50jähriges Jubiläum diplomatischer Beziehungen mit Israel

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel der festlichen Veranstaltung der German Israeli Foundation (GIF) anlässlich des 50jährigen Jubiläums dipl. Beziehungen mit Israel in Berlin

Thomas Rachel, Parl. Staatssekretär, während seiner Rede
Thomas Rachel, Parl. Staatssekretär, während seiner Rede © Christian Lietzmann

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Worte von Bundespräsident Joachim Gauck bei der Begegnung mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin am 12. Mai dieses Jahres - dem Tag des historischen Jubiläums des Bestehens von 50 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern - klingen noch nach: „Es ist ein Wunder, was sich in den vergangenen 50 Jahren ereignet hat zwischen unseren beiden Ländern“. Wir sind Ihnen, unseren israelischen Freunden und Partnern, zutiefst dankbar für das Vertrauen, das uns dieses Wunder ermöglicht hat.

Die Reflexion der eigenen historischen Verantwortung ist heute ein integraler Bestandteil der Zusammenarbeit mit Partnern in Israel. Zugleich haben wir das historisch Verbindende wiedergewonnen, das in den hunderten von Jahren der engen Beziehung von jüdischer und deutscher Wissenschaft und Kulturgeschichte begründet liegt.

Heute beschäftigen sich mehr als zwanzig renommierte Institute und Zentren in Deutschland speziell mit jüdischen Studien und deutsch-jüdischen Beziehungen. Ebenso haben in Israel die mitteleuropäischen Traditionen einen zentralen Platz in vergleichbaren Instituten. Zudem sind Europa- und Deutschland-Institute in Tel Aviv, Haifa, Jerusalem und Beer-Sheva aktiv.

Als Wissenschaftler und Forschungspolitiker aus beiden Ländern blicken wir aber auch mit Stolz auf die bahnbrechenden Leistungen derer zurück, die der deutsch-israelischen Kooperation den Weg geebnet haben. Dabei spreche ich sowohl von den grandiosen wissenschaftlichen Ergebnissen, die über Jahrzehnte der immer enger werdenden Zusammenarbeit von israelischen und deutschen Forschern zustande kamen, als auch vom unschätzbaren Beitrag der Wissenschaftsdiplomatie zu den Beziehungen zwischen unseren Ländern insgesamt. Sie alle wissen, dass die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Forschern schon in den fünfziger Jahren der Aufnahme diplomatischer Beziehungen vorangegangen waren.

Heute schaut das BMBF unter seinen zahlreichen Länderbeziehungen auf eine einzigartige Kooperationsarchitektur mit Israel. Sie zeichnet sich neben der interministeriellen Kooperation mit dem Forschungs- und dem Wirtschaftsministerium vor Allem durch die Säulen der großen Stiftungen und Programme aus, mit denen Jahr für Jahr zahlreiche Kooperationsprojekte zwischen Forschern unserer beiden Länder ermöglicht werden.

Nach der Minerva-Stiftung bildet die German Israeli Foundation for Scientific Research and Development seit 1986 die zweite große Säule; inzwischen kamen die Deutsch-Israelische Projektkooperation und der Stiftungsfonds Martin-Buber-Gesellschaft hinzu.

Der GIF kommt bei den Förderinstrumenten des Bundes dabei eine ganz besondere Bedeutung zu: Seit inzwischen fast 30 Jahren kann die GIF mit den Zinserträgen aus dem Stiftungsvermögen in erheblichem Umfang deutsch-israelische Gemeinschaftsprojekte aus allen wissenschaftlichen Disziplinen unterstützen.

Dass die GIF im regulären Programm inzwischen fast 1.300 und auch in ihrem Nachwuchsprogramm bereits knapp 400 Projekte fördern konnte, belegt eindrucksvoll, welche herausragende Bedeutung diese Stiftung für unsere Wissenschaftsbeziehungen hat. Doch in Zahlen allein erschließt sich ihr Beitrag nicht. Das Who-is-who der deutsch-israelischen Kooperation von Aaronson bis Zwick ist in den Annalen der GIF-Förderung versammelt. Die panels und keynote speeches der heutigen Veranstaltung werden von einer Reihe der renommiertesten internationalen Forscher bestritten. Israelische und deutsche Forscher, die mit den begehrtesten internationalen Preisen ausgezeichnet wurden, haben die Förderprogramme der bilateralen Zusammenarbeit genutzt. In einem Satz: Es ist die gemeinsame Spitzenforschung, die das Wesen dieser Zusammenarbeit charakterisiert.

