50 Jahre Diplomatische Beziehungen Deutschland - Israel

Grußwort der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, anlässlich des Festakts der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Berlin

Grußwort anlässlich des Festaktes © DFG/Jentsch

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Dass Israel und Deutschland dem fünfzigsten Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen ein ganzes festliches Jahr widmen, ist der angemessene Ausdruck einer besonderen, einzigartigen Beziehung.

Heute vor 63 Jahren trafen Israelis und Deutsche in Luxemburg zusammen, um über die Wiedergutmachung dessen zu verhandeln, was niemals wiedergutzumachen ist. Dan Diner erinnert in seinem Buch „Rituelle Distanz“ eindrücklich an die frostige Stimmung bei dieser ersten Begegnung, und an den Bann, unter den gerade säkulare Israelis das Land der Täter gestellt hatten.

Dass es nur zwölf Jahre später zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen kam, war eine – in Israel längst nicht unumstrittene – Zäsur; dass in den 50 Jahren danach aus gemeinsamen Werten Freundschaft und Partnerschaft zwischen unseren Ländern erwuchsen, bezeichnete Bundespräsident Gauck zu Recht als ein „Wunder“. Und dass wir auch in Zukunft an der Seite des demokratischen Staates Israel stehen werden, ist Kernbestand der politischen Identität der Bundesrepublik Deutschland.

I.

Sie alle sind mit der bahnbrechenden und brückenbauenden Rolle der Wissenschaft auf dem Weg zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen vertraut: Sie wissen von den ersten Begegnungen zwischen Physikern am CERN und dem Besuch des Weizmann-Instituts durch eine Delegation der Max-Planck-Gesellschaft um Otto Hahn und Wolfgang Genter 1959.

Sie wissen auch um den Minerva-Vertrag, mit dem 1964 die erste rechtliche Grundlage für die kontinuierliche Forschungskooperation gelegt wurde. Seit 1973 arbeitet mein Haus auf vertraglicher Grundlage mit dem israelischen Forschungsministerium zusammen und seit dem Jahr 2000 auch mit dem Wirtschaftsministerium. Mit der German Israeli Foundation und dem Stiftungsfonds Martin-Buber-Gesellschaft entstanden weitere tragende Säulen einer stetig wachsenden Kooperation.

Diese Zusammenarbeit lässt sich gut mit Zahlen beschreiben: Der DAAD förderte allein im vergangenen Jahr über 400 deutsche Studierende sowie junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zu Studienzwecken nach Israel gingen, und fast 300 junge Israelis, die in Deutschland studierten und forschten.

Insgesamt gibt es 175 Partnerschaften von deutschen und israelischen Hochschulen. Allein die Hebräische Universität verbindet 26 Kooperationsverträge mit deutschen Hochschulen – das sind mehr als mit den Universitäten Oxford oder Cambridge.

Das BMBF brachte 1998 zudem die Deutsch-Israelische Projektpartnerschaft auf den Weg, die weiterhin vom BMBF finanziert, seit 2008 aber durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gesteuert wird. Inzwischen wurden 66 Kooperationsprojekte von höchster Exzellenz und mit Beteiligung von zwei Nobelpreisträgern gefördert.

Diese Zahlen werfen ein gutes Schlaglicht auf die Intensität der Zusammenarbeit von deutschen und israelischen Wissenschaftlern und Institutionen.

II.

Die DFG gehört zu den Aushängeschildern deutscher Forschungsförderung, sie steht in Deutschland und weit über Deutschland hinaus für Forschungsfreiheit und für eine themenoffene, von der Wissenschaft bestimmte Förderung!

Und deshalb war es richtig, die DFG wie auch die anderen Wissenschaftsorganisationen mit einem erheblichen Mittelaufwuchs zu stärken.

Stellten Bund und Länder der DFG 2005 etwa 1,3 Milliarden Euro zur Verfügung, sind es für dieses Jahr einschließlich Programmpauschale über 2,3 Milliarden Euro! Dieser enorme Mittelaufwuchs war, ist und bleibt wichtig und richtig. Wir müssen weiter dafür werben, dass diese Investitionen, trotz aller Zwänge und trotz aller schwierigen Situationen wirklich notwendig sind. Gerade im internationalen Kontext.

Die DFG ist im internationalen Raum Botschafterin für Forschungsfreiheit und Weltoffenheit. Ausdrücklich möchte ich die prominente Rolle der DFG im Zusammenhang mit dem Global Research Council (GRC) hervorheben.

