Ankunft der MS Wissenschaft in Bonn im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane

Pressestatement von Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, am 03. September 2016 in Bonn

Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, bei seinem Besuch der MS Wissenschaft. © Gabriela Mootz / Wissenschaft im Dialog

Sehr geehrte Frau Langholf,
sehr geehrte Frau Dzwonnek,
sehr geehrter Herr Sridharan,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich freue mich sehr, dass ich wieder auf der MS Wissenschaft sein kann. Das Schiff feiert hier in Bonn ein einzigartiges Jubiläum: seit es durch Deutschland tourt, hat es in jedem Jahr Bonn besucht – dieses Jahr zum 15. Mal! Durchschnittlich haben jeden Ausstellungstag 880 Bonner oder Gäste Bonns das Schiff hier besucht (seit 2002 also über 53.000 Personen). Eine beeindruckende Zahl, die uns bestätigt, dass Wissenschaft in dieser Stadt immer wieder auf fruchtbaren Boden fällt.

Für die Ausstellung an Bord haben Meeresforschungsinstitute aus ganz Deutschland Exponate entwickelt und gebaut, anhand derer sie ihre Experimente der Öffentlichkeit zeigen. Über die DFG ist die Bonner Wissenschaft an 9 Exponaten dieses Jahr beteiligt.

Herzlichen Dank an die unermüdlichen Lotsen, die den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite stehen und alle Fragen engagiert und kompetent beantworten!

Seit seinem Start am 3. Mai in Kiel hat das Schiff schon über 80.000 Besucher begeistert und in die Tiefen der Meeresforschung eintauchen lassen. Es hat auch den Auftakt unseres „Wissenschaftsjahres 2016*17 – Meere und Ozeane“ in Berlin am 7. Juni erlebt. Bis Ende September 2017 wird das Wissenschaftsjahr des BMBF unter dem Motto „Entdecken. Nutzen. Schützen“ groß und klein, jung und alt diese magische Wasserwelt näher bringen. Das Wissenschaftsjahr soll

  • neugierig machen, was es an Wissen rund ums Meer zu entdecken gibt;
  • zeigen, wie vielfältig der Mensch Meere und Ozeane nutzt und von ihnen abhängig ist;
  • und dazu anregen, dieses Ökosystem zu schützen.

Denn was wissen wir wirklich über das Meer? Die Ozeane gehören immer noch zu den Regionen der Welt, die wir am wenigsten kennen: 80% der Lebewesen befinden sich in den Weltmeeren. Aber wir kennen nicht alle. Wie hängen sie untereinander zusammen? Welche Konsequenzen haben Biodiversitätsverlust oder Ozeanversauerung? Unser Wetter hier wird durch Vorgänge auf dem Atlantik bestimmt. Aber wie genau funktioniert die Klimamaschine Ozean unter veränderten Bedingungen, z.B. wärmerem Wasser? Zu viel Plastikmüll wird täglich in die Meere und Ozeane gespült. Aber welchen Einfluss hat das auf die menschliche Gesundheit?

Gigantisch, geheimnisvoll und in großen Teilen unerforscht: das sind Meere und Ozeane. Sie sind Sehnsuchtsort, Handelsroute, Sauerstoffproduzent, Klimamaschine, Nahrungs- und Energiequelle. Einen Teil unserer Forschungsergebnisse zu all diesen Facetten, aber auch die vielen noch offenen Fragen, bringen die MS Wissenschaft und das Wissenschaftsjahr in diesem und im nächsten Jahr zu den Menschen.

In diesem Rahmen fördert das BMBF auch Schreibwettbewerbe, Fotoausstellungen, Schülerlabore oder Diskussionsabende. Gewinnbringend ist dabei insbesondere die Zusammenarbeit der Forschungseinrichtungen mit Organisationen der Zivilgesellschaft wie Museen, Schulen und Vereinen.

Meine Damen und Herren,

lange Zeit dachte man, das Meer sei unerschöpflich. Die Ergebnisse aus unserer Forschung sprechen heute eine andere Sprache: Das Meer, wie wir es kennen, ist massiv bedroht. Unsere Meere und Ozeane sind – plakativ gesprochen - zu hoch, zu warm, zu sauer, überfischt und verdreckt.

Wir müssen jetzt eine Trendwende in Richtung eines nachhaltigen Umgangs mit den Meeren einleiten. Zu lange haben wir zum Beispiel vergessen, dass die Luft zum Atmen überwiegend aus dem Meer kommt.

