1. Dialogsitzung des Pharma-Dialogs

Einführung in die Agenda Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung,am 21. Januar 2015 in Berlin

Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Laurence Chaperon

Es gilt das gesprochene Wort.

Liebe Kollegen Staatssekretäre,
sehr geehrte Dialogteilnehmer aus Wissenschaft, Industrie und vonseiten der Gewerkschaft,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
ein kurzer Blick in die Agenda der heutigen 1. Dialogsitzung zeigt: Uns erwarten arbeitsreiche vier Stunden!

Die Auftaktveranstaltung im September vergangenen Jahres stand noch unter dem Motto der Bestandsaufnahme. Heute wollen wir uns mit einem Themenbereich genauer beschäftigen: der Forschung für die Entwicklung von Arzneimitteln.

Die Darstellung des Pharma-Forschungsstandorts Deutschland fiel in der Auftaktsitzung grundsätzlich sehr erfreulich aus: Wir haben eine hervorragend aufgestellte Forschungslandschaft, hochqualifiziertes Personal für Forschung und Entwicklung und eine gute Forschungsinfrastruktur. Aber eines wurde auch ganz deutlich: Wir müssen die Chancen besser nutzen, die unser Standort bietet.

Die Bundesregierung hat dafür bereits wichtige Weichen gestellt – sei es mit der neuen Hightech-Strategie oder dem Rahmenprogramm Gesundheitsforschung. Einen kurzen Überblick über die Forschungsförderung des Bundes im Bereich Wirkstoffforschung und Arzneimittelentwicklung haben wir Ihnen vorab zur Verfügung gestellt.
Eines ist aber klar: Forschung ist kein Selbstzweck. Sie wird Patientinnen und Patienten nur dann nützen, wenn das, was in der Wissenschaft an Diagnostika und Medikamenten erdacht und erfunden wird, seinen Weg in die medizinische Versorgung findet.

Wir müssen deshalb besser darin werden, neues Wissen und neue Technologien aus der öffentlich-finanzierten Forschung an die Unternehmen weiterzureichen. Klar ist: Hier werden auf beiden Seiten bereits Schritte auf einander zu gemacht. Davon zeugen die immer häufiger geschlossenen Kooperationen zwischen Pharmafirmen auf der einen und Forschungseinrichtungen auf der anderen Seite, auch hier in Deutschland – das DKFZ oder die Charité sind hier schon lange Vorreiter. Und die Fraunhofer Gesellschaft hat erst jüngst mit Sanofi eine vielversprechende Zusammenarbeit im Bereich der Naturstoff und Antibiotika-Forschung beschlossen.

Gerade dieses Thema, die Entwicklung neuer Antibiotika, liegt uns auch für den Pharma-Dialog besonders am Herzen. Antibiotika haben die Medizin revolutioniert. Aber inzwischen gewinnen multiresistente Erreger immer mehr an Brisanz; immer öfter reicht das Repertoire an verfügbaren, wirksamen Antibiotika nicht mehr aus. Das ist ein Zustand, der sich dringend ändern muss.

Die Bereitstellung neuer Antibiotika und anderer antiinfektiver Substanzen hat für die Bundesregierung eine hohe Priorität. Deshalb gehört das Thema Antibiotika-Resistenzen zu den Schwerpunktthemen im Bereich Gesundheit während der deutschen G7-Präsidentschaft.

Mein Kollege aus dem Gesundheitsministerium wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass wir mit der 2008 gestarteten Deutschen Antibiotika-Resistenz-Strategie auch im Bereich Forschung schon einiges auf den Weg gebracht haben und auch künftig weiter voranbringen wollen.

Aber es braucht auch von anderer Seite mehr Engagement. Es ist deshalb eine gute Nachricht, dass sich die Pharmaindustrie – nach jahrelanger Zurückhaltung – nun endlich wieder verstärkt mit dem Thema Antibiotika-Entwicklung beschäftigt. In jüngster Zeit waren vermehrt Neuzulassungen zu beobachten; in Forschung und Entwicklung wird wieder zunehmend investiert. Auch in der öffentlich-finanzierten Forschung gab es zu Jahresbeginn erfreuliche Ergebnisse: Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung waren an der Entdeckung eines neuen Antibiotikums mit vielversprechendem Wirkmechanismus beteiligt.

Das Thema Antibiotika und antiinfektive Substanzen wird uns auch im Pharma-Dialog immer wieder beschäftigen. Für unsere heutige Sitzung konnten wir Herrn Dr. Zimmermann von der Biotech-Firma AiCuris gewinnen – der Firmenname ist hier Programm; er ist abgeleitet vom Begriff anti-infective cures. Dr. Zimmermann wird uns in einem kurzen Impulsvortrag den Weg von einer Idee zu einem neuen Arzneimittel beschreiben und dabei die Besonderheiten in der Entwicklung von Antibiotika deutlich machen.

Die Arzneimittelforschung ist ein vielschichtiges Thema. Wir werden heute nicht alle Facetten diskutieren können. Deshalb haben wir uns bewusst entschieden, unseren Fokus auf folgende Fragen zu legen: Wie gelingt es, eine wissenschaftliche Idee ausdem Labor noch besser in den Markt und zum Patienten in die Versorgung zu bringen? Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verbessert werden? Und: Welche Hürden müssen wir im Bereich klinische Studien überwinden? – Auch für das Thema klinische Studien haben wir ein kurzes Impulsreferat vorgesehen, das freundlicherweise Frau Bruns von der Geschäftsstelle des KKS-Netzwerks übernommen hat.

Unsere Erwartungen an die 1. Dialogsitzung sind hoch. Wir wollen heute keine Aufzählung von Zahlen und Fakten betreiben, sondern konkrete Fragen diskutieren, auf die wir uns zuvor geeinigt haben. Zu Recht hat der IG BCE im Vorfeld auch noch einmal darauf hingewiesen, dass wir die europäische Perspektive in unseren Diskussionen nicht vergessen dürfen.

Vonseiten der Bundesregierung möchten wir den Pharmadialog auch nutzen, um unsere bisherigen Aktivitäten zu überprüfen: Gibt es Forschungsbedarfe, die bisher noch nicht ausreichend adressiert werden? Setzen wir in unseren bisherigen Förderaktivitäten die richtigen Schwerpunkte? Wie stärken wir die Wirkstoffforschung? Wie kann es gelingen, die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu verbessern – und alle Akteure möglichst schon in einem frühen Stadium zu vernetzen?

Angesichts der mitunter verschiedenen Interessenslagen wird die Diskussion während des Pharma-Dialogs vermutlich nicht immer einfach sein. Ich bin mir aber sicher, dass wir nur gemeinsam ans Ziel kommen werden: Es hilft nichts, sich nur an die Wirtschaft, nur an die Wissenschaft oder nur an die die Politik zu wenden und vom anderen dieses oder jenes zu fordern – wir müssen gemeinsam Wege finden, die am Ende für alle gewinnbringend sind.

In diesem Sinne wünsche ich uns eine erfolgreiche 1. Dialogsitzung mit intensiven, offenen und produktiven Diskussionen! Zur Eröffnung von TOP 1 bitte ich nun als erstes Herrn Dr. Zimmermann, seinen Impulsvortrag zu halten.