50 Jahre TU Dortmund: Motor für Innovationen

„Statt Kohle kommen heute aus der Metropole Ruhr innovative Dienstleistungen und Technologie. Einer der Motoren dieses Erfolges ist die TU Dortmund“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei der Jubiläumsfeier.

Bundesministerin Anja Karliczek im Gespräch mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Donald Tusk, am Rande der Jubiläumsfeier zu 50 Jahren TU Dortmund
Bundesministerin Anja Karliczek im Gespräch mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Donald Tusk, am Rande der Jubiläumsfeier zu 50 Jahren TU Dortmund © Lutz Kampert/TU Dortmund

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr EU-Ratspräsident Tusk,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Laschet,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sierau,
sehr geehrte Frau Rektorin Gather,
sehr geehrter Herr Baranowski,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TU Dortmund,
sehr geehrte Studierende,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

„Kein Wunder, dass zwischen Dortmund und Duisburg, wo Weiß nur ein Traum ist, die Brieftaube ihre besten Freunde hat.“ So schrieb Heinrich Böll über das Ruhrgebiet.

1958 – in der Hoch-Zeit der Kohleförderung.

Heute – 60 Jahre später – ist Weiß längst kein Traum mehr.

„Prosper Haniel“ – die letzte Zeche im Ruhrpott – schließt in fünf Tagen ihren Betrieb.

Brieftauben hingegen haben hier immer noch gute Freunde. Aber nicht nur die.

Ich habe in Dortmund noch etwas ganz anderes fliegen sehen: Drohnen.

Und zwar in einem Innovationslabor. Dort flogen die Drohnen quer durch eine Halle. Wenn ein Mensch ihre Flugbahn kreuzte, sind sie selbstständig ausgewichen.

Sozusagen die moderne Brieftaube. Entwickelt hier in Dortmund.

Nur ein kleines Beispiel dafür, welche Entwicklung diese Region durchgemacht hat. Das Ruhrgebiet hat sich neu erfunden!

Statt Kohle kommen heute aus der Metropole Ruhr innovative Dienstleistungen und Technologie.

Einer der Motoren dieses Erfolges ist die TU Dortmund. Ich freue mich, heute mit Ihnen das 50-jährige Bestehen der Hochschule zu feiern. Herzlichen Glückwunsch!

I.

An der Geschichte der TU Dortmund lässt sich nachvollziehen, wie sich die Region verändert hat. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie noch als Technische Hochschule mit Schwerpunkt Maschinenbau und Bergtechnik geplant. 1968 wurde sie dann aber als Universität mit breiterem Fächerspektrum gegründet.

Sie war ein in Beton gegossenes Versprechen des sozialen Aufstiegs. Für alle, die bereit waren zu lernen.

Weg von der einseitigen Ausrichtung der Region auf Kohle und Stahl.

Offen auch für bildungsfernere Gesellschaftsschichten.

Nah am Zuhause der Menschen.

Den Beleg, dass Wandel und sozialer Aufstieg möglich sind, haben Sie hier erbracht. Der Schlüssel dafür ist Wissen.

Im Püngelsack von heute steckt nicht mehr das gebrauchte Grubenhemd, sondern der Laborkittel. Die Metropole Ruhr hat die dichteste Hochschullandschaft Europas. Sie ist eine der stärksten Wissenschaftsregionen Deutschlands. Gehörigen Anteil daran hat die TU Dortmund, deren Forschungsergebnisse national und international anerkannt werden. Das zeigt auch ihre Auszeichnung als „aufstrebender Stern“ im Nature Index 2018.

II.

Ihre Stärke zieht die TU Dortmund aus ihrer systematischen Vernetzung:

  • mit anderen Hochschulen,
  • mit wissenschaftlichen Einrichtungen,
  • mit der Gesellschaft in Dortmund und der Region.

Da ist zum Beispiel die Universitätsallianz Ruhr. Diese hat vor kurzem der Wissenschaftsrat als gelungenes Beispiel einer regionalen Kooperation gewürdigt. Oder das Exzellenzcluster RESOLV von TU Dortmund und Uni Bochum, das weiterhin in der Exzellenzstrategie gefördert wird.

Da ist der „Masterplan Wissenschaft Dortmund“, der Dortmund als Wissenschaftsstadt in Deutschland bekannt macht.

