Evidenzbasierte Medizin (EBM) ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten. Die Praxis der EBM bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestmöglichen externen Evidenz aus systematischer Forschung. Mit individueller klinischer Expertise ist das Können und die Urteilskraft gemeint, die Ärzte durch ihre Erfahrung und klinische Praxis erwerben. Beste verfügbare externe Evidenz meint die klinisch relevante Forschung, oft medizinische Grundlagenforschung, aber insbesondere patientenorientierte Forschung zur Genauigkeit diagnostischer Verfahren (einschließlich der körperlichen Untersuchung), zur Aussagekraft prognostischer Faktoren und zur Wirksamkeit und Sicherheit therapeutischer, rehabilitativer und präventiver Maßnahmen. Externe klinische Evidenz führt zur Neubewertung bisher akzeptierter diagnostischer Tests und therapeutischer Verfahren und ersetzt sie durch solche, die wirksamer, genauer, effektiver und sicherer sind. (www.ebm-netzwerk.de).
Die Cochrane Collaboration - ein weltweites Netzwerk von Wissenschaftlern- übernimmt eine wichtige Aufgabe bei der Zusammenstellung der besten verfügbaren Evidenz. Die Organisation erstellt systematische Übersichtsarbeiten (Cochrane Reviews), um Therapien und zukünftig auch Diagnoseverfahren beurteilen zu können. Ein Review wird jeweils von einer Gruppe von Wissenschaftlern erarbeitet. Nach einem standardisierten Verfahren sichten die Autoren möglichst alle Studien, die für die untersuchte Frage verfügbar sind, suchen die aussagekräftigen Arbeiten heraus und fassen die Ergebnisse zusammen. Die Cochrane Library enthält etwa 2.000 Reviews, die laufend aktualisiert werden. Die Arbeit der Cochrane Collaboration ermöglicht gesicherte Urteile über medizinische Fragestellungen. Für Koordination, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit sind weltweit regionale Cochrane Zentren zuständig. Das deutsche Cochrane Zentrum in Freiburg wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Der Name geht zurück auf den englischen Epidemiologen Archie Cochrane. Er hatte in den 70er Jahren bemängelt, dass Entscheidungsträger im Gesundheitswesen wegen der Informationsflut nur schwer auf verlässliche medizinische Übersichtsarbeiten zurückgreifen können.