8. ADeKo-Konferenz

Grußwort Staatssekretär Dr. Georg Schütte in Dresden

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Präsident KIM Hwang-Sik (ADeKo e.V. Vorsitz, ehem. PM Südkoreas),

sehr geehrter Herr KANG Sung-Cheon (Ministry of Trade, Industry and Energy - MoTIE)

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dirk Hilbert,

sehr geehrte Frau Professor Margret Wintermantel,

(Herr MP Stanislaw Tillich wird erst später eintreffen)

meine Damen und Herren,

I.

ich bedanke mich herzlich für die Einladung zur diesjährigen Konferenz des Alumni-Netzwerks Deutschland-Korea – AdeKo.

Ich freue mich besonders, dass die AdeKo-Konferenz erstmalig in Deutschland stattfindet. Mit der Veranstaltung hier in Dresden zeigt sich, wie hervorragend sich das AdeKo-Netzwerk weiterentwickelt hat. Es wurde eine neue Dimension der Alumni-Arbeit erreicht und die Sichtbarkeit in Deutschland deutlich erhöht.

Mit mehr als 7000 Mitgliedern ist AdeKo ein starker Dachverband von nun 50 Vereinen, dessen Grundsteinlegung ich 2006 als damaliger Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung während der Pilotmaßnahme „Korea und Deutschland – Partner in Forschung und Entwicklung“ miterleben durfte.

Das Thema dieser achten AdeKo-Konferenz ist „Engineering for our future!“

Die Landung auf dem Mond, das Internet oder die Entwicklung der Navigationssysteme wären nicht möglich gewesen ohne Visionen. Visionen motivieren neue Wege zu finden und Innovationen voranzutreiben, um unsere Welt nachhaltig weiterzuentwickeln. Die nächste Generation von Ingenieuren und Entwicklern wächst heran: welche bahnbrechenden Technologien wird sie uns bringen?

Korea gehört in wichtigen Technologiefeldern, wie z.B. Digitale Elektronik, LCD, Mikrochips oder Leuchtdioden zur Weltspitze als Resultat konsequenter Investitionen in Bildung und Forschung. Deutschland ist z.B. in den Bereichen Automobilbau, Umwelttechnologien und ganz aktuell im Bereich Industrie 4.0 stark. Gemeinsam ist beiden Ländern: Das Kapital sind nicht Rohstoffe, sondern die Köpfe unserer Bürgerinnen und Bürger.

Deutschland, genau  wie Korea, setzt weiterhin konsequent auf Investitionen in Bildung und Forschung, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. Lassen Sie mich dafür kurz drei Beispiele nennen:

Unsere Exzellenzinitiative stärkt die universitäre Spitzenforschung. Die Hochschulen werden so für hervorragende Studierende, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem In- und Ausland attraktiver.
Die neue Hightech-Strategie betrachtet den gesamten Innovationsprozess – von der kreativen Idee bis zur Umsetzung in neue Produkte und Dienstleistungen. Im Mittelpunkt stehen dabei Forschungsthemen, die von besonderer Relevanz für die Gesellschaft sowie für Wachstum und Wohlstand sind.

Mit der Strategie zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung stellt sich die Bundesregierung den Herausforderungen des globalen Wettbewerbs in unserem Wissenschafts- und Innovationssystem. Die Stärkung der Forschungszusammenarbeit mit den weltweit Besten, die internationale Erschließung von Innovationspotenzialen, die nachhaltige Stärkung der Zusammenarbeit mit  Entwicklungsländern und die Bewältigung globaler Herausforderungen sind die vier Kernziele dieser Strategie.

II.

Deutschland und Korea haben ihre Zusammenarbeit im vergangenen Jahrzehnt erheblich intensiviert. Bereits 1986 haben Korea und Deutschland ein Abkommen über die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit geschlossen, somit können wir heute auf 30 Jahre Zusammenarbeit zurückblicken – noch ein Grund zum Feiern! Seitdem haben sich die deutsch-koreanischen Forschungskooperationen zu einem Hauptpfeiler der freundschaftlichen Beziehungen unserer Länder entwickelt.

Für die Förderung der Kooperationen in Forschung und Bildung bestehen inzwischen eine Vielzahl von unilateralen und bilateralen Programmen des BMBF sowie verschiedener Forschungsförder- und Mittlerorganisationen wie z.B. DFG, DAAD und AvH zur Verfügung.

