Alexander von Humboldt-Professuren 2018

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek anlässlich der Verleihung in Berlin

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Pape,
sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag,
verehrte Gäste,

I.

Alexander von Humboldt-Professur

Mit der Alexander von Humboldt-Professur zeichnet die Humboldt-Stiftung jährlich bis zu zehn weltweit führende, im Ausland tätige Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen aus. Ziel ist es, ihnen und ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland zu bieten. Das Preisgeld in Höhe von bis zu 5 Millionen Euro für experimentell arbeitende und 3,5 Millionen Euro für theoretisch arbeitende Wissenschaftler wird über einen Zeitraum von fünf Jahren zur Verfügung gestellt. Die Humboldt-Professur ist einer der renommiertesten Preise und wird seit dem Jahr 2008 verliehen.

ich war gerade auf dem Markt - dem Markt der Universitäten. Dort gibt es zwar nichts zu kaufen, dafür aber Inspirationen. Es gibt die Chance auf einen Einblick in faszinierende Forschungsfragen: Wie können wir verhindern, dass Zellen frühzeitig altern? Wie lernen wir zu sprechen? Wie können wir uns besser vor der Grippe schützen? Das sind nur einige der Themen, über die Sie dort mehr erfahren können. Zugegeben, ich habe diese drei Themen ausgewählt, weil man sie relativ leicht in einem Satz umreißen kann. Für andere der Forschungsfragen, die nicht weniger spannend sind, braucht man ein paar Sätze mehr. Aber zu diesem Thema komme ich später.

Auf dem Markt der Universitäten lernt man nicht nur aktuelle Forschungsfragen kennen, sondern auch die klugen Köpfe, die Antworten darauf suchen. Und das Beste: All diese klugen Köpfe werden künftig in Deutschland forschen. Darauf bin ich stolz. Diese Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sich mehr oder weniger aussuchen, in welchem Land sie arbeiten.

Dank der Alexander von Humboldt Professur haben sie sich für unser Land entschieden und werden ihre Ideen hier weiterentwickeln. Damit haben wir ein wichtiges Ziel erreicht.

Wir wollen, dass Deutschland die besten Forschenden der Welt anzieht. Deswegen haben wir die Alexander von Humboldt-Professur ins Leben gerufen. Es ist der höchstdotierte, internationale Forschungspreis und einer der wichtigsten Wissenschaftspreise Deutschlands. Ich freue mich sehr, heute beim zehnjährigen Jubiläum, gemeinsam mit Ihnen, Herr Professor Pape, diesen Preis verleihen zu dürfen.

Sein Namensgeber Alexander von Humboldt steht für wissenschaftliche Exzellenz im besten Sinne. Mit seiner Vielseitigkeit, unersättlichen Neugier und Akribie auf der einen Seite und seiner Fähigkeit, in großen Zusammenhängen zu denken, ist er ein einzigartiges Vorbild.

Diesem Vorbild streben wir nach und schaffen die Voraussetzungen für wissenschaftliche Spitzenleistungen auch heute. Denn wissenschaftliche Erkenntnis entsteht nicht einfach so. Sie braucht geeignete Rahmenbedingungen, damit sich herausragende Fähigkeiten entfalten können:

Drei dieser Rahmenbedingungen möchte ich heute Abend ansprechen:

  1. Wissenschaft braucht Freiheit.
  2. Wissenschaft braucht verlässliche Finanzierung.
  3. Wissenschaft braucht den internationalen Austausch von Ideen.

Deutschland stellt alle drei Voraussetzungen sicher. Und ich hoffe, dass Sie mir erlauben, jetzt ein bisschen Werbung für den Wissenschaftsstandort Deutschland zu machen. Vielleicht freuen Sie sich dann noch mehr auf den Umzug in unser Land.

II.

Die Freiheit der Wissenschaft gehört zu den Grundlagen unseres Rechtstaates. Sie ist im Grundgesetz verankert und nicht verhandelbar. Sie ist unabdingbarer Teil unserer offenen Gesellschaft. Was zählt, ist die Suche nach Erkenntnis. Das heißt auch: Grundlagenforschung ist ebenso wichtig wie die angewandte Forschung. Wir brauchen beides, damit Ideen entstehen, reifen und dem Menschen Nutzen bringen können. Mir ist dabei wichtig, dass Forschung – bei aller Freiheit – den Menschen im Blick behält und ihre Ergebnisse dem Menschen dienen.

III.

