Allianz für Aus- und Weiterbildung zieht positive Bilanz und beschließt zentrale Arbeitsschwerpunkte für eine starke berufliche Bildung

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles nach dem Spitzentreffen der Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung haben bei ihrem diesjährigen Spitzentreffen nach 18-monatiger Allianz-Laufzeit eine positive Bilanz gezogen. Mit Blick auf die nächsten Jahre haben sie sich zudem auf zehn zentrale Arbeitsschwerpunkte für eine starke berufliche Bildung verständigt.

Ziel ist es, für einheimische wie geflüchtete Menschen:

  • ein hohes Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen sicherzustellen,
  • den Ausbildungspfad mit seinen unterstützenden Instrumenten weiter zu stärken,
  • die Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt anzugehen,
  • die Qualität der dualen Ausbildung weiter zu stärken,
  • die Attraktivität der beruflichen Bildung auch mit Blick auf leistungsstarke Jugendliche zu erhöhen,
  • Qualifikationen besser sichtbar zu machen und die Datenlage mit Blick auf Flüchtlinge zu verbessern,
  • die Nachqualifizierung auszubauen,
  • Berufsschulen auch als Ort der Sprachvermittlung zu unterstützen,
  • die duale Ausbildung in die digitale Zukunft zu führen und
  • den Erfahrungsaustausch zu stärken sowie für duale Ausbildung zu werben.

Die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung erklärten: "Unser gemeinsames Ziel, die duale Ausbildung und die berufliche Weiterbildung zu stärken, haben wir in den zurückliegenden Monaten mit Nachdruck verfolgt. Wir haben mit konkreten Maßnahmen dazu beigetragen, dass sich die Beschäftigungschancen junger Menschen verbessern und damit gemeinsam auch einen Beitrag zur Fachkräftesicherung geleistet. Die Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt wollen wir auch in Zukunft gemeinsam angehen – sowohl mit Blick auf einheimische wie auch geflüchtete junge Menschen. Deshalb haben wir uns heute auf zehn künftige Arbeitsschwerpunkte für eine starke berufliche Bildung verständigt."

In ihrer Bewertung der aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt ziehen die Spitzenvertreter der Allianz ein insgesamt positives Resümee. So hat sich zum Beispiel die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge erstmals seit 2011 wieder stabilisiert. Die Spitzenvertreter verweisen aber auch auf weiterhin bestehende Herausforderungen: So haben im Jahr 2015 rund 20.700 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz gefunden und rund 60.100 Jugendliche mündeten in alternative Maßnahmen ein, suchten aber weiterhin einen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig stieg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze auf 41.000. Das betriebliche Angebot und die Nachfrage der Jugendlichen zusammenzuführen - insbesondere regional und branchenspezifisch - bleibt daher eine wesentliche Aufgabe. Diese Herausforderungen wollen die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung gemeinsam angehen.

Mit der im Dezember 2014 geschlossenen Allianz für Aus- und Weiterbildung engagieren sich Bund, Bundesagentur für Arbeit, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften für ein qualitativ hochwertiges duales Ausbildungssystem, das leistungsstarke Jugendliche, junge Menschen mit schlechteren Startchancen, Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie Menschen mit Behinderung gleichermaßen in betriebliche Ausbildung integriert. Den ausbildungsinteressierten jungen Menschen soll dazu ein "Pfad" aufgezeigt werden, der sie frühestmöglich zum Berufsabschluss führen kann. Vorrang hat dabei die Ausbildung im Betrieb.

Mit ihrer Erklärung "Gemeinsam für Perspektiven von Flüchtlingen" vom September 2015 haben die Allianz-Partner zudem frühzeitig auf die Zuwanderung schutzsuchender, vor allem junger Menschen nach Deutschland reagiert. Sie haben gemeinsam konkrete Maßnahmen in Berufsvorbereitung und Ausbildung vereinbart, um geflüchtete Menschen zu unterstützen. Auch mit dem geplanten Integrationsgesetz werden zentrale Anliegen der Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung auf den Weg gebracht: Künftig werden Asylbewerber und Geduldete und deren Ausbildungsbetriebe die Sicherheit haben, dass Auszubildende während und im unmittelbaren Anschluss an eine erfolgreich absolvierte Ausbildung bei einem nachfolgenden Beschäftigungsverhältnis in Deutschland bleiben dürfen (so genannte 3+2-Regelung). Hierfür wird es keine Altersgrenze mehr geben, bis zu der eine qualifizierte Ausbildung aufgenommen worden sein muss.

Seit der Gründung der Allianz haben die Partner zentrale Maßnahmen zur Stärkung der dualen Ausbildung auf den Weg gebracht:

  • einen deutlichen Ausbau des bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplatzangebotes,
  • ein gemeinsames Konzept zur Vermittlung und Nachvermittlung von jungen Menschen in Ausbildung,
  • das neue Förderinstrument der Assistierten Ausbildung zur Unterstützung von jungen Menschen mit schlechten Startchancen und Betrieben bei der Ausbildung und
  • verbesserte Zugangsmöglichkeiten zu ausbildungsbegleitenden Hilfen.

Darüber hinaus haben sich Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit auf gemeinsame Konzepte für die Berufsorientierung – auch an Gymnasien – verständigt sowie Maßnahmen für einen besseren Übergang von der Schule in Ausbildung initiiert und ausgebaut.

Um Jugendliche jetzt – kurz vor den Sommerferien – zur  Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz und Betriebe zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen zu motivieren, appellieren die Partner der Allianz an alle Betriebe und junge ausbildungsinteressierte Menschen, nicht ohne gesicherten Ausbildungsvertrag in die Ferien zu gehen.

Weitere Informationen zu der heute verabschiedeten neuen Allianz-Erklärung "Gemeinsam die Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt angehen – Zehn Arbeitsschwerpunkte für eine starke berufliche Bildung" sowie zu der Bilanz der Allianz-Maßnahmen sind als pdf-Datei unter http://www.aus-und-weiterbildungsallianz.de abrufbar.