50 Erblindeten wurde bisher ein Chip eingesetzt, der ihnen schemenhaftes Sehen ermöglicht

Tübinger Forscherinnen und Forscher haben einen lichtempfindlichen Netzhautchip entwickelt, der die Funktion von Sehzellen übernimmt. Das Team wird vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Ein Mann beim Augenarzt
© BMBF

Drei Millimeter groß ist der Chip, der Betroffenen nach Jahren der Blindheit ein Fenster zur visuellen Welt ermöglicht. Tübinger Forscherinnen und Forscher haben einen lichtempfindlichen Netzhautchip entwickelt, der die Funktion von Sehzellen übernimmt, die durch degenerative Netzhauterkrankungen nach und nach absterben. Der Chip wird ins Auge implantiert und verwandelt dort Licht in elektrische Signale, die ans Gehirn weitergeleitet werden.

Bisher wurde der Tübinger Chip bei rund 50 Erblindeten eingesetzt. Die Betroffenen können nun wieder schemenhafte Umrisse erkennen und Gesichter wahrnehmen.

Das Implantat besteht nur aus einem Quadrat von 40 mal 40 Elektroden, die den Sehnerv stimulieren. Die Chipträger können also maximal diese 1.600 Lichtpunkte unterscheiden und daher bislang nur Umrisse erkennen. Die ersten Handys hatten bereits deutlich mehr Pixel. Das gesunde Auge verfügt über rund 1,2 Millionen Zellen, die sich in 20 Arten unterteilen und für verschiedene Informationen zuständig sind, die sie an das Gehirn weitergeben.
Das Forscherteam, das durch das Bundesforschungsministerium gefördert wird, arbeitet nun daran, diese Signale allesamt zu entschlüsseln und in die Elektronik im Chip zu übertragen, damit dieser eine größere Vielfalt an Lichtreizen umwandeln und an das Gehirn weiterleiten kann.