Mit dem GRC wurde 2012 eine wichtige Plattform für die internationale Kooperation von Forschungsförderorganisationen geschaffen. Hier kann die Wissenschaft zu zentralen Themen wie open access, guter wissenschaftlicher Praxis, Nachwuchsförderung und den Prinzipien multilateraler Wissenschaftskooperation in einen Erfahrungsaustausch treten und gemeinsam Standards entwickeln.

Ich glaube schon, dass es für die Gründung maßgeblich war und für die zukünftigen Erfolg nicht weniger wichtig sein wird, dass die Israel Science Foundation zu den Gründungsmitgliedern gehört und auch hier das deutsch-israelische Tandem als Motor wirkt.

Es ist ganz sicher mit auf das Wirken und die Überzeugungskraft beider Organisationen zurückzuführen, dass auf dem letzten Jahrestreffen des GRC in Tokio das klare Bekenntnis zu einer der wichtigsten Aufgaben von Wissenschaft überhaupt abgegeben wurde: Rund 70 Organisationen aus aller Welt haben sich einmütig hinter die Förderung der freien erkenntnisgeleiteten Forschung als Grundlage für gesellschaftliches und wirtschaftliches Wohlergehen gestellt.

III.

Inzwischen ist die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel auch gut in die multilaterale Kooperation – insbesondere in der EU – eingebunden. Die israelische Exzellenz in Forschung und Innovation ist für die europäischen Einrichtungen und Projekte eine enorme Bereicherung.

Israel ist Gründungsmitglied des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie EMBL; im CERN ist es nach vielen Jahren der intensiven Mitarbeit seit 2014 Vollmitglied. Die Assoziierung Israels in den Europäischen Forschungsrahmenprogrammen und die Vollmitgliedschaft bei EUREKA eröffnen israelischen wie deutschen Forschenden zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten. – Allein im 7. Rahmenprogramm waren sie an 679 Projekten gemeinsam beteiligt.

Die Qualität und Vitalität israelischer Forschung zeigt sich beeindruckend darin, dass Israel zu den Top Fünf bei der Förderung von Starting Grants durch den Europäischen Forschungsrat ERC gehört; und in der Förderlinie für marktorientierte Anschlussprojekte sogar zu den Top Drei.

Beim Auftakt zu unserem Jubiläumsjahr im Februar konnten wir die beiden neuen Minerva-Zentren am Weizmann-Institut und an der Bar-Ilan-Universität bekanntgeben und die Arches-Nachwuchspreise verleihen.

Es freut mich sehr, dass heute hier – wie schon im Februar in Tel Aviv und Rehovot – die großen Forschungs- und Forschungsförderorganisationen vereint sind. Sie signalisieren damit die Bereitschaft, die deutsch-israelische Zusammenarbeit gemeinsam zu gestalten. – Das ist wichtig.

Wenn uns das in innovations- und anwendungsorientierter Forschung gelingt, können wir unsere Stärken potenzieren. Ohne etablierte Förderdomänen, die nicht zuletzt auf gemeinsame exzellente Grundlagenforschung gerichtet sind, in Frage zu stellen, sollten wir diese Möglichkeiten künftig noch stärker nutzen.

IV.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie alle haben mit Ihrer Leidenschaft, Ihrer wissenschaftlichen Expertise und Ihrem politischen Verstand die Erfolgsgeschichte unserer Kooperation maßgeblich mitgestaltet. Dafür darf ich Ihnen an dieser Stelle auch im Namen der Bundeskanzlerin aus tiefstem Herzen danken.

Lassen sie uns die deutsch-israelische Zusammenarbeit weiterhin mit Weitblick pflegen und lassen Sie uns dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Chance geben, in frühen Jahren das jeweils andere Land kennenzulernen.

Deutschland sei ein „cooler Ort, an dem ich gerne einmal leben würde“, fasste kürzlich eine junge Israelin, die mit einem vom BMBF geförderten Besuchsstipendium drei Wochen in Potsdam war, ihre Erlebnisse zusammen. Es wäre schön, wenn diese gute Erfahrung am Beginn der Karriere einer begabten Forscherin und Brückenbauerin stehen würde.

Ich würde mich freuen, wenn das was in diesem Jahr passiert ist und noch passiert, in den Kooperationsalltag einfließen und unsere Zusammenarbeit weitere Impulse geben würden.

Vielen Dank.