Griechenland als Partner

Deutschland und Griechenland intensivieren ihre Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung. Mit dem "2. Deutsch-Griechischen Forschungs- und Innovationsprogramm" sollen Innovation und Beschäftigung noch stärker angeregt werden.

© Thinkstock / Ruskpp

Das 1. Deutsch-Griechische Forschungsprogramm (2013 bis 2015) hat wegweisende Impulse gesetzt. Deshalb haben sich beide Länder zu einer Neuauflage des Programms entschlossen. Im Sommer 2016 werden das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das griechische Ministerium für Kultur, Erziehung und religiöse Angelegenheiten das 2. gemeinsame Forschungs- und Innovationsprogramm veröffentlichen. Ziel ist es, Innovation und Beschäftigung weitere Impulse zu verleihen.

Gemeinsames Forschungsprogramm

Gefördert werden Projekte aus Geistes- und Sozialwissenschaften, Materialforschung, Optische Technologien, Bioökonomie, Gesundheitsforschung und Energieforschung. Kriterien für die zu fördernden Projekte werden der wissenschaftliche Mehrwert, die Beteiligungen von hervorragenden Nachwuchsforschenden, die Einbindung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und die Anschlussfähigkeit der Projekte in europäische Programme sein. Für die auf eine Laufzeit von drei Jahren ausgerichteten Projekte stellen beide Länder jeweils bis zu neun Millionen Euro zur Verfügung.

Ergebnisse in die Praxis bringen

Um die Ergebnisse der Forschung schneller in die Praxis zu bringen, haben sich das BMBF und das griechische Forschungsministerium darüber hinaus verständigt, Maßnahmen zum Wissens- und Technologietransfer in Griechenland zu unterstützen. Das Bundesforschungsministerium stellt hierzu für die Jahre 2017 und 2018 bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Das deutsch-griechische Forschungsprogramm entwickelt sich zu einem Flaggschiff der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern.

Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel

Mit dem 1. Deutsch-Griechischen Forschungsprogramm hatten das BMBF, das griechische Partnerministerium und das Generalsekretariat für Forschung und Technologie (GSRT) im Jahr 2014 23 bilaterale Forschungsprojekte auf den Weg gebracht. Beide Länder stellten für diese Projekte mit einer Laufzeit von jeweils zwei Jahren zusammen mehr als zehn Millionen Euro bereit.

Griechisch-Deutsche Forschungs- und Innovationstage

Während der Griechisch-Deutschen Forschungs- und Innovationstage in Athen im Dezember 2015 mit mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden sowohl eine Bilanz des ersten "Deutsch-Griechischen Forschungsprogramms" gezogen als auch die Perspektiven eines Nachfolgeprogramms besprochen.

Der griechische Vizeminister Costas Fotakis und der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel überreichten jungen Nachwuchsteams aus Energie und Gesundheit Preise für die beste Projektpräsentation. Mit den Preisen war eine Reise zu Spitzenforschungseinrichtungen in Deutschland und Griechenland verbunden. "Wir eröffnen den jungen Akteuren Perspektiven für die europäische Zusammenarbeit", sagte Rachel bei der Preisverleihung.

Mendi: Duale Ausbildung im Tourismus

Deutschland und Griechenland arbeiten auch in der dualen Ausbildung im Tourismussektor zusammen. "Wir setzen damit ein Zeichen, dass eine praxisorientierte Ausbildung die Beschäftigungschancen junger Menschen in Griechenland fördern kann", sagte Rachel bei der Auftaktveranstaltung für das Pilotprojekt "MENDI - Mentoring Dual International" in Athen.

Ziel von MENDI ist es, Elemente des dualen Ausbildungssystems in Griechenland einzuführen. "In der Wachstumsbranche Tourismus soll exemplarisch deutlich werden, dass die Beschäftigungsfähigkeit Jugendlicher durch stärker arbeitsplatzorientiertes Lernen deutlich verbessert werden kann", betonte Rachel.

Abschlüsse in Deutschland anerkannt

Deutsche und griechische Einrichtungen und Unternehmen arbeiten dabei eng zusammen. Mit Unterstützung des BMBF baut die DEKRA-Akademie in enger Kooperation mit der TUI-Tochter Robinson Club Qualifizierungen nach deutschem Vorbild an den Standorten Athen und Heraklion auf. Durch die Zusammenarbeit mit der Auslandshandelskammer (AHK) in Athen wird sichergestellt, dass die erlangten Abschlüsse auch in Deutschland anerkannt werden. Die Technische Universität Berlin übernimmt die wissenschaftliche Projektbegleitung. In zwei Ausbildungsjahrgängen werden zurzeit rund 160 Jugendliche qualifiziert.

Grundlage für das Projekt MENDI ist das Berliner Memorandum, das die Bildungsminister sieben europäischer Länder - unter anderem auch Deutschlands und Griechenlands - im Dezember 2012 unterzeichnet haben. Auf dieser Basis berät auch die Zentralstelle für internationale Berufsbildungszusammenarbeit im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) – GOVET – die griechische Seite bei Bedarf und unterstützt unter anderem durch Machbarkeitsstudien die Implementierung dualer Berufsbildungselemente.

Im BMBF-Projekt VETnet, das beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie weltweit neun Auslandshandelskammern (AHKs) – darunter in Athen – durchgeführt wird, laufen intensive Vorbereitungen für die pilothafte Durchführung technischer dualer Ausbildungsgänge in Griechenland.