50 Jahre Berufsbildungsgesetz in Deutschland

Vor 50 Jahren wurde mit dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) der Rahmen für die erfolgreiche duale berufliche Bildung in Deutschland gelegt. Zum 1. Januar 2020 ist eine Novellierung angestrebt. Was Sie dazu wissen müssen, erfahren Sie hier.

Herzlichen Glückwunsch, BBiG: Vor 50 Jahren, im Jahr 1969, wurde das Berufsbildungsgesetz verabschiedet. Es hat sich als ordnungspolitischer Rahmen für das erfolgreiche Modell der dualen beruflichen Ausbildung in Deutschland bewährt. Doch auch ein Gesetz muss mit der Zeit gehen. Deshalb wurde es bereits 2005 durch das Berufsbildungsreformgesetz vollständig novelliert. Zum Jubiläum befindet sich die neuerliche Novelle im parlamentarischen Verfahren.

Schwerpunkte der vorgesehenen Novelle sind die Einführung einer ausbalancierten Mindestvergütung für duale Auszubildende, die Verankerung transparenter beruflicher Fortbildungsstufen samt attraktiver, international anschlussfähiger Abschlussbezeichnungen sowie die Erweiterung des Adressatenkreises einer Teilzeitberufsausbildung auf potenziell alle Auszubildenden, beispielsweise auch für lernbeeinträchtigte Menschen sowie Menschen mit Behinderungen.

© BMBF

Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten zur BBiG-Novelle 2020:

Was ist mit Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung gemeint?

Ziel der BBiG-Novelle ist es, die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung noch transparenter zu machen. Die neuen Fortbildungsstufen und Abschlussbezeichnungen sollen national und international dazu beitragen, das Niveau des Abschlusses „auf einen Blick“ erkennen zu können. Mithilfe des Europäischen und Deutschen Qualifikationsrahmens (EQR/DQR) können berufliche und akademische Abschlüsse besser verglichen werden. So entsprechen etwa der Meister (berufliche Bildung) und der Bachelor (akademische Bildung) dem DQR-Niveau 6. Beide Abschlüsse sind also gleichwertig; und das wollen wir auch deutlich machen.

Warum ist es wichtig, die „höherqualifizierende Berufsbildung“ zu stärken und weiterzuentwickeln?

Die berufliche Aufstiegsfortbildung hat auf dem nationalen und internationalen Arbeitsmarkt einen Nachteil: Abgesehen vom Meister sind viele Abschlüsse kaum oder gar nicht bekannt. Das muss sich ändern. Denn Deutschland braucht beruflich qualifizierten Fachkräftenachwuchs – insbesondere vor dem Hintergrund, dass immer mehr junge Menschen studieren.

Außerdem werden viele Qualifikationen in Deutschland durch eine Aufstiegsfortbildung erreicht, in anderen Ländern hingegen an Hochschulen; dort erhält man also den Bachelor und/oder Master. International sind deutsche „Aufsteiger“ damit im Nachteil: Bei mittleren Führungspositionen wird oft ein Bachelor-Abschluss verlangt und eine deutsche Bewerberin muss dann erst individuell die Gleichwertigkeit ihres Abschlusses nachweisen. Das birgt einen Nachteil für den deutschen Bewerber. Die neuen Abschlussbezeichnungen schaffen hierbei Abhilfe und gewährleisten den Anschluss an den internationalen Arbeitsmarkt.

Wie viele Bestimmungen zu Fortbildungen gibt es derzeit?

Auf Bundesebene ist die berufliche Fortbildung und Umschulung derzeit in insgesamt rund 220 Rechtsverordnungen geregelt. Dabei gibt es im Zuständigkeitsbereich des BMBF mehr als 90 Fortbildungsordnungen nach dem Berufsbildungsgesetz. Daneben bestehen seitens der „Kammern“ (z. B. Industrie- und Handelskammern) rund 2.500 Rechtsvorschriften zu mehr als 730 Fortbildungsberufen.

Vermischen die neuen Abschlussbezeichnungen nicht den Unterschied zu den Hochschulabschlüssen?

Die neuen Bezeichnungen sollen mit Hochschulabschlüssen vergleichbar und international anschlussfähig sein. Eine Verwechslung mit den hochschulischen Graden Bachelor und Master ist durch den Zusatz „Professional“ und die Angabe des „Fachs“ ausgeschlossen. Vielmehr wird dadurch die Eigenständigkeit der beruflichen Bildung betont.

Gibt es ein Beispiel?

  • Die Geprüfte Fachberaterin im Vertrieb wird zur Berufsspezialistin für Vertrieb.
  • Die Geprüfte Fachkauffrau für Marketing wird zum Bachelor Professional in Marketing.
  • Die Geprüfte Betriebswirtin nach dem Berufsbildungsgesetz wird zum Master Professional in Betriebswirtschaft nach dem Berufsbildungsgesetz.

Wird der „Meister“ jetzt abgeschafft?

Nein, der „Meister“ nach der Handwerksordnung wird nicht abgeschafft. Zusätzlich zum „Meister“ kann man sich „Bachelor Professional“ nennen. Bei allen anderen Fortbildungsabschlüssen kann der jeweilige Verordnungsgeber regeln, dass diese neben den neuen Abschlussbezeichnungen erhalten bleiben.

Gelten die mit der Novelle vorgesehenen neuen Abschlussbezeichnungen auch für landesrechtliche Abschlüsse im Bereich der beruflichen Bildung?

Nein. Das Berufsbildungsgesetz und die Handwerksordnung sind Gesetze des Bundes. Landesrechtliche Abschlüsse wie Erzieher, Technikerin oder Physiotherapeut können nur durch das jeweilige Bundesland geregelt werden

Kann ich an einen „Bachelor Professional“-Abschluss direkt ein Masterstudium anschließen?

Die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium werden von den jeweiligen Ländern geregelt. Bei bestimmten Studiengängen können zum Beispiel „Meister“ eine Hochschulzugangsberechtigung unmittelbar für ein Masterstudium erhalten. Wir begrüßen Landesprogramme zur Stärkung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.