Mit "4MOST" mehr über unsere Milchstraße erfahren

Mehr als 40 Millionen Sterne und Galaxien wird der neue Multi-Objekt-Spektrograph "4MOST" in Rekordzeit vermessen können - unterstützt durch die Verbundforschung des Bundesforschungsministeriums.

Wie wird sich die Milchstraße weiter entwickeln? "4MOST" könnte darauf eine Antwort geben. © Thinkstock / camij
Spannend nicht nur für Astronomen: Bundesministerin Johanna Wanka mit der brandenburgischen Forschungsministerin Martina Münch, dem Generaldirektor der ESO, Tim de Zeeuw (vorne links), und dem wissenschaftlichen Vorstand des AIP, Matthias Steinmetz (vorne rechts), bei der Unterzeichnung für den „4MOST“-Bau. © AIP

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka begrüßte die Vereinbarung zum Bau von "4MOST". Sie lege die Grundlage dafür, dass in Zukunft mehr Himmelskörper gleichzeitig untersucht werden könnten, sagte die Ministerin in Potsdam. Das 4-Meter spektroskopische Multi-Objekt Teleskop (4Most) wird am VISTA-Teleskop am Paranal Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) im Norden Chiles installiert werden. 2022 soll es in Betrieb gehen und dazu beitragen, einige der drängendsten Fragen der Astrophysik zu klären. Die Vereinbarung zu seinem Bau unterzeichneten Vertreter der ESO und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP).

Licht von tausenden Himmelsobjekten

"4MOST" soll das Licht von Tausenden Himmelsobjekten gleichzeitig analysieren. Am Durchmusterungsteleskop VISTA wird es wertvolle Daten sammeln. So wollen Astronomen unter anderem eine dreidimensionale Karte unserer Galaxis erstellen und mehr über besonders alte Sterne sowie die beschleunigte Ausdehnung des Universums erfahren. Geschichte und Zukunft der Milchstraße werden besser verständlich.

Großangelegte Himmelsdurchmusterungen

Denn in den kommenden Jahren werden großangelegte Himmelsdurchmusterungen die Grundlagen für eine „Volkszählung“ des gesamten Himmels in einem weiten Spektralbereich legen – insbesondere mittels Weltraumobservatorien wie der ESA-Missionen „Gaia“ und "PLATO" oder des Röntgenteleskops "eROSITA". Dabei werden Daten von Millionen Objekten gesammelt. Um das volle Potential dieser Durchmusterungen zu erschließen und zum Beispiel die Geschichte der Entwicklung der chemischen Elemente in unserer Milchstraße zu schreiben, müssen die Eigenschaften all dieser Objekte im Detail spektroskopisch untersucht werden. Mit herkömmlichen Teleskopen und Methoden wäre das eine Aufgabe für Generationen.

Hochmoderner Multi-Objekt-Spektrograph

"4MOST" ist ein hochmoderner Multi-Objekt-Spektrograph, der das Potential von VISTA voll ausnutzt: Mittels optischer Fasern wird das Licht von bis zu 2400 Objekten im großen Bildfeld von VISTA gleichzeitig zu mehreren Spektrographen geleitet, wo es in seine Wellenlängen zerlegt wird und so ein „Fingerabdruck“ jedes Objektes entsteht. Innerhalb von 10 Jahren wird "4MOST" Spektren hoher Qualität von mehr als 40 Millionen Sternen und Galaxien aufnehmen.

Verbundforschung

Im Rahmen der Verbundforschung stellte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den Jahren 2011 bis 2017 rund 4 Millionen Euro für die Beteiligung deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen bereit - auch für das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP). Darüber hinaus wird die Beteiligung des AIP aus Mitteln des Landes Brandenburg und des Bundes durch die institutionelle Förderung finanziert. Am internationalen Konsortium zum Bau von "4MOST" beteiligen sich Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und Schweden. Die Gesamtkosten des Projekts werden rund 15 Millionen Euro betragen.