Das BMBF hat gemeinsam mit dem koreanischen Wissenschaftsministerium in den vergangenen zehn Jahren mehr als 200 Kooperationsprojekte gefördert. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Mobilitätsförderung. Reisen, Aufenthalte und Workshops tragen dazu bei, zunächst Kontakte zwischen Forschern zu ermöglichen oder zu vertiefen und gemeinsame Forschungsaktivitäten zu verabreden. Wir gehen jetzt einen Schritt weiter. Wir wollen die Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie auf beiden Seiten nach dem „2 + 2“-Modell fördern. Durch die enge Projektzusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie auf beiden Seiten, mindestens jeweils ein Partner aus der Wissenschaft und ein Partner aus der Industrie auf jeder Seite, daher „2+2“, sollen anwendungsorientiere Forschungsergebnisse schneller in die Umsetzung kommen und damit gezielter zu Innovationen führen - ganz im Sinne des berühmten Ökonomen Josef Schumpeter (1883-1950).

III.

Die enge Verzahnung von Bildung, Forschung und industrieller Produktion sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Innovationen oder ein „Engineering [of] the future“, dem Motto der heutigen Konferenz.

Die deutsche Industrie bleibt nur dann wettbewerbsfähig, wenn sie ambitioniert forscht und dadurch innovative Produkte für die nationalen und internationalen Märkte entwickelt. Dies gilt insbesondere für den Mittelstand. Wie wesentlich dies für die gesamtdeutsche Wirtschaft ist, hat sich in der Zeit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise gezeigt. Das Bundesforschungsministerium unterstützt daher gezielt kleine und mittlere Unternehmen, neue Ideen zu entwickeln und Forschungsergebnisse für sich zu nutzen. Deutschland braucht einen erfolgreichen und wachsenden Mittelstand. Das Bundesforschungsministerium baut daher seine finanzielle Unterstützung für Forschung und Entwicklung in den sogenannten KMUs weiter aus und erhöht das Volumen seiner Förderung  auf 320 Millionen Euro im Jahr 2017.

Im weltweiten Wettbewerb gilt es für beide Länder, die eigene Innovationskraft zu stärken. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich durch gemeinsame Forschung und Entwicklung in ausgewählten Themenbereichen ein Mehrwert für beide Seiten erzielen lässt.

Unsere beiden Länder stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie z. B. dem demographischen Wandel, einer alternden Gesellschaft, der Importabhängigkeit bei wirtschaftsstrategischen Rohstoffen. Dazu kommen globale Herausforderungen wie Klimawandel oder Ressourcenverknappung, die wir nur gemeinsam bewältigen können.

Durch Innovationen werden wir viele der heutigen und zukünftigen Herausforderungen meistern können. Aber neuartige Produkte und Verfahren müssen auch eine gesellschaftliche Resonanz erfahren. Eine kluge Innovationspolitik vereint die Relevanz von Innovationen für den Menschen, die nationale Ökonomie und den globalen Kontext.

IV.

Vor einem guten Jahr wurden die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) verabschiedet.

Zu den 17 ambitionierten Zielen für eine nachhaltige Entwicklung der Weltgemeinschaft zählen beispielsweise ein dauerhaftes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, die Förderung einer inklusiven und nachhaltigen Industrialisierung, die Unterstützung von Innovationen und eine gerechte und hochwertige Bildung. Bildung und Forschung allein innerhalb tradierter Disziplinen reichen nicht aus, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Interdisziplinäres und transdisziplinäres Denken und Handeln über staatliche Grenzen hinweg sind dringend erforderlich. Dazu möchte ich Sie alle, insbesondere die junge Generation ausdrücklich ermutigen.

V.

Eine hochwertige Ausbildung junger Menschen ist auch eine wesentliche Grundlage, um künftigen Wohlstand einer Gesellschaft zu sichern. Die meisten von Ihnen haben zumindest einen Teil ihrer akademischen Bildung oder auch beruflichen Bildung nach dem dualen System in Deutschland erfahren. Sie, liebe Alumnae und Alumni, haben diesen Schritt einst gewagt. Sie haben in Deutschland gelebt, studiert oder gearbeitet. Sie haben dabei vermutlich gute Erfahrungen gemacht, denn heute engagieren Sie sich in einem Alumni-Verband und halten damit Ihre Verbindung zu Deutschland lebendig. Damit stellen Sie und das Alumni-Netzwerk Deutschland-Korea e.V. einen wichtigen Pfeiler der deutsch-koreanischen Beziehungen dar. Geben Sie bitte Ihre Erfahrungen mit Deutschland weiter.

Ich hoffe, dass diese Konferenz dazu beiträgt, dass junge Menschen mit klugen Köpfen aus Deutschland und Korea den Weg an Hochschulen und Forschungseinrichtungen im jeweils anderen Land finden. Wir können gegenseitig von unseren Stärken lernen und über fachliche Inhalte hinaus auch zum gegenseitigen Verständnis über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg beitragen.

Ich wünsche Ihnen allen eine interessante Konferenz mit anregenden Vorträgen und Diskussionen.