25 Jahre Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Rachel anlässlich des Festakts in Berlin

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seiner Rede © David Ausserhofer / MDC

Es gilt das gesprochen Wort.

Sehr geehrter Damen und Herren,
ich gratuliere Ihnen allen sehr herzlich zum 25-jährigen Jubiläum des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin!

Das MDC hat in den vergangenen 25 Jahren viel erreicht. 1992 gegründet aus Instituten der Akademie der Wissenschaften der DDR hat es sich hier in Berlin-Buch in den vergangenen 25 Jahren zu einem der forschungsstärksten Life-Science-Institute weltweit entwickelt. Die folgenden Zahlen belegen das eindrucksvoll:

  • Thomson Reuters führt das MDC als einziges deutsches Institut auf der Rangliste der 20 weltweit besten Institute im Bereich Molekularbiologie und Genetik.
  • Im Jahr 2016 wurden 490 Publikationen veröffentlicht, von denen 77 besonders bedeutend waren.
  • In den vergangenen Jahren haben 18 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des MDC insgesamt 23 ERC-Grants erhalten (Fördermittel des Europäischen Forschungsrates). Damit hat das MDC eine Spitzenposition bei den Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft inne.
  • Rund 20 Prozent des Budgets des MDC stammt aus eingeworbenen Drittmitteln.

Das MDC hat seit seinem Bestehen - und dies bis heute - einen wichtigen Platz in der Förderstrategie des Bundes im Bereich der biomedizinischen Forschung inne. Der Bund hat seine jährlichen Zuwendungen im Vergleich zum Gründungsjahr 1992 mehr als verdreifacht auf ca. 100 Mio.€ im laufenden Haushaltsjahr. Für den gesamten Zeitraum des Bestehens des MDC beläuft sich die Fördersumme auf mehr als 1,5 Mrd. Euro, wovon ein bedeutender Anteil investiv (Höhe der Investitionen: 332 Mio. Euro) verausgabt wurde. Dies alles findet nicht zuletzt seinen baulichen Ausdruck hier auf dem Campus.

Wir sind sehr froh, dass das Land Berlin die Anstrengungen Bundes von Anfang an unterstützt und zuverlässig seinen Beitrag zur Entwicklung des MDC geleistet hat.

Wenn man das Erfolgsrezept des MDC beschreiben sollte, so sind sicherlich verschiedene Faktoren zu betrachten. Hervorzuheben sind aus meiner Sicht die folgenden drei:

  1. Die kluge zukunftsweisende Ausrichtung auf die Grundlagenforschung in enger Verknüpfung mit der klinischen Anwendung
  2. Die Offenheit zur kontinuierlichen und innovativen Weiterentwicklung dieser Ausrichtung
  3. Die Nutzung der lokalen Berliner Möglichkeiten zur Verfolgung des interdisziplinären und patientenorientierten Ansatzes bei gleichzeitigem Fokus auf internationale Forschungskooperationen

Schon 1992 kennzeichnete Professor Detlev Ganten die Aufgaben und Ziele des MDC folgendermaßen – ich zitiere: „Den Empfehlungen des Wissenschaftsrates und des Gründungskomitees folgend besteht die Hauptaufgabe des MDC darin, moderne medizinische und klinische Forschung im Verband von molekularbiologischen, zellbiologischen und physiologischen Methoden zu betreiben.“

Damit war die Ausrichtung des MDC in seiner Gründungsphase angelegt: die biomedizinische Grundlagenforschung mit dem Ziel, die molekularen Grundlagen von Krankheit und Gesundheit zu verstehen und diese Erkenntnisse auf möglichst direktem Weg in die klinische Anwendung zu bringen.

Die Untersuchung von molekularen Mechanismen in einem systemischen Ansatz organ- und krankheitsübergreifend, ist die Stärke des MDC. Damit hat das MDC ein Alleinstellungsmerkmal unter den Helmholtz-Gesundheitszentren ausgebildet.

Kern des Erfolges des MDC ist die kluge Kombination von Grundlagenforschung mit stetem Blick auf die Möglichkeiten der klinischen Anwendung. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Charité –und anderen Universitätskliniken in Deutschland. Es ist bemerkenswert, mit welchem Nachdruck und mit welcher Konstanz das MDC diese Verbindung gesucht und kontinuierlich weiterentwickelt hat:

  • Das MDC ist Teil des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das bundesweit Ursachen und Therapien verschiedener Krankheiten in diesem Bereich erforscht
  • Im Experimental and Clinical Research Center (ECRC) auf dem Campus Berlin-Buch – es feiert dieses Jahr seinen 10. Geburtstag – wird die patientenorientierte Forschung durch Grundlagenforscher des MDC einerseits und klinische Forscher der Charité andererseits gefördert. Sie können Labore und Kliniken, Ausbildungsprogramme und spezielle Projektförderung am Center in Anspruch nehmen. Im August arbeiteten dort 14 Forschungsgruppen und 3 Gastgruppen. Die aktuellen Berufungen zweier Projektgruppenleiter (auf W2-Professoren) unterstreichen den Erfolg.
  • Richtungsweisend ist vor allem auch das im Jahr 2013 gegründete Berliner Institut für Gesundheitsforschung, das BIG, in dem die Charité und das MDC als Partner zusammenwirken.

