge und sächsisches Tiefland

    Untersuchungsziele

    • Entwicklung ökologisch nachhaltiger Verfahren zum Umbau von Fichten- und Kiefernreinbeständen in Mischwälder
      1. durch Verjüngungsmaßnahmen
      2. durch Pflegemaßnahmen
    • Ermittlung von Schlüsselindikatoren für die Entwicklung und Erhaltung der biologischen Vielfalt und der ökologischen Funktionalität von Wirtschaftswäldern,
    • Integration ökologischer und betriebswirtschaftlicher Kriterien für die Entwicklung wissenschaftlich begründeter Verfahren zum Waldumbau,
    • Dynamik des Stoffumsatzes und der Stabilität von Kreisläufen: Interaktionen abiotischer und biotischer Komponenten beim Umbau immissionsbelasteter Nadelholzreinbestände.

     

    Koordinierungsstelle:
    Sächsisches Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, Referat Waldbau/Waldschutz, Erich-Ponto-Straße 1, 01097 Dresden (Tel.: 0351/5646506)

  3. Nationalparkverwaltungen Bayerischer Wald und Berchtesgaden, Mittelschwaben

    Untersuchungsziele

    • Einfluß von Maßnahmen der Waldbewirtschaftung (Saat, Pflanzung, Naturverjüngung, Pflege, Waldschutz, Düngung) auf Standort, Bestandesstruktur, Biodiversität sowie Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes,
    • Ökologische, ökonomische und naturschutzfachliche Vergleiche von
    • genutzten und ungenutzten (natürlichen) Wäldern einschließlich azonaler Waldgesellschaften (z.B. Auwälder)
    • besonderen Waldnutzungsformen (z.B. Waldweide, Plenterwald)
    • Beständen mit fremdländischen Baumarten (z.B. Douglasie)
    • Wirkungen, Möglichkeiten und Grenzen des Umbaus von Nadelholz-Reinbeständen,
    • Artenvielfalt in verschiedenen Waldentwicklungsphasen, dargestellt an wichtigen Leitartengruppen (-systemen),
    • Untersuchung zur Entwicklung von Katastrophenflächen (z.B. Sturm-, Borkenkäferflächen) im Vergleich zu natürlichen Sukzessionsflächen.

    Koordinierungsstelle:
    Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Ludwigstraße 2, 80539 München (Tel.: 089/21822471)

  4. Südlicher Schwarzwald/Baden-Württemberg

    Untersuchungsziele

    • Behandlungsstrategien zur Entwicklung und Erhaltung strukturreicher und naturnaher Bergmischwälder mit Tanne, Fichte und Buche,
    • Planungs- und Kontrollsysteme für die Bewirtschaftung von Umbaubeständen und strukturreichen Mischwäldern unter Berücksichtigung der Multifunktionalität des Waldes,
    • Ökonomische und organisatorische Auswirkungen des Waldumbaus von gleichaltrigen Nadelbaum-Reinbeständen in naturnahe Bergmischwälder auf Forstbetriebe,
    • Ermittlung der Einflüsse forstlicher Bewirtschaftung auf die Biodiversität von Waldökosystemen in Mittelgebirgen ggfs. unter Verwendung von Leitartensystemen,
    • Entwicklung integrierter Naturschutz- und Bewirtschaftungskonzepte im Bergmischwald.

    Koordinierungsstelle:
    Ministerium Ländlicher Raum, Baden-Württemberg, Referat 55, Kernerplatz 10, 70182 Stuttgart (Tel.: 0711/1262137)

Erläuterungen zur Antragstellung und zum Verfahren der Bearbeitung

Projektvorschläge in Form von Kurzdarstellungen sollen folgende Aussagen enthalten:

  • Ziel- und Problemdarstellung, ausgehend vom Stand der Technik und des Wissens,
  • Beschreibung der Forschungsarbeiten und des Arbeitsprogramms,
  • Eigene Voruntersuchungen und bisherige Ergebnisse,
  • Kooperationspartner und Arbeitsteilung,
  • Kosten-/und Ausgabeabschätzung.

Gefördert werden können Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die in Zusammenarbeit mit der Praxis (Forstwirtschaft, Forstliche Versuchsanstalt, forstliche Hochschulen) wesentliche Beiträge zu den Zielen der o.g. Themenschwerpunkte liefern. Bei den Untersuchungen sind ökologische, naturschutzfachliche, waldbauliche und sozioökonomische Aspekte zu berücksichtigen. Die geplanten Teilprojekte zu den vier Standorten sollten deshalb jeweils zu einem interdisziplinären Forschungsverbund pro Standort integriert werden. Diese Integrationsarbeit wird von der betr. Koordinierungsstelle und vom Projektträger geleistet.

Für jede der 4 Untersuchungsssregionen wird eine "Koordinierungsstelle" bei der Forstabteilung der zuständigen Landesministerien eingerichtet, die, neben dem BMBF-Projektträger BEO, über die im einzelnen verfolgten Projektziele und Themen des betreffenden Standortes Auskunft gibt. Gemeinsam mit dem Projektträger führt die Koordinierungsstelle eine Vorauswahl der eingereichten Projektskizzen im Hinblick auf deren Praxisrelevanz und Standortspezifität durch. Anschließend werden die ausgewählten Projektskizzen durch ein wissenschaftliches BMBF-Gutachtergremium begutachtet.

Bei Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft wird in der Regel eine Eigenbeteiligung in Höhe von mindestens 50 % vorausgesetzt. An Hochschulen können Zuwendungen in Höhe von bis zu 100 % der durch das Vorhaben zusätzlich entstehenden zuwendungsfähigen Ausgaben gewährt werden. Bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen wird fallweise die Bemessungsgrundlage und die Förderquote entschieden.

Die Projekte werden nach den Nebenbestimmungen für Zuwendungen auf Kostenbasis des BMBF an Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft für FuE-Vorhaben (NKFT 88) bzw. den Allgemeinen und Besonderen Nebenbestimmungen für Zuwendungen des BMBF zur Projektförderung auf Ausgabenbasis (ANBest-P und BNBest-BMBF) für Hochschulen und Forschungseinrichtungen gefördert.

Interessenten werden gebeten, Ihre Projektvorschläge (Skizzen) zu senden an:

Forschungszentrum Jülich GmbH
Projektträger BEO 51
52425 Jülich
Tel.: 02461/614322
Fax: 02461/612730
Email: beo51.beo@fz-juelich.de

Daneben besteht die Möglichkeit, daß Antragsteller aus der Standortregion den Antrag über die Koordinierungsstelle ihres Landes einreichen.

Bonn, den 27. Mai 1998
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Im Auftrag
H. Schulz