Amerikanische Reisetagebücher Alexander von Humboldts

Das Bundesforschungsministerium hilft mit, die Südamerika-Tagebücher des großen Universalgelehrten inhaltlich und materiell zu erschließen - samt der benutzten Schreibwerkzeuge, Tinten und Papierarten. Es könnte ein neues Humboldt-Bild entstehen.

Alexander von Humboldt
Alexander von Humboldt © Hans-Joachim Rickel

Mit einem feierlichen Festakt sind die Südamerika-Tagebücher Alexander von Humboldts im Allgemeinen Lesesaal der Staatsbibliothek Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird mit drei Millionen Euro ein Forschungsprojekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und der Universität Potsdam fördern, um die Tagebücher inhaltlich und materiell zu erschließen – samt der benutzten Schreibwerkzeuge, Tinten und Papierarten. Damit sollen sie in den Kontext der Kultur, Politik, Gesellschaft und vor allem der Forschung des 19. Jahrhunderts gestellt werden.

Als "Glücksfall für die Wissenschaft" bezeichnete Bundesbildungsministerin Johanna Wanka Erwerb Südamerika-Tagebücher. "Alexander Humboldt war einer letzten Universalgelehrten, in der Suche Erkenntnis nach dem großen Ganzen gefragt haben. Der Reiz des Forschungsprojekts liegt darin, dass wir über traditionellen Grenzen einzelner wissenschaftlicher Fächer hinweg Zusammenhänge herstellen wollen. Bei den Reisetagebüchern handelt es sich daher nicht nur um ein wertvolles Kulturgut – sie sind für die Wissenschaft von höchstem Interesse", sagte Wanka.

Das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt "Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher: Genealogie, Chronologie, Epistemologie" verfolgt einen integrativen Forschungsansatz über verschiedene Disziplinen hinweg, der tiefe Einblicke in das Wissensmodell Humboldt’scher Prägung erlauben wird. Humboldts Südamerika-Reise war die erste Reise überhaupt, die rein wissenschaftlichen Zwecken diente. Zudem bilden Humboldts Reiseberichte mit ihren zahlreichen Einzelnotizen, Exzerpten, Tabellen, Skizzen, ersten Theorieversuchen und Zeichnungen die Grundlage seines wissenschaftlichen Werks. Anhand der Originalquellen wird nun ein präzises Erforschen der Amerikanischen Tagebücher möglich.

Von dem jetzt anlaufenden Forschungsprojekt erwartet das international besetzte Forschungsteam einen neuen Schub in der Humboldt-Forschung. Es könnte ein ganz neues Humboldt-Bild entstehen und auch eine neue Sicht darauf, wie sich die moderne Wissenschaft entwickelt hat.

Das Vorhaben zur Erforschung der Humboldt’schen Reisetagebücher ist Teil der Strategie des BMBF, die einzigartigen Bestände der Museen, Bibliotheken, Archive und Sammlungen in Deutschland besser zu erschließen, zu erforschen und im öffentlichen Bewusstsein präsent zu halten. Das Vorhaben wird im Schwerpunkt "Sprache der Objekte" des BMBF- Rahmenprogramms der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften gefördert.