Alle zwei Minuten stirbt ein Kind an Malaria

Die Weltgesundheitsorganisation ist alarmiert: Der weltweite Rückgang der Malaria stockt. Im Jahr 2017 erkrankten zwei Millionen Menschen mehr als im Vorjahr. Der Kampf gegen die tödliche Tropenerkrankung müsse intensiviert werden, mahnt die WHO.

Über 90 Prozent der malariabedingten Todesfälle sind in der Subsahara-Region Afrikas zu verzeichnen. © Thinkstock | Sopon Phikanesuan

Nachdem die Zahl der Malariaerkrankungen seit Anfang des Jahrzehnts stetig zurückgegangen war, ist es in den letzten Jahren – vor allem in Afrika – wieder zu einem Anstieg gekommen. Im Jahr 2017 sind weltweit schätzungsweise 219 Millionen Menschen an Malaria erkrankt. Das sind zwar 20 Millionen weniger als im Jahr 2010, aber 2 Millionen mehr als im Jahr 2016. Seit einigen Jahren sind die Todesfälle nur noch leicht rückläufig: Im Jahr 2017 starben schätzungsweise 435.000 Menschen an Malaria, im Jahr davor waren es noch 451.000 Todesfälle. Über 90% der malariabedingten Todesfälle sind in der Subsahara-Region Afrikas zu verzeichnen. Kinder unter fünf Jahren sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt – alle zwei Minuten stirbt ein Kind an Malaria.

Vielversprechender Impfstoff mildert die Schwere der Erkrankung

Die Gründe für die Stagnation der Bekämpfungserfolge sind vielfältig. Maßnahmen, den Überträger der Krankheit zu reduzieren (Vektorkontrollprogramme) und imprägnierte Bettnetze können Malaria eindämmen. Sie zeigen jedoch in Afrika oft nicht die gewünschte Wirkung. Eine Impfung wird daher dringend benötigt. Da sich der Erreger dem Immunsystem weitgehend entzieht, müssen gegen die Malaria völlig neue Wege der Immunisierung beschritten werden. Ein erster Teilerfolg in der Impfstoffentwicklung gegen Malaria gelang der vom Bundesforschungsministerium geförderten Produktentwicklungspartnerschaft (PDP) „Malaria Vaccine Initiative“ (MVI) zusammen mit Industriepartnern. Der bislang vielversprechendste Impfstoff scheint zwar Neuerkrankungen bei Kindern nicht dauerhaft verhindern, dafür aber die Schwere der Erkrankung abmildern zu können. Abschließende Studien werden dazu derzeit durchgeführt.

Vielversprechend sind auch die Ergebnisse von Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Mit Hilfe des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) fanden sie einen Weg, um einen hochgradig wirksamen Immunschutz gegen die Malaria aufzubauen. Hierfür werden lebende Malariaerreger aus den Stechmücken isoliert und anschließend bestrahlt, bevor sie als Lebendimpfstoff Personen verabreicht werden. Dieses innovative Impfkonzept sorgt dafür, dass die Parasiten sich im Menschen zwar nicht mehr vermehren, aber noch vom Immunsystem erkannt und bekämpft werden können. Aktuell arbeiten die Tübinger DZIF-Forschenden an der Optimierung der Dosis und einer Verkürzung des Impfschemas, um die Anwendung einfacher zu gestalten. Nach einer erfolgreichen klinischen Studie in Tübingen prüfen die Forschenden den Impfstoff nun auch im afrikanischen Gabun an Kindern. Die ersten Ergebnisse der Folgestudie sind vielversprechend und lassen auf eine baldige sogenannte „Phase 3-Studie“ zur finalen Entwicklung und Zulassung des Impfstoffes hoffen.

Resistenzen werden zur Bedrohung

Eine andere vom Bundesforschungsministerium geförderte PDP, „Medicines for Malaria Venture“ (MMV)  widmet sich der Medikamentenentwicklung, insbesondere der Erforschung von alternativen Medikamenten zu der artemisininbasierten Kombinationstherapie. Noch ist damit eine effektive Behandlung der Malaria in Afrika möglich; doch die Bedrohung durch Artemisinin-Resistenzen, die sich in den letzten Jahren im Mekong-Delta in Südostasien ausgebreitet haben, nähert sich auch Afrika.

Auch das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) testet mit BMBF-Förderung neue Malaria-Kombinationstherapien. „Wenn bei jungen Kindern, die im Gegensatz zu Jugendlichen und Erwachsenen noch keine Immunität gegen die Malariaparasiten aufbauen konnten, die vorhandenen Therapiemöglichkeiten nicht greifen, endet eine schwere Malariainfektion oft tödlich“, erklärt Jürgen May, Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie am BNITM. „Wir müssen dringend Kombinationstherapien mit drei oder mehr Partnersubstanzen austesten, um beim Auftreten von Resistenzen – ähnlich wie bei HIV und Tuberkulose – alternative Behandlungsmöglichkeiten mit Artemisininen einsetzen zu können“, ergänzt Michael Ramharter, Leiter der Abteilung Klinische Forschung am BNITM. Mit den Studien möchten die Gruppen um May und Ramharter in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen in Ghana, Gabun und weiteren Partnern in fünf afrikanischen Ländern eine neue Kombinationstherapie erproben und künftig afrikanischen Kindern zugänglich machen.