Antibiotikaresistenzen

Wenn Bakterien gegen die gängigen Antibiotika resistent werden, sind Krankheitsverläufe deutlich schwerer und eine große Gefahr für den Patienten. Antibiotikaresistenzen sind deshalb immer wieder ein wichtiges Thema internationaler Verhandlungen.

Antibiotikum ist nicht immer die beste Medizin: Wenn wir krank sind, hilft oft schon Ruhe und Wärme. © Thinkstock

Weltweit sind Infektionskrankheiten zusammen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache. Sie werden durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten, verursacht. Immer wieder zeigen Epidemien, wie beispielsweise Ebola, welche Gefahr diese Erreger bergen.

Seit der Entdeckung des Penicillins weiß man um die Wirkung von Antibiotika: Sie hemmen das Wachstum von Bakterien oder töten sie sogar ab. Das Problem: Die Bakterien können sich gegen Antibiotika wehren. Sie können resistent werden. Besonders gefährlich sind die sogenannten multiresistenten Keime. Ihnen können die bekannten Antibiotika kaum etwas anhaben. Die Folge sind längere und deutlich schwerere Krankheitsverläufe, die tödlich sein können.

Nur gemeinsam zum Ziel

Die Weltgemeinschaft hat die Gefahr, die von multiresistenten Keimen ausgeht, erkannt. Es gilt nun, dieser globalen Bedrohung gemeinsam und entschlossen gegenüberzutreten. Denn nur vereint können die Länder die Gefahr eindämmen. Deshalb waren antimikrobielle Resistenzen ein Schwerpunktthema der deutschen G7-Präsidentschaft.

Was können wir tun, um multiresistente Keime zu bekämpfen oder zu verhindern? Die Forschung bietet hierbei wichtige Ansätze: Es müssen neue, wirksame Antibiotika entwickelt werden, gegen die vor allem die multiresistenten Bakterien wehrlos sind. Gleichzeitig gilt es zu verstehen, wie sich Resistenzen bilden und unter den Bakterien ausbreiten können. Nur so können wir wirksame Strategien entwickeln, die der steigenden Resistenzbildung entgegenwirken.

Forschung kann helfen

Das Bundesforschungsministerium hat gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundeslandwirtschaftsministerium sowie zahlreichen Verbänden bereits 2008 die Deutsche Antibiotikaresistenzstrategie (DART) erarbeitet. Zentrale Ziele von DART sind dabei, das Auftreten und die Ausbreitung von multiresistenten Keimen zu verhindern und Krankenhausinfektionen besser vorzubeugen. Der verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier steht dabei vor allem im Mittelpunkt.

Das Bundesforschungsministerium trägt in verschiedenen Förderschwerpunkten mit unterschiedlichen Forschungsvorhaben zu DART bei:

InfectControl 2020 ist ein hochinnovativer Forschungsverbund aus Forschungsinstituten und Wirtschaftsunternehmen. Er entwickelt grundlegend neue Strategien zur frühzeitigen Erkennung, Eindämmung und erfolgreichen Bekämpfung von Infektionskrankheiten und resistenten Erregern.

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) verbindet deutschlandweit herausragende Köpfe der Infektionsforschung Die Themen „Krankenhauskeime und Antibiotika-resistente Bakterien“ und „Neuartige Antiinfektiva“ haben konkret die Erforschung von Antibiotikaresistenzen und die Kontrolle ihrer Ausbreitung sowie die Entwicklung neuartiger Präventions- und Therapiemaßnahmen zum Ziel.

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) in Jena, beschäftigt sich mit Sepsis und Sepsisfolgen, einer Krankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Ein anderes Beispiel ist die Forschergruppe für Klinische Infektiologie am Universitätsklinikum Jena, die Forschungsprojekte zu resistenten Erregern durchführt.

Die Gesundheitsregion der Zukunft Ostseeküste (HICARE) versteht sich als Modellregion für Deutschland, um die Ausbreitung multiresistenter Erreger einzudämmen. Sie ist ein Aktionsbündnis mehrerer wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Partner gegen multiresistente Bakterien.

Übertragung zwischen Mensch und Tier

Auch in der Tierhaltung werden Antibiotika eingesetzt und auch hier gibt es multiresistente Keime. Bakterien können direkt über den Kontakt mit Tieren oder über tierische Lebensmittel vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragen werden. Mit der Übertragung der resistenten Bakterien zwischen Menschen und Tieren beschäftigen sich zwei vom Bundesforschungsministerium geförderte Forschungsverbünde, in denen Human- und Tiermediziner/innen zusammenarbeiten.