Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

Das Anerkennungsgesetz des Bundes gibt Fachkräften aus dem Ausland das Recht, dass ihr Berufsabschluss auf Gleichwertigkeit mit dem deutschen Referenzberuf überprüft wird. Die Erfahrungen nach drei Jahren zeigen, dass das Gesetz ein Erfolg ist.

Viele Unternehmen, Handwerksbetriebe, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Die Bundesregierung hat deshalb das sog. Anerkennungsgesetz ("Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen") als neues Instrument zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland geschaffen.

Zuvor hatten nur wenige zuwandernde Fachkräfte die Möglichkeit, ihre beruflichen Qualifikationen bewerten zu lassen. Das Gesetz ändert dies und schafft für alle bundesrechtlich geregelten Berufe möglichst einheitliche und transparente Verfahren. So kann die Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses mit dem deutschen Abschluss ermittelt werden. Dies ist in vielen Berufen Voraussetzung dafür, in diesem Beruf zu arbeiten oder sich selbständig zu machen. Das gilt vor allem für die reglementierten Berufe, so im zulassungspflichtigen Handwerk, für Ärzte, Krankenpfleger oder Apotheker. Das Gesetz verbessert damit die Chancen für Menschen, die ihre beruflichen Qualifikationen im Ausland erworben haben, in Deutschland in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten und ermöglicht so eine bessere Arbeitsmarktintegration.

Das Anerkennungsgesetz umfasst zum einen das Bundesgesetz „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz“ (BQFG) im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), und zum anderen Regelungen zur Anerkennung von Berufsqualifikationen in rund 60 bundesrechtlichen Berufsgesetzen und Verordnungen für die reglementierten Berufe, so die Gesundheitsberufe (Bundesärzteordnung, Krankenpflegegesetz) und die Handwerksmeister (Handwerksordnung).

Auch die Länder haben für die Berufe in ihrer Zuständigkeit (zum Beispiel Lehrer, Ingenieure, Architekten, soziale Berufe) eigene Gesetze erlassen. Seit dem 1. Juli 2014 sind alle Landes-Anerkennungsgesetze in Kraft getreten. Um Fachkräften mit ausländischen Qualifikationen in Deutschland möglichst einheitliche Verfahren zu bieten, wird es aber auch weiterhin Ziel sein, die Anerkennungsverfahren in allen Berufen auch für Drittstaatsqualifikationen zu öffnen - dies gilt insbesondere für Mangelberufe, wie zum Beispiel Lehrer und Ingenieure.

Erfolgsgeschichten

Anerkennung als Tischler

Fares Schammas © BIBB

2001 musste Fares Schammas Syrien verlassen und beantragte Asyl in Deutschland, wo bereits einer seiner Brüder lebte. Er hatte auch einen professionellen Anreiz: „Deutschland ist weltweit berühmt für sein Handwerk.“ Im Februar 2015 erhielt Fares Schammas die volle Anerkennung als Tischler. „Jetzt habe ich eine offizielle deutsche Bescheinigung, dass ich das kann, was auch ein deutscher Tischler kann.“

Anerkennung als Industriemechaniker

Gaspare Marulli © BIBB

Seit Januar 2012 lebt der Italiener Gaspare Marulli in Deutschland. Weil seine langjährige Berufserfahrung im Anerkennungsverfahren berücksichtigt wurde, bekam er ohne Umwege die volle Anerkennung als Industriemechaniker.

Anerkennung als Elektroanlagenmonteur

Dmitry Gladchenko
Dmitry Gladchenko © Portal „Anerkennung in Deutschland“/ BIBB

Dmitry Gladchenko kam 2011 aus Kasachstan nach Deutschland. Frustriert von einem Gelegenheitsjob entschied er sich im Mai 2013 für das Anerkennungsverfahren. Heute arbeitet er in seinem Traumjob als Elektroanlagenmonteur.

Erfahrungen mit dem Gesetzesvollzug positiv

Die Erfahrungen mit dem Gesetzesvollzug belegen ein großes Interesse an den neuen Verfahren. Es wurde eine Vielzahl von Beratungen durchgeführt und tausende von Anträgen gestellt und die Mehrzahl davon mit einer vollen Gleichwertigkeit beendet.

Das große Interesse belegen auch die Zugriffszahlen auf das Online-Portal "Anerkennung in Deutschland". Rund die Hälfte der Nutzer informiert sich hier vom Ausland aus. Auch die Beratungsstellen und die Hotline des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge berichten von einem massiven Anstieg der Beratungszahlen. Nicht jede Beratung führt jedoch zwangsläufig zu einem Antrag; so kann vielen durch die Beratung mit anderen Maßnahmen, wie z.B. Qualifizierungen oder Umschulungen, geholfen werden.

Weitere Informationen und Beratungsangebote

Das Online-Portal „Anerkennung in Deutschland“ mit dem Online-Tool "Anerkennungs-Finder" zeigt den Weg zur richtigen Anerkennungsstelle und bietet auf Deutsch, Englisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Rumänisch, Spanisch und Türkisch alle wichtigen Informationen rund um die Anerkennungsverfahren.

Bei der „Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland“ werden Interessierte aus dem In- und Ausland in Deutsch und Englisch beraten. Sie erreichen die Hotline unter der Telefonnummer +49 (0)30-1815-1111 von Montag bis Freitag 9 bis 15 Uhr MEZ.

Die IQ-Anlaufstellen bieten in allen Bundesländern auf regionaler Ebene Erstberatung für Anerkennungssuchende an. Der Bund fördert diese Beratung im Rahmen des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung – IQ“, das gemeinsam von den Bundesministerien für Bildung und Forschung und für Arbeit und Soziales sowie der Bundesagentur für Arbeit getragen wird.