2. Frühlingsempfang der Leibniz-Gemeinschaft

Ansprache des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Georg Schütte,  in Berlin

Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

dieses Jahr steht ganz im Zeichen von Gottfried Wilhelm Leibniz.

Sie regen damit an, sich mit Person und Werk dieses großen Gelehrten zu beschäftigen. Das findet meine volle Unterstützung.

Aber man muss auch bedenken: Zu Lebzeiten von Leibniz gab es viele der Forschungsdisziplinen, die wir heute kennen, noch gar nicht. Sie wurden erst von den folgenden Forschergenerationen entwickelt. Doch die Entwicklung steht nicht still, denn unser Erkenntnisgewinn erfolgt heute oft nicht mehr strikt in den althergebrachten Disziplinen, sondern an den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Forschungsfeldern. Unsere Forscher müssen kreative, neuartige und risikoreiche Ansätze verfolgen und dabei weit über den eigenen Themenbereich hinaus blicken. Ich beobachte die Entwicklung der Leibniz-Gemeinschaft mit besonderem Wohlwollen, denn Sie haben mit Ihren strategischen Forschungsverbünden einen vorbildlichen Weg eingeschlagen. Sie verlassen ganz bewusst den eng gefassten wissenschaftlichen Rahmen der Sektionen und erschließen thematisch breit angelegte, sektionsübergreifende Forschungsfelder. Ich begrüße es daher außerordentlich, dass Sie die strategische Ausrichtung der Leibniz-Gemeinschaft gerade in gesellschaftlich besonders relevanten Bereichen mit dem Instrument der Leibniz-Forschungsverbünde vorantreiben. Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat gestern die Förderung von 8 Leibniz-Forschungsverbünden über vier Jahre mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Mio. EUR beschlossen. In der gleichen Sitzung wurde die Förderung von 7 Leibniz-WissenschaftsCampi über vier Jahre mit insgesamt 7,5 Mio. EUR auf den Weg gebracht. Der Senat hat damit erneut die Bedeutung unterstrichen, die er diesen Vernetzungsinstrumenten beimisst. Ich bin fest davon überzeugt, dass die erheblichen Mittel, die Bund und Länder bereitstellen, sinnvoll eingesetzt sind. Wie Sie wissen gibt es aktuell in der GWK eine Debatte, ob wir die Strategische Vernetzung in der Leibniz-Gemeinschaft im kommenden Jahr finanziell noch weiter unterstützen. Ohne dem Ergebnis vorwegzugreifen: die Unterstützung des Bundes dafür haben Sie.

Heute Nachmittag, im Anschluss an diesen Empfang, werden Sie den zweiten Leibniz-Konvent abhalten, der sich dieses Mal mit der kooperativen Wissenschaft beschäftigt und dabei bewusst den Blick über die Leibniz-Gemeinschaft hinaus lenkt. Die Leibniz-Gemeinschaft baut so seit einigen Jahren ihre besonderen Stärken weiter aus. Ich möchte auch hier mit Gottfried Leibniz sprechen: „Die Natur macht keine Sprünge." Nein, Entwicklungen laufen zumeist kontinuierlich ab. Aber die Leibniz-Gemeinschaft kann auf eine kontinuierliche positive Weiterentwicklung blicken, die es wert ist, besonders positiv gewürdigt zu werden. Bund und Länder haben in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz mit ihren Beschlüssen zur Weiterentwicklung aus dem Jahr 2014 ihren Teil dazu beigetragen. Die Leibniz-Gemeinschaft ist durch die ersten beiden Pakte, die Bund und Länder mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen geschlossen haben, größer und vielfältiger geworden: Zwischen 2006 und 2014 hat sich das Budget der Leibniz-Gemeinschaft von 1,1 auf über 1,6 Milliarden Euro erhöht. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Beschäftigten um nahezu 4.500 auf über 18.000. Auch die Zahl der Institute ist kontinuierlich angestiegen. Sie wird vermutlich schon in naher Zukunft die beeindruckende Zahl von 90 übersteigen. Bund und Länder erkennen damit auch an, dass Ihre Gemeinschaft seit Jahren bereits in der 1. Liga der Forschung mitspielt. Die Leibniz-Gemeinschaft hat momentan einen guten Lauf. Und meine Damen und Herren, um es weiter aus dem fußballerischen Blickwinkel zu betrachten, die Leibniz-Gemeinschaft ist in der Champions-League der Forschung eine Bank.  Sie, lieber Herr Kleiner, verstehen meine Anspielungen.

Meine Damen und Herren, gerne spreche ich ein weiteres Thema an, das heute im Mittelpunkt ihres Frühlingsempfangs steht. Heute verleiht die Leibniz-Gemeinschaft den jährlichen Leibniz-Gründerpreis. Für mich ist das ein ganz hervorragender Anlass, eine weitere Stärke Ihrer Gemeinschaft zu betonen. Die Fähigkeit und die Bereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Instituten, die gewonnenen Erkenntnisse in eine praktische Anwendung und einen praktischen Nutzen umzusetzen. In den zurückliegenden Jahren wurden aus den Instituten der Leibniz-Gemeinschaft 55 Ausgründungen vorgenommen. Das ist ein im Vergleich aller Forschungsorganisation und gemessen am Gesamtbudget der Leibniz-Gemeinschaft beachtlicher Anteil.  Auch hier lässt sich mit Leibniz sagen: „Die Handlungen der Menschen leben fort in den Wirkungen.“ In der Tat: Wirkungen wollen wir mit Wissenschaft und Forschung erzielen. Gesellschaft und Wirtschaft  profitieren in ganz erheblichem Maße vom Wissens- und Erkenntnistransfers. Sie stärken damit die Innovationskraft Deutschlands. Die Verwertung von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft ist eine wichtige Aufgabe der außeruniversitären Forschungseinrichtungen, so haben wir es im Pakt für Forschung und Innovation niedergeschrieben. Ich freue mich daher, dass Sie zur Stärkung des Wissens- und Technologietransfers im Allgemeinen und für eine Unterstützung und Förderung von Ausgründungen im Besonderen den Leibniz-Gründerpreis verleihen. Ich kenne die Preisträger noch nicht und bin wie Sie, meine Damen und Herren gespannt, welches der acht Gründungsvorhaben, die sich beworben haben, den Gründerpreis 2016 gewonnen hat.

Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Frühlingszeit.