Aktionen wie die MS Wissenschaft und das Wissenschaftsjahr tragen Wissen zu den Menschen und begeistern dafür, selbst aktiv zu werden. Es geht darum, zu zeigen, was jeder und jede Einzelne tun kann.

Lassen Sie mich Beispiele nennen:

Am 16. September startet im Wissenschaftsjahr die Aktion „Plastikpiraten“ für Jugendliche von 10 bis 16 Jahren. Sie können in Schulklassen, Vereinen oder Jugendgruppen gemeinsam Plastik in und an deutschen Flüssen untersuchen und wissenschaftlich auswerten lassen. Die Ergebnisse werden uns neue Erkenntnisse über die Verteilung von Plastik, seine Eintragswege und seine Auswirkungen auf das Ökosystem liefern. Einerseits erfahren die jungen Menschen so, Teil eines Forscherteams zu sein, andererseits lernen sie etwas über die Zusammenhänge zwischen Flüssen und Meeren, zwischen ihrem Tun und den Konsequenzen – z.B. bei achtlos weggeworfenem Plastik.

Für noch jüngere Forscher hatte das Wissenschaftsjahr schon in den vergangen Monaten etwas zu bieten: die Forscher-Kits, die während der Sommerferien von Partnern des Wissenschaftsjahres überall an der deutschen Küste verteilt wurden. Mit Kescher, Becherlupe und Anleitung konnten Kinder ihre Urlaubsumgebung ganz neu entdecken und lernen, dass auch Kleinstlebewesen im Ökosystem wichtige Funktionen haben. Die letzten der 15.000 „Küstenlabore“ werden am Tag der offenen Tür des BMBF in Berlin am 27. und 28. August ihre neuen Besitzer finden.

Es freut mich ebenso, dass auch alle Schüler-Workshops auf der MS Wissenschaft schnell ausgebucht waren. Der nachhaltige Umgang mit den Meeren und Ozeanen ist Zukunftsvorsorge – besonders die junge Generation soll das erfahren.

Meeresforschung ist derzeit allgegenwärtig, auch in der internationalen Politik. Dazu hat Deutschland seit dem G7-Gipfel 2015 intensiv beigetragen. Auch 2017 in Italien wird die nachhaltige Nutzung der Meere und Ozeane wieder auf der Tagesordnung des G7-Treffens stehen.

Das BMBF wird dies weiter bestärken und kontinuierlich investieren, denn wissenschaftliche Erkenntnisse sind die Grundlage, richtige Entscheidungen zu treffen - sowohl für den Einzelnen als auch in der Politik.

Unter dem Dach der Gemeinsamen Programm-Initiative „Gesunde und produktive Meere und Ozeane“ (JPI Oceans) hat das BMBF eine internationale Pilot-Aktion zu „Mikroplastik in marinen Systemen“ mit neun weiteren europäischen Ländern ins Leben gerufen. Das Fördervolumen beträgt 7,5 Millionen Euro. Das BMBF beteiligt sich mit mehr als 2 Millionen Euro. Die geförderten Forschungsverbünde werden unter anderem gemeinsame Standards zur Messmethodik von Mikroplastik entwickeln und toxikologische Auswirkungen untersuchen.

Mit der Ausschreibung zu „Plastik in der Umwelt“ fördert das BMBF national Projekte um die Produktionsketten, das Recycling und die Entsorgung von Plastik nachvollziehen zu können. Auch die Auswirkungen auf Ökologie und Gesundheit und wie das Konsumverhalten ist soll untersucht werden.. Das BMBF will dafür in den kommenden drei Jahren 28 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Plastikmüll, Klimawandel, Überfischung und weitere Bedrohungen unserer Meere und Ozeane sind auch im Fokus des neuen Fachprogrammes „Küsten-, Meeres- und Polarforschung für Nachhaltigkeit - MARE:N“. Es wurde im Juni veröffentlicht, als erstes gemeinsames Meeresforschungsprogramm der Bundesregierung seit zwei Jahrzehnten. Entstanden ist es in Zusammenarbeit mit den Bundesministerien für Wirtschaft, für Landwirtschaft, für Verkehr und für Umwelt.

In den nächsten zehn Jahren wollen wir über 450 Millionen Euro in der Projektförderung bereitstellen. Mit MARE:N, der Förderung von Forschungszentren und der Erneuerung der deutschen Forschungsflotte werden wir damit in den nächsten zehn Jahren über vier Milliarden Euro in diesem Bereich investieren.

Das Wissenschaftsjahr soll wichtige Impulse geben. Meeresschutz geht uns alle an und beginnt  an Land.

Danke, dass die MS Wissenschaft diese Botschaft über unsere Flüsse ins Binnenland trägt!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.