Israel gehört zu den forschungsstärksten Nationen weltweit; seine Forscherinnen und Forscher bestimmen den internationalen Forschungsdiskurs in vielen Disziplinen mit. Vier Nobelpreise, die Israel seit dem Jahr 2000 in den Naturwissenschaften gewinnen konnte, sprechen für sich. Zwei davon wurden zuvor von deutschen Stiftungen gefördert – Aaron Ciechanover durch die Deutsch-Israelische Projektkooperation und Dan Shechtmann durch die Deutsch-Israelische Stiftung; eine dritte, Ada Yonath, hatte jahrelang am Max-Planck-Institut für Molekulargenetik in Berlin und am DESY geforscht. Wir in Deutschland bewundern zudem, wie sich die kleine Nation Israel eine weltweit geachtete Marke als „Start-Up-Nation“ aufgebaut hat.

Unseren beiden Ländern ist gemeinsam, dass die wichtigste Ressource unser Wissen und unsere Fertigkeiten sind. Der Wohlstand unserer Nationen basiert darauf, den Ideen freien Raum zu lassen und sie bis hin zu praktischen Problemlösungen zu entwickeln. In den unruhigen Zeiten, die wir heute erleben, sollten wir uns selbst daran erinnern, dass, wie es Albert Einstein es formulierte, „das Recht, nach der Wahrheit zu suchen und das für wahr gehaltene zu publizieren und zu lehren“, also die Freiheit des Denkens und der Forschung zu den Grundwerten gehören, zu denen sich die offenen Gesellschaften in unseren Ländern bekennen und aus denen sie ihre Stärke beziehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte in diesem festlichen Rahmen die persönlichen Leistungen würdigen, mit denen Sie alle – GIF-geförderte Forscher, Mitglieder des GIF-Board of Governors und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des GIF-Büros – sich über Jahre hinweg unter dem Dach dieser Stiftung um wissenschaftliche Freiheit und wissenschaftliche Exzellenz verdient gemacht haben.

Wir haben in diesem Jahr Weichenstellungen für die Zukunft der GIF vorgenommen, die ihre Leistungskraft für die nächsten Jahre sichern und ihre politische Strahlkraft erhalten sollen. Unter schwieriger gewordenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben wir gemeinsam tragfähige Lösungen für die solide und verlässliche Anlage des GIF-Kapitals gefunden. Wir können der Zukunft der GIF mit Zuversicht entgegensehen.

Und was für die Steuerung der Stiftung gilt, trifft umso mehr auf ihre wissenschaftliche Zukunft zu. Liebe Kollegen, diejenigen unter Ihnen, die als große Vorbilder der deutsch-israelischen Zusammenarbeit den ersten Teil des heutigen Programms bestreiten werden, werden mir nicht verdenken, dass ich mich vor Allem an die jungen Forscher wende. Es ist eines der großen Verdienste der GIF, dass sie Exzellenz nicht nur erkennt und in der Blüte wissenschaftlicher Laufbahnen fördert, sondern dass sie auch den Samen dafür pflanzt.

Durch das bereits erwähnte Young Scientists Program bildet sie gezielt Spitzenforscherinnen heran. Hier lernen Nachwuchsforscher unserer beiden Länder einander kennen und schätzen; hier entstehen die Grundlagen für die Zusammenarbeit der Zukunft. Den Nachwuchs-Workshop am heutigen Nachmittag haben Sie dem vielschichtigen Thema History and Migration gewidmet. Dieses Thema scheint mir eine sehr passende Wahl zu sein, um die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft zu schlagen: Es knüpft an die tief ineinander verwobenen deutsch-jüdischen Traditionen an; es nimmt das Trauma der mörderischen Verfolgung von Juden im 20. Jahrhundert auf. Aber es richtet den Blick zugleich auf die Gegenwart und Zukunft unserer Länder, die beide große Herausforderungen an ihre Integrationsfähigkeit werden gestalten müssen.

Liebe Nachwuchsforscher, ich möchte Sie ermutigen, Ihren Weg gemeinsam weiterzugehen und die kommenden Jahrzehnte einer gedeihlichen Forschungskooperation zwischen Israel und Deutschland zu gestalten.

Dafür wünsche ich Ihnen von Herzen viel Erfolg.

Vielen Dank!