100 Jahre Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH

Rede von Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, anlässlich des Festakts in Düsseldorf

Thomas Rachel, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seiner Rede © Büro Thomas Rachel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, die Glückwünsche des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und insbesondere von Frau Ministerin Wanka zu diesem runden Geburtstag des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung zu überbringen.

Hier im Areal Böhler zeigt sich in beeindruckender Art und Weise das große Spektrum des so einmaligen Werkstoffes Stahl.

Als Basisindustrie hat die deutsche Stahlindustrie eine besondere Bedeutung für die industrielle Wertschöpfung im Land. Sie ist der Ausgangspunkt zentraler Wertschöpfungsketten, zum Beispiel im Automobil- und Maschinenbau – den Schlüsselindustrien in Deutschland. Alleine im Automobilbau arbeiten derzeit rund 800.000 Beschäftigte. Die Stahlindustrie ist ein Eckpfeiler unserer Wirtschaft - von jedem Arbeitsplatz in der Stahlindustrie hängen fünf weitere Beschäftigte in Zulieferindustrien ab.

Trotz dieser zentralen Rolle steht die Stahlindustrie weltweit, aber ganz besonders in Europa und Deutschland, vor großen Herausforderungen. Stichworte sind etwa Energiekosten oder Konkurrenz mit anderen Materialien.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen sind neue Ideen, sind Innovationen notwendig. Innovationen sind der Garant für einen auch zukünftig starken Stahlstandort Deutschland.

Hierbei sind auch neue Wege zu gehen. Ich denke hier etwa an neue Verfahren, mit denen CO2-Emssionen der Stahlindustrie als Rohstoff für Synthetische Kraftstoffe oder in anderer Weise stofflich genutzt werden können.

Innovationen haben dazu geführt, dass es heute 2500 Stahlsorten gibt. Bis zu 30 vollkommen neue Stahlsorten kommen jedes Jahr hinzu.

Deshalb braucht Deutschland ein Forschungsinstitut wie das Max-Planck-Institut für Eisenforschung. Das MPIE hat entscheidende Beiträge geleistet und leistet sie immer noch. Mit unzähligen neuen Stahlsorten, völlig neuen Arten von Stählen und innovativen Verarbeitungsverfahren ergeben sich verbesserte Einsatzmöglichkeiten und völlig neue Anwendungsfelder.

Meine Damen und Herren,
heute gehen die Aufgaben des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung weit über die namensgebende Eisenforschung hinaus. Die vier Abteilungen verfolgen einen stark interdisziplinären Ansatz, der unter anderem Chemie, Physik, Ingenieur- und Materialwissenschaften vereint.

Sehr erfolgreich gelingt es den Wissenschaftlern am MPIE, neue Hochleistungsmaterialien für Hightech- und Funktionskomponenten zu entwickeln.

Eine ganz wichtige neue Entwicklung ist die zunehmende Digitalisierung der Materialforschung. Neue Materialien werden künftig noch mehr als bisher auf der Grundlage von Computersimulationen entwickelt. So soll die Entwicklung neuer Materialien mit bestimmten Eigenschaften schneller und zielgerichteter von Statten gehen. Gerade auf diesem Gebiet ist das MPIE mit seinem computergestützten Materialdesign hervorragend aufgestellt.

Auch auf dem Gebiet der Analytik ist das MPIE führend. Ich selbst durfte im August letzten Jahres hier den Zuwendungsbescheid für ein wegweisendes Projekt an das MPIE übergeben. Ziel des Projektes „Ultrahochfeste gewichtsreduzierte Stähle für ressourcenschonenden Leichtbau in Transportanwendungen“ ist es, eine neue Klasse von ultrahochfesten Stählen zu entwickeln. Dazu wird hier eine so genannte Atomsonde aufgebaut, mit der man die Struktur und Zusammensetzung einer Materialprobe bis auf die atomare Ebene aufschlüsseln kann.

Das Max-Planck-Institut für Eisenforschung ist durch seine wissenschaftliche Exzellenz, auch im internationalen Vergleich, in besonderer Weise geeignet, Projekte wie dieses voranzubringen.

Um solche Vorhaben zu unterstützen, hat das Bundesforschungsministerium das Förderprogramm „Vom Material zur Innovation“ aufgelegt. Das Programm verfolgt mit einer langfristig angelegten Förderung das Ziel, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit durch werkstoffbasierte Produkt- und Verfahrensinnovationen zu stärken. Seit 2015 fördert das BMBF mit jährlich ca. 100 Mio. € neue Innovationen in der Materialforschung.

Die Innovationsfähigkeit – auch die der deutschen Stahlindustrie zu stärken – das ist einer der Leitgedanke der Materialforschung des BMBF.

Wir als Bundesforschungsministerium sind uns bewusst, welch exzellente Forschung hier am Institut gemacht wird, und ich bin sicher, dass auch die Stahlindustrie weiß, welche Bedeutung das Institut für die Innovationsfähigkeit und damit auch für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Branche hat.

Das Bundesforschungsministerium unterstützt das MPIE institutionell über die Max-Planck-Gesellschaft jährlich mit mehr als 20 Mio. Euro. Damit ermöglichen wir Planungssicherheit für Spitzenforschung hier in Düsseldorf.

Daneben haben wir in den letzten zehn Jahren 15 Einzelprojekte des MPIE mit einer Gesamtfördersumme von rund 9,5 Mio. Euro unterstützt. Das ist gut investiertes Geld – für Stahlinnovationen hier aus Düsseldorf.

Und seien Sie sich gewiss: Das Bundesforschungsministerium wird das MPIE auch zukünftig begleiten, damit es auch zukünftig wichtige Beiträge für Innovationen und Fortschritt leisten kann.

Alles Gute zum 100 jährigen Bestehen, liebes MPIE. Ich gratuliere allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die der hohe wissenschaftliche und gesellschaftliche Anspruch vereint, eine zukunftsfähige und lebenswerte Welt zu schaffen. Sie dürfen stolz auf das sein, was Sie und Ihre Vorgänger geleistet haben. Möge das MPIE mit seinem Erfolg und seiner Dynamik noch weitere 100 Jahre und darüber hinaus bestehen bleiben.

Vielen Dank.