Griechenland: Partner in Bildung, Forschung und Innovation

Deutschland und Griechenland stärken mit dem zweiten Deutsch-Griechischen Forschungs- und Innovationsprogramm ihre Zusammenarbeit. Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sollen noch stärker angeregt werden.

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Mit dem im Dezember 2016 veröffentlichten zweiten Deutsch-Griechischen Forschungs- und Innovationsprogramm werden Projekte aus Geistes- und Sozialwissenschaften, Materialforschung, Optische Technologien, Bioökonomie, Gesundheitsforschung und Energieforschung gefördert. Gemeinsam sollen Nachwuchskräfte frühzeitig in internationale Projekte eingebunden und dem Braindrain in Griechenland entgegen gewirkt werden. Drüber hinaus wird die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft durch die Einbindung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) gestärkt – ebenfalls eines der Kernziele des Programms.

Beide Länder intensivieren dadurch ihre Forschungs- und Innovationszusammenarbeit spürbar: Für die auf eine Laufzeit von drei Jahren ausgerichteten Projekte stellen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das griechische Ministerium für Kultur, Erziehung und religiöse Angelegenheiten / Generalsekretariat für Forschung und Technologie (GSRT) zusammen bis zu 18 Millionen Euro zur Verfügung.

Um die Forschungsergebnisse schneller und effizienter in die Praxis zu bringen, werden zusätzlich Maßnahmen zum Wissens- und Technologietransfer in Griechenland unterstützt. Das BMBF stellt hierzu für die Jahre 2017 und 2018 bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Das erste Deutsch-Griechische Forschungsprogramm – Forschung und Innovation als Treiber für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit

Das neue Programm setzt auf den Erfahrungen und Erkenntnissen des erfolgreichen ersten Deutsch-Griechischen Forschungsprogramms (2013 bis 2015) auf. Bereits damit hatten beide Länder wegweisende Impulse gesetzt und 23 Forschungsprojekte mit zusammen mehr als zehn Millionen Euro Förderung auf den Weg gebracht.

Das deutsch-griechische Forschungsprogramm entwickelt sich zu einem Flaggschiff der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern.

Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel

Während der Griechisch-Deutschen Forschungs- und Innovationstage in Athen im Dezember 2015 mit mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden sowohl eine Bilanz des ersten "Deutsch-Griechischen Forschungsprogramms" gezogen als auch die Perspektiven des Nachfolgeprogramms besprochen. Der griechische Vizeminister für Forschung Costas Fotakis und der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF Thomas Rachel überreichten in Athen jungen Nachwuchsteams aus Energie und Gesundheit Preise für die beste Projektpräsentation. Mit den Preisen war für sechs deutsche und griechische Nachwuchswissenschaftler eine Reise zu Spitzenforschungseinrichtungen in beiden Ländern verbunden. „Wir eröffnen den jungen Akteuren Perspektiven für die europäische Zusammenarbeit“, sagte Rachel bei der Preisverleihung.

Reformimpulse und Zukunftsstrategien für eine bedarfsorientierte griechische Berufsausbildung im Tourismus, der Landwirtschaft und in technischen Berufen

Seit 2013 hat Deutschland Griechenland tatkräftig dabei unterstützt, Perspektiven für eine am Arbeitsmarkt ausgerichtete Berufsausbildung auszuloten. Mit den zwei BMBF-Projekten „MENDI“ und „VETnet“ wurden die griechischen Reformvorhaben in der beruflichen Bildung durch innovative und konstruktive Beiträge unterstützt.

Ziel von MENDI ist es, Teile eines dualen Ausbildungssystems in Griechenland einzuführen. "In der Wachstumsbranche Tourismus soll exemplarisch deutlich werden, dass die Beschäftigungsfähigkeit Jugendlicher durch stärker arbeitsplatzorientiertes Lernen deutlich verbessert werden kann", betonte Rachel auf einer Berufsbildungskonferenz der Deutsch-Griechischen Auslandshandelskammer (AHK) in Athen im Juli 2016. Mit Unterstützung des BMBF baut die DEKRA-Akademie in enger Kooperation mit der TUI-Tochter Robinson Club Qualifizierungen nach deutschem Vorbild an den Standorten Athen und Heraklion auf. Mit Unterstützung der AHK in Athen und in Kooperation mit der „IHK FOSA“, der zuständigen Stelle für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufs- und Bildungsabschlüssen, wird die individuelle Anerkennung der erlangten Abschlüsse in Deutschland erprobt. Die Technische Universität Berlin übernimmt die wissenschaftliche Projektbegleitung. 63 Auszubildende schließen ihre Ausbildung 2016 ab, weitere 97 Auszubildende folgen 2017.

Erste Ausbildungsgänge für Kraftfahrzeug-Mechatroniker und Elektroniker

Im Projekt VETnet wurden seit 2013 Netzwerke und Strukturen gebildet, auf deren Grundlage ab November 2016 erste duale Ausbildungsgänge in Griechenland starten werden. Angesiedelt bei der AHK, werden 60 junge Menschen bei einem Dienstleister der griechischen Bahn zu Kraftfahrzeugmechatronikern und Elektronikern für Geräte und Systeme ausgebildet. Dabei werden neben innovativen curricularen Inhalten auch die erforderlichen dualen Gremien wie Berufsbildungs- und Prüfungsausschüsse eingeführt, die eine Beteiligung von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und staatlichen Akteuren ermöglichen.

Grundlage für die Projekte „MENDI“ und „VETnet“ ist das Berliner Memorandum über eine vertiefte Kooperation in der Berufsbildung, das die Bildungsminister sieben europäischer Länder – unter anderem auch Deutschlands und Griechenlands – im Dezember 2012 auf Initiative des BMBF unterzeichnet haben. Auf dieser Basis berät auch die Zentralstelle für internationale Berufsbildungszusammenarbeit im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) – GOVET – die griechische Seite und unterstützt unter anderem durch Machbarkeitsstudien die Einführung dualer Berufsausbildung. So erstellt die AHK im Auftrag von GOVET eine Studie für die Berufsausbildung im Bereich der Landwirtschaft, die ein hohes Entwicklungspotential für den griechischen Arbeitsmarkt bietet.