Und da ist die enge Anbindung der TU Dortmund an die Wirtschaft der Stadt und des Ruhrgebiets. Das ist mir besonders wichtig. Aus zweierlei Gründen:

  1. Weil die Unternehmen der Region sich über die sehr gut ausgebildeten Fachkräfte freuen. Liebe Unternehmenslenker, besonders liebe Chefs der kleinen und mittleren Unternehmen, bauen Sie Ihr Engagement für „Ihre“ Universität ruhig noch weiter aus. Sie sind es, die davon profitieren.
  2. Weil die Nähe zwischen Wissenschaft und Wirtschaft hilft, um aus den guten Ideen, die in der Forschung entstehen, schnell marktreife Produkte zu entwickeln.

Das TechnologieZentrumDortmund trägt zum Erfolg entscheidend bei. Dort wird – in enger Kooperation mit der TU Dortmund und in deren unmittelbarer Nähe – bereits im Kleinen das gelebt, was wir mit der Hightech-Strategie flächendeckend in Deutschland erreichen wollen: Eine offene und agile Innovationskultur, die es ermöglicht, Forschungsergebnisse schnell anzuwenden. Wir unterstützen die Hochschulen, damit auch sie mehr zum regionalen Innovationssystem beitragen.

Wir wollen den Aufbruch wagen und radikal neue, disruptive Forschungsideen unterstützen, so dass sie schneller marktreif werden.

Deswegen arbeiten wir mit Nachdruck daran, eine Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen zu gründen. Im kommenden Jahr soll der Startschuss fallen.

III.

Disruptive Veränderung - das hört sich so einfach an.

Es bedeutet zu Ende gedacht aber, dass wir heute nicht wissen, wie unser Zusammenleben und -arbeiten in einigen Jahren aussieht.

Nehmen wir die Künstliche Intelligenz. Die Zeit, dass sie allein in unseren Wissenschaftseinrichtungen zu Hause war, ist vorbei. Mittlerweile steckt sie überall. Sie zeigt uns bei Staus den schnellsten Weg nach Hause, hilft uns beim Einparken und erzählt uns sogar Witze.

Je mehr Daten ihr zur Verfügung stehen, desto besser ist sie. Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Dafür muss jeder von uns sie zu gegebener Zeit zur Verfügung stellen.

Auf welchem Weg ich heute am schnellsten nach Hause komme, kann das Navi nur dann errechnen, wenn alle Autofahrer, die auf der Strecke zwischen Dortmund und Tecklenburg gerade unterwegs sind, ihren Standort senden. Tun sie das nicht, stehe ich wahrscheinlich doch im Stau.

Oder in der Medizin. Computer können Muster in Krankheitsverläufen erkennen. Gerade in der Krebsforschung erhoffen wir uns davon große Erfolge. Dazu brauchen wir die Daten der Patienten. Aber wer will schon die persönliche Krankheitsgeschichte veröffentlichen?

Wir müssen also die Frage des Umgangs mit Daten ganz neu klären. Es muss um die Differenzierung zwischen persönlichen und anonymisierten Daten gehen.

Wir müssen Standards setzen und den ethischen Rahmen definieren.

Und es gilt darüber zu diskutieren, welchen Platz wir Künstlicher Intelligenz in unserem Leben einräumen wollen. Das bedarf einer breiten gesellschaftlichen Debatte. Auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Nicht von Emotionen.

Wenn Menschen erkennen können, dass Forschung und Innovationen ihnen in ihrem Leben helfen, wächst Vertrauen in neue Technologien. Dann wächst Mut zur Zukunft.

„Brötchen und Borussia – Moderne Physik für Alle“, die Samstags-Vorlesungsreihe der TU Dortmund ist ein gutes Beispiel dafür, wie das gelingen kann. Das Gleiche gilt für das Wissenschaftsfestival „Highlights der Physik“, das ich im September hier in Dortmund eröffnen durfte. Das war eine großartige Veranstaltung, an die ich immer gerne denke. Besonders das Rudern bleibt mir stets in Erinnerung.

IV.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

„Motor für Wandel und Fortschritt“, so lautete das Motto der TU Dortmund im Jubiläumsfilm. Dieser Motor läuft rund. Die ersten 50 Jahre der TU Dortmund waren eine Erfolgsgeschichte für die Stadt, für das Ruhrgebiet und für das deutsche Wissenschaftssystem insgesamt.

Ich wünsche der TU Dortmund auch für die kommenden 50 Jahre so viel Erfolg, so gute Ideen und so viel Mut, Dinge neu zu durchdenken und kritisch zu hinterfragen wie in den ersten 50 Jahren. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die Zukunft.