"Änderungen an der Keimbahn erfordern weltweite Diskussion"

Bis auf weiteres sollen keine klinischen Versuche einer Keimbahnveränderung durchgeführt werden, rät der Deutsche Ethikrat. "Wir müssen uns aber auch die Frage stellen: Welche Chancen verhindern wir?", sagt Bundesministerin Karliczek.

Der Deutsche Ethikrat hat seine Stellungnahme „Eingriffe in die menschliche Keimbahn“ vorgestellt und an Bundesforschungsministerin Anja Karliczek übergeben. Er kommt darin unter anderem zu der Schlussfolgerung, dass die menschliche Keimbahn nicht kategorisch unantastbar ist. Gleichzeitig fordert er ein internationales Moratorium für die klinische Anwendung der Keimbahntherapie, um Raum für einen gesellschaftlichen Diskurs und die notwendige Grundlagenforschung zu schaffen. In Deutschland enthält das Embryonenschutzgesetz ein weitreichendes Verbot von Keimbahninterventionen.

Worum geht es?

Mit der sogenannten Genschere CRISPR ist es möglich, das Genom zu editieren. Soll heißen: Mit dem molekularbiologischen Werkzeug können Forschende bestimmte Genabschnitte kopieren, einfügen oder löschen. Kostengünstigere Produktion von Antibiotika, schnellere Züchtung von Pflanzen, aber auch bessere Behandlungsmöglichkeiten für erkrankte Menschen sind drei Beispiele, die zeigen wie nützlich Genom-Editierung eingesetzt werden könnte.

Doch wo liegen vertretbare Grenzen für die Anwendung bei Mensch, Tier und Pflanze?

Chancen und Risiken der Genom-Editierung müssen sorgfältig abgewogen werden. Insbesondere eine therapeutische Anwendung beim Menschen muss dabei sicher sein. In manchen Anwendungsfeldern geht es aber nicht nur darum, was sicher ist, sondern auch was ethisch vertretbar ist. Das wäre insbesondere dann wichtig, wenn diese Veränderungen sich auch auf kommende Generationen auswirken könnten. Das ist etwa bei Eingriffen in die Keimbahn der Fall.

Bundesforschungsministerium fördert den gesellschaftlichen Diskurs

Es gibt viele Fragen, die diskutiert werden müssen – und zwar nicht nur unter Fachleuten, sondern gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern und den beteiligten Akteuren. Ein erster Schritt ist die Information und Wissensvermittlung. Denn nur wer weiß, was hinter einer neuen Behandlungsmethode steht und wie sie funktioniert, kann für sich entscheiden, ob er oder sie offen ist für diese neue Entwicklung. Für die Diskussion ist es wichtig, die ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte einer Erneuerung zu beleuchten und eine sachlich fundierte Grundlage für die Diskussion zu schaffen.

Das Bundesforschungsministerium unterstützt daher einen eigenständigen Förderschwerpunkt zu den ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten moderner Lebenswissenschaften, kurz ELSA. In nationalen und internationalen Forschungsprojekten, Diskursprojekten und Nachwuchsförderung durch Klausurwochen und Forschungsgruppen wird ein breites Spektrum aktueller und künftiger Fragestellungen fachübergreifend beforscht. Die wissenschaftlich gestützten Analysen können dabei als Grundlage für die gesellschaftliche Diskussion sowie für gesetzgeberische und andere politische Entscheidungen genutzt werden.