"Wir brauchen Hochschulen als Innovationsmotoren"

Bund und Länder fördern die "Innovative Hochschule" mit bis zu 550 Millionen Euro in zehn Jahren. Die erste Bewerbungsrunde endete im Februar 2017. Bundesministerin Johanna Wanka zieht im Interview mit der Deutschen Universitätszeitung eine Bilanz.

Deutsche Universitätszeitung: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Förderinitiative „Innovative Hochschule“?

Johanna Wanka: Die „Innovative Hochschule“ wird den Transfer als akademische Kernaufgabe neben Lehre und Forschung stärken. Viele Hochschulen kooperieren schon sehr engagiert mit Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft, gründen Unternehmen und interessieren sich für die Anwendung ihrer Forschung. Dennoch haben viele von ihnen bisher keine Transferstrategie entwickeln können. Mit unserer Förderinitiative setzen wir einen Impuls, damit Transfer zu einem profilbildendenden Qualitätsmerkmal der Hochschulen wird. Dazu gehört auch, dass Hochschulen ihre Zusammenarbeit mit Partnern in der Region sichtbar stärken und ausbauen.

Wie bewerten Sie die erste Resonanz?

Bei 118 Bewerbungen fühle ich mich mehr als bestätigt, die „Innovative Hochschule“ gemeinsam mit den Ländern gestartet zu haben. Gerade die Fachhochschulen sowie kleinen und mittleren Universitäten erkennen darin ganz offensichtlich ihre Chance, sich im forschungsbasierten Ideen-, Wissens- und Technologietransfer zu profilieren.

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Was ist Ihre Vision für die innovative Hochschule? Was zeichnet sie aus? Welche Partner, Kooperationsformen und Ergebnisse charakterisieren sie?

Die erfolgreiche innovative Hochschule sollte sich als zentraler Ort des Austauschs zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft verstehen. Sie befördert Grenzüberschreitungen im positiven Sinne: zwischen den Wissenschaftsdisziplinen, zwischen Forschung und Anwendung, zwischen klassischen und neuen Industriebranchen und Technologien. Und sie ist besonders offen für neue Kooperationsformen, für Querdenker, für kreatives Denken. Es gibt so viele spannende Themen, zu denen uns aus der Forschung vielversprechende Erkenntnisse vorliegen: ob in der personalisierten Medizin zur Behandlung von Krebs, bei innovativen Konzepten zur Umsetzung der Energiewende oder um die Möglichkeiten der Digitalisierung für unsere Industrie und für neue, gute Arbeitsplätze zu nutzen. Überall sind wir aber darauf angewiesen, dass diese Erkenntnisse zur rechten Zeit auf die richtigen Personen und Netzwerke treffen, damit daraus Innovationen  werden, die nicht zuletzt auch zu Lebensqualität und Wohlstand in Deutschland beitragen. Und genau dafür brauchen wir die Hochschulen als Innovationsmotoren für ihre Region.

Hochschulen sind Teil eines komplexen regionalen Innovationssystems. Wie kann dies durch die Politik noch unterstützt werden?

Seit mehr als zehn Jahren verfolgt die Bundesregierung mit der „Hightech-Strategie“ das Ziel, ressortübergreifend alle Kräfte zu bündeln, um Deutschland auf dem Weg als weltweiter Innovationsführer voranzubringen. Hochschulen spielen dabei von Anfang an eine zentrale Rolle. So unterstützen wir mit der Förderinitiative „Forschungscampus“ längerfristige strategische Forschungskooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wortwörtlich „unter einem Dach“. An allen neun von uns geförderten Forschungscampi sind Hochschulen die maßgeblichen Treiber. An anderer Stelle fördern wir mit der Maßnahme „VIP+“ zum Beispiel die Validierung vielversprechender Forschungsergebnisse, um diese  schneller in innovative Produkte und Dienstleistungen zu überführen. Mehr als 60 Prozent der Anträge kommen von Universitäten und Fachhochschulen. Die Verwertung von Forschungsergebnissen wollen wir künftig noch stärker unterstützen und die Förderung innovativer Gründungen zu einem wichtigen Teil unserer Fachprogramme machen.