Mit ihm wurde die Zusammenarbeit von MDC und Charité im Bereich der Translation institutionalisiert, um die translationale Forschung unter dem Blickwinkel system-und präzisionsmedizinischer Ansätze besser bündeln und voranbringen zu können.

Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist die starke internationale Vernetzung des MDC:

  • So sind in den wissenschaftlichen Arbeitsgruppen 47 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 60 verschiedenen Ländern.
  • Das MDC unterhält zahlreiche internationale Kooperationen wie z.B. EU-LIFE, einer internationalen Allianz von 13 europäischen Forschungszentren im Bereich der biomedizinischen Grundlagenforschung.
  • Ganz aktuell hat das MDC die Leitung eines Teilprojekts des internationalen Konsortiums „Human Cell Atlas“ übernommen, eine Initiative, die zum Ziel hat, alle Zellen des Menschen sowie ihre krankheitsbedingten Veränderungen zu charakterisieren.
  • Auch im Bereich der Nachwuchsförderung weist das MDC wichtige internationale Zusammenarbeiten auf, z.B. im Rahmen der Deutsch-israelischen Helmholtz Research School SignGene.

Schließlich nutzt das MDC die lokalen Möglichkeiten vor Ort:

  • Es hat eine optimale Anbindung an den BiotechPark Berlin-Buch mit fast 50 Biotechnologie- und Medizintechnik-Unternehmen.
  • Berlinweit hat das MDC ein intensives Kooperationsnetzwerk mit allen wichtigen Forschungseinrichtungen etabliert wie z.B. mit der Charité an ihren verschiedenen Standorten, HU und FU Berlin und dem Zuse Institut Berlin.

Diese Erfolge wären ohne Sie, die engagierten zukunftsorientierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des MDC, ihre Visionen und den Mut, diese umzusetzen, nicht möglich gewesen. Zu nennen ist allen voran Gründungsdirektor Detlev Ganten und seine Nachfolger Walter Birchmeier, Walter Rosenthal, [Thomas Sommer] und seit 2016 Sie, lieber Herr Lohse.

Wesentlich für den Erfolg war zudem die Arbeit der administrativen Vorstände Erwin Jost, Waltraud Kreutz-Gers, Stefan Schwartze, um nur einige zu nennen, und nun Sie, liebe Frau Wolke. Mit Effizienz und klarer Zielsetzung hat die Verwaltung ihre zentrale Aufgabe, exzellente Forschung zu ermöglichen, erfolgreich gemeistert.

Auch zukünftig können wir aus guten Gründen vom MDC viel erwarten:

  • Im kommenden Jahr wird das das Berliner Institut für Systembiologie (BIMSB) ein neues Gebäude in Mitte beziehen. Das bringt die große Chance, das MDC zunehmend mit seinen Kollaborationspartnern in Mitte Charité, BIG und HU zusammenzubringen. Die Nähe zur Charité und zu BIG-Gruppen wird die Anwendung der systembiologischen Ansätze, die in den letzten Jahren im BIMSB entwickelt wurden, auf medizinische Fragestellungen ermöglichen.
  • Die Zusammenarbeit mit Klinikern auf dem Campus Berlin-Buch und in der Stadt soll noch enger werden. Hier ist auch ein kontinuierliches Engagement beim BIG erforderlich. Ziel ist es, die BIG Strategie 2026 erfolgreich umzusetzen und Translation erfolgreich voranzutreiben.
  • Um den Herausforderungen in der HGF wie auch im Rahmen des BIG gerecht zu werden und seine interdisziplinäre Expertise auszubauen, hat das MDC sein Forschungsprogramm fortentwickelt. Zukünftig wird das MDC ein integriertes Programm verfolgen. Unter dem Thema „Organübergreifende Krankheitsmechanismen“ will das MDC Erkrankungen erforschen, die aus dem Zusammenwirken von komplexen Mechanismen in mehreren Organen entstehen. Der integrative Ansatz reicht von molekularen Mechanismen bis hin zu in vivo-Krankheitsmodellen und Untersuchungen am Patienten. Das MDC wird also auch hier seine Grundlagenforschung mit striktem Praxisbezug vorantreiben.

Ich bin mir sicher, dass das MDC bei der Bewältigung seiner Aufgaben auch zukünftig Maßstäbe setzen wird. In diesem Sinne wünsche ich dem MDC und seinen Mitarbeitern für diese anstehenden Herausforderungen alles Gute!