Wissenschaft braucht dafür auch eine verlässliche Finanzierung. Die Preisträgerinnen und Preisträger müssen sich darüber erst einmal keine Gedanken machen. Aber als Bundesforschungsministerin ist mir wichtig, dass die deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen insgesamt eine feste finanzielle Grundlage haben. Das ist Voraussetzung für eine starke und international wettbewerbsfähige Wissenschaft. Diese Bundesregierung steht genau dafür. Die verlässliche Finanzierung der Wissenschaft haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart. Dazu zwei Beispiele:

  1. Die Herausforderungen für die Hochschulen in Deutschland waren in den vergangenen Jahren beachtlich. Denn viel mehr junge Menschen besuchen heute eine Hochschule. Gemeinsam mit den Ländern haben wir gute finanzielle Unterstützungen für diese gewünschte Veränderung bereitgestellt.
    Über die Gesamtlaufzeit von 2007 bis 2023 stellt der Bund insgesamt rund 20 Milliarden Euro und die Länder rund 18 Milliarden Euro bereit. Dieses Geld soll auch nach dieser Zeit für das Hochschulsystem erhalten bleiben. So ist es im Koalitionsvertrag vereinbart. Denn für uns stehen die Qualität der Lehre und die Berufschancen der Studierenden im Mittelpunkt. Damit diese gute Zusammenarbeit weiterhin gedeihlich wirkt für die jungen Menschen in unserem Land, muss jeder seine Aufgaben erfüllen. Denn die Grundfinanzierung der Hochschulen ist eine Aufgabe der Länder. Sie weiter angemessen zu steigern ist unabdingbar.
  2. In den vergangenen Jahren hat die Exzellenzinitiative Spitzenforschungsleistungen an deutschen Universitäten ermöglicht – oft über die Grenzen von Disziplinen und Ländern hinweg. Die neue Exzellenzstrategie wird diese Dynamik weiter befeuern. Gerade hat die letzte Etappe im Wettbewerb um die Exzellenzcluster begonnen und viele Universitäten wollen sich als Exzellenzuniversitäten bewerben.

III.

„Exzellenz verbindet“ lautet das schöne Leitwort der Alexander von Humboldt-Stiftung. Und damit bin ich bei der dritten Voraussetzung für exzellente Wissenschaft: Wissenschaft braucht den internationalen Austausch von Ideen. Jedes Land hat seine besonderen Stärken in der Forschung. Wenn wir diese Stärken zusammenbringen, erhöhen wir Chancen auf wissenschaftliche Durchbrüche. Zumal sich viele Herausforderungen in unserer globalisierten Welt nur durch internationale Zusammenarbeit bewältigen lassen.

Internationalisierung wird immer wichtiger für wissenschaftliche Exzellenz. Die Alexander von Humboldt-Professur hat in den letzten 10 Jahren zahlreiche Stars der internationalen Forschungslandschaft für Deutschland gewonnen. Einige von ihnen haben neue wissenschaftliche Schwerpunkte gesetzt und strukturprägend gewirkt – nicht selten über Bereichsgrenzen und einzelne Disziplinen hinaus. Davon profitieren unsere Hochschulen und das deutsche Wissenschaftssystem.

Wir werden die Alexander von Humboldt-Professur auch in Zukunft fördern. Das zehnjährige Jubiläum ist dabei ein guter Anlass – gemeinsam mit der Stiftung – zu überlegen, wie wir das Programm noch besser machen können.

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger,

ich gratuliere Ihnen zu dieser herausragenden Auszeichnung. Sie ermöglicht Ihnen, auf Ihrem jeweiligen Fachgebiet neue Erkenntnisse zu entwickeln, die das Leben der Menschen verbessern können.

Einige von Ihnen forschen in Fachgebieten, die auch für Laien verständlich sind. Andere sind sehr spezialisiert. Da braucht es schon einen längeren Aufenthalt auf dem Markt der Universitäten, um sie zu verstehen. Aber auch wenn es manchmal mühsam ist, möchte ich Sie alle auffordern: Erklären Sie Ihre Forschungsergebnisse, nehmen Sie Fragen von Bürgerinnen und Bürgern Ernst, suchen Sie gemeinsam mit ihnen nach Antworten.

Ich wünsche mir, dass Wissenschaft sich aktiv in die Gesellschaft einbringt. Auch hier ist Alexander von Humboldt ein Vorbild. Er war viel mehr als ein einsam forschender Gelehrter. Er war ein großer „Wissenschaftskommunikator“. Mit seinen berühmten „Kosmos-Vorlesungen“ in der Berliner Singakademie (das heutige Maxim Gorki-Theater) hat er ein leuchtendes Beispiel gesetzt. Er sprach nicht nur im kleinen Gelehrtenzirkel unter Seinesgleichen, sondern auch vor hunderten, gebannt zuhörenden Kaufleuten und Bürgern.

Genau das ist heute wichtiger denn je. Denn wenn Forschung den Menschen im Blick behalten will, dann muss sie mit ihm reden.

Sie sehen, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, meine Erwartungen an Sie sind hoch. Ich freue mich sehr, dass Sie Ihr Wirken und ihren Lebensmittelpunkt hierher verlagern und wünsche Ihnen hierfür alles erdenklich Gute. Herzlich willkommen in Deutschland!