Ägypten

Ägypten ist durch seine geographische Lage seit vielen Jahren ein wichtiges Partnerland. 2012 erlebte die Partnerschaft mit der Eröffnung einer Zweigstelle der German University Cairo (GUC) in Berlin einen neuen Höhepunkt.

Eingang zum Deutschen Wissenschaftszentrum in Kairo
Eingang zum Deutschen Wissenschaftszentrum in Kairo © Nour El Refai

Politischer Rahmen der wissenschaftlich- technologischen Zusammenarbeit

Basis der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Ägypten bilden die Regierungsabkommen (WTZ-Abkommen) der Jahre 1979 und 1981 sowie weitere Einzel- und Projektvereinbarungen aus den Jahren 1980-1985.
2007 unterzeichneten beide Ministerien zum Abschluss des gemeinsamen Wissenschaftsjahres eine Vereinbarung zur Implementierung des gemeinsamen Forschungsfonds GERF (German Egyptian Research Fund).

Gemeinsamer Fonds für anwendungs­orientierte Forschungsprojekte

Seit dem für Deutschland und Ägypten ersten und sehr erfolgreichen Wissenschaftsjahr 2007 arbeiten nordafrikanische und deutsche Forschende noch enger und vielfältiger zusammen: Ein gemeinsam finanzierter Forschungsfonds ermöglicht es vor allem jungen Wissenschaftlerteams innovative, anwendungsbezogene und industrienahe Forschungsprojekte durchzuführen. Dabei erarbeitete Forschungsergebnisse sollen noch rascher als bisher in konkrete Anwendungen überführt werden. Außerdem unterstützt der Fonds wissenschaftliche Netzwerke, die Fördermittel aus dem europäischen Rahmenprogramm HORIZON 2020 oder nationalen Förderprogrammen beantragen. Bisher haben das Bundesforschungsministerium und die ägyptische Partnerförderorganisation mehr als 50 gemeinsame Forschungsprojekte vor allem in den Fachgebieten Biotechnologie, Medizin, Materialwissenschaften, Wasser, erneuerbare Energien sowie Geistes- und Sozialwissenschaften erfolgreich auf den Weg gebracht.

Die German University of Cairo (GUC)

Die erste „deutsche“ Privatuniversität im Ausland (formal handelt es sich um eine private Einrichtung nach ägyptischen Recht mit deutschem Namen) ist von großer politischer Bedeutung in der langjährigen und traditionsreichen Bildungskooperation an Spree und Nil, die vor über hundert Jahren mit den deutschen konfessionellen Schulen in Kairo und Alexandria begann. Nach deutschem Standard, wenn auch in englischer Sprache, werden an der German University Cairo seit 2003 nicht nur Ingenieure, Natur-, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaftler, sondern auch Multimedia-Designer, Kommunikations- und Medienwissenschaftler, Manager sowie Lebenswissenschaftler ausgebildet. Seit 2012 gibt es auch einen deutschen Campus in Berlin.

Deutsch-arabischer Studiengang in Städtebau und Design

Eine besonders gelungene Kooperation ist der deutsch-arabische Masterstudiengang „Integrated Urbanism and Sustainable Design“ der Universitäten Stuttgart und Ain Shams in Kairo. Das Bundesforschungsministerium fördert diesen seit 2011 gemeinsam mit dem Bundesentwicklungsministerium und dem ägyptischen Hochschulministerium. Der bikulturelle Masterkurs richtet sich an deutsche, ägyptische und Graduierte anderer arabischer Länder, die bereits Erfahrungen in den Fachrichtungen Architektur, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Regionalplanung und Bauingenieurwesen mitbringen.

DWZ Kairo: Ein deutsches Wissenschafts­zentrum im Nahen Osten

Weltweit werben deutsche Häuser für Wissenschaft und Innovation für den Forschungsstandort Deutschland. So auch im Nahen Osten, wo 2013 ein deutsches Wissenschaftszentrum eröffnet wurde. Partner unter einem Dach sind hier deutsche Forschungs- und Mittlerorganisationen wie die Fraunhofer-Gesellschaft für Angewandte Forschung, die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst und das Orient Institut Beirut, aber auch Hochschuleinrichtungen, unter anderem die Technischen Universitäten Berlin und München, die Freie Universität Berlin und die Philipps Universität Marburg sind vertreten.

Das Wissenschaftszentrum Kairo bietet nicht nur vielfältige Möglichkeiten von Austausch und Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technologie und Forschung, es fördert auch bestehende Synergien von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft oder dem staatlichen und privaten Sektor. Vor allem profitiert der wissenschaftliche Nachwuchs in Ägypten von den zahlreichen Vernetzungsmöglichkeiten, die Veranstaltungen, Messen, Seminare und Trainings bieten. Darüber hinaus informiert das Wissenschaftszentrum über aktuelle Entwicklungen in der deutschen Forschungslandschaft und berät zu nationalen sowie deutsch-ägyptischen Fördermöglichkeiten.