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Formgedächtnislegierungen

Formgedächtnislegierungen (FGL) oder auch Memorymetalle sind metallische Gemische, die über ein Erinnerungsvermögen verfügen: Nach einer Verformung sind sie in der Lage, ihre ursprüngliche Form wieder einzunehmen, wenn man sie auf eine bestimmte Temperatur erwärmt. Dabei können sie beachtliche Kräfte entfalten. Grund für die Wandelbarkeit der Legierungen sind ihre Atomgitter, die zwei verschiedene Formen annehmen können: bei niedrigen Temperaturen eine so genannte martensitische Struktur, die sich durch ein Zickzack-Muster auszeichnet. Bei Erwärmung geht das Gitter in eine "austenitische" Form über. Je nach Temperatur kann das Metall zwischen den beiden Zuständen hin und her springen.
Ein Beispiel hierfür sind Brillengestelle aus FGL, die, wenn man sie versehentlich verbogen hat, in heißem Wasser ihre ursprüngliche Gestalt wieder annehmen.
Je nach Zusammensetzung der Legierung und in Abhängigkeit von der umgebenden Temperatur können manche FGL allerdings auch ohne Erwärmung ihre alte Form wieder annehmen. Sie verhalten sich dann ähnlich wie Gummi. Diese Art des Formgedächtnisses wird Pseudoelastizität genannt. FGL werden etwa für den Einsatz in der Medizin entwickelt: So arbeiten Ingenieure beispielsweise an Stents, die verengte Blutgefäße offen halten sollen. Einmal an die richtige Stelle im Blutgefäß eingebracht, erinnern sie sich ihrer ursprünglichen Gestalt und bauen sich dementsprechend selbstständig auf.
Die gebräuchlichsten Formgedächtnislegierungen sind Metalle auf Nickel-Titan-Basis. Neben der Medizintechnik sind FGL zum Beispiel auch für den Einsatz in der Automobil- oder Raumfahrttechnik interessant.

Zum Artikel: Intelligente Werkstoffe - regeln ohne Regler

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